< Bibelanfrage zu Matthäus

Fragen, die sowohl Matthäus als auch anderen Evangelien gemeinsam sind, werden im Abschnitt „Matthäus“ behandelt oder sind im Abschnitt „Evangelien“ zu finden.

F: Was sind einige der charakteristischen Merkmale dieses Evangeliums im Matthäusevangelium?

A: Matthäus betont Christus als den verheißenen König, der das Reich Gottes einleitet und die Erfüllung des Gesetzes ist. Christus ist die erfüllte Hoffnung. Von allen Evangelisten zeigt Matthäus am deutlichsten, wie sich die alttestamentlichen Prophezeiungen in Christus erfüllen. Etwa ein Drittel des Matthäusevangeliums besteht aus Predigten, und das Evangelium scheint um fünf große Reden herum gegliedert zu sein.

Was die Sprache betrifft, so sagte Papias, ein Schüler des Apostels Johannes, dass das Matthäusevangelium ursprünglich auf Hebräisch/Aramäisch verfasst wurde. Jesus ist das „Urbild“ Israels, und manche sehen in Matthäus den Einsatz midraschischer Techniken, die den Juden jener Zeit vertraut waren.

Was falsche Religionen betrifft, so eignet sich Matthäus 20,1–16 gut, um Mormonen und Zeugen Jehovas das Thema Gnade zu erläutern. Matthäus 18,21–35 eignet sich ebenfalls gut, um Mormonen zu verdeutlichen, dass wir Jesus seine Gnade mit unseren guten Werken niemals auch nur ansatzweise zurückzahlen können.

F: Wie wurden in Matthäus einige der in diesem Buch erwähnten Prophezeiungen über Christus dargestellt?

A: Bevor wir die Frage beantworten, lassen Sie uns zunächst einige der betreffenden Prophezeiungen aufzählen.

1. Gott ruft die Kinder Israels aus Ägypten heraus (Hosea 11,1; Matthäus 2,15)

2. Rahel weint um ihre Kinder in Rama (Jeremia 31,15; Matthäus 2,18)

3. Die Prophezeiung über Sebulon und Naftali (Jesaja 9,1–2; Matthäus 4,15–16)

4. Die Zahlung von 30 Silberstücken an Sacharja und deren Übergabe an den Töpfer (Sacharja 11,12–13; Jeremia 32,6–9; Matthäus 27,9–10)

Die Antwort: Das Matthäusevangelium richtete sich mehr als die anderen Evangelien an ein jüdisches Publikum, das mit dem Alten Testament und mit midraschischen Methoden vertraut war. Der frühchristliche Schriftsteller Papias schrieb, dass das Matthäusevangelium ursprünglich auf Hebräisch und nicht auf Griechisch verfasst worden sei. Wenn Matthäus auf die Kinder verweist, die aus Ägypten kommen, auf Rahel, die um ihre Kinder weint, usw., tut er dies bewusst. Er zeigt, wie das Leben des Messias Israels Parallelen zum Leben der Kinder Israels aufweist. Wir neigen vielleicht dazu, Prophezeiungen lediglich als vereinzelte, vorhergesagte Einzelheiten zu betrachten, die sich erfüllen, doch das ist eine zu eingeschränkte Sichtweise. Matthäus zeigt, dass das Leben der Kinder Israels im Allgemeinen eine Prophezeiung über Jesus war.

Weitere Informationen finden Sie in „Hard Sayings of the Bible“, S. 344–345, und in „Bible Difficulties and Seeming Contradictions“, S. 168.

F: Im Matthäusevangelium wird – im Gegensatz zu den anderen Evangelien – [angeblich] stets versucht, Jesus als einen fast „eisigen“ Herrn darzustellen, der seine Gefühle oft verbirgt, während die übrigen Evangelien Jesus als den Menschen mit all seinen Gefühlen, Reaktionen und – scheinbar – Schwächen schildern. Warum?

A: Die Prämisse dieser Frage ist fehlerhaft. Jesus ist nicht „eisig“ und verbirgt seine Gefühle auch nicht, als er in Matthäus 23,37–38 über Jerusalem klagte. Das ist keineswegs „eisig“. Ich sehe in keinem der Evangelien irgendwelche „Schwächen“ Jesu. Jesus hatte Hunger, er weinte, er empfand, und Jesus litt Qualen am Kreuz. Das waren jedoch keine Schwächen, sondern Ausdruck seiner Menschlichkeit.

F: Was war in Mt 1,1–17 der Sinn der Abstammungslinie Josefs bis zurück zu David, da Maria bei der Geburt Jesu noch Jungfrau war?

A: Die Rückführung auf David war wichtig, um das Recht Jesu, König über Israel zu sein, zu begründen. Joseph war zwar nicht der leibliche Vater Jesu, aber in jeder Hinsicht der rechtmäßige Vater Jesu. Somit erfüllten sich die Verheißungen an David sowohl im Sinne einer rechtmäßigen Vater-Sohn-Beziehung als auch im leiblichen Sinne durch Marias Abstammung, wie sie im Lukasevangelium beschrieben wird. Asimovs „Guide to the Bible“, S. 780, greift dieses Thema auf. Weitere Informationen finden Sie im „Bible Knowledge Commentary: New Testament“, S. 18, sowie im „Believer’s Bible Commentary“, S. 1203–1204.

F: Warum gibt es in Mt 1,2–17 27 Generationen von David bis zu Jesus, während Lk 1,3,23–31 42 Generationen angibt?

A: Auch wenn die Anzahl der Generationen im Stammbaum von Josef und im Stammbaum von Maria nicht unbedingt genau übereinstimmt, weist Matthäus zweifellos einige Lücken auf. Da „Sohn“ männliche Nachkommen bezeichnen kann, stellt dies hier kein Problem dar. Jekonja (Jojachin) regierte um 604 v. Chr., sodass es in etwa 400 Jahren 14 Generationen von David bis Jekonja gab, was 29 Jahren pro Generation entspricht. Von 604 v. Chr. bis 4 v. Chr. würde man 20½ Generationen erwarten, Matthäus nennt jedoch nur 13, was 46 Jahren pro Generation entspricht.

Möglicherweise nannte Matthäus nach dem Exil nicht mehr als 14 Generationen, weil er die anderen Namen nicht kannte und nur über das schrieb, was er wusste. Alternativ verwendete er drei Gruppen zu je vierzehn Namen als Eselsbrücke.

Der „Expositor’s Bible Commentary“, Band 8, Seite 69, weist auf den „Zufall“ hin, dass die Summe der Buchstaben des Namens Davids im hebräischen masoretischen Text (dwd) 4 + 6 + 4 = 14 ergibt.

F: Warum werden in Mt 1,3.5.6 vier Frauen erwähnt: Tamar, Rahab, Ruth und die Frau des Uria (Bathseba)?

A: Zunächst einmal war es in der Antike höchst ungewöhnlich, Frauen in eine über die männliche Linie geführte Genealogie aufzunehmen. Auch wenn wir den genauen Grund dafür – weder den von Matthäus noch den von Gott – kennen, lassen sich doch einige Aspekte feststellen.

Berühmt: Diese vier Frauen waren insofern „berühmt“, als sie allen Juden bekannt waren.

Fremde: Rahab und Ruth waren beide Fremde, die sich dem Volk Gottes angeschlossen hatten; dies unterstreicht, dass Jesus gemischter Abstammung war. Bathseba war Jüdin; sie war mit Uria, einem Hethiter, verheiratet.

Peinlich: Tamar gab sich als Prostituierte aus, um Juda zu verführen. Rahab war eine ehemalige Prostituierte. Bathseba und David begingen Ehebruch, und David beging Mord. Wenn Gott diese Menschen in der rechtlichen Abstammungslinie (Josefs) und – mit Ausnahme von Bathseba – in der biologischen Abstammungslinie (Marias) gebrauchen kann, dann kann Gott jeden gebrauchen, ganz gleich, wie schwer er versagt hat. Andererseits war Jakob ein Betrüger, und Manasse war ein durch und durch gottloser König, der später Buße tat.

Auffälliges Schweigen: Matthäus hätte nun drei angesehene Frauen erwähnen können: Sara, Rebekka und Rahel, doch er geht an ihnen vorbei und konzentriert sich stattdessen auf diese.

Weitere Informationen finden Sie im „Evangelical Commentary on the Bible“, S. 724, im „Expositor’s Greek New Testament“, Band 1, S. 63, im „Expositor’s Bible Commentary“, Band 8, S. 66, sowie im „Bible Knowledge Commentary: New Testament“, S. 18.

F: Da in Mt 1,5 Davids Großmutter die Moabiterin Ruth war – wie konnte David dann zur Gemeinde gehören, wo doch in Dtn 23,3 steht, dass ein Moabiter bis in die zehnte Generation hinein nicht in die Gemeinde eintreten darf?

A: Zunächst das, was wahrscheinlich nicht die Antwort ist, und dann die Antwort.

Wahrscheinlich nicht die Antwort: Selbst wenn Davids Zugehörigkeit zur Gemeinde gegen Deuteronomium 23,3 verstoßen hätte, berichtet die Bibel dennoch, dass David unter dem Volk war und mit ihm Gottesdienst feierte. Menschen konnten aus Unwissenheit Fehler begehen. So schloss Josua beispielsweise einen Vertrag mit den Gibeonitern, was gegen Gottes Gesetz verstieß. Nachdem dies geschehen war, wollte Gott jedoch, dass sie den Vertrag einhielten. Tatsächlich ließ Gott in seiner Vorsehung zu, dass sie diesen Fehler begingen, und bediente sich später der Gibeoniter.

Die Antwort: Man kann argumentieren, dass David hier nicht gegen 5. Mose 23,3 verstoßen hat.

1. Die Abstammung wurde väterlicherseits verfolgt, nicht mütterlicherseits. Daher ist es möglich (wenn auch nicht sicher), dass Deuteronomium 23,3 sich auf männliche Vorfahren beziehen sollte.

2. Ruth „wechselte das Volk“. Sie sagte zu Noomi: „Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott.“ Während Menschen heute ihre Staatsangehörigkeit wechseln können, sofern sowohl sie selbst als auch die Bevölkerung des neuen Landes damit einverstanden sind, war dies ein noch dramatischerer Schritt; Gott erlaubte ihr, wie Rahab, eine der Auserwählten Israels zu werden.

F: War Joram in Mt 1,8 der Vater von Usija oder war er der Ururgroßvater in 1 Chr 3,11–12?

A: Tatsächlich beides, wenn man richtig versteht, wie die Begriffe verwendet wurden. Die Juden verstanden unter „Vater“ auch einen Vorfahren (wie in Apg 7,19; 1 Kön 15,24; 22,50; 2 Kön 15,38), genauso wie „Sohn“ auch einen Nachkommen bedeutete.

König Joram war der Ururgroßvater von König Usija. Weitere Informationen finden Sie in „Biblische Schwierigkeiten und scheinbare Widersprüche“, S. 58, sowie in „Wenn Kritiker fragen“, S. 325.

F: Warum wird in Mt 1,9 Usija als Vater Jothams bezeichnet, während in 2 Kön 15,1–7 und 1 Chr 3,12 steht, dass Asarja der Vater Jothams war?

A: Usija war ein anderer Name für Asarja, wie aus 2. Könige 15,32.34 und 2. Chronik 26,1–23; 27,2; Jesaja 1,1; 6,1; 7,1 hervorgeht. Viele Könige hatten sowohl einen persönlichen Namen als auch einen königlichen Namen, den sie später annahmen. Doch sowohl für Könige als auch für Nichtkönige wäre dies nicht als ungewöhnlich angesehen worden, wie die folgenden Beispiele zeigen: Abram/Abraham, Sarai/Sara, Jakob/Israel, Ben-Oni/Benjamin, Zaphenath-Paneah/Josef, Hoshea/Josua, Gideon/Jerubbaal, Ammiel/Eliam, Bathseba/Bath-schua, Asarja/Usija, Abijam/Abija, Joa-Has, Sohn des Josia/Schallum, Eljakim/Jojakim, Jojachin/Jekonja/Konja, Zedekia/Mattanja, Hananja/Schadrak, Mischael/Meschach, Asarja/Abed-Nego, Daniel/Belteschazzar, Simon/Petrus, Josef/Barnabas und Saulus/Paulus.

Weitere Informationen finden Sie in „When Critics Ask“, S. 325–326, und in der „Encyclopedia of Bible Difficulties“, S. 316–317.

Frage: Warum geht aus dem Stammbaum in Mt 1,11.16 hervor, dass Jesus aus einer verfluchten Linie Jekonias/Jojachins stammt, wie es in Jer 22,28–30 und Jer 36,30 heißt? (Siehe auch 1 Chr 3,16). Jekonia (Jojachin) und sein Vater Jojakim wurden beide von Gott selbst verflucht, der sagte, dass keiner dieser Männer Nachkommen auf dem Thron Davids haben würde. Wie könnte Jesus möglicherweise der Messias sein, der dazu bestimmt ist, für immer auf dem Thron Davids zu regieren, wenn er von einem dieser beiden Männer abstammen würde?

A: Die Genealogie des Josef im Matthäusevangelium zeigt tatsächlich, dass Josef aus einer verfluchten Linie stammte. Dies wäre ein echtes Problem, wenn Josef der leibliche Vater wäre, da Jeremia prophezeite, dass Jojachin keine Nachkommen auf dem Thron haben würde. Die Genealogie Marias im Lukasevangelium zeigt jedoch, dass Jesus NICHT leiblich von Jekonja und Jojakim abstammte, da Marias Vorfahren von der königlichen Linie abgewichen waren. Rückblickend lässt sich feststellen, dass David und Salomo leicht unterschiedliche Verheißungen erhielten. Nur Josef stammte von Salomo ab, und sowohl Josef als auch Maria stammten von David ab.

Übrigens klingt „von dem“ in Matthäus 1,16 – zumindest im Englischen – so, als könnte es sich auf Maria, auf Josef oder auf beide beziehen. Im Griechischen ist „von dem“ jedoch ausdrücklich im weiblichen Singular verwendet, was bedeutet, dass Jesus ausschließlich von Maria abstammte.

Historisch gesehen ging Irenäus, Bischof von Lyon in Gallien, auf diesen Einwand gegen die Abstammungslinie Josefs in Matthäus ein, und zwar in seinem Werk „Gegen die Häresien“, Buch 3, Kap. 21.9, S. 453–454, verfasst zwischen 182 und 188 n. Chr.

Weitere Informationen finden Sie im „Bible Knowledge Commentary: New Testament“, S. 18, und im „Believer’s Bible Commentary“, S. 1204.

F: Handelte es sich in Mt 1,17 tatsächlich um 3 × 14 = 42 Generationen oder nur um 41 Generationen, wie ein Atheist (Capello) und der skeptische „Asimov’s Guide to the Bible“, S. 777–778, behaupten?

A: Es gibt drei Gruppen zu je 14 Namen, doch diese sind nicht additiv, da die erste Liste von Abraham bis einschließlich David reicht und die zweite Liste von David bis zum Exil reicht. Nun hätten wir vielleicht ein Problem, wenn Matthäus behauptet hätte, es gäbe 42 Generationen, doch Matthäus hat nie gesagt, dass die Summe 42 betrage. Matthäus erwähnte vermutlich beiläufig drei Gruppen zu je 14 Namen als Eselsbrücke. Man hat auch bemerkt, dass die Buchstaben im Namen „David“ zusammen die Zahl 14 ergeben.

Der erste uns bekannte christliche Schriftsteller, der diese drei „mystischen Intervalle“ erkannte, war Clemens von Alexandria (193–202 n. Chr.) in den „Stromata“, Buch 1, Kap. 21, S. 334

Weitere Informationen finden Sie in „When Critics Ask“, S. 326, und im „Expositor’s Bible Commentary“, Band 8, S. 69.

F: Warum wurden in Mt 1,17 so viele Namen ausgelassen?

A: Die Heilige Schrift gibt dazu keine Auskunft, doch viele Namen wurden weggelassen. So standen beispielsweise zwischen Nahschon und Hezron nur zwei Namen, und der Zeitabschnitt betrug 400 Jahre. Ein Grund dafür könnte schlicht sein, dass Matthäus die Namen nicht kannte. Er hätte jedoch, wenn er gewollt hätte, weitere Namen aus dem 1. Buch der Chronik entnehmen können. Vielleicht war es seine Absicht, sich nicht in den Details jedes einzelnen Namens zu verlieren, sondern genügend Namen anzugeben, um zu zeigen, dass der Adoptivvater Jesu tatsächlich ein Nachkomme Davids war und Jesus somit einen natürlichen Anspruch auf das Königtum Israels hatte. Weitere Informationen finden Sie in „The Expositor’s Bible Commentary“, Band 1, S. 64–65.

F: Warum weichen die beiden Stammbäume in Mt 1,17 und Lk 1 nach Salomo voneinander ab, laufen aber bei Shealtiel wieder zusammen?

A: Der skeptische „Asimov’s Guide to the Bible“, S. 939, erwähnt dies. Matthäus 1,12 nennt Jekonja (Jojachin), Schealtiel und Serubbabel, während Lukas Neri, Schealtiel und Serubbabel nennt. Der unmittelbare Grund für diesen Unterschied wird in 1. Chronik 3,17–19 angegeben. Die königliche Linie, die fast immer vom Vater auf den Sohn überging, ging stattdessen von Schealtiel auf Serubbabel über, den Sohn Pedajas, des Bruders von Schealtiel.

Der Grund dafür wird nicht genannt, aber vermutlich hatte Schealtiel zum Zeitpunkt seines Todes keine Söhne oder zumindest keine lebenden Söhne. Daher hat Schealtiel wahrscheinlich den Sohn seines Bruders adoptiert. Gelehrte vermuten entweder, dass Pedaia gestorben war und Schealtiel Serubbabel als Waisenkind adoptierte, oder aber, dass Schealtiel die königliche Linie an Serubbabel weitergab, einfach weil er selbst keine Söhne hatte.

F: Warum sollte Josef in Mt 1,18–19 in Erwägung ziehen, sich von Maria scheiden zu lassen, wenn sie noch nicht verheiratet waren?

A: Josef ging wahrscheinlich davon aus, dass es entweder eine Schande für ihn wäre, wenn andere dächten, sie hätten vor der Ehe Geschlechtsverkehr gehabt, oder eine Schande für beide, wenn Josef Maria erlauben würde, sich mit anderen Männern zu treffen. Somit lässt sich nachvollziehen, warum Josef die Verlobung auflösen wollte.

Aber warum sollten sie sich scheiden lassen, wenn sie noch nicht verheiratet waren? Ihre Bräuche unterschieden sich von unseren. Ein Mann und eine Frau waren bereits durch ihre Verlobung miteinander verbunden, auch wenn sie erst nach der Hochzeit Geschlechtsverkehr hatten. In ihrer Kultur konnte eine Verlobung nur durch eine Scheidung offiziell aufgelöst werden.

Die einjährige Wartezeit sollte beweisen, dass die Frau treu war und nicht mit einem Kind schwanger war, das nicht von ihrem Ehemann stammte. Doch als der Engel Josef erschien, nahm Josef Maria sofort in sein Haus auf.

Weitere Informationen finden Sie im „Believer’s Bible Commentary“, S. 1205, im „Bible Knowledge Commentary: New Testament“, S. 20, sowie im „Expositor’s Bible Commentary“, Band 1, S. 68–69.

F: Wurde Maria in Mt 1,18 vom Heiligen Geist schwanger, oder war Jesus in Apg 2,30 der Spross aus Davids Lenden?

A: Die Jungfrau Maria war jungfräulich; die Bibel sagt, der Heilige Geist habe Maria „überschattet“, jedoch nicht in sexueller Hinsicht. Josef war lediglich der rechtmäßige Adoptivvater Jesu, nicht der leibliche Vater. Jesus stammte jedoch über Maria biologisch von David ab, da Lukas 3,23–37 den Stammbaum Marias darstellt. Weitere Verse, die besagen, dass Jesus ein Sohn (Nachkomme) Davids ist, sind Mt 12,23; 15,22; 20,30; 21,9.15; Markus 10,47–48; 12,35; Lukas 18,38–39; 20,41; Johannes 7,42; 2. Timotheus 2,8; Offenbarung 5,5; 22,16.

Frage: Warum erwähnt Matthäus in Mt 1,20; 2,12; 2,13; 2,19; 2,22; 27,19 Träume, während andere Evangelisten dies nicht tun, wie in „Asimov’s Guide to the Bible“ auf Seite 795 angemerkt wird?

A: Matthäus erwähnt nur vier oder fünf Träume:

Drei oder vier in der Kindheit Jesu: Matthäus 1,20 (nehmen Sie Maria zur Frau); 2,12 (kehren Sie nicht zu Herodes zurück); 2,13 (ziehen Sie nach Ägypten); 2,19 (kehren Sie nach Nazareth zurück); 2,22 (ziehen Sie nicht nach Judäa). Matthäus 2,22 könnte ein eigenständiger Traum sein oder derselbe Traum wie Matthäus 2,19.

Bei Jesu Prozess: die Frau des Pilatus in Matthäus 27,19.

Markus und Johannes berichten nicht über die Kindheit Christi, daher wäre nicht zu erwarten, dass sie diese Träume überliefern. Da Lukas nichts über die Weisen und (fast) nichts über Josef berichtet, wäre nicht zu erwarten, dass er diese Träume überliefert.

Damit bleibt ein Fall in Matthäus (Pilatus’ Frau), bei dem es sich um ein Detail handelt, das in den anderen Evangelien nicht überliefert ist.

Aufgrund dessen können Sie jedoch nicht zu dem Schluss kommen, dass die anderen Verfasser gegen die Aufzeichnung von Träumen waren. In Apostelgeschichte 16,9 hatte Paulus nachts eine Vision von einem Mann aus Mazedonien, der ihn anflehte, zu kommen und ihnen zu helfen.

F: Ist Matthäus 1,23 eine Fehlübersetzung von Jesaja 7,14, da dort das Wort „Jungfrau“ verwendet wird, wie es der skeptische „Asimov’s Guide to the Bible“ auf Seite 781 behauptet?

A: Nein. Nicht nur, dass das hebräische Wort sowohl „Jungfrau“ als auch „junges Mädchen“ bedeuten kann, sondern Asimov selbst hat auf S. 780 anerkannt, dass die Septuaginta dieses Wort mit „parthenos“ übersetzt hat, was „Jungfrau“ bedeutet. Natürlich glaubt Asimov an keinerlei Wunder der Bibel, daher würde er nicht daran glauben wollen, dass Jesaja sich auf eine Jungfrau bezieht.

F: Der Name „Emmanuel“ in Matthäus 1,23 – wo taucht er in den Büchern der Propheten oder im Alten Testament auf? In welcher Beziehung steht er zu Jesus? Und warum finden wir ihn in den übrigen Evangelien nicht?

A: Der Titel „Emmanuel“ findet sich in der messianischen Prophezeiung aus Jesaja 7,14. Von allen Evangelisten legt Matthäus den größten Schwerpunkt auf die Erfüllung von Prophezeiungen; daher ist es nicht verwunderlich, dass er dies erwähnt.

Auch die folgenden acht frühen Christen schrieben über Jesaja 7,14 als messianische Prophezeiung: Justin der Märtyrer (ca. 138–165 n. Chr.), Irenäus von Lyon (182–188 n. Chr.), Tertullian (207–220 n. Chr.), Origenes (225–253/254 n. Chr.), Novatian (250–257/258 n. Chr.), Cyprian von Karthago (ca. 246–258 n. Chr.), Athanasius von Alexandria (ca. 318 n. Chr.) und Laktanz (ca. 303–325 n. Chr.). Die Zitate finden Sie unterwww.biblequery.org/history/churchhistory/WhatEarlyChristianTaughtOnDoctrine.html (oder .docx).

F: Wie konnte Jesus, der von einer Jungfrau geboren wurde, gemäß Mt 1,23 und Lk 1,26–35 ein Nachkomme Davids sein?

A: Bei der Beantwortung sind drei Punkte zu berücksichtigen.

1. Jesus war nicht der leibliche Sohn Josefs. Wäre er es gewesen, wäre Jeremia 29,32 eine falsche Prophezeiung.

2. Jesus war in den Augen des Gesetzes der Sohn Josefs. Heutzutage wird ein Mann, der eine Frau mit einem Kind heiratet, in den Augen des Gesetzes zum Vater des Kindes, obwohl er nicht der leibliche Vater ist.

3. Jesus war der leibliche Sohn Marias, einer Nachfahrin Davids.

Jesus gehörte vor dem Gesetz durch Josef zum Hause Davids, und biologisch stammte Jesus durch Maria von David ab.

F: Was ist in Mt 1,23 so entscheidend daran, dass Jesus „Immanuel“ ist, also „Gott mit uns“?

A: Dies ist ein wichtiger Punkt dieses Kapitels, der im weiteren Verlauf des Matthäusevangeliums nicht so deutlich hervorgehoben wird. Hier spielen zwei Faktoren eine Rolle.

Gott wurde Mensch. Jesus war Immanuel, „Gott mit uns“. Auf eine Weise, die niemand auf Erden vollständig definieren kann, entschied sich Gott, sich auf die Erde herabzulassen und als vollwertiger Mensch zu leben (Hebräer 2,6.14.17), mit einem echten menschlichen Körper, der echte menschliche Bedürfnisse hatte (Johannes 19,28), und echten menschlichen Gefühlen (Lukas 22,42). Jesus erschien nicht nur als Mensch; vielmehr war er zu 100 % Mensch, genauso menschlich wie Sie oder ich, mit dem Unterschied, dass Jesus ohne Sünde war (Hebräer 4,15). Dennoch war Jesus auf Erden gleichzeitig immer noch zu 100 % Gott. Jesus konnte in Versuchung geführt werden, würde jedoch niemals sündigen (Hebräer 4,15; Matthäus 4,3–12; Markus 1,13; Lukas 4,2–13). Wie es im „Tony Evans Bible Commentary“ auf Seite 865 heißt, war Jesus „die Gottheit in Windeln“.

Jesus lebt in uns. Jesus ist auch jetzt noch Immanuel, „Gott mit uns“. Durch das Wirken des Heiligen Geistes lebt Christus in uns. Gott sagt uns nicht nur, was wir tun und sagen sollen, sondern in Philipper 2,13 heißt es, dass es Gott ist, der in uns wirkt. Als wir zu Christus kamen, klopfte Gott uns nicht auf die Schulter und sagte: „Bis jetzt habt ihr das gut gemacht, jetzt seid ihr auf euch allein gestellt.“ Vielmehr ist dies der Beginn einer Beziehung, die noch enger ist als eine eheliche Verbindung – für immer mit dem Bräutigam der Gemeinde, Christus.

F: Da Jesaja in Matthäus 1,25 sagte, Er werde „Immanuel“ genannt werden, warum nannten sie Ihn dann „Jesus“?

A: „Jesus“ ist im Hebräischen dasselbe wie Josua, was „der HERR rettet“ bedeutet. Jesus ist ein passender Name, aber sie (und wir) bezeichnen Jesus als „Gott mit uns“. Ein chinesischer christlicher Freund von mir machte sich darüber Gedanken. Er hatte sowohl einen chinesischen als auch einen englischen Namen. Also erklärte ich ihm, dass seine Mutter ihm den chinesischen Namen gegeben habe, er in Amerika jedoch mit dem englischen Namen angesprochen werde. Es ist nicht ungewöhnlich, dass eine Person zwei Namen oder einen Namen und einen Titel hat.

F: Hatte Maria in Mt 1,25 noch weitere Kinder?

A: Der letzte Satz dieses Verses wäre sowohl sinnlos als auch irreführend, wenn Josef und Maria niemals eine intime Beziehung gehabt hätten.

Neben diesem Vers berichten auch Matthäus 12,46; 13,55–56; Markus 6,3; Johannes 7,3–5; Apostelgeschichte 1,14; 1. Korinther 9,5; Galater 1,19 sowie (implizit) Judas 1, dass Jesus Brüder hatte. Auch in Eusebius’ „Kirchengeschichte“ (318 n. Chr.) 2,23 und 3,20 heißt es, dass die vier Brüder Jesu Jakobus (der Gerechte genannt), Joses (oder Josef), Judas und Simon waren.

Eine katholische Antwort lautet, dass Josef Kinder aus einer früheren Ehe hatte, Maria jedoch nicht. Es gibt jedoch keine Belege aus der Kirchengeschichte dafür, dass Josef zuvor verheiratet war oder dass einer der Brüder Jesu nicht von Maria und Josef stammte. Hätte Jesus einen älteren Halbbruder durch Josef gehabt, hätte dieser ältere Halbbruder das Recht auf den Thron gehabt, nicht Jesus. Weitere Informationen finden Sie im „Expositor’s Bible Commentary“, Band 8, S. 299.

Eine weitere katholische Antwort lautet, dass „Brüder“ in mediterranen Kulturen auch Cousins und nahe Verwandte ähnlichen Alters bezeichnen konnten und nicht nur leibliche Brüder. Es ist jedoch problematisch, das, was möglicherweise für spätere Italiener und andere Völker zutraf, auf die Israeliten anzuwenden.

Nach der Bibel waren die frühesten bekannten christlichen Autoren, die berichteten, dass Maria Kinder hatte, Hegesippus (170–180 n. Chr.), Origenes (ein eigenartiger Lehrer) (225–253/254 n. Chr.) und Eusebius von Caesarea (318–325 n. Chr.). Hegesippus liefert uns ein interessantes Detail: Er erwähnt einen Bruder Jesu namens Judas, der „in der Zeit Domitians für den Glauben an Christus gelitten hat“ (Fünf Bücher mit Kommentaren zu den Taten der Kirche, Abschnitt 1, S. 764). Eusebius von Caesarea (318–325 n. Chr.) berichtet, dass die vier Brüder Jesu Jakobus (genannt der Gerechte), Joses (oder Josef), Judas und Simon waren. Eusebius’ „Kirchengeschichte“, 2:23; 3:20. Nach dem Konzil von Nicäa lehrte auch Helvidius/Helvetius (vor 383 n. Chr.) dies.

Nach der Bibel waren die frühesten bekannten christlichen Autoren, die behaupteten, Maria sei jemals Jungfrau gewesen oder Ähnliches, Hippolyt (225–235/236 n. Chr.), Petrus von Alexandria (306, 285–311 n. Chr.) sowie – implizit – Origenes (ein eigenartiger Lehrer) (225–253/254 n. Chr.). Origenes äußerte sich im Jahr 246–248 n. Chr. wie folgt: „Manche behaupten – gestützt auf eine Überlieferung im sogenannten Evangelium nach Petrus oder im ‚Buch des Jakobus‘ –, dass die Brüder Jesu Söhne Josefs aus einer früheren Ehe waren, die er vor Maria geschlossen hatte. Nun möchten diejenigen, die dies behaupten, die Ehre Marias in ihrer Jungfräulichkeit bis zum Ende bewahren, … Und ich halte es für vernünftig, dass Jesus unter den Männern die Erstlingsfrucht jener Reinheit war, die in der Keuschheit besteht, und Maria unter den Frauen; denn es wäre nicht fromm, die Erstlingsfrucht der Jungfräulichkeit jemand anderem als ihr zuzuschreiben.“ Origenes’ Kommentar zum Matthäusevangelium, Buch 10, Kap. 17, S. 424

Nach dem Konzil von Nicäa lehrten Athanasius (331 n. Chr.), Ambrosius von Mailand (340–397 n. Chr.) und Hieronymus (383 n. Chr.), dass Maria stets Jungfrau war. Ambrosius stellte jedoch klar, dass Jesus keiner Hilfe bedurfte, um zwischen Mensch und Gott zu vermitteln, und dass Maria nicht angebetet werden dürfe (Über den Heiligen Geist, Buch 3, Kap. 11, Nr. 80, 381 n. Chr.). Er sagte: „Und niemand soll dies auf die Jungfrau Maria ausweiten; Maria war der Tempel Gottes, nicht der Gott des Tempels. Und deshalb ist allein der zu verehren, der in Seinem Tempel wirkte.“

Weitere Informationen finden Sie im „Expositor’s Bible Commentary“, Band 8, S. 81, sowie im „Believer’s Bible Commentary“, S. 1206.

F: Wie viele Weise gab es genau in Mt 2,1–4.9–12?

A: Die Heilige Schrift gibt dazu keinen Hinweis. Oft wird angenommen, es seien drei gewesen, einfach aufgrund des Liedes „We Three Kings of Orient Are“ und der Tatsache, dass es drei Gaben gab; es hätte jedoch eine beliebige Anzahl von Weisen sein können. Siehe „The Tony Evans Bible Commentary“, S. 865, den „Evangelical Commentary on the Bible“, S. 726, „The New Unger’s Bible Dictionary“, S. 799, sowie den „Bible Knowledge Commentary: New Testament“, S. 21, wo im Wesentlichen dieselbe Antwort zu finden ist.

Die Vorstellung, dass es drei Könige waren, geht auf Origenes (225–253/254 n. Chr.) zurück, doch die meisten anderen Überlieferungen über die Heiligen Drei Könige entstanden im sechsten Jahrhundert und später. Vorstellungen, dass ihre Namen Kaspar, Melchior und Balthasar lauteten, dass sie aus Äthiopien stammten oder dass jeweils einer aus einer anderen Volksgruppe stammte, sind allesamt spätere Erfindungen. Waren sie „Magier“, also ein Stamm zoroastrischer Priester, so stammten sie wahrscheinlich aus Persien (dem heutigen Iran) oder Mesopotamien (dem heutigen Irak). Bedeutete der Begriff „Magier“ jedoch lediglich einen religiösen Amtsträger, so könnten sie auch aus anderen Gegenden stammen.

Weitere Informationen finden Sie in „The Expositor’s Bible Commentary“, Band 8, S. 85, „The Expositor’s Greek Testament“, Band 1, S. 73, sowie in Ulrich Luz’ „Matthew 1–7: A Commentary“, S. 140.

F: Wann kamen die Heiligen Drei Könige in Mt 2,1?

A: Die Heilige Schrift gibt lediglich an, dass es einige Zeit nach der Geburt war. Jesus wurde in einem Stall geboren (der eine Höhle gewesen sein könnte). Als die Weisen jedoch in Matthäus 2,11 kamen, befanden sie sich bereits in einem Haus. Matthäus verwendet den Begriff „kleines Kind“ (paidion) anstelle des Wortes „Säugling“ (brephos). Da Herodes alle männlichen Säuglinge in Bethlehem im Alter von zwei Jahren oder jünger tötete, geschah dies, bevor Herodes erkannte, dass die Weisen nicht zu ihm zurückkehren würden. Es könnte also Monate oder sogar etwa ein Jahr nach der Geburt gewesen sein. Weitere Informationen finden Sie in „The Bible Knowledge Commentary: New Testament“, S. 20.

Nebenbei sei angemerkt, dass dieser Brauch, einem König Geschenke zu überreichen, nicht ungewöhnlich war. Als Nero Kaiser von Rom war, kam König Tiridates von Armenien im Jahr 66 n. Chr. mit Geschenken für Nero nach Rom. Weitere Informationen finden Sie bei Ulrich Luz, Matthäus 1–7: Ein Kommentar, S. 131.

F: Wer waren die Weisen in Mt 2,1–4.9–12?

A: Die Weisen waren religiöse Männer aus dem Nahen Osten, die sich mit Astrologie beschäftigten. Zwar gibt die Bibel nicht ausdrücklich an, dass es drei Weise waren, doch gibt es drei Ansichten darüber, wer die „Weisen von Weihnachten“ waren.

Ursprünglich waren die Leviten ein Priesterstamm unter den Israeliten; den Herodot zufolge waren die späteren Magier der Priesterstamm unter den Medern. Dies entspricht der Tatsache, dass die Leviten ein Priesterstamm unter den Israeliten waren. Die Magier brachten Opfer vor Feuern dar, deuteten Träume und praktizierten Astrologie. Zwar leitet sich das englische Wort „magician“ (Zauberer) von „Magi“ ab, doch abgesehen von einer Passage bei Herodot gibt es keine Belege dafür, dass sie Magie praktizierten. Die Meder waren polytheistisch (nicht zoroastrisch). Wenn in Daniel 5,11 von Magiern die Rede ist, sind es diese Magier.

Später, nachdem ein Magier namens „falscher Bardiya“ im Jahr 522 v. Chr. für sieben Monate die Herrschaft über den persischen Thron übernommen hatte, ersetzte König Kambyses viele der medischen Magier durch persische Magier. Die persischen Magier waren Zoroastrier. Die Zoroastrier glaubten an zwei gleichwertige und gegensätzliche göttliche Wesen: eines, das gut war und durch das Licht verkörpert wurde, und eines, das böse war und durch die Dunkelheit verkörpert wurde. Während und nach dem vierten Jahrhundert v. Chr. glaubten die Zoroastrier an die Auferstehung. Die Griechen bezeichneten die Magier im Allgemeinen als Zoroastrier. Clemens von Alexandria glaubte, dass die Magier, die nach Bethlehem kamen, Zoroastrier waren. Der skeptische „Asimov’s Guide to the Bible“ (S. 788) erwähnt ausschließlich diese als die Magier.

Zur Zeit Christi bezeichneten die Griechen auch die Chaldäer, die Astrologie praktizierten, als Magier. Viele Astrologen reisten nach Westen, um dort zu lehren, darunter der Babylonier Berossos, der nach 281 v. Chr. auf der griechischen Insel Kos lehrte. Tacitus berichtet, dass die Magier Zauberei praktizierten, und Plinius behauptet, die Magie habe mit Zarathustra begonnen. Der frühchristliche Schriftsteller Origenes wies in seiner „Gegen Celsus“, Buch 1, Kapitel 58, S. 422, unter seinen zahlreichen Kritikpunkten an dem Ketzer Celsus darauf hin, dass dieser nicht zwischen den Magiern und den Chaldäern unterschieden habe. Das „New International Dictionary of the Bible“, S. 612, nennt diese als die Magier.

Unabhängig vom genauen nahöstlichen Ursprung der „Weihnachtsmagier“ praktizierten die Magier Astrologie. Weitere Informationen finden Sie im „Wycliffe Bible Dictionary“, S. 1067–1068, sowie insbesondere im Kapitel über die Magier in „Persia and the Bible“, S. 467–491.

F: Wurde in Mt 2,2 von anderen Herrschern behauptet, dass ihnen himmlische Zeichen erschienen seien?

A: Laut Suetonius (de Divinatione 1.47) soll zur Zeit der Geburt Neros (15. Dezember 37 n. Chr.) ein Komet erschienen sein, ebenso zur Zeit von König Mithridates von Pontus (135 v. Chr.). Mit bloßem Auge sichtbare Kometen treten etwa zwei- bis fünfmal pro Jahrhundert auf. Der Halleysche Komet erscheint alle 75 Jahre, unter anderem im Jahr 87 v. Chr. und im Dezember/November v. Chr. Weitere Informationen finden Sie bei Ulrich Luz, Matthäus 1–7: Ein Kommentar, S. 131, sowie im „Expositor’s Bible Commentary“, Band 8, S. 83.

F: Welche himmlischen „Zeichen“ gab es zu dieser Zeit gemäß Mt 2,2?

A: Hier sind einige natürlich auftretende Phänomene.

Der Halleysche Komet erschien im 11. Dezember v. Chr. (Lagrange erwähnte dies, doch ist dieser Zeitpunkt zu früh, um von Bedeutung zu sein.)

Eine Konjunktion der Planeten Jupiter (als Symbol für das Königtum) und Saturn (als Symbol für die Juden) fand im Juli 6 v. Chr. statt. Kepler (vor 1630 n. Chr.) erwähnte dies als Erster, obwohl er die Supernova-Theorie bevorzugte.

Ein Komet oder eine Nova, der/die von chinesischen Astronomen im Jahr 5/4 v. Chr. erwähnt wurde.

Was jedoch wie ein Stern aussah, eilte ihnen voraus und blieb über dem Haus stehen (Matthäus 2,9–10). Zwar könnte der griechische Begriff laut „The Expositor’s Bible Commentary“, Band 8, S. 88, lediglich die Stadt und nicht das Haus bezeichnen, doch eine Planetenkonjunktion von Jupiter und Saturn sowie ein Komet sind dazu nicht in der Lage. Unabhängig davon, ob sie anfangs eine Konjunktion oder einen Kometen bemerkt hatten oder nicht: Als sie in Palästina ankamen, leitete ein Engel sie auf übernatürliche Weise mithilfe eines Lichts.

Weitere Informationen finden Sie in „The Expositor’s Bible Commentary“, Band 8, S. 85, sowie bei Ulrich Luz, „Matthäus 1–7: Ein Kommentar“, S. 132.

F: Warum heißt es in Mt 2,6 „nicht klein“, da in Mi 5,2 im masoretischen Text „klein“ und in der Septuaginta „sehr klein“ steht?

A: Die Schriftgelehrten sagten dies, und obwohl sie sich einfach geirrt haben könnten – insbesondere, wenn sie wörtlich übersetzten –, war ihre Aussage hier korrekt. In Micha 5,2 heißt es: „Du, Bethlehem-Efrata, die du die Geringste unter den Tausenden Judas bist, aus dir wird mir der hervorgehen, der Herrscher in Israel sein soll …“ (Green’s Literal Translation) Der Kern von Micha 5,2 besteht darin, dass Betlehem zwar von der Größe her klein war, aber an Bedeutung zunehmen wird. Die Gesetzeslehrer lagen also nicht falsch, was die Tatsache betrifft, dass Betlehem trotz seiner geringen Größe eine große Bedeutung haben wird.

Ergänzende Antworten finden Sie in der „Encyclopedia of Bible Difficulties“, S. 318–319, sowie in „When Critics Ask“, S. 327.

F: Wie spricht man „magi“ in Mt 2,6 aus?

A: Laut dem „Wycliffe Bible Dictionary“ wird es „MA-ji“ ausgesprochen, wobei beide Vokale lang sind.

F: Warum heißt es in Mt 2,6 „Statthalter/Herrscher“, da in Mi 5,2 im masoretischen Text und in der Septuaginta von „Tausenden“ die Rede ist?

A: Bei der Beantwortung sind vier Punkte zu berücksichtigen.

1) In Micha 5,2 heißt es: „Du, Bethlehem-Efrata, die du die Kleinste unter den Tausenden Judas bist, aus dir wird mir der hervorgehen, der Herrscher in Israel sein soll …“ (Green’s Literal Translation). Der Kernpunkt ist, dass Bethlehem zwar von der Größe her klein war, aber an Bedeutung zunehmen wird.

2) Das hebräische Wort für „Tausende“ (Plural) in Micha 5,2 lautet „‘alapim“. Das griechische Äquivalent ist „chiliasin“. Das hebräische Wort für Statthalter/Herrscher (Plural) lautet „‘allupe“. Das griechische Äquivalent lautet „hegemosin“. Während die griechischen Wörter völlig unterschiedlich sind, sind die hebräischen Wörter bis auf die Vokale fast identisch. Das Alte Testament wurde ursprünglich ohne Vokale verfasst; diese wurden erst um 700 n. Chr. hinzugefügt. Dies deutet darauf hin, dass sie nicht aus der griechischen Septuaginta lasen, sondern entweder aus dem Hebräischen, Aramäischen oder möglicherweise einer anderen griechischen Übersetzung.

3) Diese Aussage stammt von den Priestern und Gesetzeslehrern. Sie könnten sich geirrt haben, oder sie könnten Herodes eine griechische Übersetzung zitiert haben, die nicht die Septuaginta war. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass sie während des Gesprächs mündlich vom Hebräischen ins Aramäische oder Griechische übersetzt haben.

4) Tatsächlich haben die Priester und Gesetzeslehrer jedoch keinen Fehler bei der Vermittlung der Bedeutung gemacht: Das kleine Bethlehem ist für den Herrscher, der von dort kommen wird, NICHT von geringster Bedeutung.

Siehe „Encyclopedia of Bible Difficulties“, S. 318–319, „The Expositor’s Bible Commentary“, Band 8, S. 88, und „The Expositor’s Greek Testament“, Band 1, S. 72 für ergänzende Antworten.

F: Hat Gott in Mt 2,8.12 den Weisen befohlen, ihr Versprechen gegenüber Herodes nicht einzuhalten, da ihnen gesagt wurde, sie sollten nicht zu Herodes zurückkehren?

A: Herodes war besorgt, da er von vornherein gar nicht in der Thronfolge stand. Sein Vater war ein Edomiter, seine Mutter eine Araberin, und er selbst war erst zum Judentum konvertiert. Als er 40 v. Chr. König wurde, dauerte es drei Jahre und erforderte römische Hilfe, um die Aufstände gegen ihn niederzuschlagen. Als Herodes die Weisen bat, zu ihm zurückzukehren, hatte er offenbar bereits einen Plan, diesen König zu vernichten, und er versuchte, die Weisen in seinen bösen Plan hineinzuziehen. Herodes kam wahrscheinlich nicht in den Sinn, dass er, während er wütend auf die Weisen war, weil sie ihn getäuscht hatten, zuvor selbst versucht hatte, die Weisen zu täuschen, indem er vorgab, auch Jesus anbeten zu wollen. Übrigens lag Bethlehem nur 5 Meilen (9 km) süd-südöstlich von Jerusalem. Was die Weisen betrifft, so heißt es im „Believer’s Bible Commentary“ auf Seite 1207: „Niemand, der Christus mit aufrichtigem Herzen begegnet, kehrt jemals auf demselben Weg zurück.“

Die Zeitform der Frage bedeutet laut „The Expositor’s Bible Commentary“, Band 8, S. 86, nicht „Wo ist der, der irgendwann einmal der König der Juden werden wird?“, sondern vielmehr „Wo ist der, der jetzt bereits der rechtmäßige König der Juden ist?“.

Drei Punkte, die bei der Beantwortung zu berücksichtigen sind.

1. In Matthäus 2 wird nirgends erwähnt, dass die Weisen Herodes versprochen hätten, zurückzukehren.

2. In Matthäus 2 wird nirgends erwähnt, dass die Weisen Herodes mitteilten, sie hätten die Absicht, zurückzukehren. Selbst wenn sie dies getan hätten, änderte sich ihre Absicht nach dem Traum.

3. Selbst wenn sie es Herodes versprochen hätten, müsste ein Versprechen nicht unbedingt eingehalten werden, wenn:

3a) das Versprechen unter betrügerischen Umständen abgegeben wurde,

3b) Sie etwas versprechen, das in direktem Widerspruch zu Gottes Willen steht.

3c) Die Einhaltung des Versprechens den Tod eines Unschuldigen zur Folge hätte.

Nehmen wir zum Beispiel an, ein Mann bittet Sie, ihn anzurufen, sobald eine Frau ihr Haus verlässt, weil er sagt, er wolle Blumen vor ihrer Haustür hinterlassen, und Sie versprechen, dies zu tun. Später erfahren Sie, dass der Mann bereits mehrere Häuser ausgeraubt hat und beabsichtigt, auch ihr Haus auszurauben. Wenn Sie sehen, dass die Frau das Haus verlässt, sollten Sie dann den Räuber anrufen, weil Sie es versprochen haben? Nein!

Weitere Informationen finden Sie im „Bible Knowledge Commentary: New Testament“, S. 21–22, im „Believer’s Bible Commentary“, S. 1207, in Ulrich Luz’ „Matthew 1–7: A Commentary“, S. 136, im „Expositor’s Bible Commentary“, Band 8, S. 84, sowie im „Expositor’s Greek Testament“, Band 1, S. 69.

F: Da Astrologie falsch ist – warum folgten die Weisen in Mt 2,11 dem Stern?

A: Lassen Sie uns zunächst etwas über die Weisen erfahren und dann sehen, was uns dies über Gott lehrt.

Die Weisen waren ein Stamm medischer Priester, ähnlich wie die israelitischen Priester, die aus dem Stamm Levi stammten. Mehr über die Weisen erfahren Sie in dem ausgezeichneten Buch „Persia and the Bible“. Es war bekannt, dass die Weisen Astrologie praktizierten.

Die Prophezeiung von einem Stern, der aus Juda hervorgeht, reicht bis zu Bileam in 4. Mose 24,17 zurück.

Astrologie widerspricht der Bibel: Die Weisen wussten höchstwahrscheinlich nicht, dass das Alte Testament die Astrologie als falsch bezeichnet (3. Mose 19,26; 20,27; 5. Mose 18,11–14; 2. Könige 17,16; 21,3.5; 2. Chronik 33,3–6). Andererseits hat der Stern das Kommen Christi nicht vorhergesagt, sondern angekündigt.

Hier ist, was der frühchristliche Schriftsteller Tertullian (198–220 n. Chr.) in seinem Werk „Über den Götzendienst“, Kapitel 9 (Band 3), Seite 66, über Astrologen schrieb: „Sie wissen nichts, Astrologe, wenn Sie nicht wissen, dass Sie Christ sein sollten. Wenn Sie es wüssten, müssten Sie auch wissen, dass Sie nichts mehr mit Ihrem Beruf zu tun haben sollten, der von sich aus die Wendepunkte anderer vorhersagt und Sie auf seine eigene Gefahr hinweisen könnte. In Ihrem System gibt es keinen Anteil und kein Los für Sie. Wer mit seinem Finger oder seinem Stab den Himmel missbraucht, kann nicht auf das Himmelreich hoffen.“

Gott hat nie gesagt, dass Er darauf beschränkt sei, nur gute Mittel zu nutzen, um Menschen zu Sich zu ziehen. Manchmal bedient sich Gott wahrhaft bösartiger Mittel, wie zum Beispiel der babylonischen Armee (Habakuk 1,6.13). Gott kann Krankheit, böse Menschen und sogar unbeabsichtigte Sünde (wie im Fall der Weisen) nutzen, um Menschen zu Sich zu ziehen.

Am seltsamsten ist jedoch, dass Gott absichtliche, vorsätzliche Sünden von Gläubigen genutzt hat, um eben diese Gläubigen zu retten. Sie können alles darüber in der Erzählung von Josef und seinen Brüdern nachlesen, in Genesis 37 und 50, insbesondere in Genesis 50,20. Tatsächlich kann Gott alle Dinge zum Guten wenden (Römer 8,28) und zu Seinen Zwecken nutzen (Epheser 1,11).

Zusammenfassend lässt sich sagen: So wie die Tatsache, dass Gott die Entführung Josephs für seine Zwecke nutzte, die Entführung nicht rechtfertigt, so rechtfertigt auch die Tatsache, dass Gott die Astrologie für seine Zwecke nutzt, die Astrologie nicht.

Weitere Antworten finden Sie in „Das vollständige Buch der Bibelantworten“, S. 55, „Schwierige Stellen der Bibel“, S. 353–354, „Enzyklopädie der Schwierigkeiten der Bibel“, S. 317–318, „Wenn Kritiker fragen“, S. 326–327, sowie in „Wenn Sektenanhänger fragen“, S. 93.

F: Haben die Gaben in Mt 2,11 eine besondere Bedeutung?

A: Die Gaben hatten einen hohen Geldwert, was wichtig war, um den Lebensunterhalt der Familie während ihres zweijährigen Aufenthalts in Ägypten zu sichern. Darüber hinaus misst die Bibel diesen Gaben jedoch keine weitere Bedeutung bei. Einige haben spekuliert, dass das Gold angemessen sei, da es für Königtum steht. Weihrauch war Bestandteil der Räucherwerkmischung, die die Priester verwendeten. Myrrhe ist eine bittere Substanz, die bei der Vorbereitung von Leichnamen für die Bestattung von großem Wert ist. Es gibt auch andere Ansichten. Weitere Informationen finden Sie im „Expositor’s Bible Commentary“, Band 8, S. 89, sowie in Ulrich Luz’ „Matthäus 1–7: Ein Kommentar“, S. 138.

F: In Mt 2,15 und Hos 11,1: Inwiefern ist „Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen“ eine Prophezeiung über Christus?

A: Hosea 11,1 bezog sich ursprünglich auf das Volk Israel. Matthäus verwendet nicht nur Hosea 11,1, sondern auch viele andere Verse des Alten Testaments, um zu zeigen, dass das Leben Christi Parallelen zum Leben des israelitischen Volkes aufwies (abgesehen von der Sünde). Matthäus schreibt an Juden, die mit dem Alten Testament bestens vertraut sind, und er bedient sich offenbar der midraschischen Techniken, die jüdische Gelehrte jener Zeit kannten. Er nutzte die jüdische midraschische Auslegung, um die Bedeutung und die Anwendung hinter jedem Wort aufzudecken.

Nebenbei bemerkt: Philo berichtet, dass zu seiner Zeit, um 40 n. Chr., etwa eine Million Juden in Ägypten lebten.

Weitere Informationen finden Sie im „Bible Knowledge Commentary: New Testament“, S. 22, im „New International Bible Commentary“, S. 1122, sowie im „Expositor’s Bible Commentary“, Band 8, S. 90, 91–92.

F: Gibt es in Mt 2,16 noch einen anderen Bericht darüber, dass König Herodes der Große Kinder in Bethlehem niedermetzelte?

A: Bethlehem war eine kleine Stadt; es könnten nur einige Dutzend Säuglinge getötet worden sein, und das war im Vergleich zu anderen Hinrichtungen, für die Herodes bekannter war, eine geringe Zahl.

Es gibt viele Ereignisse, von denen wir nicht wüssten, dass sie stattgefunden haben oder wie sie sich zugetragen haben, gäbe es nicht eine einzige historische Überlieferung. So verfügen wir beispielsweise über keine Aufzeichnungen darüber, dass die Römer Gallien erobert haben oder wie sie Gallien erobert haben – abgesehen von einer einzigen Quelle, den Schriften von Julius Cäsar. Ebenso gibt es keine nichtchristlichen Berichte darüber, dass Jesus gekreuzigt wurde; es wird lediglich beiläufig erwähnt, dass Christus hingerichtet wurde (d. h., die höchste Strafe erlitt).

In diesem Fall erwähnen neben der Bibel noch weitere Autoren, die vor dem Konzil von Nicäa über Herodes den Großen berichten, dass dieser die kleinen Kinder niedermetzelte:

Justin der Märtyrer erwähnt in seinem „Dialog mit Trypho“, Kap. 78, S. 238 (ca. 138–165 n. Chr.), dass die Heiligen Drei Könige Herodes aufsuchten und dass Herodes alle Kinder in Bethlehem niedermetzelte.

Irenäus von Lyon (182–188 n. Chr.) sagt, dass [Gott] „jene Kinder aus dem Hause Davids hinweggenommen hat, denen das glückliche Los zuteilwurde, zu jener Zeit geboren zu sein, damit Er sie vorausschicken könne in Sein Reich“ (Irenäus, „Gegen die Häresien“, Buch 3, Kap. 16.4, S. 442).

Origenes (225–254 n. Chr.) berichtet, dass Herodes alle Säuglinge in Bethlehem und Umgebung tötete, in der Hoffnung, den König der Juden zu töten. „Gegen Celsus“, Buch 1, Kap. 61, S. 423

Cyprian von Karthago (ca. 246–258 n. Chr.) (impliziert, keine Erwähnung von Herodes) erwähnt, dass bei der Geburt Christi Kinder im Alter von zwei Jahren und jünger um Christi willen getötet wurden. „Brief 55“, Kap. 6, S. 349

Petrus von Alexandria (306.285–311 n. Chr.) erwähnt die Kinder, die Herodes wegen Christus niedergemetzelt hat. Kanonischer Brief, Kanon 13, S. 277

Nach 325 n. Chr.

Hegemonius (Mitte des 4. Jahrhunderts) berichtet, dass Herodes zur Zeit Jesu „jedes männliche [Kind] unter den Juden“ tötete. „Die Auseinandersetzung mit Manes“, Kap. 44, S. 220

Zusammenfassend lässt sich sagen: „Es ist wahr, dass Josephus, unser Informant über die jüdische Geschichte, nichts über den Kindermord erwähnt; und es ist ebenfalls wahr, dass die Passagen in den Werken der Historiker, die dieses Ereignis tatsächlich erwähnen, so spät entstanden sind und so wahrscheinlich aus dem Matthäusevangelium stammen, dass sie kaum von Wert sind. Doch das Argument des Schweigens ist in diesem Fall gänzlich ohne Gewicht. Zweifellos wäre aus unserer Sicht der Kindermord an Kleinkindern eine besonders grausame Form des Mordes, die in jedem detaillierten Bericht über aktuelle Ereignisse erwähnt werden müsste – vielleicht sogar in Chicago! Doch in der Antike, als das Aussetzen von Säuglingen eine gängige Praxis war – worauf beispielsweise in einem der nicht-literarischen Papyri in höchst beiläufiger Weise als gewöhnlicher Bestandteil des damaligen Lebens angespielt wird (1 ) –, wurde der Mord an Kindern wahrscheinlich nicht mit besonderem Entsetzen betrachtet. Zudem sollten wir die Zahl der getöteten Säuglinge nicht übertreiben. War Bethlehem ein kleines Dorf, wie es wahrscheinlich der Fall war, so dürfte die Zahl der männlichen Kinder unter zwei Jahren dort vielleicht zwanzig oder dreißig nicht überschritten haben. In den Orgien aus Blut und Grausamkeit, die die letzten Jahre der Herrschaft des Herodes prägten, könnte die Tötung von etwa zwanzig Kindern in einem unbedeutenden Dorf durchaus der Aufmerksamkeit unseres einzigen Historikers entgangen sein. Doch selbst wenn Josephus von dem Vorfall gewusst hätte und ihn an sich für erwähnenswert gehalten hätte, gab es in diesem Fall einen besonderen Grund für sein Schweigen. Der Vorfall stand im Zusammenhang mit jüdischen messianischen Hoffnungen; und zweifellos vermied Josephus bewusst die Erwähnung solcher Dinge in der Geschichte, die er für römische Leser verfasste. Es gibt daher keinen Grund anzunehmen, dass Josephus das Massaker an den Unschuldigen, sollte es tatsächlich stattgefunden haben, zwangsläufig in sein historisches Werk aufgenommen hätte.

Doch es muss auch etwas Positiveres gesagt werden. Obwohl der Kindermord nicht direkt durch weltliche Geschichtsquellen belegt ist, steht er genau im Einklang mit dem, was wir über den Charakter des Herodes in seinen letzten Lebensjahren wissen. Herodes der Große war ein fähiger Monarch, doch in den letzten Jahren seiner Herrschaft schlug er einen Weg der Grausamkeit ein, der an Wahnsinn grenzte. Seine Taten, bei denen er seine eigenen Kinder und seine geliebte Frau hinrichten ließ, sowie sein Plan (der nur durch seinen Tod unterbrochen wurde), alle führenden Bürger Jerusalems im Theater niederzumetzeln, weisen genau jene Eigenschaft wilder und sinnloser Blutgier auf, die sich auch im Kindermord von Bethlehem zeigt. Nie war eine Geschichte charakteristischer als diese. Generell lässt sich sagen, dass die Schwierigkeit, die man im Schweigen der weltlichen Geschichtsschreibung über die blutige Tat in Bethlehem gesehen hat, überhaupt nichts bedeutet.“ J. Greshem Machen, Die jungfräuliche Geburt Christi, Kap. 10, S. 239

Weitere Informationen finden Sie im „Believer’s Bible Commentary“, S. 1208, und im „Expositor’s Bible Commentary“, Band 8, S. 94.

F: War Herodes der Große, abgesehen von der Tötung der Kinder in Bethlehem, jemals grausam gegenüber anderen Menschen?

A: Ja. In „Asimov’s Guide to the Bible“, S. 799, heißt es, es sei schwer zu glauben, dass Herodes’ Massaker jemals stattgefunden habe. Da jedoch das angeblich zivilisiertere 20. Jahrhundert Pol Pot aus Kambodscha, Idi Amin aus Uganda, Hitler, Stalin und Mao Tse-Tung hervorgebracht hat, fällt es nicht schwer zu glauben, dass Herodes so etwas getan hätte.

In der vorherigen Frage finden Sie sechs vor-nicänische Autoren, die über Herodes’ Kindermord berichteten. Verwechseln Sie übrigens nicht Herodes (den Großen), der zur Zeit der Geburt Jesu regierte, mit Herodes (Antipas), den Jesus kurz vor seiner Kreuzigung traf.

Herodes der Große war von solcher Gesinnung, dass er in den 36 Jahren seiner Herrschaft viele Menschen tötete. Herodes ließ seine Frau Mariamne sowie zwei Ehemänner seiner Schwester Salome hinrichten oder ermorden. Herodes ließ seinen Schwager im Jordan ertränken und seine Schwiegermutter Alexandra töten. Er tötete Hyrkanos, den letzten Vertreter der hasmonäischen Dynastie. Er tötete viele Pharisäer und zahlreiche Adelsfamilien. Die jüdischen Rabbiner Jehuda ben Saripha und Mattathias ben Margoloth wurden bei lebendigem Leib verbrannt. Herodes ließ seine eigenen Söhne Alexander und Aristobulos töten. Er veranlasste, dass am Tag seines Todes Hunderte jüdischer Führer hingerichtet wurden. Da Herodes, wie die meisten Juden, kein Schweinefleisch aß, veranlasste dies den römischen Kaiser zu der scherzhaften Bemerkung, er wäre lieber Herodes’ Sau (weibliches Schwein) als sein Sohn. Im Griechischen lautet das Wort für „Sau“ „huos“ und das Wort für „Sohn“ „huios“. Fünf Tage vor Herodes’ Tod ließ er seinen Sohn Antipater töten. (Drei jüngere Söhne – Archelaus, Herodes Antipas und Philipp – überlebten ihn.) Es steht außer Frage, dass Herodes die moralische Charakterstärke fehlte, um die Säuglinge zu töten. Angesichts all der anderen „Ereignisse“, die Herodes verursachte, mag die Tötung von Säuglingen in einer kleinen Stadt weniger berichtenswert erscheinen.

Nach Herodes’ Tod im Jahr 4 v. Chr. kam es zu einem Aufstand, und Archelaus entsandte Truppen nach Jerusalem, die an einem einzigen Tag 3.000 Menschen töteten. Als Archelaus und Herodes Antipas nach Rom reisten, kam Sabinus, ein Beauftragter der kaiserlichen Schatzkammer, um die Steuern zu prüfen. Er entnahm der Tempelschatzkammer 400 Talente. Im Jahr 9 n. Chr. kam es zu einem Aufstand, der von syrischen Truppen unter Quintilius Varus niedergeschlagen wurde.

In Josephus’ „Jüdische Altertümer“, Buch 17, Kap. 213 [ix.3], sowie in „The Bible as History“, S. 358, heißt es, dass es zum Zeitpunkt des Todes von Herodes dem Großen eine Mondfinsternis gab, was den Todestag auf den 12./13. März 4 v. Chr. datieren würde.

Weitere Informationen finden Sie im „Bible Knowledge Commentary: New Testament“, S. 23, sowie im „Expositor’s Bible Commentary“, Band 8, S. 84.

F: Waren in Mt 2,16 andere Könige ebenso schlecht wie Herodes?

A: Man könnte sagen, dass Herodes sich nicht von vielen Menschen heute unterschied; er ließ keinen Platz für einen anderen König als sich selbst und setzte alle ihm zur Verfügung stehenden Mittel ein, um dies sicherzustellen – ganz gleich, wer dabei zu Schaden kam.

Manche Könige waren besser als andere, manche jedoch waren äußerst bösartig. So ermordete beispielsweise der parthische König Phraates IV. im Jahr 37 v. Chr. seinen Vater Orodes II. Die Römer schickten ihm eine italienische Sklavin namens Musa. Phraates zeugte mit ihr einen Sohn, Phraataces (= Phraates V.). Musa vergiftete ihren Ehemann Phraates IV. im Jahr 2 v. Chr. Anschließend heiratete sie im Jahr 2 n. Chr. ihren eigenen Sohn. Phraates V. wurde im Jahr 4 n. Chr. ins Exil geschickt. Dies geht aus der Encyclopaedia Britannica von 1972 hervor.

F: In Mt 2,18: Inwiefern erfüllt sich Jeremias’ Prophezeiung über Rahel in Jesus?

A: In Genesis 35,16–19 starb Rahel bei der Geburt Benjamins. Zu der Zeit, als Jeremia diese Worte über Rahel, die Frau Jakobs, schrieb, war sie bereits seit über 1.000 Jahren tot. Jeremias Worte haben nicht zwei Bedeutungen, sondern nur eine Bedeutung mit zwei Erfüllungen sowie einer dritten Erfüllung bereits in der Genesis. Jeremias Bedeutung ist, dass Rahel, so wie sie über den Tod und die Versklavung ihrer Nachkommen trauern würde – sei es durch die Ägypter oder die Babylonier –, auch über den Tod ihrer Nachkommen durch Herodes’ Hand trauern würde. Zu Jeremias Zeiten wiederholte der Prophet diese Worte, um dieselben Gefühle der Trauer über den Verlust der Juden zu prophezeien, die nach Babylonien, in die Nähe von Rahels Grab, ins Exil geführt wurden.

Matthäus verwendet ebenfalls dieselben Worte, um den Verlust durch den Tod der kleinen Jungen von Bethlehem zu verdeutlichen, das in der Nähe von Rachels Grab lag.

Wenn ein Skeptiker ein Problem damit hat, dass Matthäus Jeremias Worte verwendet, könnte er ein ebenso großes Problem damit haben, dass Jeremia Worte aus der Genesis verwendet. Der Kern des Problems ist folgender: So wie die Juden zu Jeremias Zeiten die Auslegung verstanden, dass die Gefangenschaft mit Rachels Trauer in der Genesis in Zusammenhang stünde, so würden auch die Juden zu Jesu Zeiten diese Art der midraschischen Auslegung verstehen, die Matthäus verwendete.

Weitere Informationen finden Sie in „The Tony Evans Bible Commentary“, S. 866–867, „The Expositor’s Bible Commentary“, Band 8, S. 91–92, sowie in „The Expositor’s Greek Testament“, Band 1, S. 75–76.

F: Da in Mt 2,22 die Söhne des Herodes des Großen sowohl in Judäa als auch in Galiläa herrschten, warum entschied sich Josef dann, nach Galiläa statt nach Judäa zu gehen?

A: Der skeptische „Asimov’s Guide to the Bible“, S. 800, liefert hierzu zwei hilfreiche Anmerkungen.

1. Archelaus, der ab 4 v. Chr. als König in Judäa herrschte, könnte von Jesus, einem neugeborenen König, gehört haben und darauf bedacht gewesen sein, auch ihn zu töten. Herodes Antipas, der Tetrarch von Galiläa war, könnte eine andere Haltung eingenommen haben.

2. Asimov weist darauf hin, dass Archelaus so feindselig war, dass sich Juden und Samariter – die sich eigentlich feindlich gegenüberstanden – in ihrem Appell an Rom vereinigten, Archelaus abzusetzen. Als Herodes starb, hatte Archelaus nur zehn Jahre lang regiert. Herodes Antipas hingegen regierte über 40 Jahre lang friedlich in Galiläa.

Es gibt jedoch einen weitaus offensichtlicheren Grund in Lukas 2,39. Josef stammte aus Nazareth, nicht aus Bethlehem. Josef begab sich nicht nur in das Land des milderen Herrschers, sondern kehrte auch einfach dorthin zurück, woher er stammte.

F: Stimmt es archäologisch gesehen, dass es in Mt 2,23 keine Beweise für eine Stadt namens Nazareth gibt, wie ein Atheist behauptete?

A: Nein. Der Atheist Frank Zindler behauptete dies in einem Artikel mit dem Titel „Where Jesus Never Walked“, wie in „The Case for Christ“, S. 102 (S. 137–138 in der Taschenbuchausgabe) zu lesen ist. Der Talmud erwähnt 63 weitere Städte in Galiläa (jedoch nicht Nazareth), und Josephus erwähnt 45 weitere Städte in Galiläa (jedoch nicht Nazareth). Nazareth wird zu Beginn des 4. Jahrhunderts n. Chr. erwähnt und taucht in der jüdischen Literatur ab etwa dem 7. Jahrhundert n. Chr. auf.

Archäologen haben jedoch in Nazareth Überreste gefunden, die bis ins Jahr 900 n. Chr. (nach Beginn der Herrschaft Salomos) zurückreichen und sich über die griechisch-römische sowie die byzantinische Epoche erstrecken. Im Jahr 1962 wurde in Cäsarea eine Inschrift über die Rotation der Priester gefunden. Die Inschrift enthält folgende Aufzeichnungen: „… Mamliah … Nazareth … Akhlah … Migdal [Magdala]“ In „The Case of Christ“, S. 103, wird erwähnt, dass Archäologen nach der Zerstörung Jerusalems im Jahr 70 n. Chr. eine aramäische Liste von Priestern fanden, die umgesiedelt worden waren, und dass einer von ihnen als nach Nazareth umgezogen verzeichnet war. Grabstätten aus dem ersten Jahrhundert wurden unmittelbar außerhalb von Nazareth entdeckt. Schließlich wurden 1955 unter der heutigen Verkündigungskirche in Nazareth vorchristliche Überreste gefunden.

Nazareth wurde zudem verachtet, da dort laut „The Bible Knowledge Commentary: New Testament“, S. 23, die römische Garnison für die nördlichen Teile Galiläas stationiert war.

Weitere Informationen finden Sie unter https://www.ministrymagazine.org/archive/1975/12/nazareth-attested-in-caesarea-fragments sowie im „New International Bible Commentary“, S. 1123.

F: Wie groß war Nazareth laut Archäologen in Mt 2,23?

A: Laut „The Case for Christ“, S. 103–104, war Nazareth eine sehr unbedeutende Stadt. Sie umfasste etwa 60 Acres und hatte zur Zeit der Geburt Jesu eine Einwohnerzahl von höchstens etwa 480.

F: Wo wird in Mt 2,23 prophezeit, dass Jesus „Nazarener“ genannt werden würde?

A: Zunächst geben wir die Antwort des frühen Kirchenautors Tertullian wieder (die wahrscheinlich falsch ist) und anschließend die wahrscheinlichste Antwort.

Klagelieder 4,7 (Septuaginta) Tertullian beantwortete diese Frage im Jahr 207 n. Chr. in seinem Werk „Gegen Marcion“, Buch 4, Kapitel 7. Während der masoretische Text der Klagelieder 4,7 lautet: „Ihre Fürsten waren weißer als Schnee“, heißt es in der Septuaginta: „Ihre Nasiräer waren weißer als Schnee“. Tertullian erwähnt dies in dem Sinne, dass damit sowohl „Nasiräer“ (diejenigen, die ein Gelübde vor Gott ablegen, auf Alkohol, Leichen und andere Unreinheiten zu verzichten) als auch „Nazareners“, also diejenigen, die aus Nazareth stammen, gemeint sind.

Tertullian sagte: „Der Christus des Schöpfers musste gemäß der Prophezeiung ein Nazarener genannt werden; daher bezeichnen uns die Juden gerade aus diesem Grund nach ihm als Nazarener. Denn wir sind jene, von denen geschrieben steht: ‚Ihre Nasiräer waren weißer als Schnee;‘“

Der Zweig: Der Messias wird in Jesaja 11,1, Jeremia 23,5, 33,5 und wahrscheinlich auch in Sacharja 3,8 sowie 6,12 als „der Zweig“ bezeichnet. Die Konsonanten im Wort „Spross“ sind identisch mit denen in „Nazarener“, und das hebräische Alte Testament wurde ursprünglich ohne Vokale geschrieben. Darüber hinaus wird im „Bible Knowledge Commentary: New Testament“, S. 23, erwähnt, dass „Spross“ die Vorstellung eines unbedeutenden Anfangs in sich trug, und die Reaktion der Pharisäer zeigte, dass Nazareth dieselbe Konnotation hatte.

Weitere Informationen finden Sie in „When Critics Ask“, S. 328, und im „Expositor’s Bible Commentary“, Band 8, S. 97.

F: War die Behauptung in Mt 2,23 falsch, dass die Herkunft Jesu aus Nazareth die Prophezeiungen des Alten Testaments (Jes 11,1; Sach 6,12 und andere Stellen) erfüllte, wie es in dem skeptischen Werk „Asimov’s Guide to the Bible“, S. 801–802, heißt?

A: Keineswegs. Zunächst folgt die Aussage von Asimov, danach die Antwort.

In dem skeptischen Werk „Asimov’s Guide to the Bible“, S. 801–802, wird erwähnt, dass „Matthäus hier möglicherweise eine Ähnlichkeit mit ‚Nazarener‘ sieht“. (Tatsächlich sind die beiden Wörter im Hebräischen identisch, da die Vokale nicht geschrieben wurden.) Asimov schreibt auf S. 802: „dass Matthäus sich bestenfalls einem Wortspiel hingibt und sich nicht auf eine tatsächliche Prophezeiung bezieht, wonach der Messias ein Einwohner von Nazareth sein würde.“

Die Antwort lautet, dass das Alte Testament besagt, der Messias werde „der Zweig“ genannt, ohne einen oder mehrere Gründe dafür zu nennen. Matthäus 2,22 schließt nicht aus, dass Jesus auch Gottes „Zweig“ ist, aus dem seine Kirche hervorgehen würde.

F: Wie stellten sich die Menschen in Mt 3,1–4 die Wüste vor?

A: Dies war ein trockener, karger Ort, jedoch nicht vergleichbar mit der Sahara. Ohne umfangreiche Bewässerung konnte man dort keine Feldfrüchte anbauen, aber man konnte Schafe und Ziegen halten, sofern es Stellen gab, an denen man sie tränken konnte. Es war kein Ort des Komforts und der Aufregung, sondern ein leerer, einsamer Ort der Stille fernab der Zivilisation. Die Israeliten befanden sich in der Wüste, während sie die nächste Generation darauf vorbereiteten, das Gelobte Land zu betreten. Paulus hielt sich in der Wüste Arabiens auf, bevor er seinen Dienst aufnahm.

Auch heute führt Gott Gläubige manchmal in die Wüste. Es ist kein Ort der Aufregung, sondern der Stille. Es ist vielleicht kein Ort des aktiven Dienstes, obwohl es im Fall des Johannes ein Ort des Dienstes war und für das Volk ein Ort der Buße und der Hingabe. Es kann ein Ort der Vorbereitung sein.

Weitere Informationen finden Sie im „Tony Evans Bible Commentary“, S. 867.

F: Waren die Heuschrecken, die Johannes der Täufer aß (Mt 3,4 und Mk 1,6), reine oder unreine Nahrung?

A: Es gab sowohl reine als auch unreine Heuschrecken, und die Evangelien machen diesbezüglich keine konkrete Angabe. Wir können jedoch davon ausgehen, dass Johannes als gehorsamer Jude die reine Art verzehrte. Zu den reinen Tieren zählten gemäß 3. Mose 11,21–22 und 5. Mose 14,21 „Springer“ mit Flügeln und gegliederten Beinen, darunter Heuschrecken und Grashüpfer. Zu den unreinen Tieren zählten gemäß 4. Mose 11,20.23 und 5. Mose 14,19 „Fluginsekten“. Auch heute noch fangen ärmere Menschen reine Heuschrecken, entfernen ihnen Flügel und Beine, kochen sie und verzehren sie.

Weitere Informationen finden Sie in „The Expositor’s Greek Testament“, Band 1, S. 80.

F: Hat Johannes der Täufer in Matthäus 3,4 und Markus 1,6 Insekten namens Heuschrecken gegessen, oder bedeutet dies, dass er Früchte vom Heuschreckenbaum gegessen hat?

A: Folgendes sagen antike und moderne Quellen über das griechische Wort für Heuschrecken: „akrides“.

Die Ebioniten (eine antike Häresie) versuchten, Johannes als Vegetarier darzustellen. Daher behaupteten sie, es handele sich um Honigkuchen, „egkrides“, und nicht um Heuschrecken.

Tatian verfasste eine Zusammenfassung der vier Evangelien namens „Diatessaron“ und verwendete dort den Begriff „Milch“ anstelle von „Heuschrecken“.

Theophylakt 173 listet eine Reihe von Möglichkeiten auf, darunter die Pflanze „Melagron“.

Verschiedene Mönche bezeichneten den Johannisbrotbaum als „Brotbaum des Heiligen Johannes“, da sie glaubten, es handele sich um einen „Heuschreckenbaum“.

Theodor von Mopsuestia erklärte – möglicherweise als Antwort auf Behauptungen, es handele sich um etwas anderes –, dass es sich um Heuschrecken mit Flügeln handelte.

Das Problem bei diesen Interpretationen ist, dass es offenbar keine Bibelhandschriften gibt, in denen von etwas anderem als „Heuschrecken“ die Rede ist. Frühe Christen wie Clemens von Alexandria schrieben über Matthäus 3,4 und sahen keinen Grund, die Heuschrecken als etwas anderes als Insekten zu betrachten.

Zu den modernen Quellen, die die Heuschrecken als Insekten bezeichnen, gehören die „NIV Study Bible“, S. 1445, der „Bible Knowledge Commentary: New Testament“, S. 104, der „Expositor’s Bible Commentary“, Band 8, S. 102, sowie das „New Bible Dictionary“, S. 744.

Die Informationen zu den alternativen Ansichten stammen aus Ulrich Luz’ Buch „Matthew 1–7: A Commentary“ (Augsburg Fortress, 1989) sowie aus „The Expositor’s Greek Testament“, Band 1, S. 80–81.

F: Was bedeutet in Mt 3,4, Mk 9,3 und Apg 22,20 (KJV) der Begriff „raiment“ und was ist ein „fuller“?

A: „Raiment“ bedeutet Kleidung, und ein „Fuller“ ist jemand, dessen Beruf es ist, Kleidung zu waschen.

F: Warum taufte Johannes in Mt 3,6 andere?

A: Es war üblich, dass sich jemand bei der Bekehrung zum Judentum selbst in einem eigens dafür vorgesehenen Becken taufte. Dies ist jedoch der früheste Bericht, in dem davon die Rede ist, dass jemand einen anderen taufte. Im Alten Testament wird das Besprengen mit Wasser zur Reinigung in Hesekiel 36,25–27 erwähnt, und das Ausgießen des Geistes Gottes wird in Hesekiel 39,29 und Joel 2,28 erwähnt.

Johannes sagte, er taufe zur Buße, um die Menschen wieder zu Gott zurückzuführen und den Weg für den Messias zu bereiten. Wenn ein irdischer König eine weit entfernte Stadt in seinem Reich besuchen wollte, zogen Straßenarbeiter bereits Monate zuvor los, um die Straße instand zu setzen. In ähnlicher Weise war Johannes da, um den Weg in den Herzen der Menschen zu ebnen, damit der Messias kommen könne.

Weitere Informationen finden Sie im „Bible Knowledge Commentary: New Testament“, S. 24, und im „Expositor’s Bible Commentary“, Band 9, S. 286.

F: Warum sprach Johannes in Mt 3,7–9 so scharf zu den Pharisäern und Sadduzäern?

A: Johannes rief die Menschen dazu auf, Buße zu tun, ihre Sünden zu bekennen und ihre alten Gewohnheiten aufzugeben. Obwohl die Pharisäer und Sadduzäer kamen, wusste er, dass die meisten von ihnen nicht zu diesem Zweck erschienen waren. Im schlimmsten Fall kamen sie, um einen exzentrischen Lehrer zu untersuchen und vielleicht einen Grund zu finden, ihn loszuwerden. Selbst im besten Fall wollten sie sich nur ein paar Hinweise holen, um ihre bestehende Lebensweise zu ergänzen. Johannes sagt nicht, dass sie lediglich ihr Wissen erweitern müssten; sie müssen Buße tun und sich von ihrem Vertrauen auf einen Ort, auf Traditionen, auf ihre Organisationen oder auf ihre Positionen innerhalb dieser Organisationen abwenden. Vor einem Lauffeuer versuchen Schlangen zu fliehen; es fällt ihnen jedoch schwer, weit zu kommen. Es ist, als würde man ohne Buße vor Gottes Zorn fliehen. Doch Johannes sagte nicht, dass sie nicht bleiben und zuhören dürften. Wenn die Pharisäer und Sadduzäer aufrichtig Buße tun wollten, hätten auch sie sich taufen lassen können.

Weitere Informationen finden Sie in „The Tony Evans Bible Commentary“, S. 867–868, „The Expositor’s Greek Testament“, Band 1, S. 82–83, sowie in „The Expositor’s Bible Commentary“, Band 8, S. 103.

F: Warum verwendete Johannes in Mt 3,9 den Ausdruck „sagt nicht zu euch selbst“, und inwiefern belügen sich manche Menschen heute selbst?

A: Johannes spricht eine Lüge an, aber wer lügt eigentlich? Dämonen können uns belügen, und andere Menschen können uns belügen, doch darüber hinaus erzählen wir uns oft selbst Lügen. Es ist immer noch eine Lüge, auch wenn wir die Einzigen sind, die diese Lüge hören. Wir können lügen, indem wir sagen: „Diese Sünde ist gar nicht so schlimm“ oder „Gott versteht, dass ich hier bleibe“, obwohl Gott uns dazu aufruft, Buße zu tun und weiterzuziehen. Andere Lügen lauten: „Es ist immer noch genug Zeit“ oder „Ich bin im Grunde ein guter Mensch, also muss ich mich nicht ändern.“

F: Wie könnte Gott in Mt 3,9 Kinder Abrahams aus Steinen hervorbringen, wenn Er es wollte?

A: Der allmächtige Gott kann alles tun, sogar leblose Steine in Kinder mit Kopien von Abrahams Genen verwandeln. Außerdem gibt es hier ein Wortspiel. Sowohl im Hebräischen als auch im Aramäischen ist das Wort für „Steine“ dem Wort für „Kinder“ sehr ähnlich.

Weitere Informationen finden Sie in „The Expositor’s Bible Commentary“, Band 8, S. 103.

F: Was wollte Johannes der Täufer in Mt 3,10 damit sagen, dass die Axt schon an die Wurzel des Baumes gelegt ist?

A: Manche Dinge im Leben sind unumkehrbar, wie zum Beispiel das Fällen eines Baumes. Hat man einmal damit begonnen, kann man das Begonnene nicht mehr rückgängig machen. Ebenso war dies ihre letzte Chance, bevor sie abgeschnitten wurden. Ihre Zeit war abgelaufen.

F: In Mt 3,11: Inwiefern lässt sich Johannes’ Eingeständnis, dass er nicht das vollständige Bild vermittelt, auf unser Zeugnisgeben anwenden?

A: Johannes war ein notwendiger Vorläufer, um das Volk wieder zu Gott zurückzuführen, bevor Jesus kam. Johannes wollte nicht, dass die Menschen seinen Worten glaubten und dachten, das sei bereits alles, was sie tun müssten. Nein, Johannes war nur die „Vorspeise“ und Jesus der „Hauptgang“. Doch selbst damals gab es einige Menschen in der Geschichte, die Johannes’ Worte hier ignorierten. Diese Menschen gehören der mandäischen Religion an, an die die Sumpf-Araber im Süden des Irak glauben. Sie glauben, dass Johannes der Täufer von Gott kam, Jesus jedoch nicht.

Heute müssen wir das Evangelium den Menschen dort vermitteln, wo sie gerade stehen. Wenn sie nicht daran glauben, dass Gott existiert oder dass es nur einen einzigen Gott gibt, müssen wir uns darauf konzentrieren. Vielleicht kommen andere Punkte – dass wir alle Sünder sind, dass Jesus für unsere Sünden am Kreuz gestorben ist und dass wir Jesus als unseren Herrn und Erlöser annehmen müssen – erst später zur Sprache. Wenn wir jedoch einen Teil des Evangeliums zurückstellen müssen, sei es aus Zeitgründen oder aufgrund der geistlichen Verfassung der Person, sollten wir ihr sagen, dass das, was wir gesagt haben, nicht die ganze Geschichte ist; es wird noch mehr folgen.

F: Wie tauft Jesus in Mt 3,11 die Christen mit dem Heiligen Geist und mit Feuer?

A: Die Botschaft des Johannes erinnert uns an Joel 2,28–29, wo der Heilige Geist verheißen wird, sowie an die in Maleachi 3,2–5 erwähnte Läuterung. Gläubige werden mit dem Heiligen Geist getauft, sobald sie zum ersten Mal an Christus glauben. Während der moderne Ausdruck „Feuertaufe“ eine schwere Prüfung bedeutet, ist dies hier nicht der Sinn, denn es ist Jesus, nicht die Verfolger, der die Taufe vollzieht, und es geschieht mit Feuer, nicht durch Feuer.

Es gibt drei Ansichten darüber, was „Feuer“ bedeutet.

(unwahrscheinlich) Eine zweite Taufe durch den Heiligen Geist: Es gibt nur eine Präposition, d. h., es heißt „durch den Heiligen Geist und Feuer“, nicht „durch den Heiligen Geist und durch Feuer“. Daher bezieht sich dies wahrscheinlich nicht auf ein zweites Ereignis.

(unwahrscheinlich) Pfingsten: Den Aposteln erschien eine Flamme auf dem Haupt, als sie zu Pfingsten predigten, und diese Auslegung würde bedeuten, dass Johannes der Täufer Pfingsten prophezeite. Die Abhandlung über die Wiedertaufe (ca. 250–258 n. Chr.), Kap. 2, S. 668, vertritt diese Ansicht. In der NIV-Studienbibel, S. 1446, heißt es: „Auf dramatische Weise demonstriert zu Pfingsten (Apg 1,5.8; 2,1–13; 11,16), obwohl sich ‚Feuer‘ hier möglicherweise auf das kommende Gericht bezieht (siehe Vers 12).“ Es bezieht sich jedoch wahrscheinlich nicht auf Pfingsten, und zwar aus demselben Grund, aus dem es sich auch nicht auf das erste bezog. Der „Believer’s Bible Commentary“, S. 1211, fügt hinzu, dass dies unwahrscheinlich sei, da Feuer im nächsten Vers mit dem Gericht gleichgesetzt werde.

(unwahrscheinlich) Reinigungswerk des Heiligen Geistes: Die „New Geneva Study Bible“, S. 1508, und der „Evangelical Commentary on the Bible“, S. 727, vertreten diese Ansicht. Auch Origenes (225–254 n. Chr.) vertrat diese Ansicht in seinem „Kommentar zum Johannesevangelium“, Buch 6, Kap. 16–17, S. 366–367. Dies ist jedoch unwahrscheinlich, da die Spreu in Matthäus 3,12 mit unauslöschlichem Feuer verbrannt wird. Der „Expositor’s Bible Commentary“, Band 8, S. 104–105, vertritt diese Ansicht, da die einzige Präposition im Griechischen nicht auf zwei Taufen (den Heiligen Geist für Gläubige und das Feuer des Gerichts für Ungläubige) hindeuten würde, sondern auf nur eine Taufe (den Heiligen Geist und das reinigende Feuer).

(unwahrscheinlich) Das Feuer des Gerichts für das Wirken eines Christen war die Auslegung des Basilius von Kappadokien (357–378/379 n. Chr.) in „Über den Geist“, Kap. 15.36, S. 22.

Höllenfeuer für Menschen, die Jesus ablehnen: Siehe „Das heutige Handbuch zur Lösung biblischer Schwierigkeiten“, S. 150–152, für die Auffassung, dass dies bedeutet, Jesus werde die Gläubigen mit dem Heiligen Geist taufen und diejenigen, die Jesus ablehnen, mit dem Feuer des Gerichts. Johannes Chrysostomos (gest. 407 n. Chr.) vertrat diese Ansicht in seinen „Predigten zum Matthäusevangelium“, Predigt 11, Kap. 6–7, S. 71–72, wobei er die Kontinuität zu den anderen Warnungen des Johannes bezüglich des Feuers hervorhob. Im „Expositor’s Greek New Testament“, Band 1, S. 84, heißt es, dass Johannes den Schwerpunkt auf drei Dinge legte: Wasser, Wind/Geist und Feuer. Johannes taufte mit Wasser, der Messias würde die Gläubigen mit dem Geist taufen, und eine Feuertaufe würde im Gericht jene vernichten, die nichts mit dem Wasser und dem Geist zu tun haben. Irenäus von Lyon (182–188 n. Chr.) verwendet diesen Vers, um in seinem Werk „Gegen die Häresien“, Buch 4, Kap. 4.3, S. 466, über Gottes Gericht über die Ungläubigen zu sprechen. Tertullian (198–220 n. Chr.) sagt, dass die Taufe mit Wasser zum Heil dient, während ein vorgetäuschter und schwacher Glaube mit Feuer getauft wird, zum Gericht (Über die Taufe, Kap. 10, S. 674).

Das Feuer des Gerichts in der Endzeit bei der Wiederkunft Jesu. Der „Believer’s Bible Commentary“, S. 1211, vertritt diese Ansicht.

Mehrdeutigkeit: Der „Bible Knowledge Commentary: New Testament“, S. 25, erklärt, dass sich dies sowohl auf das Gericht über als auch auf die Reinigung der Gläubigen bezieht. Theodotus, der vermutlich ein Montanist war (ca. 240 n. Chr.), S. 124, sagt, dass Feuer schlicht das zerstörerische Element sei, das das Böse in den Gläubigen reinige und (wie er andeutet) andere vernichte.

Nicht näher spezifiziert: Die folgenden Autoren zitierten diesen Vers, erwähnten jedoch keine bestimmte Sichtweise.

Justin der Märtyrer (ca. 138–165 n. Chr.) in „Dialog mit Trypho, dem Juden“, Kap. 49, S. 219

Hippolyt (222–234/5 n. Chr.) in „Die Rede über die Heilige Theophanie“, Kap. 3, S. 235

Cyprian von Karthago (ca. 246–258 n. Chr.) in „Die Abhandlungen des Cyprian“, Abhandlung 12, Kap. 1.12, S. 511

Augustinus von Hippo (388–430 n. Chr.) erörtert diesen Vers, erwähnt jedoch keine bestimmte Sichtweise (Harmonie der Evangelien, Buch 2, Kap. 12.26, S. 117).

Weitere Informationen zu den verschiedenen Ansichten finden Sie in der Fußnote der NET Bible zu Matthäus 3,11.

F: Wie funktioniert das „Sichten“ in Mt 3,12?

A: Wenn man Weizen erntet, ist der größte Teil der Ernte ungenießbar. Man hat den guten Samen, der von der Spelze umgeben ist, die am Halm haftet. Zunächst erfolgt das Dreschen, bei dem Ochsen auf den Weizen treten, um die Samen, die dichter sind, vom Rest zu trennen. Anschließend verwendet man möglicherweise eine Heugabel oder eine Worfschaufel, auch Worfkelle genannt, um die Mischung in die Luft zu werfen, sodass der Wind die ungenießbare Spelze von den essbaren Samen wegweht.

Das Bild, das sich hier bietet, ist, dass die Weizenernte eine große Menge an Material liefert, von dem jedoch nur ein kleiner Teil tatsächlich von Nutzen ist. Ja, das Mähen der Weizenhalme ist sowohl wichtig als auch zeitaufwendig, doch die Trennung des Weizens von der Spreu ist ebenso wichtig und zeitaufwendig. Es ist wichtig, Menschen dazu zu bewegen, positiv auf die Botschaft des Evangeliums zu reagieren, doch das ist höchstens die Hälfte der Aufgabe, alle Völker zu Jüngern zu machen.

Weitere Informationen finden Sie in „The Expositor’s Greek Testament“, Band 1, S. 84, „The Tony Evans Bible Commentary“, S. 868, und „The Expositor’s Bible Commentary“, Band 8, S. 105.

F: Warum wollte Jesus in Mt 3,14 getauft werden, und warum wollte Johannes Jesus davon abhalten?

A: Natürlich hatte Jesus keine Sünde, derer er Buße tun musste, doch Jesus identifizierte sich in jeder Hinsicht mit uns. So wie wir dem Beispiel Jesu folgen, ließ sich auch Jesus taufen. Außerdem bestätigte Jesus hier den Dienst des Johannes.

Betrachten wir diese Verse jedoch noch einmal aus der Perspektive des Johannes. Johannes’ Leitmotiv im Leben war es, Buße zu predigen und die Menschen dazu zu bewegen, durch die Wassertaufe öffentlich zu bekennen, dass sie Buße tun und Gott nachfolgen wollten. Johannes war von Geburt an vom Heiligen Geist erfüllt und wusste, dass sein Verständnis richtig war. Er wusste, dass Jesus der sündlose Messias war. Daher war Johannes verwirrt darüber, dass Jesus getauft werden wollte.

Johannes’ Sichtweise war richtig, wenn auch zu stark vereinfacht. Johannes erkannte, dass Jesus keine Buße tun musste, und hielt es für absurd, dass der bloße Vorläufer den Messias selbst taufen sollte. An sich hatte Johannes berechtigte Argumente. Was Johannes jedoch nicht erkannte, war, dass Jesus sich in jeder Hinsicht mit uns identifizierte, um alle Gerechtigkeit zu erfüllen. Jesus war größer als Johannes der Täufer; das leugnete Jesus nicht. Doch Jesus erniedrigte sich selbst und kam, um zu dienen; daher gebot der Herr in Vers 15 Johannes dem Täufer im Wesentlichen, Jesus hier die demütigere Stellung einzuräumen.

Hier offenbart sich etwas Kostbares über das Herz des Johannes. Johannes sah – auch wenn er nicht zu 100 % Recht hatte – seine einzige Lebensaufgabe darin, diejenigen zu predigen und zu taufen, die Buße tun mussten. Die Taufe Jesu fiel außerhalb von Johannes’ Vorstellung von seinem Lebenswerk. War es für Johannes also wichtiger, Gott zu dienen, indem er das erfüllte, was er als seine von Gott gegebene Bestimmung ansah, oder war es ihm wichtiger, dem Herrn zu folgen und ihm zu gehorchen, wohin auch immer Er ihn führte? Auch wenn Johannes nicht über ein klares Verständnis von allem verfügte – zumindest nicht bis später –, entschied er sich für Letzteres. Auch wir sollten Gott nicht nur folgen, sondern Ihm ohne Vorbedingungen nachfolgen.

Weitere Informationen finden Sie in „The Tony Evans Bible Commentary“, S. 868, „The Expositor’s Greek Testament“, Band 1, S. 85–86, „The Evangelical Commentary on the Bible“, S. 727, „The Believer’s Bible Commentary“, S. 1212, sowie in „The Expositor’s Bible Commentary“, Band 8, S. 107–108.

Frage: Warum musste in Mt 3,16 „der arme Jesus (Friede sei mit ihm) nach seiner Geburt DREISSIG JAHRE lang warten, um bei seiner Taufe durch Johannes den Täufer die Gabe des HEILIGEN GEISTES zu empfangen“, wenn die Gabe des Heiligen Geistes „so billig ist, dass 75.000.000 ‚WIEDERGEBORENE‘ Christen in Amerika ebenfalls damit prahlen“ und in Lk 1,15 Johannes der Täufer von Geburt an vom Heiligen Geist erfüllt war. (Der Muslim Ahmad Deedat hat dies angesprochen.)

A: Zunächst einmal als Randbemerkung: Mohammed wartete vierzig Jahre, bevor er behauptete, ein Prophet zu sein. Deedat verwechselt „kostenlos“ mit „billig“, und Deedat scheint die biblische Lehre über die Gottheit Christi vergessen zu haben. Deedat hat die Gabe des Heiligen Geistes nie empfangen, daher kennt er den Unterschied nicht zwischen der Gabe des Heiligen Geistes und der sichtbaren Herabkunft des Heiligen Geistes auf Jesus in Gestalt einer Taube.

Kostenlos, aber nicht billig: Die Gabe war sehr teuer, sie kostete Jesus das Leben. Doch Gott schenkt sie allen, die an Sein Evangelium glauben, kostenlos.

Die Gottheit Christi: Der „arme“ Jesus musste nicht dreißig Jahre warten; nicht nur ruhte die Gnade Gottes schon als Kind auf Jesus (Lukas 2,40), sondern Jesus ist Gott selbst, und der Vater war in ihm. Jesus musste nicht wie wir mit dem Heiligen Geist erfüllt werden; der Vater und Jesus haben den Heiligen Geist zu uns gesandt.

Die Herabkunft des Heiligen Geistes auf Jesus ist keine Gabe des Heiligen Geistes: Deedat interpretiert fälschlicherweise, dass Jesus bei seiner Taufe mit dem Heiligen Geist erfüllt wurde; dort steht nicht, dass Jesus bei seiner Taufe mit dem Heiligen Geist erfüllt wurde. Vielmehr kam der Heilige Geist in körperlicher Gestalt, sichtbar als Taube, auf Jesus herab. Wenn Christen mit dem Heiligen Geist erfüllt werden, kommt der Heilige Geist nicht als Taube auf sie herab; es handelt sich also um etwas anderes.

Lassen Sie uns abschließend die Erfahrung Jesu mit der Mohammeds vergleichen.

1. Mohammed, der laut den Hadithen als Prophet galt, wurde mit einem bösen Zauber belegt.

1a. Labid bin el-Asim, der Jude, belegte Mohammed mit einem Zauber. Ibn-i-Majah, Band 5, Nr. 3435, S. 60–61

1b. Mohammed wurde laut Sahih Muslim, Band 3, Buch 24, Nr. 5428–5429, S. 1192–1193; Sahih Muslim, Band 2, Buch 4, Nr. 1888, S. 411, mit einem bösen Zauber belegt. Siehe auch Bukhari, Band 8, Buch 73, Kapitel 56, Nr. 89, S. 57, sowie Bukhari, Band 8, Buch 73, Kapitel 59, Nr. 400, S. 266.

2. Mohammed fürchtete für sich selbst die Qualen des Grabes.

2a. Eine jüdische Frau sagte zu Mohammed: „Möge Allah Sie vor der Qual des Grabes bewahren.“ Daraufhin betete Mohammed um Schutz vor der Qual des Grabes. Sunan Nasa’i, Band 2, Nr. 1479, S. 281–282

2b. „A’isha berichtete: Der Heilige Prophet (Friede sei mit ihm) betrat mein Haus, als eine Jüdin bei mir war, und sie sagte: ‚Wissen Sie, dass Sie im Grab auf die Probe gestellt werden?‘ Der Gesandte Allahs (Friede sei mit ihm) zitterte (als er dies hörte) und sagte: ‚Nur die Juden werden auf die Probe gestellt.‘ A’isha sagte: Es vergingen einige Nächte, und dann sagte der Gesandte Allahs (Friede sei mit ihm): ‚Weißt du, dass mir offenbart wurde: „Du wirst im Grab geprüft werden“?‘ A’isha sagte: ‚Ich hörte, wie der Gesandte Allahs (Friede sei mit ihm) danach Zuflucht vor der Qual des Grabes suchte.‘“ Sahih Muslim, Band 1, Buch 4, Nr. 1212, S. 290

2c. Abu Huraira berichtete: „Ich hörte, wie der Gesandte Allahs (Friede sei mit ihm) danach (nach der Offenbarung) Zuflucht vor den Qualen des Grabes suchte.“ Sahih Muslim, Band 1, Buch 4, Nr. 1213, S. 290

2d. „Sie (Aischa) sagte: ‚Ich habe ihn (den Heiligen Propheten) danach nie wieder gesehen, ohne dass er im Gebet Zuflucht vor den Qualen des Grabes suchte.‘“ Sahih Muslim, Band 1, Buch 4, Nr. 1214, S. 290

2e. „Masruq überlieferte diesen Hadith auf die Autorität von ‘A’isha, die sagte: Nie sprach er (der Heilige Prophet) danach ein Gebet, in dem ich ihn nicht vor den Qualen des Grabes Zuflucht suchen hörte.“ Sahih Muslim, Band 1, Buch 4, Nr. 1215, S. 291

2f. Mohammed suchte Zuflucht vor den Qualen des Grabes. Sunan Nasa’i, Band 2, Nr. 2065, S. 535; Band 2, Nr. 2069, S. 537; Band 2, Nr. 2071, S. 538

Nun mag ein Muslim dem zustimmen, widersprechen oder – was wahrscheinlicher ist – gar nicht wissen, was diese Hadithe aussagen. Unabhängig davon stimmen sie mir jedoch weder zu noch widersprechen sie mir, denn ich gebe lediglich wieder, was die maßgeblichen sunnitischen Hadithe besagen.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Jesus hat uns den Heiligen Geist gesandt. Meine Hoffnung ist, dass Sie von der Macht des Bösen befreit werden, frei von der Furcht vor den Qualen des Grabes sind und Gott darum bitten, den Heiligen Geist zu empfangen.

F: Wer sah in Mt 3,16 und Mk 1,10 die Taube?

A: Sowohl in Matthäus 3,16 als auch in Markus 3,16 heißt es, dass Jesus die Taube sah, und in Johannes 1,32 steht, dass auch Johannes der Täufer die Taube sah. Diese Verse geben nicht an, wer die Taube noch gesehen hat; daher könnte sie auch von der Menge gesehen worden sein.

F: Viele sagen: „Keine Geschichte über Jesus ohne Theologie“. So sehen wir beispielsweise bei der Taufe, wie Jesus getauft wird, wie der Geist wie eine Taube auf ihn herabkommt und wie die himmlische Stimme verkündet: „Du bist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe“ (Mk 1,11). Dieses Ereignis hat sich möglicherweise nicht so zugetragen, wie es in den Evangelien beschrieben ist, d. h. alles auf einmal, sondern schrittweise im Laufe des Lebens, des Todes und der Auferstehung Jesu. Der Geist, der auf Jesus herabkam, verweist also auf das kommende Zeitalter. Auch der geöffnete Himmel, das Herabkommen des Heiligen Geistes, die Stimme des Vaters und die Anwesenheit des Messias deuten darauf hin, dass die Endzeit anzubrechen begann und dass das Heil nahe ist. Was halten Sie davon? Glauben Sie, dass die Taufe Jesu allegorisch-symbolisch war? Warum? Oder warum nicht?

A: Zunächst einmal habe ich noch nie den Satz „keine Geschichte über Jesus ohne Theologie“ gehört. Die Frage klingt fast so, als würde sie den Evangelisten vorwerfen, unehrlich zu sein und die Menschen in die Irre zu führen; ich glaube, dass es genau so stattfand, wie es in den Evangelien geschrieben steht. Ich glaube, dass die Evangelisten uns wahrheitsgetreue Berichte geliefert haben, und zwar mit der erforderlichen Genauigkeit. Wenn sie behaupten, dass Jesus von Johannes dem Täufer getauft wurde und dies geschehen ist, dann glaube ich, dass sie ehrlich waren und dass es tatsächlich so geschehen ist. Gleichnisse zu erzählen ist in Ordnung, aber wenn jemand etwas als historische Tatsache darstellt, das nicht wahr ist, dann ist das irreführend und keine Wahrheit.

Der Fragesteller hat keinen Grund dafür angegeben, warum er an der Wahrhaftigkeit der Evangelisten zweifeln möchte; daher kann ich nicht auf die Gründe für seinen Zweifel eingehen, wenn keine Gründe genannt werden.

F: Stützt Mt 3,16–17 die Auffassung, dass der Vater, der Sohn und der Heilige Geist drei getrennte Personen sind, wie es die Mormonen behaupten (Talmadge, 1977, S. 39–40)?

A: Nein. Dies zeigt zwar, dass sie unterscheidbar sind, aber es zeigt nicht, dass sie getrennt sind. Anstatt gegen die Dreifaltigkeit zu sprechen, ist diese Passage wichtig, um einen Teil der Dreifaltigkeit zu untermauern, nämlich dass die drei unterscheidbar sind. Diese Passage spricht jedoch gegen den Modalismus und den „Oneness-Pentekostalismus“. Weitere Informationen finden Sie in „When Cultists Ask“, S. 93–95.

F: Was ist in Mt 4,2 so ironisch an Jesu Wirken im Matthäusevangelium?

A: Jesus ist hier hungrig (Matthäus 4,2), doch er hat andere gespeist (Matthäus 14,13–21; 15,29–39).

Jesus wurde müde (Matthäus 8,24), doch Jesus bietet anderen Ruhe an (Matthäus 11,28).

Jesus ist der Sohn des Königs (Matthäus 17,24–26), doch er zahlt Steuern (Matthäus 17,27).

Jesus wird vorgeworfen, die Kraft des Teufels zu nutzen (Matthäus 12,24), doch Jesus treibt Dämonen aus (Matthäus 12,22–23).

Jesus stirbt den Tod eines Verbrechers und Sünders (Matthäus 27,37–38), doch er rettet uns von unseren Sünden (Matthäus 1,12).

Jesus wird für dreißig Silberstücke verkauft (Matthäus 26,15), gibt aber sein Leben als Lösegeld für viele (Matthäus 20,28).

Jesus weigert sich, Steine in Brot zu verwandeln (Matthäus 4,3–4), gibt aber symbolisch seinen eigenen Leib als Brot für sein Volk hin (Matthäus 26,26).

Weitere Informationen finden Sie in „The Expositor’s Bible Commentary“, Band 8, S. 112.

F: In Mt 4,3 und Lk 4,3–4 war Jesus hungrig, und der Vater hatte ihn nicht gespeist – was wäre also falsch daran gewesen, wenn Jesus selbst Brot gemacht hätte?

A: Jesus hatte sich zum Fasten verpflichtet, und der Vater hätte ihn ernähren können, da ein Mensch innerhalb von 40 Tagen essen muss, um zu überleben. Doch Jesus war furchtbar hungrig, und er hätte seine übernatürliche Kraft nutzen können, um zu essen, wenn er es gewollt hätte. Aber Jesus wollte seine übernatürliche Kraft nicht einsetzen oder irgendetwas tun, was nicht dem Willen seines Vaters entsprach. Und der Vater sandte schließlich in Matthäus 4,11 Engel, um Jesus zu versorgen.

Weitere Informationen finden Sie in „The Tony Evans Bible Commentary“, S. 869, und in „The Expositor’s Greek Testament“, Band 1, S. 88–89.

F: Worum ging es bei dieser Versuchung in Mt 4,5–6 und Lk 4,9–12?

A: Zunächst einmal zeigt dies, dass Satan die Heilige Schrift kennt und sogar versuchen kann, sie zu seinem Vorteil zu nutzen, um Menschen zum Straucheln zu bringen. Da Jesus der Sohn Gottes war, wusste er, dass er beschützt werden würde, sollte er hinunterspringen. Geografisch gesehen lag der Tempel am Kidrontal, und der höchste Punkt des Tempels bis zum Grund des Kidrontals betrug etwa 450 ft.

Diese Versuchung ist insofern interessant, als sie gegen kein Gesetz des Alten Testaments verstoßen würde und sogar dazu beitragen würde, die Menschen davon zu überzeugen, dass Er der Messias war. Anstatt also zu etwas Schlechtem zu führen, handelt es sich hierbei um eine „von Gott missbilligte Abkürzung“ zu etwas Gutem. Natürlich würde dies auch den Stolz Jesu ansprechen, sich zur Schau zu stellen, und seine Beliebtheit steigern. Darüber hinaus wäre es so, als würde man Gott in die Enge treiben, um Ihn zu zwingen, einen zu beschützen. Wir wissen natürlich, dass Gott nicht möchte, dass wir Böses tun – „der Zweck heiligt nicht die Mittel“, wenn es darum geht, Abkürzungen zu nutzen, um Gutes zu tun. Wenn Sie also zu spät zur Kirche kommen, sollten Sie dann zu schnell fahren? Wenn Sie mehr Geld für die Gemeindearbeit spenden möchten, sollten Sie dann bei der Steuer hintergehen und dieses Geld verwenden? Wie es im „Tony Evans Bible Commentary“ auf Seite 869 heißt: „Gott braucht keine Hilfe von Satan, um Sie dorthin zu bringen, wo er Sie haben möchte.“

Weitere Informationen finden Sie im „Evangelical Commentary on the Bible“, S. 729, und im „The Expositor’s Greek Testament“, Band 1, S. 89–90.

F: Wie konnte Satan in Mt 4,8 und Lk 4,6–8 Jesus die Welt anbieten, da Jesus Gott war und die Welt bereits besaß, wie ein Atheist (Cappello) behauptet?

A: Das ist eine interessante Frage. Bei der Beantwortung sind vier Punkte zu berücksichtigen.

1. Jesus war zwar immer noch Gott, doch entäußerte er sich freiwillig, als er auf die Erde kam, wie Philipper 2,7 und Johannes 17,5 zeigen.

2. Gott „besitzt“ die Welt tatsächlich, wie Psalm 24,1 zeigt. Dennoch nahmen die Seinen ihn nicht auf, als Jesus sich seiner Herrlichkeit entäußerte und auf die Erde kam, wie Johannes 1,10–11 zeigt.

3. Während Gott die höchste Macht behielt, übertrug er der Menschheit gemäß 1. Mose 1,28 die Herrschaft über diese Welt.

4. Obwohl Gott der rechtmäßige Eigentümer ist, wurde Satan seit dem Sündenfall vorübergehend ein großer Teil der Herrschaft über diese Welt übertragen, wie 1. Johannes 5,19 zeigt. Gemäß 2. Korinther 4,4 ist der Gott dieser Welt Satan. Satan ist der Fürst dieser Welt in Johannes 12,31; 14,30; 16,11; Epheser 6,12 und Kolosser 1,13.

5. Schließlich ist Satan der große Verführer; daher können Sie keine Lehre auf das stützen, was Satan behauptet hat, und somit beantwortet dieser Vers die Frage nicht. Zwar ist Satan der Herrscher über die Welt, und auf dieser Grundlage könnte man meinen, dass Satan dies hätte bewirken können, doch kann Satan nichts tun, außer dem, was Gott zulässt; daher verfügt Satan möglicherweise nicht über diese Freiheit. Da Dämonen und Versuchungen den Menschen jedoch schon so viele gebrochene Versprechen gegeben haben, gibt es keinen Hinweis darauf, dass Satan hier „ehrlich werden“ würde und dass der Vater der Lügen überhaupt versuchen würde, das zu erfüllen, was er versprochen hat.

Zusammenfassung: Gott hat das Eigentumsrecht sowohl aufgrund der vergangenen Schöpfung als auch aufgrund seiner ewigen Souveränität. Jesus gab das Zweite vorübergehend auf, als Er auf die Erde kam. Doch seit dem Sündenfall hat Satan die Herrschaft, wenn auch nicht die endgültige Kontrolle über diese Welt.

Weitere Informationen finden Sie in „The Expositor’s Greek Testament“, Band 1, S. 90–91.

F: Wurde in Mt 4,10 und Mt 12,26 die Rebellion Satans erst nach dem Exil der Juden gelehrt, wie es der skeptische „Asimov’s Guide to the Bible“, S. 779, behauptet?

A: Nein. Auch Jesaja 14,12–15, das vor dem Exil verfasst wurde, spricht von der Rebellion Luzifers.

F: Gehören in Mt 4,14–16 Jes 9,1 und Jes 9,2 zusammen, oder hat Matthäus diese beiden Stellen fälschlicherweise miteinander verbunden?

A: Sie gehören zusammen, da Jesaja 9,1 eine Überleitung zwischen beiden Abschnitten darstellt.

Der skeptische „Asimov’s Guide to the Bible“ (S. 816) behauptet, Jesaja 9,1 gehöre zum vorangehenden Abschnitt und werde in modernen jüdischen Bibeln sowie in der „New Jerusalem Bible“ tatsächlich als Jesaja 8,23 bezeichnet. Jesaja 8,22 und 9,1 stehen tatsächlich in Zusammenhang, da Jesaja 8,22 von Menschen in der Finsternis spricht und Jesaja 9,1 davon, dass es keine Finsternis mehr geben wird.

Allerdings spricht Jesaja 8,22 von Menschen, die in die Finsternis vertrieben werden; Jesaja 9,1 besagt, dass es für Sebulon und Naftali keine Finsternis mehr geben wird, und Jesaja 9,2–7 beschreibt, wie das Volk, das in der Finsternis war, ein großes Licht sehen wird.

Es ist interessant, dass Asimov zu behaupten versucht, jene, die in Finsternis waren, deren Finsternis aber in Jesaja 9,1 beseitigt wird, hätten nichts mit jenen zu tun, die in Finsternis waren und im unmittelbar folgenden Vers ein großes Licht gesehen haben.

Weitere Informationen finden Sie in „When Critics Ask“, S. 329.

F: Inwiefern bezieht sich in Matthäus 4,15–16 die Prophezeiung über Sebulon und Naftali in Jesaja 9,1–2 auf Jesus?

A: Es besteht in zweierlei Hinsicht ein Zusammenhang.

Kindheit: Jesus verbrachte den größten Teil seiner Kindheit in Galiläa, westlich des Sees Genezareth.

Frühe Wirksamkeit: Jesu frühe Wirksamkeit fand in Galiläa statt, vor allem westlich des Sees Genezareth. Diese Region war das Stammland von Sebulon und Naftali.

Das griechische Wort für „dämmerte“ hier, „aneteilen“, bedeutet nicht, dass das Licht an einem anderen Ort leuchtete und sich dann nach Galiläa verlagerte. Vielmehr strahlte das Licht dort von Anfang an hell. Dies geht aus dem „Expositor’s Bible Commentary“, Band 8, S. 117, hervor.

Frage: Was können wir in Mt 4,18–22 und Mk 1,16–20 von diesen Fischern lernen?

A: Jesus war bereits eine Weile in Galiläa gewesen, und sie waren schon früher, in Johannes 1,35–42, zur Errettung berufen worden. Hier wurden sie zum Dienst berufen. Diese Fischer hörten nie auf zu fischen. Es war nur so, dass das, was Jesus ihnen zu fangen auftrug, etwas anderes war. Wie es im „Tony Evans Bible Commentary“, S. 870, heißt: Wenn Sie nicht fischen, dann folgen Sie nicht. Vielleicht sagen Sie, dass Sie nicht dazu berufen sind, Evangelist zu sein oder Seelsorge zu leisten (sich um andere zu kümmern), weil Sie nicht zum vollzeitlichen Dienst berufen wurden. Bedenken Sie Folgendes: Jeder Christ ist zum vollzeitlichen Dienst berufen, wenn auch nicht unbedingt zum vollzeitlichen bezahlten Dienst. Möglicherweise sind Sie dazu berufen, sich vollzeitlich um Ihre Mutter oder Ihre Familie zu kümmern, den Armen und anderen in Ihrer Umgebung zu dienen, ein gottgefälliges Vorbild zu sein und andere zum Dienst anzuleiten.

Weitere Informationen finden Sie im „Believer’s Bible Commentary“ auf Seite 1214.

F: Worüber sollen die Menschen in Mt 5,4 hier trauern?

A: Hier wird nicht konkret auf die Trauer über das Schicksal der Verlorenen, die Trauer über einen persönlichen Verlust oder eine andere Art von Trauer eingegangen. Unabhängig davon kann es sich jedoch darauf beziehen, traurig zu sein über Dinge, die das Herz Gottes betrüben. Der christliche Schriftsteller A. W. Tozer sagte: „Eine recht treffende Beschreibung der Menschheit könnte man jemandem, der sie nicht kennt, vermitteln, indem man die Seligpreisungen nimmt, sie umdreht und sagt: ‚Hier ist Ihre Menschheit.‘“ (The Believer’s Bible Commentary, S. 1216)

Viele Menschen haben heutzutage keine Vorstellung mehr von Trauer; ein gängiger Ausdruck, der nicht biblisch ist, lautet „keine Reue“. Zweitens hatten dieses und die folgenden Gebote Jesu in der pharisäischen Gerechtigkeit tatsächlich keinen Platz.

Weitere Informationen finden Sie im „The Bible Knowledge Commentary: New Testament“, S. 29, und im „The Tony Evans Bible Commentary“, S. 870.

F: Was genau ist Sanftmut in Mt 5,5; Mt 11,29; Mt 21,5; 1. Petrus 3,4?

A: Sanftmut hängt mit Freundlichkeit zusammen und bedeutet, nicht auf dem eigenen Willen zu bestehen. Es bedeutet, bereit zu sein, zu dienen, und nicht nur bedient zu werden. Jesus war sanftmütig.

Sanftmut ist jedoch keine Schwäche. Stellen Sie sich ein wildes Pferd vor, das „gezähmt“ wurde. Das Pferd ist nach wie vor stark und schnell, doch anstatt einfach nur nach eigenem Willen zu handeln, gehorcht es dem Reiter und lässt sich reiten. Wenn ein Wolf oder eine große Raubkatze auf ein Pferd springt, ist dies in der Regel das Ende des Pferdes, es sei denn, es schüttelt das Tier rasch ab. Doch dieses Pferd besitzt sowohl das Vertrauen als auch den Gehorsam, sich von einem Menschen reiten zu lassen.

Weitere Informationen finden Sie im „Tony Evans Bible Commentary“, S. 871, und im „Bible Knowledge Commentary: New Testament“, S. 29.

F: Was bedeuten „Hunger“ und „Durst“ hier in Mt 5,6?

A: Haben Sie einen Appetit, eine Leidenschaft für geistliches Wachstum? Oder wachsen Sie nicht, nicht weil Sie nichts essen, sondern weil Sie Ihren Magen mit den falschen Dingen füllen?

Es gibt mehrere Möglichkeiten, dies zu betrachten. Erstens bezieht es sich metaphorisch auf diejenigen, die ein starkes Verlangen nach Gerechtigkeit haben – für sich selbst, für andere, für ihre Gemeinde, für ihr Land und für die Welt. Zweitens kann es sich physisch auf diejenigen beziehen, die auf Nahrung und Wasser verzichten müssen, um Gottes Werk zu tun. Drittens kann es sich auf diejenigen beziehen, die für diese Dinge fasten. Fasten bedeutet im Allgemeinen nicht, auf Wasser zu verzichten; daher ist die erste Bedeutung die primäre.

Weitere Informationen finden Sie in „The Tony Evans Bible Commentary“, S. 871, , im „Believer’s Bible Commentary“, S. 1216, , im „Expositor’s Bible Commentary“, Band 8, S. 134, sowie im „Expositor’s Greek Testament“, Band 1, S. 98–99.

F: Was bedeutet „Barmherzigkeit“ in diesem Vers (Mt 5,7)?

A: Barmherzigkeit kann bedeuten, jemanden der Strafe zu entgehen zu lassen, doch hier bedeutet es, anderen zu helfen, die Hilfe benötigen und sich nicht selbst helfen können. Weitere Informationen finden Sie im „Believer’s Bible Commentary“, S. 1217.

F: Wie werden reine Menschen in Mt 5,8; 1 Joh 3,2 und Offb 22,4 Gott sehen, da in Ex 33,23 und anderen Versen steht, dass kein Mensch Gott sehen und am Leben bleiben kann?

A: Seit dem Sündenfall kann kein sterblicher, sündiger Mensch Gott sehen und am Leben bleiben. Im Himmel jedoch werden wir Gott von Angesicht zu Angesicht sehen. Bis dahin bemühen wir uns nach Kräften, auf Erden ein gutes und aufrichtiges Leben zu führen. Wie es im „Expositor’s Bible Commentary“, Band 8, S. 135, heißt: „Die im Herzen Reinen werden Gott sehen – jetzt mit den Augen des Glaubens und schließlich in der blendenden Herrlichkeit der seligen Schau, in deren Licht keine Täuschung bestehen kann.“ Weitere Informationen finden Sie in „When Critics Ask“, S. 403–404, und im „Tony Evans Bible Commentary“, S. 871.

F: Welche guten Möglichkeiten gibt es laut Mt 5,9, heute Friedensstifter zu sein?

A: Frieden ist zwischen Einzelpersonen, am Arbeitsplatz, innerhalb einer Gruppe, zwischen Gruppen, in der Politik und zwischen Ländern notwendig. Einer der ersten Schritte besteht darin, von gottesfürchtigen Menschen zu lernen, die Friedensstifter sind. Achten Sie nicht nur darauf, was sie sagen, sondern auch darauf, was sie hätten sagen können, es aber bewusst unterlassen haben. Erinnern Sie die Beteiligten daran, was sie gemeinsam haben, und hinterfragen Sie, ob ihre Unterschiede wirklich so groß sind, dass sie sich trennen müssen. Jesus sagte in Johannes 17,21, dass die Welt an unserer Liebe erkennen wird, dass wir zu ihm gehören.

Innerhalb des Leibes Christi haben wir den Auftrag, (aktiv) „die Einheit des Geistes durch das Band des Friedens zu bewahren“ (Epheser 4,3), uns gleichzeitig von denen zu trennen, die in hartnäckiger Sünde verharren (1. Korinther 5,13), und alle Lehrer zurückzuweisen, die Irrlehren verbreiten (1. Timotheus 6,5 und 2. Timotheus 3,5).

F: Wie können Christen in Mt 5,13 Salz sein?

A: Salz wird Speisen in kleinen Mengen zugesetzt, um eine von fünf Funktionen zu erfüllen. Es ist interessant, dass wir nicht der Salzbehälter sind, aus dem das Salz Christi ausgegeben wird. Vielmehr sind wir selbst das Salz. Ebenso sind Christen in vier Bereichen das Salz dieser Welt.

Leben – Salz ist für unser Leben unverzichtbar. In der westafrikanischen Stadt Timbuktu, wo Gold im Überfluss vorhanden war, wurde ein Pfund Salz für ein Pfund Gold verkauft. Da Christen das Leben Christi in sich tragen, sollen sie dieses Leben dieser Welt vor Augen führen. Gott nutzt unsere Verkündigung, unsere Liebe und unseren Dienst, um andere zu ihm zu führen und ihnen das Leben zu schenken.

Geschmack – Salz verleiht Speisen Geschmack und lässt sie gut schmecken. Ebenso sind wir der Duft Christi (2. Korinther 2,15–16) für diejenigen, die gerettet sind. Gott blickt herab und freut sich, Christen in dieser Welt zu sehen, die ihm nachfolgen.

Konservierungsmittel – Wenn es keine Kühlmöglichkeiten gibt, ist Salz auch wichtig, um Lebensmittel zu konservieren, indem es das Bakterienwachstum hemmt. Ebenso sollen Christen Salz und Licht in dieser Welt sein, indem sie durch ihr Eintreten gegen die Sünde eine konservierende Wirkung entfalten.

Opfer – In 3. Mose 2,13 sollten die Opfer mit Salz gewürzt werden. Auch wir sollen unser Leben als Opfer für Gott leben.

Durst – Salz macht durstig, und deshalb servieren viele Kneipen salzige Speisen. Durch unser Leben sollten wir die Menschen ebenfalls „durstig“ machen, von der Hoffnung zu hören, die in uns wohnt: Christus.

Wie der weltliche römische Schriftsteller Plinius der Ältere (gestorben 79 n. Chr. am Vesuv) in seiner „Naturgeschichte“ 31.102 sagte: „Nichts ist nützlicher als Salz und Sonnenschein.“ Oftmals wurden römische Soldaten monatlich mit Salz bezahlt. Sie konnten so viel davon verwenden, wie sie wollten, und den Rest problemlos verkaufen. „Sal“ ist das lateinische Wort für Salz, und ihr Sold wurde „salarium“ genannt, woraus sich das englische Wort „salary“ ableitet.

Siehe „The Tony Evans Bible Commentary“, S. 872, „Now That’s a Good Question“, S. 248–249, „Hard Sayings of the Bible“, S. 430–431, „The Bible Knowledge Commentary: New Testament“, S. 29, „The Expositor’s Bible Commentary“, Band 8, S. 138, „The Expositor’s Greek Testament“, Band 1, S. 101, „The Evangelical Commentary on the Bible“, S. 729, sowie „The Believer’s Bible Commentary“, S. 1217–1218, für weitere Informationen.

F: Bezieht sich Mt 5,13 auf Menschen, die ihre eigene Göttlichkeit erkennen und anderen helfen, ihre Göttlichkeit ebenfalls zu erkennen, wie manche Vertreter der New-Age-Bewegung behaupten? (Spangler, 1981, 80).

A: Keineswegs; Salz ist keine Göttlichkeit. Die Behauptung, wir könnten so werden wie Gott, gehört zu den ältesten Lügen, die der Menschheit im Garten Eden erzählt wurden. Wir sind dazu geschaffen, Gott für immer zu lieben und ihm zu dienen, und nicht dazu, entweder eigenständige Götter zu werden, die angebetet werden, oder ein Teil Gottes zu sein und angebetet zu werden.

Diese seltsame Sichtweise scheint zu vergessen, dass Jesus Jude war und das Judentum eine monotheistische Religion war. Was Salz symbolisiert, erfahren Sie in der vorherigen Frage; eine ausführlichere Antwort finden Sie in „When Cultists Ask“, S. 95–96.

F: Sind wir in Mt 5,14a das Licht der Welt, oder ist Jesus das Licht der Welt, wie es in Joh 9,5 heißt?

A: Beides: Jesus brachte das Licht in die Welt, und wir haben die Verantwortung, das Licht Jesu widerzuspiegeln. Paulus spricht darüber in 2. Korinther 4,6–7. Jesus sagte in Johannes 9,5, Er sei das Licht der Welt, „solange ich in der Welt bin“. Jesu Leib ist nun im Himmel, nicht in dieser Welt, doch Jesu Gegenwart ist durch den Heiligen Geist in uns weiterhin in der Welt. Was genau bewirkt das Licht? Es tut nichts anderes, als zu leuchten. Doch während es leuchtet, erhellt es andere und weist den Weg. Seien Sie also Sie selbst und leuchten Sie. Weitere Informationen finden Sie in „When Critics Ask“, S. 329, im „Tony Evans Bible Commentary“, S. 872, im „Bible Knowledge Commentary: New Testament“, S. 29, sowie im „Believer’s Bible Commentary“, S. 1218.

F: Was ist in Mt 5,15 das Licht auf dem Leuchter?

A: Es sind wir selbst und unser Zeugnis von Jesus, dem Licht der Welt. Sofern keine Verfolgung vorliegt, sollen wir nicht verheimlichen, dass wir Christen sind, und wir sollten stets bereit sein, die Hoffnung, die in uns ist, weiterzugeben (1. Petrus 3,15). Wir sollen die Wahrheit nicht für uns behalten, sondern sie mit anderen teilen. Matthäus 5,15 sagt nicht nur: „Lasst euer Licht leuchten“, sondern: „Lasst es vor den Menschen leuchten.“ Leider fällt es Gläubigen nur allzu leicht, Ausreden zu finden, um das Evangelium nicht weiterzugeben. Wir müssen darauf achten, keine Ausreden zu suchen.

Weitere Informationen finden Sie im „Believer’s Bible Commentary“, S. 1218, und im „Expositor’s Greek Testament“, Band 1, S. 103.

F: Da Jesus in Mt 5,17 und Apg 10,10–16 sagte, er werde nichts am Gesetz aufheben, warum halten sich Christen dann nicht an die Speisevorschriften des Alten Testaments, wie es Muslime angeblich tun?

A: Zwar halten weder Christen noch Muslime die Speisevorschriften des Alten Testaments ein, doch tun Christen dies nicht, weil sie auf Jesus hören. Fünf Punkte, die bei der Antwort zu berücksichtigen sind.

Zu jener Zeit befolgten die Nachfolger Jesu die Speisevorschriften des Alten Testaments. Jesus sagte tatsächlich, dass nicht ein Jota oder Strichlein vergehen werde, bis alles erfüllt sei.

Die Tatsache der Auferstehung Jesu veränderte die Art und Weise, wie Gott mit Seinen Kindern umging, grundlegend. Ein Engel teilte Petrus, dem Apostel Jesu, in Apostelgeschichte 10,9–16 mit, dass Gott alle Speisen rein gemacht habe. Beachten Sie, dass dort nicht steht, diese Tiere seien schon immer rein gewesen, sondern dass Gott sie rein gemacht habe.

Selbst Muslime, die diesen Einwand vorbringen, müssen selbst zugeben, dass einige der Speisevorschriften des Alten Testaments nicht befolgt werden dürfen. Muslime sind der Ansicht, dass sie Kamelfleisch essen dürfen (und Mohammed tat dies auch), doch 3. Mose 11,3–8 und 5. Mose 14,6–8 verbieten den Verzehr von Kamelen.

Hören Sie auf Jesus in Matthäus 15,10.17–20 und Markus 7,14–15. Jesus sagte, dass das, was aus einem Menschen herauskommt, ihn unrein macht, nicht das, was in ihn hineingeht. Markus 7,19 zeigt, dass Jesus damit alle Speisen für rein erklärte. Wenn wir Jesus als Propheten bezeichnen, sollten wir auf seine Worte hören.

Eine Stimme vom Himmel befahl Petrus in Apostelgeschichte 10,10–16 zu essen und zeigte ihm damit, dass die Speisegesetze nur bis zum Opfer Jesu galten, nicht danach. Wir sollten der Stimme des Engels Gottes und des Apostels Jesu gehorchen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass wir die Worte der Propheten Gottes nicht ignorieren, sondern auf sie hören sollten.

Frage: Da Jesus in Matthäus 5,17 sagte, er werde nichts am Gesetz aufheben, warum werden die jüdischen Festtage dann nicht mehr begangen?

A: Vier Punkte, die bei der Beantwortung zu berücksichtigen sind.

1. Die moralischen Anforderungen des alttestamentlichen Gesetzes gelten für alle Menschen und sind unverändert.

2. Man kann sagen, dass die Opfer in gewisser Hinsicht auch heute noch für alle Menschen gelten, da Jesus unser Hohepriester ist und Er alle notwendigen Opfer dargebracht hat.

3. Die Festtage, die für das jüdische Volk bestimmt waren und mit Opfern verbunden waren, werden seit dem Tod Christi von Nichtjuden nicht mehr begangen.

4. Wenn ein Muslim diesen Einwand vorbringt, könnte man fragen, warum Muslime die Festtage Gottes im Alten Testament ebenfalls nicht einhalten, wenn sie der Meinung sind, dass Christen die jüdischen Festtage des Alten Testaments befolgen müssen.

Weitere Informationen finden Sie in „Bible Difficulties and Seeming Contradictions“, S. 234–235, „When Cultists Ask“, S. 96–98, und „When Critics Ask“, S. 329–330.

F: Was sind in Mt 5,18 ein Jot und ein Tittle?

A: In der hebräischen Schrift ist ein „Jot“ oder „Jod“ der zehnte und kleinste Buchstabe des hebräischen Alphabets. Es handelt sich im Grunde um einen Punkt, aus dem oben und unten jeweils eine kleine, geschwungene Linie herausragt. Ein „Tittle“ ist ein kleines „in“. Im Englischen ist ein „Tittle“ das einzige Merkmal, das ein großes „F“ von einem großen „E“ und ein „P“ von einem „R“ unterscheidet. Weitere Informationen finden Sie im „Believer’s Bible Commentary“, S. 1218.

F: Wer sind in Mt 5,20 die Schriftgelehrten und Pharisäer, und welchen Grad an Gerechtigkeit weisen sie auf?

A: In Mt 5,20 gehörten die Schriftgelehrten in der Regel der Partei der Sadduzäer an, während die Pharisäer gegen sie standen. Politisch gehörten die Sadduzäer zu jenen Juden, die eine Annäherung an Rom befürworteten, während die Pharisäer dagegen waren. Die Pharisäer waren eine kleine Gruppe von 5.000 bis 6.000 Personen, aber sie waren sehr einflussreich, da das Volk zu ihnen aufblickte. Die Sadduzäer lehnten im Allgemeinen die leibliche Auferstehung ab und betrachteten nur die ersten fünf Bücher als Heilige Schrift. In Apg 23,8 heißt es zudem, dass die Sadduzäer die Engel und Geister leugneten. Es ist bezeichnend, dass Jesus die Sadduzäer dafür zurechtwies, dass sie weder die Heilige Schrift noch die Kraft Gottes kannten. Er tadelte die Pharisäer niemals dafür, dass sie die Heilige Schrift nicht kannten.

Während die Schriftgelehrten und Pharisäer versuchten, den Anschein von Rechtschaffenheit zu erwecken, bestätigte Jesus sie nicht und sagte auch nicht, dass sie rechtschaffen seien. Jesus sagte nicht, dass nichts Gutes in ihnen sei, sondern vielmehr, dass sie nicht gut genug seien. Vielmehr sagte er, dass die Menschen mehr Rechtschaffenheit bräuchten, als sie besaßen, um in das Himmelreich zu gelangen. Daraus ergeben sich drei Dinge:

a) Die Schriftgelehrten und Pharisäer verfügten nicht über die notwendige Gerechtigkeit, um in das Himmelreich zu gelangen

b) Die Nachfolger Jesu sollten gerechter sein als sie

c) Tatsächlich verfügt niemand aus eigener Kraft über genügend Gerechtigkeit, um in das Himmelreich zu gelangen. Jesus geht in den Kapiteln 6 und 7 noch näher darauf ein. Die Jünger begriffen diesen Punkt schließlich in Markus 10,26–27.

d) Wenn niemand gerecht genug ist, schauen Sie nicht auf Sünder herab, denn auch Sie sind ein Sünder. Zur Bestürzung der Pharisäer aß Jesus in Matthäus 9,9–12 mit vielen Zöllnern und Sündern.

Irenäus gibt in seinem Werk „Gegen die Häresien“ (182–188 n. Chr.), Buch 4, Kapitel 13, S. 477, eine ergänzende Antwort. Hier eine Paraphrase seiner vier Punkte:

1) Während die Schriftgelehrten und Pharisäer an den Vater glaubten, sollen wir auch an den Sohn glauben.

2) Wir dürfen nicht nur reden, sondern müssen auch handeln; denn die Schriftgelehrten und Pharisäer redeten, taten aber nichts.

3) Wir dürfen uns nicht nur von bösen Taten fernhalten, sondern auch von dem Verlangen danach.

4) Jesus lehrte uns keine Dinge, die dem Gesetz widersprachen, sondern solche, die es erfüllten. Jesus hob das Gesetz nicht auf, sondern erfüllte es, erweiterte es und verlieh ihm eine größere Tragweite.

Weitere Informationen finden Sie im „Expositor’s Bible Commentary“, Band 8, S. 146–147.

F: Warum töten Menschen in Mt 5,21 Tiere, Verbrecher usw., obwohl Jesus gesagt hat, man solle nicht töten?

A: Die King-James-Bibel übersetzte dies mit „töten“, obwohl das griechische Wort „phoneuo“ Mord bedeuten kann. Wer dies tut – ein „phoneus“ – ist ein Mörder oder Attentäter, kein Henker oder Schlachter. Wenn jemand wirklich glaubte, das alttestamentarische Gebot „Du sollst nicht töten“ beziehe sich auf Tiere und die Hinrichtung von Verbrechern, würde sein Missverständnis dieses Wortes das gesamte alttestamentarische Opfersystem für ihn zu einem unergründlichen Rätsel machen.

F: Warum sagte Jesus in Mt 5,22, wir sollten niemanden einen „Narren“ nennen, wo er selbst und andere dies doch in Mt 23,17; Lk 24,25; 1 Kor 15,36; Gal 3,1 taten?

A: Jesus sagte nicht „töricht“ oder „Närr“, sondern verwendete tatsächlich einen aramäischen Slangausdruck, der „Leerkopf“ bedeutet, ähnlich dem amerikanischen Slangwort „airhead“. Jesus bezeichnet Menschen auch als „töricht“, als „blinde Führer“ (Matthäus 23,16) und sogar als „Diebe und Räuber“ sowie als „Schlangen“. Jesus wählte seine Worte sorgfältig aus und verunglimpfte die Menschen nicht.

Weitere Informationen finden Sie in „Hard Sayings of the Bible“, S. 358–359.

F: In Mt 5,22 sagte Jesus: „Wer auch immer sagt: ‚Du Narr!‘, der wird der Gefahr des Höllenfeuers ausgesetzt sein.“ Doch er selbst tat dies wiederholt, wie Mt 23,17, Lk 11,40 und Lk 12,20 zeigen. Sollte er dann nicht ebenfalls der Gefahr der Hölle ausgesetzt sein? Schließlich hat er sein eigenes Gesetz gebrochen!

A: Nein, und zwar aus zwei Gründen.

a) Wir sollten nicht zulassen, dass andere uns „Herr“ nennen oder uns anbeten, und das gilt auch für Jesus. Was Jesus uns gelehrt hat, gilt also nicht immer für ihn selbst. Um es auf einer alltäglicheren Ebene zu veranschaulichen: Wenn ich für meinen Vogel eine Regel aufstelle, beispielsweise dass er nur aus einem Futterhäuschen fressen darf, muss ich mich dann auch an diese Regel halten?

b) Jesus sagte eigentlich nicht „Närr“ (das ist eine Umschreibung); der eigentliche Begriff war „raca“, was am besten mit „Leerkopf“ übersetzt wird. Jesus bezeichnete Menschen als töricht, im Sinne der törichten Menschen in den Sprüchen, aber er wollte damit nicht sagen, dass ihre Köpfe (oder ihr Leben) nichts wert seien.

F: Warum ist es in Mt 5,25–26 oft so schwierig, sich mit seinem Gegner zu versöhnen?

A: Oftmals bedeutet dies, dass eine oder beide Parteien ihre Schuld eingestehen oder zugeben müssten, dass sie im Unrecht waren; der Stolz der Menschen sträubt sich jedoch dagegen.

Weitere Informationen finden Sie im „Believer’s Bible Commentary“ auf Seite 1220.

F: Stützt Mt 5,26 die römisch-katholische Lehre vom Fegefeuer, wie es der katholische Lehrer Ludwig Ott lehrte?

A: Nein, und zwar aus sieben Gründen.

Keine Erwähnung nach dem Tod: Hier wird weder das Fegefeuer noch überhaupt irgendetwas nach dem Tod erwähnt.

Selbst einige Katholiken wie der ehemalige Kardinal Ratzinger (Papst Benedikt XVI.) würden dem widersprechen. Er äußerte sich wie folgt: „Das Fegefeuer ist keine Art überirdisches Konzentrationslager, in dem man gezwungen ist, mehr oder weniger willkürliche Strafen zu erdulden. Vielmehr ist es der innerlich notwendige Prozess der Verwandlung, in dem ein Mensch fähig wird für Christus, fähig für Gott [d. h. fähig zur vollen Einheit mit Christus und Gott] und somit fähig zur Einheit mit der gesamten Gemeinschaft der Heiligen“ (Ratzingers Buch „Eschatologie“ (1990), S. 230. Ein Auszug daraus wird auch in „When Cultists Ask“, S. 98–99, zitiert).

Hebräer 10,10–15 lehrt zwei Dinge: 1) Christus hat Sein Opfer in Hebräer 10–12 bereits vollbracht, und 2) Christus hat uns durch Sein Opfer in Hebräer 10,13–15 für immer vollendet. Lassen Sie uns Christus nicht sagen, Sein Opfer sei nicht gut genug oder vollständig genug gewesen oder habe das Werk nicht vollendet, von dem uns der Hebräerbrief berichtet, dass Er es vollendet hat.

In Römer 8,1 heißt es: „So gibt es nun keine Verurteilung mehr für diejenigen, die in Christus Jesus sind …“ (BSB)

In 2. Petrus 1,11 heißt es, dass wir nach unserem Tod einen reichhaltigen oder überreichen Empfang im Himmel erfahren werden. (Kein herzlicher Empfang oder ein feuriger Empfang mit glühenden Flammen.) Das Fegefeuer wäre kein besonders einladend wirkender „Vorraum“ zum Himmel.

In 2. Korinther 5,8 heißt es: „Wir sind also zuversichtlich und würden es vorziehen, aus dem Leib zu scheiden und beim Herrn zu sein.“ (BSB) Ebenso heißt es in Philipper 1,23, dass Paulus entweder im Fleisch am Leben bleiben oder „scheiden und bei Christus sein“ werde. Wir werden bei Gott sein, sobald wir sterben, und nicht im Fegefeuer, wo die Verheißung des Himmels aufgeschoben wird.

Die frühen Christen vor dem Konzil von Nicäa hatten noch nie vom Fegefeuer gehört und sahen in diesem Vers sicherlich nichts, was dem Fegefeuer ähnelte. In mehr als 5.235 Schriften, die uns aus der Zeit vor dem Konzil von Nicäa vorliegen, fehlt diese Auslegung von Matthäus 5,26 sowie die Vorstellung einer feurigen Läuterung der Gläubigen nach dem Tod gänzlich.

Weitere Informationen finden Sie in „When Cultists Ask“, S. 98–99.

F: Wie weitreichend ist in Mt 5,27–29 das Verbot des Ehebruchs?

A: Es handelt sich nicht nur um etwas, das ausschließlich eine verheiratete Person begehen kann. Vielmehr spricht Jesus von „jedem“. Es geht nicht nur um die Begehung der Tat selbst, sondern bereits darum, jemanden mit Begierde anzusehen oder ein Bild bzw. Video von jemandem zu betrachten, einschließlich, aber nicht beschränkt auf Pornografie und Stripclubs. Weitere Informationen finden Sie in „The Tony Evans Bible Commentary“, S. 873.

F: Ist die Hölle in Mt 5,29 eine bewusste Qual oder lediglich das Grab?

A: Beides. Das griechische Wort „Hades“ entspricht dem hebräischen Wort „Scheol“. In Matthäus 5,29 ist offensichtlich von einem Ort die Rede, an den man nicht gelangen möchte; daher ist im Kontext die „Hölle“ gemeint, in die diejenigen gelangen, die fern von Gott sterben.

Lukas 16,22–23 zeigt, dass es Qualen (griechisch „basanois“) (Lukas 16,23.28), Bewusstsein (Lukas 16,23) und Leiden in Flammen (Lukas 16,24.25) geben wird. Ungläubige befinden sich nicht nur dort; sie werden dort auch ewig bestraft. Matthäus 25,41.46; Offenbarung 14,9–11; ~19,3; ~22,15

Matthäus 13,40–42.50 besagt, dass es Weinen und Zähneknirschen IN dem feurigen Ofen geben wird. (Das griechische „ekei“ („dort“) bedeutet „dort“, „an jenem Ort“, nicht „dort“, wo es geschehen wird.

2. Thessalonicher 1 lehrt, dass es sich hierbei um ewige Vernichtung handelt; ausgeschlossen von der Gegenwart des Herrn und seiner majestätischen Macht.

In Offenbarung 14,9–11 werden diejenigen, die das Tier anbeten, mit Feuer und Schwefel (brennendem Schwefel) in der Gegenwart des Lammes und seiner Engel gequält.

Ungläubige haben nach dem Tod ein schmerzhaftes Bewusstsein (Offenbarung 20,10; Lukas 12,5; 13,28; 16; Hesekiel 32,31–32; Matthäus 3,12; 5,21; 13,42,50; 22,13; 25,41; Jesaja 50,11).

Ungläubige werden zugrunde gehen (Lukas 13,3.5; Johannes 3,16; 2. Thessalonicher 2,9) und vernichtet werden (2. Thessalonicher 1,9; 2. Petrus 3,16; Matthäus 10,28; 1. Korinther 3,17; Philipper 1,28; Jakobus 4,12; Offenbarung 11,18).

Weitere Informationen finden Sie in „When Cultists Ask“, S. 99–100, und in „When Critics Ask“, S. 331–332.

F: Warum hat Jesus in Mt 5,34 gerade das Schwören von Eiden hervorgehoben?

A: Die Juden zu Jesu Zeiten und später hatten seltsame Ansichten über Eide. Die Mischna „Shebuoth“ behandelt dieses Thema. Die Mischna „Sanhedrin“ 3,2 und die Mischna „Tosephta Nedarim“ 1 (ursprünglich aus SBK 1:321–336). Eide waren nicht bindend, wenn man „bei Himmel und Erde“, „beim Gold des Tempels“ oder „bei Jerusalem“ schwor. Verbindlich waren jedoch Eide, die „auf den Tempel“ oder „in Richtung Jerusalem“ geleistet wurden. In Deuteronomium 6,13 heißt es, dass man Eide im Namen Gottes leisten solle. Doch Jesus ändert dies hier. Jesus sagt, man solle gänzlich auf Eide verzichten; Ihr „Ja“ solle „Ja“ sein und Ihr „Nein“ solle „Nein“ sein. Auch die Essener vermieden es, Eide zu leisten.

Nebenbei bemerkt: Auch viele Griechen lehnten das Ablegen von Eiden ab. Sophokles, Choerilus Epicus, Plutarch, Epiktet (so weit wie möglich zu vermeiden) und Quintilianus sprachen sich gegen das Ablegen von Eiden aus. Pythagoras empfahl, Eide nur selten zu leisten, und spätere Pythagoräer weigerten sich, Eide zu leisten. Während des Mittelalters und der Reformation weigerten sich die Waldenser und viele Täufer, Eide zu leisten. Weitere Informationen hierzu finden Sie bei Ulrich Luz, Matthäus 1–7: Ein Kommentar, S. 314, 316, 320.

Weitere Informationen finden Sie im „Expositor’s Bible Commentary“, Band 8, S. 153–154, sowie im „Believer’s Bible Commentary“, S. 1222.

F: Sollen wir gemäß Mt 5,34 nicht schwören, oder sollen wir gemäß Dtn 10,20 bei Gottes Namen schwören?

A: Beim Studium der Bibel ist es wichtig, den allgemeinen Kontext zu kennen; in diesem Fall geht es darum, was zum Alten Testament und was zum Neuen Testament gehört. Jesus hat in Matthäus 5,21–48 ausdrücklich fünf Gebote des Alten Testaments und eine Aussage außer Kraft gesetzt oder geändert. Hier finden Sie eine Zusammenfassung dessen, was Jesus gesagt hat.

Verse

Altes Testament

Jesus aber sprach

Matthäus 5,21–26

Du sollst nicht töten

Außerdem sollt ihr nicht zornig auf euren Bruder sein oder zu ihm sagen: „Du Narr“

Matthäus 5,27–30

Begeht keinen Ehebruch

Außerdem sollt ihr eine Frau nicht mit Begierde im Herzen ansehen

Matthäus 5,31–32

Wenn ihr euch scheiden lasst, händigt eine Scheidungsurkunde aus

Im Gegensatz dazu sollt ihr euch nicht scheiden lassen, es sei denn wegen Untreue

Matthäus 5,33–37

Brechen Sie keine Eide

Im Gegenteil: Schwören Sie überhaupt nicht, sondern sagen Sie einfach „Ja“ oder „Nein“

Matthäus 5,38–42

Auge um Auge

Halten Sie stattdessen die andere Wange hin, gehen Sie die zusätzliche Meile usw.

Matthäus 5,43–48

Liebt euren Nächsten und hasst euren Feind

Im Gegensatz dazu: Liebt sogar eure Feinde

Übrigens spiegelt auch Jakobus 5,12 Matthäus 5,34 wider, wonach wir heute keine Eide schwören sollen.

Jesus zeigte zudem in Markus 7,19, dass nun alle Speisen rein sind, was in Apostelgeschichte 10,9–16 bekräftigt wird.

Frage: Wie sollen Christen gemäß Matthäus 5,39-40 die andere Wange hinhalten?

A: Ein Schlag auf die Wange ist nicht nur schmerzhaft, sondern stellt auch eine Beleidigung dar. Die jüdische Abhandlung „Mischna Baba Kamma 8:6“ befasst sich mit diesem Thema. Dennoch sollen Christen nicht nach den Gesetzen der Natur, sondern auf übernatürliche Weise leben. Wir sollen uns verletzlich zeigen (ohne jedoch törichterweise den Übeltätern zu vertrauen) und dabei erkennen, dass wir darauf vertrauen können, dass Gott über uns und unsere Familie wacht. Manchmal verspotten Muslime und andere diese Lehre Jesu. Doch ungeachtet dessen sollen wir, ganz im Sinne dieser Lehre, in einer rachsüchtigen, sündigen Welt hervorstechen.

Weitere Informationen finden Sie in „Now That’s a Good Question“, S. 522–524, und im „Expositor’s Bible Commentary“, Band 8, S. 136.

F: Warum wehren sich Christen in Mt 5,39 gegen das Böse?

A: Kein Vers in der Bibel besagt, dass Christen keinem Bösen widerstehen sollen. Vielmehr heißt es in Matthäus 5,39 ausdrücklich, dass man einem bösen Menschen, der einem Böses antut, keinen Widerstand leisten soll. Wir sollen keine Rache suchen oder uns an anderen rächen. Wir sollen dem Teufel widerstehen, wie es in Jakobus 4,7 und 1. Petrus 5,9 heißt. Wie Jeremia in 7,6 und 22,16 sollten wir uns für die Unterdrückten einsetzen. Im Alten Testament heißt es in Sprüche 28,4, dass die Gerechten mit den Gottlosen „streiten“, die das Gesetz verlassen. In 3. Mose 5,1 steht, dass es eine Sünde ist, sich zu weigern, vor Gericht über ein Unrecht auszusagen, das wir gesehen haben. Wir sollen uns vor falschen Lehrern hüten (1. Johannes 2,26; 3,7; 4,1; 2. Johannes 7–8; Offenbarung 2,16; 2. Petrus 2,2; Apostelgeschichte 20,28–29). Wir sollen falsche Lehrer widerlegen (1. Timotheus 1,3; Titus 1,9–11; Judas 3). Wir sollen für den Glauben kämpfen (Philipper 1,27; 4,3).

Weitere Informationen finden Sie im „New International Bible Commentary“, S. 1127.

F: Sollten Christen gemäß Mt 5,42 und Lk 6,29–30 jedem geben, der sie darum bittet?

A: Ja: Diese Lehre ist nicht schwer zu verstehen, aber es ist eine Herausforderung, ihr zu folgen. Christen sollen andere sogar für wichtiger halten als sich selbst (Philipper 2,3). Wir sollen unseren Nächsten lieben wie uns selbst; daher dürfen wir einer Person natürlich nichts geben, was ihr schaden würde (wie Drogen), selbst wenn sie darum bittet. Wenn wir jedoch jemanden in echter Not sehen, sollten wir versuchen, dafür zu sorgen, dass seine Bedürfnisse erfüllt werden. Dies gilt unabhängig davon, ob die bedürftige Person ein Mitchrist ist oder nicht.

Unseren Nächsten wie uns selbst zu lieben bedeutet, dass es in Ordnung ist, auch uns selbst zu lieben. Viele Menschen machen sich jedoch schuldig, sich selbst mehr zu lieben als andere, geben weniger, als sie sollten, lieben sich selbst nicht zu wenig und geben mehr, als sie sollten.

Eine ergänzende Antwort finden Sie in „When Critics Ask“, S. 332–333.

F: Wo steht in Mt 5,43: „Liebe deinen Nächsten und hasse deinen Feind“?

A: Dies steht nicht im Alten Testament, und Jesus hat nie behauptet, dass es dort stünde. „Liebe deinen Nächsten“ steht in 3. Mose 19,18, aber von „Hasse deinen Feind“ ist dort keine Rede. Die Juden hatten dies jedoch oft gehört, da es sich laut der „New Geneva Study Bible“, S. 1513, sowie „When Critics Ask“, S. 333, um eine Tradition der Schriftgelehrten handelte; dort wird hinzugefügt, dass Jesus aus einem sehr guten Grund nicht sagte, es stünde im Alten Testament: Es stand dort einfach nicht.

In der Qumran-Sekte hieß es in ihrem „Handbuch der Disziplin“, dass die Mitglieder schwören mussten, die Söhne des Lichts (d. h. die Qumran-Sekte) zu lieben und die Söhne der Finsternis für alle Ewigkeit zu hassen. Weitere Informationen finden Sie in „Understanding the Dead Sea Scrolls“, S. 165.

Der atheistische Philosoph Friedrich Nietzsche hielt die Liebe zu den Feinden für Schwäche und Unehrlichkeit. Sigmund Freud war der Ansicht, dass die Feindesliebe „ein Versuch des kulturellen Über-Ichs ist, das Bedürfnis nach Aggression in Schuldgefühle umzuwandeln und so dagegen anzukämpfen – ein Versuch, der zwar erfolgreich war, aber dem Glück entgegensteht.“ Sigmund Freud: „Die Zivilisation und ihre Unzufriedenheit“, in: Standardausgabe der gesammelten psychologischen Werke von Sigmund Freud, Band 21, S. 57–145. Mao Tse-tung sagte: „Wir können unsere Feinde nicht lieben, wir können gesellschaftliche Übel nicht lieben, und unser Ziel ist es, sie auszurotten.“ Mao Tse-tung: Eine Anthologie seiner Schriften, S. 260. Diese Zitate stammen aus Ulrich Luz: Matthäus 1–7: Ein Kommentar, S. 350, 351. Einige Autoren standen der Lehre Jesu, seine Feinde zu lieben, nicht besonders wohlwollend gegenüber.

F: Können wir gemäß Mt 5,48 vollkommen sein?

A: So wie ein Diamant von verschiedenen Seiten unterschiedlich glänzt, zeigt die Bibel vier Facetten dieses Themas auf. Die einfachen Antworten auf diese weit gefasste Frage lauten: Ja, ja, nein und ja.

Ja nach dem Tod: Wir sollten über die Wahrheit nachdenken, dass wir im Himmel sündenfrei und vollkommen heilig sein werden. Darauf sollten wir uns freuen, und wenn Sie mit Bedauern daran denken, einige Ihrer Sünden zurückzulassen, dann stimmt etwas mit Ihrem geistlichen Lebensweg nicht. Nach dem Tod – und erst nach dem Tod – werden wir Matthäus 5,48 vollständig verwirklichen.

Ja, rechtlich gesehen: Gott der Vater hat uns für vergeben erklärt, und die Schuld der Sünde wurde durch den Tod Jesu am Kreuz für erlassen erklärt. Hebräer 10,14 sagt uns ausdrücklich, dass Jesus am Kreuz diejenigen „vollendet“ hat, die geheiligt werden. Römer 4,17 erinnert uns daran, dass unser Gott das, was nicht ist, so nennt, als ob es wäre. Obwohl wir gegen Gott gesündigt haben und die Hölle verdienen, sind Gottes Verheißungen zu 100 % sicher, wenn er uns Vergebung und ein sündloses Leben im Himmel verspricht. In gewisser Hinsicht sind alle, die auf Christus, seinen Tod und die Auferstehung seines Leibes vertraut haben, als diejenigen erklärt worden, die Matthäus 5,48 erreicht haben.

Zwar noch nicht hier auf Erden, doch wir bemühen uns weiterhin: Wir werden auf Erden nicht sündenfrei und vollkommen sein, und jeder, der glaubt, dies erreicht zu haben, täuscht sich selbst, wie es in 1. Johannes 1,8 heißt. Nicht einmal Paulus war vollkommen, wie aus Philipper 3,12 hervorgeht. Auch wenn wir auf Erden keine sündenfreie Vollkommenheit erreichen werden, sollen wir dennoch danach streben, sündenfreie Vollkommenheit und Christusähnlichkeit anzustreben, ohne uns entmutigen zu lassen, wenn wir dabei versagen – was allen Gläubigen nach wie vor widerfährt. Somit war Jesu Gebot in Matthäus 5,48 nicht bloß eine zukünftige Verheißung und eine Verkündigung, sondern ein Gebot, das wir ernsthaft bereits heute zu erfüllen versuchen sollen.

Ja, wir können vollkommen im Willen Gottes leben: Wir können ein „vollkommener“ Gläubiger sein, das heißt, vollständig und genau dort sein, wo Gott uns haben möchte. Doch so wie ein „vollkommenes“ Baby nicht für immer ein Baby bleiben soll, bedeutet Vollkommenheit hier einfach: „Erreichen wir den Meilenstein auf unserem Weg, in diesem Leben Christus ähnlicher zu werden?“ Der Begriff „vollkommen“ wird in diesem Sinne in 1. Johannes 2,5 und Philipper 3,15 verwendet. Auch wenn wir also versuchen sollen, Matthäus 5,48 in unserem heutigen Leben vollständig zu befolgen, und obwohl wir unweigerlich hinter diesem Anspruch zurückbleiben werden, können wir dennoch Freude und vollkommenen Frieden haben, indem wir jetzt in Gott bleiben.

Weitere Informationen finden Sie im „Bible Knowledge Commentary: New Testament“, S. 33, sowie eine ergänzende Antwort in „When Cultists Ask“, S. 100–101.

F: Sollen wir gemäß Matthäus 6,1–4 gute Werke im Verborgenen tun oder unser Licht vor den Menschen leuchten lassen, wie es in Matthäus 5,16 heißt?

A: Beides. Wir sollten eifrig gute Werke tun. Es sollten jedoch nicht unsere eigenen Werke sein, sondern vielmehr Jesus, der in uns lebt, den andere sehen, wenn sie uns betrachten. Wir sollen Christus widerspiegeln. Unser Licht soll leuchten, nicht wir selbst.

Es ist ein Privileg, dass Gott uns erwählt hat, ihm Ehre zu erweisen, indem er durch uns wirkt. Weitere Informationen finden Sie in „Biblische Schwierigkeiten und scheinbare Widersprüche“, S. 233–234.

F: Wie sollen Christen in Mt 6,1–4 beim Geben an Gott dafür sorgen, dass ihre rechte Hand nicht weiß, was ihre linke tut?

A: Genauso wie wir unsere guten Taten gegenüber anderen nicht zur Schau stellen sollen, sollen wir sie auch vor Gott nicht zur Schau stellen. Brechen Sie sich auch nicht den Arm, indem Sie sich selbst zu kräftig auf die Schulter klopfen. ;-) Denken Sie nicht daran, dass Sie Gott einen Gefallen tun. Glauben Sie nicht fälschlicherweise, dass Sie Gott, dem ohnehin alles gehört, bereichern, oder dass Gott sich glücklich schätzen kann, Sie gerettet zu haben. Wir sind nicht aufgrund unserer eigenen Verdienste gerettet, sondern weil Gott sah, wie hilflos wir waren, und uns in seiner Gnade dennoch liebte. Eine andere, aber ergänzende Antwort finden Sie in „Now That’s a Good Question“, S. 581–582.

F: Da wir gemäß Mt 6,1–4 keine Almosen vor den Menschen geben sollen, warum geben Christen dann ihre Spenden für steuerliche Zwecke an, und warum lassen manche Gebäude oder andere Denkmäler in ihrem Namen errichten?

A: „Vor den Menschen“ (Plural) bedeutet „vor der Öffentlichkeit“; daher ist es in Ordnung, Spenden zu steuerlichen Zwecken anzugeben. Wenn jedoch jemand Geld spendet, damit ein Gebäude oder Denkmal in seinem Namen errichtet wird, dann hat er seinen Lohn bereits auf Erden erhalten. Wenn jedoch jemand ein Denkmal im Namen einer anderen Person errichtet und die erstgenannte Person davon entweder nichts weiß oder nichts unternommen hat, um die Errichtung in ihrem Namen zu fördern, dann trifft dieser Vers auf sie nicht zu.

F: Da wir gemäß Mt 6,5–6 im Verborgenen beten sollen, warum wünschen sich dann viele Christen öffentliches Gebet in Schulen?

A: Die Bibel enthält viele Beispiele für privates und persönliches Gebet. Sie enthält jedoch auch Beispiele für Gemeinschaftsgebete, wie beispielsweise in Josua 7,6–9. Es kann Gemeinschaftsgebete geben, bei denen nur eine Person spricht, wie in 1. Könige 8,22–53. Bei diesen Beispielen für öffentliches Gebet sind alle am Gebet beteiligt, unabhängig davon, ob sie sprechen oder nicht.

In Apostelgeschichte 16,25–26 beteten Paulus und Silas gemeinsam und sangen an einem Ort, an dem andere sie sehen konnten. Da sie sich jedoch im Gefängnis befanden, hatten sie keine Wahl hinsichtlich ihres Aufenthaltsortes.

In Apostelgeschichte 2,42; 12,12; 13,3; 14,23; 20,36 konnten Christen einander beim gemeinsamen Beten sehen; das ist also in Ordnung.

Was wir hingegen nicht als gebilligt ansehen, ist das öffentliche Beten zur Zurschaustellung oder das öffentliche Beten an einem Ort, an dem ein Teil der Anwesenden nicht mitbetete – vielleicht, weil sie nicht an Gott glauben.

Weitere Informationen finden Sie im „Believer’s Bible Commentary“ auf Seite 1224.

F: Verurteilt Jesus in Matthäus 6,5–7 jegliches öffentliche Gebet?

A: Nein, das besagt dieser Vers nicht. Vielmehr verurteilt er Gebete, die nur der Zurschaustellung dienen. Tatsächlich betete Jesus in Johannes 11,41–42 öffentlich.

Im Alten Testament sprach Salomo in 1. Könige 8,22 ein sehr öffentliches Gebet. Jesus ist nicht gegen öffentliches Beten, sondern gegen „prahlerisches“ Beten, d. h. gegen das Beten, um in der Öffentlichkeit gesehen zu werden. Weitere Informationen finden Sie in „When Critics Ask“, S. 333–334.

F: Sollten wir gemäß Matthäus 6,7 Gebete jemals wiederholen?

A: Es ist in Ordnung, Gebete zu wiederholen, solange sie für Sie eine Bedeutung haben, wenn Sie sie sprechen. Wenn Sie sie ohne Bedeutung sprechen, sollten Sie sich die Mühe sparen, sie zu sprechen. Innerhalb eines Gebets oder während des Gottesdienstes ist die Wiederholung eines Satzteils in Ordnung, wie es in einigen Psalmen der Fall war. Weitere Informationen finden Sie in „Now That’s a Good Question“, S. 207–210, sowie im „Today’s Handbook for Solving Bible Difficulties“, S. 411–412.

F: Sollen wir gemäß Mt 6,7–8 keine leeren Wiederholungen verwenden, oder sollen wir unablässig beten, wie es die Witwe in Lk 18,5.7 vorgelebt hat?

A: Ständig zu beten bedeutet nicht zwangsläufig, dass man Wiederholungen verwenden muss. Sie können in Ihren Gebeten unterschiedliche Dinge sagen, wenn Sie beten.

Jesus sagte nicht, dass Wiederholungen falsch seien, sondern nur, wenn es sich um sinnlose oder bedeutungslose Wiederholungen handelt. Ein gewisses Maß an Wiederholung ist in Ordnung, sofern sie sinnvoll ist. Siehe dazu beispielsweise Psalm 118,1–4. Wenn also in einem Gottesdienst jede Woche einige der gleichen Elemente verwendet werden, ist das in Ordnung, solange sie sinnvoll sind. Weitere Informationen finden Sie in „Biblische Schwierigkeiten und scheinbare Widersprüche“, S. 236–237.

F: Warum beten viele Christen, insbesondere diejenigen aus eher liturgisch geprägten Traditionen (Katholiken, Episkopale, Anglikaner, Lutheraner usw.), in Matthäus 6,7–8 jeden Sonntag immer wieder viele der gleichen Dinge?

A: Dasselbe mehrmals zu sagen ist in Ordnung, wenn es für sie jedes Mal eine Bedeutung hat. Jesus kritisierte hier nicht die Wiederholung an sich, sondern die eitle (sinnlose) Wiederholung. In einigen Psalmen, wie beispielsweise Psalm 136, wird die Wiederholung eingesetzt. Jesus warnte uns davor, dass Wiederholungen sinnlos sein können, doch das bedeutet nicht, dass jede Wiederholung sinnlos ist.

„Gegrüßet seist du, Maria“ sind keine guten Gebete, da sie an Maria gerichtet sind, nicht an Jesus. Aber selbst wenn wir analoge „Gegrüßet seist du, Jesus“-Gebete hätten, wären diese ebenfalls nicht gut, und es würde voraussetzen, dass wir Segen aufgrund der Häufigkeit des Rezitierens auswendig gelernter Formeln erhielten.

Weitere Informationen finden Sie bei Ulrich Luz, Matthäus 1–7: Ein Kommentar, S. 366.

F: Haben die Juden in Mt 6,9 und Jak 3,9 Gott häufig als „unser Vater“ bezeichnet?

A: Das war sicherlich üblich. Ein berühmtes jüdisches Werk namens „Die achtzehn Segenssprüche“, das um 110 n. Chr. fertiggestellt wurde, enthält 44 kurze Gebete an Gott, die jeweils mit „Unser Vater, unser König“ beginnen. Weitere Informationen finden Sie in „The Expositor’s Greek Testament“, Band 4, S. 453.

F: Was lehrte Jesus in Mt 6,9–13 und Lk 11,1–4 im Vaterunser?

A: Hier eine sehr kurze Zusammenfassung.

Vater unser: Wir beten zu Gott, dem Vater. Jesus ist Gott (Hebräer 1,8–9), daher sind Gebete an Jesus ebenfalls zulässig, wie es Stephanus in Apostelgeschichte 7,59 tat.

Der im Himmel ist: Auch wenn Gott überall zugleich ist, vergessen Sie niemals, dass Gott transzendent ist. Sein Thron ist weiter von uns entfernt als die Sterne.

Geheiligt werde dein Name: Glauben Sie nicht, Gott sei nur ein Kumpel oder „Freund“. Denken Sie daran, wer Gott ist.

Dein Reich komme: Diese Art des Gebets wird heute oft vernachlässigt. Neben Lobpreis/Anbetung, Bekenntnis, Danksagung und Fürbitte für sich selbst und andere gehört auch das Gebet dafür, dass Gottes Reich bald komme. 1. Thessalonicher 4,18 ist nur ein Vers, der zeigt, dass wir uns nach Seinem Reich sehnen sollen. Zu den Versen, die zeigen, dass wir wachsam sein und auf Sein Reich warten sollen, gehören 1. Thessalonicher 4,18, 2. Petrus 3,13 und 1. Petrus 4,7.

Dieser Ausdruck deutet nicht auf eine gleichgültige Haltung hin. Vielmehr drücken wir damit den innigen Wunsch aus, dass Gottes Reich bald komme.

Dein Wille geschehe: Wir sollen um Gottes Willen beten und nicht nur unsere egoistischen Wünsche verfolgen (Jakobus 4,3). Wenn wir das Beste für Gottes Reich wollen, wer, glauben Sie, kann das am besten bestimmen – wir oder Gott?

Wie im Himmel, so auch auf Erden: Wir müssen nicht darum beten, dass Gottes Wille im Himmel geschehe, wo es keine Versuchung gibt, sondern wir müssen darum beten, dass der gewünschte Wille des allmächtigen Gottes auf Erden geschehe. Der Himmel ist unser Maßstab dafür, wie sehr wir uns wünschen, dass Gottes Wille befolgt wird.

Gib uns heute: Wir sollen darum beten, unsere Bedürfnisse zu erhalten, nicht nur unsere Wünsche. Auch wenn gottlose Reiche vielleicht finanziell alles bekommen, was sie brauchen, und noch mehr, ohne zu beten, sollen wir dies ignorieren und zu Gott um unsere Bedürfnisse beten. (Siehe Sprüche 30,7–9.) Offenbar ist es nicht vorgesehen, an einem einzigen Tag für das zu beten, was wir für die gesamte Woche benötigen, sodass wir es versäumen könnten, an den folgenden sechs Tagen überhaupt zu beten.

Unser tägliches Brot: Beten Sie täglich für unsere Bedürfnisse, nicht für unsere Gier. Beten Sie nicht nur einmal für alle Bedürfnisse Ihres Lebens, sondern beten Sie täglich. In diesem Gebet fehlt die Bitte um unsere Wünsche und egoistischen Begierden, wie Jakobus 4,3 zeigt. Dies ist ein Gebet für das, was wir rechtmäßig brauchen.

Vergib uns unsere Sünden: Wir brauchen Vergebung für unsere Worte, Taten und Unterlassungen im Äußeren. Darüber hinaus brauchen wir Vergebung für unsere Gedanken und Reinigung von unseren sündigen Begierden im Inneren. Manche behaupten fälschlicherweise, wir sollten nicht darum beten, dass Gott uns vergibt, sobald wir Christen geworden sind und bereits Vergebung erfahren haben. Dieses Gebet beweist das Gegenteil. Auch Jakobus 5,16 zeigt, dass man für einen Gläubigen beten soll, damit ihm seine Sünden vergeben werden (Zukunftsform). Die Vergebung der Sünden beruht auf dem Tod Christi am Kreuz, nicht auf unseren Worten; doch die Vergebung hat einen vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Aspekt, die alle auf das Kreuz zurückgehen. Laut dem „New International Bible Commentary“, S. 1127, ist die beste Übersetzung hier „Sünden“; sie lediglich als „Übertretungen“ zu bezeichnen, ist nicht sehr zutreffend.

So wie wir denen vergeben, die gegen uns sündigen: Gottes Vergebung für diejenigen, die Buße tun und sich ihm zuwenden, ist vollkommen. So sollte auch unsere Vergebung gegenüber anderen sein.

Nebenbei sei angemerkt, dass das Vaterunser auch in Tatianus’ „Diatessaron“, Abschnitt 9:32–41, S. 58, sowie in den frühchristlichen Schriften „Über das Gebet“ von Origenes, Kap. 18.1, S. 65, und in der „Didache“, Kap. 8, ANF, Band 7, S. 379, zitiert wird. Die „Didache“ fügt hinzu, dass es dreimal täglich gebetet werden solle.

Weitere Informationen finden Sie im „Believer’s Bible Commentary“, S. 1224–1225, sowie bei Ulrich Luz, „Matthäus 1–7: Ein Kommentar“, S. 369.

F: Warum sollen wir in Mt 6,9–13 und Lk 11,2–4 beten?

A: Das Gebet dient nicht dazu, einen allwissenden Gott zu informieren, den Allmächtigen zu befähigen oder das Herz eines überaus liebenden Gottes zu ändern. Vielmehr ist es ein Gebot, ein Privileg, mit Gott zu sprechen, und eine Verheißung, dass Gott unsere Gebete erhören wird. Das Gebet ist insofern erstaunlich, als ein allmächtiger Gott nicht nur zugestimmt hat, sondern sogar selbst die Idee ins Leben gerufen hat, dass Er zulässt, dass unsere Gebete „wirksam“ sind (Jakobus 5,16), indem Gott Dinge verändert.

Ergänzende Antworten finden Sie im „Today’s Handbook for Solving Bible Difficulties“, S. 299–302, sowie im „Complete Book of Bible Answers“, S. 160.

F: Können Sie erklären, warum in Mt 6,10 und Lk 11,2 in der KJV zwei „in“ vorkommen und „Himmel“ und „Erde“ vertauscht sind, im Gegensatz zu „auf“ und „in“ im Griechischen und in anderen Übersetzungen?

A: Matthäus 6,10 lautet in der KJV: „Dein Reich komme. Dein Wille geschehe auf Erden wie im Himmel.“

In Matthäus 6,10 gibt es keine nennenswerten Handschriftenvarianten, und das Griechische lautet wie von Ihnen beschrieben. In Lukas 11,2 gibt es zwar eine Handschriftenvariante, doch diese entspricht ebenfalls nicht der KJV.

Jedenfalls lautet der griechische Text „im“ Himmel und „auf“ der Erde. So ist es in der NKJV, der NIV, Greens wörtlicher Übersetzung und so gut wie überall außer in der KJV. Ich weiß nicht, warum die KJV in beiden Fällen „in“ übersetzt hat, obwohl ich vermuten könnte, dass „in der Erde“ damals dasselbe bedeutet haben könnte wie „auf der Erde“ heute. Ich weiß nicht, warum die Reihenfolge vertauscht wurde; vielleicht dachten die Übersetzer der KJV, die Wörter würden in dieser Reihenfolge besser klingen, doch dafür gibt es im Griechischen keine Grundlage. Zwar ist dies ein Fall, in dem die KJV weniger präzise ist, als sie sein sollte, doch handelt es sich dabei nicht wirklich um einen Fehler, da die Bedeutung dennoch klar bleibt.

Ich halte die KJV für eine gute Übersetzung, die vor über 400 Jahren von gottesfürchtigen Männern angefertigt wurde, doch heute verfügen wir über bessere Übersetzungen.

F: Warum sollen wir in Mt 6,13 darum beten, dass Gott uns nicht in Versuchung führe, wenn in Jak 1,13 steht, dass Gott niemanden in Versuchung führt?

A: Die Bedeutung wird besser durch die Art und Weise vermittelt, wie viele Briten dieses Gebet sprechen: „Rette uns in unserer Stunde der Not.“ Gott versucht uns nicht, aber Gott lässt zu, dass wir versucht werden, so wie Jesus versucht wurde und wie Paulus in 2. Korinther 1 in die Verzweiflung getrieben wurde. Gott prüft uns, aber Gott lässt nicht zu, dass wir über das hinaus versucht werden, was wir ertragen können (1. Korinther 10,13a). Wenn wir in Versuchung geraten und glauben, dass wir kurz davor stehen, das Maß unserer Belastbarkeit zu überschreiten, können wir zu Gott beten, und Er wird einen Ausweg für uns finden oder uns Kraft geben. Eine ergänzende Antwort finden Sie in „When Critics Ask“, S. 334.

F: Sollen wir in Mt 6,14–15 anderen ihre Verfehlungen oder alle ihre Sünden vergeben?

A: „Verfehlungen“ bedeutet hier „Sünden“, es gibt also keinen Unterschied.

F: Sollten Christen gemäß Mt 6,16–18 fasten?

A: Ja, das Fasten ist für Gläubige eine Möglichkeit, die Intensität unserer Gefühle gegenüber Gott zum Ausdruck zu bringen.

Wir sollten fasten, um Gott zu verehren (Apg 13,2–3); um um Hilfe zu beten (Jes 58,3–9; Apg 14,23; Ps 35,13; Neh 1,4; Est 4,3.16; 1 Kön 21,27; Esra 8,23) sowie zur individuellen und gemeinschaftlichen Buße (Neh 9,1; Dan 9,3; Joel 1,14; 2,12–15; Jona 3,5).

Wir sollten nicht aus Tradition (Sacharja 7,5) oder zur Zurschaustellung (Matthäus 6,16–18) fasten.

Eine Diät zum Abnehmen ist zwar in Ordnung, stellt jedoch kein Fasten dar, da der Hauptzweck ein anderer ist. Essanfälle im Wechsel mit Fasten sind weder besonders gesund noch biblisch fundiert.

Weitere Informationen finden Sie in „Now That’s a Good Question“, S. 229–230, im „New Dictionary of Christian Ethics and Pastoral Theology“, S. 377–378, sowie in „1001 Bible Questions Answered“, S. 463–464.

F: Warum haben Christen gemäß Mt 6,19–21 Geld und andere Schätze auf Erden?

A: Gott zu geben ist für Gläubige keine Option (Maleachi 3,10–12). Wir sollten für das Werk des Herrn spenden (2. Korinther 8,1–8; 9,6–11; Sprüche 3,9–10; 11,24; 1. Korinther 16,2; Titus 2,13). Es ist wichtig, dass wir den Armen und anderen helfen, damit diese wiederum anderen helfen können (Sprüche 11,24–25; 14,21; 24,11–12; 28,22; 29,7; 31,9.20; 2. Korinther 9,6–7).

Zahlreiche Verse in der Bibel fordern uns auf, den Armen und anderen zu geben: Sprüche 11,24–25; 14,21; 19,9–10.17; 21,13; 22,9; 24,11–12; 29,7; 31,9.20; Psalm 41,1; Jesaja 58,7–8.10; Jeremia 5,28; 22,16; Matthäus 6,2–4; 19,21; Galater 2,10; Epheser 4,28; 1. Timotheus 6,18–19; Jakobus 1,27; Deuteronomium 15,11; Psalm 68,5; Hiob 29,12–13; 1. Johannes 3,17–19; Apostelgeschichte 4,32–35

Beachten Sie jedoch auch, dass Reichtum gemäß Sprüche 28,20 ein Segen Gottes sein kann. Für Christen ist es angebracht, Folgendes zu tun:

a) Sie sollen persönliches Eigentum besitzen (2. Timotheus 4,13).

b) Wir sollen für unsere Familie sorgen (1. Timotheus 5,4.8; Sprüche 31,13–15; Markus 7,10–13; ~Lukas 15,18–30).

c) Für unsere Geistlichen sorgen (1. Korinther 9,4–12; 1. Timotheus 5,18; Galater 6,6)

d) Für uns selbst sorgen (Titus 3,14).

e) Zahlen Sie Ihre Steuern (Matthäus 22,17; Römer 13,7).

f) Für die Zukunft vorsorgen (Sprüche 6,6–8; 10,5; 31,16; Lukas 15,18–30; Titus 3,14).

g) Unseren Kindern ein Erbe hinterlassen (Sprüche 13,22; 17,2; 19,14; Psalm 17,14).

h) Wir sollten uns um unseren Besitz kümmern (was manchmal zusätzliche Kosten verursacht) (Sprüche 12,10.11.27). Wir sollten den Zustand unseres Vermögens kennen, denn durch Nachlässigkeit kann es verloren gehen (Sprüche 27,23–24).

Es ist jedoch nicht angemessen, Dinge aus Gier oder Angst zu tun. Wenn Sie so hoch versichert sind, dass Sie Ihre Familie nach Ihrem Tod besser versorgen können als zu Lebzeiten, sind Ihre Prioritäten durcheinander. Eine ausführlichere Erörterung über angemessene und unangemessene Einstellungen und den Umgang mit Geld finden Sie in der Erläuterung zu Sprüche 3,9.

F: Kann sich Mt 6,22 auf eine Art geistliches „drittes Auge“ beziehen, wie manche Anhänger der New-Age-Bewegung behaupten?

A: Kein früher Christ und auch kein moderner Christ hat diese Stelle jemals so ausgelegt. Wenn dies tatsächlich gemeint wäre, wie einige behaupten, dann hätte Gott es versäumt, sich so mitzuteilen, dass es jeder Christ verstehen könnte. Bei der Auslegung einer Bibelstelle dürfen wir nicht fragen: „Kann ich ihr diese oder jene Bedeutung geben?“, sondern vielmehr: „Was wollte Gott uns damit mitteilen?“ Viele Menschen verfahren nach dem erstgenannten Ansatz, da es neben Sünden des Willens und des Herzens auch Sünden des Verstandes gibt. Eine ergänzende Antwort finden Sie in „When Cultists Ask“, S. 101.

F: Was sagt Matthäus in Mt 6,24 über Gott und Geld?

A: Hier ist von Herren die Rede. Gott als Herr verlangt unseren uneingeschränkten Dienst und Gehorsam. Auch das Streben nach Geld verlangt uneingeschränkten Dienst an ihm.

Weitere Informationen finden Sie in „The Expositor’s Bible Commentary“, Band 8, S. 178–179, im „New International Bible Commentary“, S. 1128, sowie im „Bible Knowledge Commentary: New Testament“, S. 33.

F: Warum, glauben Sie, sagt Gott uns in Mt 6,25–26, dass wir uns keine Sorgen um unser Leben machen sollen?

A: Diese Verse sagen uns nicht, dass wir niemals über unser Leben nachdenken oder keine Pläne schmieden sollen, sondern dass wir uns keine Sorgen darüber machen sollen. Vögel arbeiten tatsächlich sehr hart – sie bauen Nester, kümmern sich um ihre Jungen usw. –, und doch machen sie sich keine Sorgen darüber.

F: Da in Mt 6,26 die Tatsache, dass Gott die Vögel beobachtet, ein Beispiel für Gottes Fürsorge ist, welche Art von Hilfe können wir dann von Gott erwarten?

A: Dieser Vers bedeutet nicht „denken Sie niemals darüber nach“, sondern vielmehr „machen Sie sich keine Sorgen darüber“. Gott erhält die Vögel der Luft, während diese aktiv an der Beschaffung ihrer Nahrung beteiligt sind. Hier sind fünf Punkte, die bei der Antwort zu berücksichtigen sind.

1. Es geschieht nichts, was Gott nicht zulässt (Hiob 1,12; 2,6).

2. Wir werden Schwierigkeiten erleben (2. Timotheus 3,12; Jakobus 1,2; Johannes 16,33f), doch Gott wird uns in unseren Schwierigkeiten stärken und trösten (2. Korinther 1,4–5).

3. Gott lässt nicht zu, dass Gläubige über ihre Kräfte hinaus versucht werden (1. Korinther 10,13).

4. Manche Gläubige werden Verfolgung erleiden, manche sogar den Tod (1. Petrus 1,6).

5. Kostbar ist in den Augen des Herrn der Tod seiner Heiligen (Psalm 116,15). Selbst wenn wir einen ungerechten, schmerzhaften Tod sterben, wird Gott sich dennoch im Himmel um uns kümmern, und unsere gegenwärtigen Leiden sind nichts im Vergleich zu den Freuden des Himmels (siehe 1. Korinther 2,9)

Weitere Informationen finden Sie im „Expositor’s Bible Commentary“, Band 8, S. 179, im „Tony Evans Bible Commentary“, S. 876, sowie im „Believer’s Bible Commentary“, S. 1226–1227.

F: Was sagt Jesus hier in Mt 6,33?

A: Jesus sagt nicht, dass sie nicht auch nach anderen guten Dingen gestrebt hätten. Vielmehr sagt Jesus, dass man zuerst nach dem Reich Gottes streben solle. Wie es in „The Tony Evans Bible Commentary“, S. 867, heißt: Beim Baseball kann man die zweite, dritte und die Home-Base berühren, ohne getaggt zu werden, doch wenn man die erste Base verpasst, spielt es keine Rolle – man ist aus.

F: Lehrt Mt 6,33, dass wir unsere angebliche innere Göttlichkeit zur obersten Priorität machen sollten, wie manche Vertreter der New-Age-Bewegung behaupten?

A: Nein, wir besitzen keine innere Göttlichkeit. Wir sind nach dem Ebenbild Gottes geschaffen, und Gläubige (sowohl Männer als auch Frauen) sind Kinder Gottes, doch wir besitzen keine eigene Göttlichkeit. Dieser Vers sagt nichts über unsere Göttlichkeit oder irgendetwas anderes aus, das uns gehört. Stattdessen lehrt er uns, Sein Reich und Seine Gerechtigkeit zu suchen. Es gibt keinen Gott außer dem Einen, wie Ihnen jeder jüdische Monotheist bestätigen würde, und Jesus war Jude und bekräftigte, dass es nur einen einzigen wahren Gott gibt, dessen Worten wir gehorchen sollen. Wir sollen uns der Heiligen Schrift unterwerfen, anstatt sie so zu verdrehen, dass sie unseren Meinungen entspricht. Eine ausführlichere Antwort finden Sie in „When Cultists Ask“, S. 101–102.

F: Wie sollen wir in Mt 7,1–2, Lk 6,37 und Joh 7,24 andere nicht richten, da uns doch in Joh 7,24, 1 Kor 5,12 und 1 Kor 6,2–5 gesagt wird, dass wir richten sollen?

A: Die Bibel billigt es, Handlungen zu beurteilen, nicht jedoch, über Menschen zu richten. In 1. Korinther 6,5 wird ein anderes griechisches Wort für „richten“ verwendet als in den anderen Stellen: „diakrinai“. Es bezieht sich auf einen christlichen Schlichter, der in einer zivilrechtlichen Angelegenheit zwischen Christen ein Urteil fällt.

Das in den anderen Stellen verwendete griechische Wort „krinete“ hat eine breitere Bedeutungsspanne. Matthäus 7,1–2 und Lukas 6,37 besagen, dass wir andere nicht richten sollen (es wird nicht erwähnt, dass wir Dinge oder Handlungen nicht beurteilen sollen). Mit anderen Worten: Wir sollen nicht über den Wert anderer Menschen urteilen, nicht darüber, wie gut sie als Christen sind oder wie große Sünder sie sind. Das soll Gott tun; wir brauchen nicht zu richten. Doch während wir den Balken aus unserem eigenen Auge entfernen sollten, bevor wir versuchen, den Splitter aus dem Auge unseres Bruders zu entfernen, sollten wir dennoch versuchen, den Splitter aus dem Auge unseres Bruders zu entfernen. Hier gibt es zwei Aspekte. Der erste ist die Heuchelei, sich mehr um den Splitter im Auge des Bruders zu sorgen als um den Balken im eigenen Auge. Der zweite ist, dass man den Splitter nicht gut genug sehen kann, um ihn zu entfernen, wenn man selbst einen Balken im Auge hat. Auch wenn Jesus hier eine Übertreibung verwendete, ist es im wirklichen Leben dennoch erstaunlich, wie Menschen einen Fehler bei jemand anderem erkennen können und dennoch völlig blind für denselben Fehler bei sich selbst sind.

Auch in Johannes 7,24 wird das Wort „krinete“ verwendet, wo es heißt: „Richtet nicht nach dem äußeren Schein, sondern richtet gerecht.“ (BSB)

Es ist unverantwortlich, anderen zu sagen, Matthäus 7,1 lehre, jegliches Urteil aufzugeben, um damit dem Rest von Matthäus 7 nicht zu gehorchen. Wir sollen Hunde und Schweine erkennen (Matthäus 7,6), und wir sollen in Matthäus 7,16–20 die Früchte prüfen.

Was die Ermordung anderer, den Holocaust, Menschen, die Sex mit Tieren und Kindern haben, usw. betrifft, mögen manche sagen, wir sollten keine Moral aufzwingen oder im Grunde genommen nicht darüber urteilen, was richtig und was falsch ist. Das ist nicht das, was die Bibel lehrt.

Siehe „Now That’s a Good Question“, S. 163–164, „Today’s Handbook for Solving Bible Difficulties“, S. 369–371, „The Bible Knowledge Commentary: New Testament“, S. 33, „The New International Bible Commentary“, S. 1129, „The Believer’s Bible Commentary“, S. 1227–1228, „The Evangelical Commentary on the Bible“, S. 730–731, sowie „The New Geneva Study Bible“, S. 1515, für ergänzende Antworten.

F: Sollten Christen gemäß Mt 7,1–5 nicht richten, oder sollten wir richten, wie es in 1 Kor 6,2–5 heißt?

A: Wir sollen andere Menschen nicht richten, auch nicht hinsichtlich ihres Wertes, aber wir sollen gute und schlechte Taten unterscheiden, wie 1. Korinther 6,2–5 lehrt. Zwar sind einige der Wörter im Griechischen identisch (abgeleitet von „krino“), doch ist der Kontext ein anderer.

F: Was meinte Jesus in Mt 7,6 damit, dass man seine Perlen nicht vor die Schweine werfen soll?

A: Geben Sie das, was kostbar ist, nicht denen, die es nicht zu schätzen wissen und es möglicherweise dazu nutzen könnten, sich gegen Sie zu wenden und Sie anzugreifen. Dieses Konzept, keine Perlen vor die Schweine zu werfen, steht auch hinter Sprüche 9,7–9, wo uns geraten wird, nicht zu versuchen, einen Spötter oder einen gottlosen Menschen zu korrigieren. Jesus vollbrachte vor ungläubigen Menschen nicht viele Wunder. Außerdem ist es besser, wenn ein Mensch den Weg der Wahrheit nicht kennt, als wenn er ihn kennt und sich davon abwendet, wie es in 2. Petrus 2,20–22 heißt.

Betrachten wir zunächst die breite Palette möglicher Interpretationen und grenzen wir diese dann ein, um die beste Wahl oder die besten Wahlmöglichkeiten für die beabsichtigte Bedeutung zu ermitteln.

„Casting“ könnte bedeuten:

C1. „Do not cast“ könnte bedeuten: „Nicht erzwingen“.

C2. Nörgeln Sie nicht.

C3. Bemühen Sie sich nicht, etwas beizubringen.

C4. Achten Sie sehr darauf, niemals etwas zu verraten.

Hier ist das Verb „werfen“ aktiv, daher meinte Jesus nicht, Sie sollten Ihre Perlen verstecken, verheimlichen, dass Sie Christ sind, oder keine Perlen auf dem Boden liegen lassen. Somit ist es nicht C4.

„Perlen“ könnte bedeuten:

P1. Gottes Lehre

P2. Die Botschaft des Evangeliums

P3. Alles, was von Wert ist, besondere Privilegien oder die Teilhabe an heiligen Dingen. „Hard Sayings of the Bible“, S. 370–371, vertritt diese Ansicht.

P4. Es könnte auch bedeuten, dass man, wenn die Kirche verfolgt wird, andere Christen nicht gefährden soll, indem man ihre Namen einfach irgendjemandem preisgibt.

Da Jesus moralische Lehren offen verkündete, bedeutet dies wahrscheinlich nicht P1.

„Vor die Schweine“ könnte bedeuten:

S1. Diejenigen, die diese Dinge nicht zu schätzen wissen („Hard Sayings of the Bible“, S. 370–371).

S2. Diejenigen, die nicht bereit sind zu lernen („The NIV Study Bible“)

S3. Ungläubige, die nicht aktiv den Wunsch haben, zu lernen.

S4. Ungläubige, die sich weigern zu lernen

S5. Heiden (gemäß dem skeptischen „Asimov’s Guide to the Bible“, S. 833–835). Matthäus erwähnt jedoch Nichtjuden, die glaubten; daher bezieht sich der Ausdruck nicht auf Heiden im Allgemeinen.

„Schweine“ war eine abwertende Bezeichnung; daher ist es sehr wahrscheinlich, dass die beabsichtigten Bedeutungen auch diejenigen umfassen, die sich weigern zu lernen.

Daher könnte die beste Wahl C1 + C2 + C3 sowie P2 + P3 und S1 + S2 + S3 + S4 sein.

Ergänzende Antworten finden Sie in „Hard Sayings of the Bible“, S. 370–371, und in „Now That’s a Good Question“, S. 585–586.

F: Warum erhalten die Menschen in Mt 7,7–11 nicht alles, was sie sich wünschen?

A: Gott ist weit mehr als nur ein kosmischer Weihnachtsmann. Menschen erhalten nicht immer das, was sie sich wünschen, und zwar aus mindestens fünf Gründen.

1. Die Menschen bitten nicht darum (Jakobus 4,2)

2. Man muss zu Gott beten, nicht zu einem anderen. (~5. Mose 5,6–7)

3. Man muss im Geist und im Namen Jesu beten (Kolosser 3,17; Johannes 14,13–14; 15,16; 16,26).

4. Gott erhört die Gottlosen nicht (Sprüche 15,29; 1. Petrus 3,12; Jesaja 1,15; Jeremia 11,14; 14,12; Micha 3,4).

5. Sie kämpfen gegen Gottes Volk (Psalm 18,41; 1. Samuel 22,16–17; 28,6).

Siehe auch die Antwort auf die nächste Frage.

F: Da in Mt 7,7–8 steht, dass der, der bittet, empfängt, und der, der sucht, findet, warum suchen sie dann in Am 8,12 das Wort des HERRN und finden es nicht?

A: Zunächst, was nicht die Antwort ist, und dann die Antwort.

Nicht die Antwort: Jesus sprach diese Worte Jahrhunderte nach Amos, und in der Zeit des Neuen Testaments waren die Verhältnisse anders als zuvor. Zudem gab es unmittelbar vor dem Kommen Jesu eine 400-jährige Zeit des Schweigens, in der keine Schrift gegeben wurde. Schließlich war das Wissen, das Jesus uns vermittelt hat, selbst den gottesfürchtigen Menschen, die vor Jesus lebten, nicht zugänglich. Doch obwohl diese drei Aussagen alle wahr sind, lassen sie die zeitlose Wahrheit und die Warnung außer Acht, die den Kern von Amos 8,12–14 bilden.

Die Antwort: Es gibt zwei Ebenen der Antwort.

Konkret bezog sich Amos 8,12–14 auf jene (hauptsächlich Samariter) im Land [Israel], die sowohl den Götzen des Nordreichs als auch Gott nachliefen. Solange sie versuchten, beiden zu folgen, würden sie das Wort Gottes nicht finden.

Allgemein betrachtet ist Amos 8,12–14 eine Warnung für alle Menschen. Matthäus 7,7–8 bedeutet nicht, dass man einfach irgendjemanden bitten soll; es bedeutet, dass man den einen wahren Gott bitten muss. Wenn Sie die Wahrheit Gottes mit der Falschheit von Götzen und anderen Religionen vermischen wollen, werden Sie eine Hungersnot an Wahrheit erleben, nicht eine Erfüllung der Wahrheit. Sie müssen Gott von ganzem Herzen suchen, nicht so, dass ein Teil Ihres Herzens Gott sucht und ein anderer Teil Ihres Herzens Götzen anbetet.

F: Warum erhalten Christen in Mt 7,7–11 nicht immer das, worum sie Gott im Namen Jesu bitten?

A: Gott erhört manche Gebete mit „Ja“, manche mit „Nein“ und manche mit „Warte“. Wenn es keine Antwort gibt oder nicht die Antwort, die wir uns wünschen, ist es gut, darüber nachzudenken, warum. Wir können nicht jeden Einzelfall kennen, aber im Allgemeinen gibt es mindestens 21 Gründe, die mit uns, den Umständen und Gott zu tun haben.

Wir:

1. Wir beten zu dem falschen Gott, zu einem Götzen. 1. Könige 18,26–29

2. Unsere Bitten sollten nicht darauf abzielen, unsere Leidenschaften zu befriedigen. Jakobus 4,3

3. Bitten müssen sich auf gute Dinge beziehen. Matthäus 7,11

4. Es ist nicht Gottes Wille, dass wir sie erhalten. Markus 14,36

5. Wir müssen abwarten. Daniel 10,12–14

6. Unsere Gebete sind bloße leere Wiederholungen. Matthäus 6,7

7. Dennoch müssen wir [sinnvoll] beharrlich bleiben. Lukas 11,5–10; 18,1–7

8. Wir hegen Sünde in unseren Herzen (Psalmen 66,18–19), verschließen unsere Ohren vor den Armen (Sprüche 21,13) oder sind gottlos (Sprüche 15,29; Jesaja 59,1–3). Gott erhört uns nicht, wenn wir uns entscheiden, nicht auf Gott zu hören (Sacharja 7,11–14 und impliziert in Sprüche 28,9).

9. Wir brauchen Selbstbeherrschung. 1. Petrus 4,7

10. Wir haben gesündigt, beispielsweise durch Scheidung. Maleachi 2,13–14

11. Wir ignorieren Gott und sein Gesetz. Sacharja 7,13; Sprüche 28,9

12. Wir ignorieren den Schrei der Armen. Sprüche 21,13

13. Wir nehmen keine Rücksicht auf unsere Ehefrauen. 1. Petrus 3,7

14. Gott wird nicht erhören, wenn sie zudem weiterhin Götzen anbeten. Hesekiel 8,8–18

15. Ihre Hände sind mit Blut befleckt. Jesaja 1,15

16. Gott weiß, welche Prüfungen am besten sind. 2. Korinther 12,7–9

17. Gott züchtigt uns. 2. Samuel 12,16–18; 22–24

Umstände:

1. Zu seiner Zeit wird Gott das Gebet vielleicht erhören, doch jetzt ist noch nicht der richtige Zeitpunkt. Habakuk 2,3

2. Es könnte sein, dass wir uns in irgendeiner Weise ändern müssen oder dass sich jemand anderes ändern muss. 1. Samuel 1,10–12; 2. Mose 2,23–24

Gott:

1. Gott beantwortet unser Gebet möglicherweise mit „Nein“

2. Gott lässt möglicherweise zu, dass wir geprüft werden.

Manchmal, wie das Buch Hiob und Daniel 10,2–3.12–14 zeigen, haben wir absolut keine Ahnung von allem, was hinter den Kulissen vor sich geht. Aber wir wissen, dass unsere Geduld und Beharrlichkeit Gott verherrlichen.

F: Was sind in Mt 7,12a Beispiele für die Goldene Regel?

A: Beachten Sie, dass hier nicht von „Brüdern“, d. h. Glaubensbrüdern, die Rede ist, sondern von Nächsten – sowohl Gläubigen als auch Ungläubigen. Behandeln Sie im Geschäftsleben Lieferanten, Kunden, Kollegen, Vorgesetzte und Untergebene so, wie Sie selbst behandelt werden möchten und es erwarten würden, wenn die Situation umgekehrt wäre. Was Konkurrenten betrifft, so können Sie ein harter Konkurrent sein, aber dennoch ein fairer und ehrenhafter. Wenn eine Situation, ein Verkauf oder eine Transaktion abgeschlossen ist: Würden Sie der anderen Partei ohne Bedenken sagen können, dass Sie Christ sind, oder wäre es Ihnen peinlich und beschämend, ihr zu sagen, dass Sie Christ sind?

Die Goldene Regel wurde bereits hundert Jahre zuvor in negativer Form von Hillel, Philo von Alexandria, in Tobit 4,15 sowie von Konfuzius formuliert (Legge, Chinese Classics, Band 1, S. 191f).

Weitere Informationen finden Sie im „New International Bible Commentary“, S. 1129, im „Believer’s Bible Commentary“, S. 1229, im „Evangelical Commentary on the Bible“, S. 731, sowie im „Expositor’s Greek Testament“, Band 1, S. 131–132.

F: Warum ist Ihrer Meinung nach in Mt 7,13–14 das Tor breit, das ins Verderben führt, und das Tor schmal, das zum ewigen Leben führt?

A: Die beiden Tore führen zu unterschiedlichen Zielen. Satan führt die Welt auf einen Weg, der letztlich eigennützig und zerstörerisch ist. Gott jedoch hat einen anderen Weg, und wir müssen uns entscheiden, ob wir der Masse folgen oder Gott folgen wollen.

Weitere Informationen finden Sie im „Bible Knowledge Commentary: New Testament“, S. 34, im „Believer’s Bible Commentary“, S. 1229, sowie in Ulrich Luz, „Matthäus 1–7: Ein Kommentar“, S. 435.

F: Sagt uns Mt 7,20, wie wir erkennen können, welche religiöse Gruppe die wahre Religion ist?

A: Ja und nein. In jeder Religion gibt es Menschen, die behaupten, dieser Religion anzugehören, sich aber nicht an ihre Lehren halten. Es gibt viele „kulturelle Christen“, „kulturelle Muslime“, „kulturelle Hindus“ usw. Diese Passage richtet sich an Einzelpersonen, insbesondere an falsche Lehrer. Daher gilt dieser Vers für die Gründer einer Sekte oder Religion. Eine andere Antwort finden Sie in „When Cultists Ask“, S. 103.

F: Wie können manche Menschen in Mt 7,21–23 glauben, gerettet zu sein, und dennoch in die Hölle kommen?

A: Es gibt einen wichtigen Begriff, der als „vorgetäuschte Bekehrung“ bezeichnet wird. Menschen können nicht nur andere täuschen, sondern auch sich selbst. Nichts deutet hier darauf hin, dass sie ketzerische Lehren vertraten. Wenn jedoch die Früchte ihres Glaubens und ihres Lebens nicht mit den Lehren des Neuen Testaments übereinstimmen, sollten sie ihren eigenen Glauben überprüfen, wie Paulus es in 2. Korinther 13,6 fordert. Weitere Informationen finden Sie im „Tony Evans Bible Commentary“, S. 878, im „New International Bible Commentary“, S. 1129, im „Believer’s Bible Commentary“, S. 1229–1230, im „Bible Knowledge Commentary: New Testament“, S. 34, sowie in Ulrich Luz’ „Matthäus 1–7: Ein Kommentar“, S. 442.

F: In Mt 7,24–29: Inwiefern lässt sich dies auf unser Leben anwenden?

A: Tony Evans gibt das Beispiel, dass er einen Riss in seiner Mauer hatte, den er viele Male reparierte, der aber immer wieder auftrat. Das Problem lag nicht in der Mauer; nein, es war viel schwerwiegender. Das Problem lag im Fundament. Wenn es in unserem Leben einen Riss gibt – im geistlichen Sinne –, der immer wieder auftritt, sollten Sie den Riss vielleicht nicht als die eigentliche Ursache betrachten. Die eigentliche Ursache könnte ein Fehler im Fundament sein. Streng genommen geht es in diesem Gleichnis nicht um zwei Fundamente, sondern darum, wo man sein Fundament errichtet. Weitere Informationen finden Sie in „The Tony Evans Bible Commentary“, S. 878, im „Believer’s Bible Commentary“, S. 1230, im „Expositor’s Greek New Testament“, S. 135–136, sowie im „Bible Knowledge Commentary: New Testament“, S. 34, 36.

F: Zeigt Mt 7,24–29, dass nur diejenigen, die ihre angebliche „innere Göttlichkeit“ erkennen, den Stürmen des Lebens standhalten können, wie Spangler und einige andere Vertreter der New-Age-Bewegung behaupten?

A: Nein, siehe die Antwort zu Matthäus 6,33. In dieser Passage wird unsere Göttlichkeit nicht erwähnt; Anhänger der New-Age-Bewegung lesen dies in den Text hinein. Vielmehr geht es darum, ob unser Leben (unser Haus) auf Gottes Fundament oder auf Sand gebaut ist. Weitere Informationen finden Sie in „When Cultists Ask“, S. 103.

F: Warum formulierte der Aussätzige in Mt 8,2 seine Frage auf diese Weise?

A: Der Aussätzige hatte Zweifel an der Fähigkeit Jesu, ihn rein zu machen. Der Aussätzige war sich nicht sicher, ob Jesus bereit war, ihn rein zu machen.

Lepra ist zudem eine gute Metapher für die Sünde. Sie sieht eklig aus, breitet sich am Körper aus, ist für andere ansteckend und war aus menschlicher Sicht unheilbar.

Weitere Informationen finden Sie im „Believer’s Bible Commentary“, S. 1231.

F: Warum sollte der Aussätzige in Mt 8,4 das Opfer darbringen, um den Priestern Zeugnis abzulegen?

A: Dies sollte als Zeugnis dienen, um den Priestern zu zeigen, dass er auf wundersame Weise gereinigt worden war, und es sollte den Priestern zudem bezeugen, dass Jesus das Gesetz weiterhin einhielt. Wahrscheinlich gingen nur sehr wenige Aussätzige zum Priester, um sich untersuchen zu lassen, da sie nun geheilt waren. Der Priester hätte, wenn er auf der Höhe der Dinge gewesen wäre, vielleicht nachgehen können, wer dieser Heiler war; es wird jedoch nicht erwähnt, dass der Priester dies weiter untersucht hätte. Dies könnte der Grund gewesen sein, warum Jesus den Priester „auf die Probe stellte“, indem er ihn als Ersten den Mann untersuchen ließ.

Ein weiterer Grund war, dass Jesus für den Mann neben der körperlichen Heilung auch die Wiedereingliederung in die Gesellschaft anstrebte. Hätte der Priester aus zweiter Hand erfahren, dass dieser Mann „rein“ war, obwohl er nicht, wie es das mosaische Gesetz vorschrieb, zum Priester gegangen war, hätte der Priester ihn aus Boshaftigkeit möglicherweise nicht für rein erklären wollen.

Später wurden einige der Pharisäer Christen, wie aus Apostelgeschichte 15,5 hervorgeht. Trotz all ihrer vielen Fehler besaßen viele der Pharisäer dennoch die Tugend, Gottes Wort ernst zu nehmen und an das zu glauben, was Gott über die Auferstehung und das Leben nach dem Tod gesagt hatte.

Weitere Informationen finden Sie im „Believer’s Bible Commentary“ auf Seite 1231, im „Expositor’s Greek Testament“, Band 1, auf Seite 138 sowie im „Bible Knowledge Commentary: New Testament“ auf den Seiten 36–37.

F: Kam der Hauptmann in Mt 8,5–13 selbst zu Jesus, oder sandte er andere, wie es in Lk 7,1–10 heißt?

A: Es gibt zwei mögliche Antworten.

1) Der Hauptmann sandte andere voraus und kam dann selbst.

2) Wenn der Hauptmann „kam“, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass er persönlich erschien. Wenn beispielsweise in Johannes 19,1 steht, dass Pilatus Jesus gegeißelte, bedeutet das nicht, dass Pilatus dies mit eigenen Händen tat.

Weitere Informationen finden Sie in „Bible Difficulties & Seeming Contradictions“, S. 174–175, und in „When Critics Ask“, S. 334.

F: Warum staunte Jesus in Mt 8,10 und Lk 7,9 über den Hauptmann?

A: Jesus staunte über den Vergleich, den er beobachtete. Der Hauptmann war kein Jude und war nicht sein ganzes Leben lang im Gesetz erzogen worden, dennoch hatte der Hauptmann mehr Glauben als viele Juden. Der Hauptmann glaubte, dass Jesus über Krankheiten gebieten könne, ähnlich wie er über seine Soldaten gebot. Glauben zu haben hängt nicht einfach von Ihrem Umfeld und Ihrer Erziehung ab. Der Hauptmann mag gesagt haben, er sei dessen nicht würdig, entweder aufgrund jüdischer Bräuche oder – was wahrscheinlicher ist – weil er die Macht und Autorität Jesu erkannte. Der Hauptmann war sich möglicherweise der früheren Heilung in Johannes 4,46–54 bewusst, und das gab ihm Hoffnung und Mut, sich an Jesus zu wenden.

Weitere Informationen finden Sie im „Evangelical Commentary on the Bible“, S. 731–732, im „Expositor’s Greek Testament“, Band 1, S. 139, im „New International Commentary on the Bible“, S. 1130, sowie im „Tony Evans Bible Commentary“, S. 878–879.

F: Bezieht sich Matthäus 8,12 auf eine vorübergehende Strafe oder auf eine ewige Strafe?

A: Der Vers selbst gibt dazu keinen Hinweis. An anderer Stelle bezieht sich „Weinen und Zähneknirschen“ jedoch nicht nur auf Qualen, sondern auch auf Ehre, Privilegien und Freude, die für immer verloren sind; daher handelt es sich hier höchstwahrscheinlich um eine ewige Strafe.

F: Ist die Hölle in Mt 8,12; 22,13; 25,30 ein Ort der Finsternis oder ein Ort des Feuers wie in Offb 20,14; Mk 9,48?

A: Beides. Zunächst eine kurze Antwort, dann eine ausführlichere.

Kurze Antwort: Dieses Feuer ist kein bloßes irdisches Feuer, und Gott könnte dieses Feuer gestalten, wie Er es wünscht. Gott beschreibt uns etwas, das wir auf Erden noch nie gesehen haben, und obwohl wir nicht wissen, inwieweit irdisches Feuer dem Höllenfeuer ähnelt oder sich davon unterscheidet, ist es doch ähnlich genug, dass Gott es als beschreibende Metapher verwendet.

Ausführliche Antwort: Wissenschaftlich gesehen ist Feuer hell, weil es Lichtphotonen im sichtbaren Spektrum (rot bis violett) aussendet. Es fühlt sich heiß an, weil es uns auch mit Lichtphotonen in anderen Bereichen des Spektrums bestrahlt, hauptsächlich mit Infrarotstrahlung aus dem Feuer, während das Sonnenlicht, das durch die Atmosphäre dringt, mehr ultraviolette Strahlen enthält. Wie würden Sie etwas beschreiben, das hauptsächlich Röntgen- oder Gammastrahlen abgibt? Dies könnte etwas wesentlich schneller verbrennen, würde aber für das bloße Auge dunkel erscheinen. Abgesehen von Photonen würde ein Neutronenstern den Großteil seiner Energie in Form von Neutronen abgeben, wie sie auch von einer Atombombe ausgestrahlt werden; bei wenigen Photonen wäre es jedoch dunkel. Nun wissen wir nicht, ob die Hölle aufgrund von Photonen, Neutronen oder etwas ganz anderem heiß ist, doch diese irdischen Beobachtungen zeigen lediglich, dass es viele Möglichkeiten gibt, wie die Dunkelheit und das Feuer der Hölle aussehen könnten.

Weitere Antworten finden Sie in „When Cultists Ask“, S. 104–105, und in „When Critics Ask“, S. 335.

F: Welche Bedeutung hat die Formulierung Jesu in Mt 8,13?

A: Es ist nicht überliefert, dass Jesus dies zu jemand anderem gesagt hat. Der Hauptmann hatte einen so großen Glauben, dass Jesus dies sagen würde und seine Tochter geheilt würde.

F: Beweist die Tatsache, dass Petrus verheiratet war (Mt 8,14 und 1 Kor 9,5), dass die katholische Praxis, wonach Priester nicht heiraten dürfen, falsch ist?

A: Aus protestantischer Sicht beweist oder widerlegt dieser spezielle Vers diesen Punkt weder. Petrus war bereits verheiratet, bevor er Jünger wurde. Ebenso gab es im 20. Jahrhundert verheiratete anglikanische Priester, die zum Katholizismus konvertierten, und die katholische Kirche gestattete ihnen, weiterhin verheiratete katholische Priester zu bleiben und ihre Ehe wie zuvor fortzuführen.

F: Was ist in Mt 8,15 das Interessante an der Heilung des Fiebers?

A: Normalerweise ist jemand, der ein Fieber überwunden hat, geschwächt und benötigt Zeit, um sich zu erholen. Fiebererkrankungen waren aufgrund von Malaria keine Seltenheit. Die Schwiegermutter des Petrus benötigte jedoch überhaupt keine Zeit zur Erholung, bevor sie begann, ihnen zu dienen.

Weitere Informationen finden Sie im „Bible Knowledge Commentary: New Testament“, S. 37, im „Believer’s Bible Commentary“, S. 1232, im „Expositor’s Bible Commentary“, Band 8, S. 204, im „Expositor’s Greek Testament“, Band 1, S. 140–141, sowie im „New International Bible Commentary“, S. 1158–1159.

F: Bezieht sich Jes 53,4 in Mt 8,17 auf das Leiden für uns oder auf unsere Heilung?

A: Jesaja 53,4 könnte sich auf beides beziehen.

Der Messias wird verwundet werden: Wie Jesaja 53,5 zeigt, bezieht sich diese Stelle auf den Messias (den leidenden Knecht), der um unseretwillen leidet. In ähnlicher Weise heißt es in Jesaja 53,6, dass der HERR unsere Schuld auf den leidenden Knecht gelegt hat.

Gottes Volk wird geheilt werden. Sowohl Jesaja 53,5 als auch 53,4 zeigen, dass unsere Heilung ein Segen des Messias sein wird. Nichts in Jesaja 53 legt fest, dass es sich dabei ausschließlich um geistliche oder um körperliche Heilung handelt. Gewiss hat Gott die Beispiele körperlicher Heilung genutzt, um über diese hinaus auf die größere Bedeutung der geistlichen Heilung hinzuweisen, die durch das Kreuz ermöglicht wurde.

Eine ausführlichere Erörterung finden Sie im „Expositor’s Bible Commentary“, Band 8, S. 204–206.

F: Könnte sich Jesus in Mt 8,20 und an anderen Stellen auf jemand anderen als sich selbst beziehen, wenn er sagt: „Menschensohn“?

A: Nein, Markus 14,41b zeigt, dass Jesus sich selbst meinte. Im Garten Gethsemane, unmittelbar vor seiner Verhaftung, sagt Jesus in Markus 14,41b: „Schlaft und ruht ihr noch? Das reicht! Die Stunde ist gekommen. Seht, der Menschensohn wird in die Hände der Sünder ausgeliefert. Steht auf, lasst uns gehen. Seht, mein Verräter naht!“ (BSB). Eine ausführliche Erörterung des Begriffs „Menschensohn“ finden Sie im „Expositor’s Bible Commentary“, Band 8, S. 209–213.

F: Warum bezeichnet sich Jesus in Matthäus 8,20 und an anderen Stellen oft als Menschensohn?

A: Bei der Beantwortung sind drei Punkte zu berücksichtigen.

1) Jesus maß diesem Begriff große Bedeutung bei. Jesus verwendete diesen Ausdruck 32 Mal im Matthäusevangelium, 14 Mal im Markusevangelium, 26 Mal im Lukasevangelium und 12 Mal im Johannesevangelium.

2) Während der Titel „Sohn Gottes“ dazu dient, die Göttlichkeit Jesu zu betonen, unterstreicht „Menschensohn“ auch die volle Menschlichkeit Jesu. Doch so wie „Menschensohn“ die volle Menschlichkeit Jesu impliziert, betont „Sohn Gottes“ die volle Göttlichkeit Jesu.

3) Daniel 7,13–14 spricht prophetisch vom Menschensohn. Jesus wollte wahrscheinlich, dass sie zurückgingen und diese Stelle lasen. Dort heißt es: „In meiner nächtlichen Vision schaute ich weiter zu und sah einen, der wie der Menschensohn aussah und mit den Wolken des Himmels kam. Er näherte sich dem Alten der Tage und wurde in Seine Gegenwart geführt. Und ihm wurden Herrschaft, Herrlichkeit und Königtum gegeben, damit ihm alle Völker, Nationen und Sprachen dienen sollten. Seine Herrschaft ist eine ewige Herrschaft, die nicht vergehen wird, und sein Königreich ist eines, das niemals zerstört werden wird.“ (BSB)

Ausführlichere Antworten finden Sie in der „Encyclopedia of Bible Difficulties“, S. 322–324, in „When Critics Ask“, S. 335–336, in „When Cultists Ask“, S. 105–106, sowie im „New International Commentary on the Bible“, S. 1130–1131.

F: Warum sagte Jesus in Mt 8,21–22 zu dem Mann, er solle die Toten ihre Toten begraben lassen?

A: Jesus wollte damit sagen, dass es genug geistlich Tote gab, die die Toten begraben konnten, und dass man sich nicht an Dinge binden sollte, die keine ewige Bedeutung haben. Das Problem lag in der Bitte des Mannes: „Herr, lass mich zuerst …“.

Es gibt keinen Hinweis darauf, dass der Vater des Mannes bereits verstorben war. Der Mann könnte gemeint haben: „Warte, bis mein betagter Vater stirbt, und vielleicht auch, bis er das Erbe erhält, und dann werde ich dir nachfolgen.“ Der Mann wollte also Jesus nachfolgen, aber er wollte dies nach seinem eigenen Zeitplan tun. Jesus lehnte dies ab. Im krassen Gegensatz dazu verließ Matthäus, der Verfasser des Evangeliums, sofort alles und folgte ihm, als er in Matthäus 9,9 aufgefordert wurde, Jesus nachzufolgen.

Siehe „Encyclopedia of Bible Difficulties“, S. 324; „When Critics Ask“, S. 336; „The Believer’s Bible Commentary“, S. 1232–1333; „The Bible Knowledge Commentary: New Testament“, S. 38; „The New International Commentary on the Bible“, S. 1130, sowie „The Tony Evans Bible Commentary“, S. 879, für ausführlichere Antworten.

F: Wie konnte Jesus in Mt 8,24–25 während dieses gewaltigen Sturms schlafen?

A: Das griechische Wort „seismos“ kann sich auf ein Erdbeben beziehen, doch hier bezeichnet es ein heftiges „Erschüttern“ des Meeres. Jesus hatte menschliche Krankheiten überwunden und fürchtete sich auch nicht vor den Naturgewalten. Es gibt zwei Möglichkeiten.

Natürliche Erklärung: Jesus war nach seiner Predigt müde und schlief sehr tief und fest. Damals gab es noch keine Mikrofone oder Lautsprecheranlagen, sodass ein Redner sehr laut sprechen musste. Bedenken Sie auch, dass Jesus keine Sorge hatte, das andere Ufer zu erreichen. Wenn Jesus normalerweise in einem kleinen Boot schlafen konnte, dann schlief er auch bei höheren Wellen und stärkerem Wind einfach weiter.

Übernatürlich: Wenn der Sturm so heftig war, dass niemand dabei schlafen konnte, dann hat der Vater Jesus vielleicht in einen sehr tiefen Schlaf versetzt, um den Glauben der Jünger daran zu prüfen, dass Gott Jesus beschützt.

Weitere Informationen finden Sie im „Evangelical Bible Commentary“, S. 732, und im „Expositor’s Greek Testament“, Band 1, S. 143.

F: Was können wir aus Mt 8,24–27 auf unser Leben übertragen?

A: Jeder erlebt Stürme, manche so heftig, dass sie unser Boot zum Kentern bringen könnten. Allerdings kann sich die Sichtweise Jesu auf den Sturm und unsere Sichtweise auf einen Sturm grundlegend unterscheiden. Die Jünger waren Fischer und wussten, dass Fischer bei solchen Stürmen ums Leben kommen können. Wie Matthew Henry sagt, tadelte Jesus sie nicht dafür, dass sie ihn geweckt hatten, um um Hilfe zu bitten, sondern vielmehr wegen ihrer Ängste und ihres mangelnden Glaubens. Den Jüngern war nicht bewusst, dass sie keine Angst haben mussten, ihr Boot könnte sinken, solange Jesus darin war. Die Jünger hatten Glauben, aber es war kein Glaube, auf den sie sich verlassen konnten. Der Sturm war tatsächlich heftig, doch das Richtige war, Jesus den Sturm stillen zu lassen. Auch in unserem Leben können Stürme auftreten, die nicht nur heftig erscheinen, sondern tatsächlich heftig sind. Wir müssen Jesus bitten, den Sturm zu stillen.

Jesus sprach hier zwei Zurechtweisungen aus: eine an den Wind und die Wellen und eine an die Jünger wegen ihres geringen Glaubens. Es ist, als hätten sie nicht ganz begriffen oder sich nicht wirklich daran erinnert, wer mit ihnen im Boot saß. Vielleicht müssen wir Buße tun, wenn wir vergessen, wer mit uns im Boot unseres Lebens sitzt. Das Gute an den Prüfungen in unserem Leben ist, dass sie uns ein neues, tieferes Verständnis davon vermitteln, wer Jesus ist.

Schließlich, als der Wind nachließ, war das Wasser noch eine Weile lang sehr unruhig. Doch die Jünger waren erstaunt, denn in Matthäus 8,26 heißt es, dass nicht nur der Wind, sondern auch die Wellen zur Ruhe kamen. Ein Boot wäre erst sicher, wenn auch die Wellen ruhig wären; daher ließ Gott auch die Wellen zur Ruhe kommen.

Weitere Informationen finden Sie im „Bible Knowledge Commentary: New Testament“, S. 38–39, im „Expositor’s Bible Commentary“, Band 8, S. 215, im „Believer’s Bible Commentary“, S. 1233, sowie im „Tony Evans Bible Commentary“, S. 880.

F: Gab es in Mt 8,28 im Land der Gergesener zwei von Dämonen besessene Männer oder nur einen, wie es in Mk 5,1–4 und Lk 8,26–33 heißt?

A: Zwar könnte es sich um zwei verschiedene Ereignisse gehandelt haben, doch ist es wahrscheinlicher, dass es sich um dasselbe Ereignis handelte und in Matthäus ein Schreibfehler vorliegt. Papias, ein Schüler des Apostels Johannes, schrieb, dass Matthäus sein Evangelium ursprünglich auf Hebräisch/Aramäisch verfasst habe. In „When Critics Ask“, S. 337, heißt es weiter: „Wenn es zwei Männer gab, dann sind beide Berichte korrekt, denn es gibt ein ganz grundlegendes mathematisches Gesetz … – wo immer zwei sind, ist immer auch einer. Es gibt keine Ausnahmen!“ Wir hätten ein Problem, wenn Markus und Lukas sagten, es habe nur einen Mann gegeben, doch das Wort „nur“ kommt dort nicht vor.

F: In Mt 8,28: In welcher Stadt genau befand sich der von Dämonen besessene Mann?

A: Es handelte sich entweder um Gadara oder um Gerasa. Die Schwierigkeit besteht darin, dass es drei Städte mit recht ähnlichen Namen gab. Hinzu kommt, dass – falls dies aus dem Hebräischen transkribiert wurde – die hebräischen Buchstaben für „r“ und „d“ einander sehr ähnlich sind.

Gergesenes (von Gergesa), das heutige Khersa, ist die Stadt, die in der Mehrheit der Handschriften genannt wird. Sie liegt am östlichen Ufer des Sees Genezareth, und die Hügel fallen steil zum See hin ab.

Gadarenes (von Gadara), das heutige Um Qeis, lag nur 5 bis 8 Meilen südöstlich des Sees Genezareth, und das „Land der Gadarenes“ reichte tatsächlich bis zum See Genezareth, wie Josephus’ Erwähnung dieser Tatsache und eine Münze aus Gadara, auf der ein Schiff abgebildet ist, belegen. Der Codex Vaticanus, der Text des Ephraem Rescriptus und einige Abschriften des Diatessaron nennen diese Stadt.

X Die Gerasener (aus Gerasa) (das heutige Jerash) liegen etwa 30 Meilen vom See Genezareth entfernt, sodass es sich nicht um diese Stadt handeln kann. Dieser Name kommt nur in kursiven Handschriften, der Vulgata, am Rand (nicht im Text) der harcheischen syrischen Fassung und im sahidischen Koptisch vor.

X Gersa in Gilead liegt 20 Meilen östlich des Jordan

X Gaxarenes ist keine Stadt, die jemals existiert hat. Dieser offensichtliche Schreibfehler kommt nur im ursprünglichen Siniaticus vor, und ein späterer Schreiber korrigierte ihn im Siniaticus-Manuskript zu Gergasenes.

Siehe „Encyclopedia of Bible Difficulties“, S. 324–326, „Hard Sayings of the Bible“, S. 373, „When Critics Ask“, S. 336–337, „The Bible Knowledge Commentary: New Testament“, S. 122, „The Greek New Testament“ von Aland et al., S. 29, „The Expositor’s Greek Testament“, Band 1, S. 144–145, sowie „The Expositor’s Bible Commentary“, Band 8, S. 219–220 für weitere Informationen.

F: Was können wir aus Matthäus 8,28–29 für unser Leben lernen?

A: Zunächst einmal sollten die Gräber ein ruhiger Ort sein, an dem sich nichts Lebendiges aufhält. Doch im Reich der Toten sind Dämonen am Werk. Die Besessenen hätten nicht dort sein dürfen; sie hätten mit allen anderen zusammenleben sollen. Wir wissen nicht, warum sie dort waren; vielleicht, weil sie sich entschieden hatten, Menschen zu meiden, weil Menschen sie vertrieben hatten, um Gräber zu plündern, um diejenigen zu berauben oder zu töten, die kamen, oder aus einem anderen Grund. Es wäre jedoch überraschend, wenn jemand am Grab eines Verstorbenen seine Ehrerbietung erweisen würde und dann plötzlich diese beiden von Dämonen besessenen Männer auftauchten.

In unserem Leben und im Leben anderer um uns herum mag es Dinge aus der Vergangenheit geben, die nicht wieder aufgegriffen, zur Sprache gebracht oder gar freiwillig in Erinnerung gerufen werden sollten. Doch plötzlich taucht – aus welchem Grund auch immer – etwas auf, das eigentlich nicht mehr da sein sollte. Wir sollten standhaft sein und erkennen, dass dies nicht sein darf; dass es im Namen Jesu ausgetrieben werden muss. Wir sind eine neue Schöpfung; dazu gehört auch, dass das Alte und Sündhafte sterben muss – und tot bleiben muss.

Weitere Informationen finden Sie im „Tony Evans Bible Commentary“, S. 880.

F: Was meinten die Dämonen in Mt 8,29 mit „quält uns vor der Zeit“?

A: Die Dämonen wussten, dass sie in den Abgrund geschickt werden würden (Judas 6; Offenbarung 20,1–2) und später in den Feuersee (Offenbarung 20,14–15).

F: Warum gab Jesus in Mt 8,32 der Bitte der Dämonen nach, in die Schweine zu fahren?

A: Die Heilige Schrift gibt dazu keine Auskunft. Es scheint jedoch, dass es den Dämonen nichts genutzt hat, in Schweine zu fahren, die sofort ertranken. Es ist interessant, dass die Stadtbewohner sich mehr Sorgen um die 2.000 ertrunkenen Schweine machten als um die beiden von Dämonen Besessenen. Sie messen dem finanziellen Verlust mehr Bedeutung bei als dem geistlichen Gewinn. Weitere Informationen finden Sie im „Believer’s Bible Commentary“, S. 1233, im „Expositor’s Bible Commentary“, Band 8, S. 219, sowie im „Tony Evans Bible Commentary“, S. 880.

F: Warum hielt sich Jesus in Mt 9,1, Mk 6,45 und Joh 6,17 hier in Kapernaum auf, das Lukas als „seine eigene Stadt“ bezeichnet?

A: Denken Sie daran, dass die Einwohner von Nazareth (etwa 20 Meilen entfernt) in Lukas 4,29–31 versucht hatten, Jesus zu töten, und dass die Gergesener Jesus ausdrücklich baten, den Ort zu verlassen, nachdem 2.000 Schweine ertrunken waren; daher machte Jesus Kapernaum zu seiner Heimat. Es handelt sich sehr wahrscheinlich um das heutige Tell Hum, etwa 2,5 Meilen südwestlich der Mündung des Jordan in den See Genezareth, am nordwestlichen Ufer. Simon Petrus, Andreas und Philippus stammten alle ursprünglich aus Bethsaida (Johannes 1,44; 12,21), das ganz in der Nähe lag. Als Erwachsene arbeiteten sie zusammen mit Jakobus, Johannes und Matthäus in der am See gelegenen Stadt Kapernaum (Markus 1,29). Weitere Informationen finden Sie im „Wycliffe Bible Dictionary“ auf den Seiten 66, 226 und 310 sowie im „Believer’s Bible Commentary“ auf Seite 1234.

F: Was würde in Mt 9,2–6 als falsch angesehen werden, wenn Jesus Sünden vergibt?

A: Die Menschen sündigten gegen Gott, und sie schlussfolgerten zu Recht, dass Jesus Gott sein müsse, um Sünden gegen Gott zu vergeben. Beachten Sie, dass Jesus nicht sagte: „Gott hat mich ermächtigt oder dazu ermächtigt, zu sagen, dass Ihre Sünden vergeben sind.“ Vielmehr verkündete Jesus einfach: „Ihre Sünden sind vergeben.“ Obwohl die Juden eigentlich einen Messias erwarteten, gingen sie nicht davon aus, dass der Messias selbst Sünden vergeben würde. Sowohl die Vergebung von Sünden als auch die Heilung von Krankheiten werden in Psalm 103,3 erwähnt, doch beides ist ausdrücklich die Aufgabe des HERRN.

Natürlich wäre es genauso absurd, dem Mann zu sagen: „Eure Sünden sind euch vergeben“, wie einem Gelähmten zu befehlen, zu gehen.

Weitere Informationen finden Sie im „New International Bible Commentary“, S. 1131, im „Evangelical Commentary on the Bible“, S. 732, im „Believer’s Bible Commentary“, S. 1234, sowie im „The Expositor’s Greek Testament“, Band 1, S. 148.

F: Was bedeutet „Zollstelle“ in Mt 9,9 (KJV)?

A: Es bedeutet, Steuern einzutreiben.

F: Welchen Hintergrund haben Matthäus und seine Freunde in Mt 9,9–10?

A: Matthäus (was „Geschenk Gottes“ oder möglicherweise „der Treue“ bedeutet) ist dieselbe Person, die in Markus als Levi bezeichnet wird. Beides sind hebräische Namen. Dies geschah außerhalb von Kapernaum, wo sich eine römische Garnison befand. Ein Zöllner dort musste sowohl Aramäisch als auch Griechisch fließend beherrschen, wobei Lateinkenntnisse ebenfalls von Vorteil waren. Wir wissen nicht mit Sicherheit, welche Sprache beim Festmahl hauptsächlich gesprochen wurde, oder ob Aramäisch überhaupt kaum zum Einsatz kam. Unabhängig davon würden sich dort keine Pharisäer oder Juden mit Selbstachtung blicken lassen, um mit „Sündern“ zu speisen.

Die Zöllner wurden verachtet, weil sie Steuern für die römischen Besatzer eintrieben. Außerdem wurde von ihnen erwartet, dass sie mehr verlangten, als die Regierung vorschrieb, und die Differenz einbehielten. Es gab so viele Gelegenheiten, noch mehr zu verlangen und andere auszunutzen, dass es eine schwer zu widerstehende Versuchung gewesen sein muss.

Da es viele Gäste gab, war Matthäus’ Haus vielleicht groß, oder das Abendessen fand möglicherweise in einem Außenhof des Hauses statt. Wahrscheinlich wurden die Gäste beim Abendessen ebenfalls eingeladen, Jünger zu werden. (Jesus hatte neben dem inneren Kreis der Zwölf noch viele weitere Jünger.) Wie es im „Believer’s Bible Commentary“ auf Seite 1234 über Matthäus heißt: „Er verlor einen bequemen Beruf, doch er fand eine Bestimmung. Er verlor ein gutes Einkommen, fand aber Ehre. Er verlor eine behagliche Sicherheit, fand aber ein Abenteuer, von dem er nie zu träumen gewagt hätte.“ Stellen Sie sich vor, Matthäus hätte „nein“ gesagt, als Jesus ihn fragte. Matthäus wäre kein Apostel geworden, hätte das Evangelium nicht verfasst und stattdessen einfach seine Tage als ein zielloser, recht wohlhabender, aber verachteter und später vergessener, namenloser Mann verbracht.

Weitere Informationen finden Sie im „Bible Knowledge Commentary: New Testament“, S. 39, im „Expositor’s Bible Commentary“, Band 8, S. 223–224, im „Expositor’s Greek Testament“, Band 1, S. 150–151, sowie im „Evangelical Commentary on the Bible“, S. 733.

F: Was meinte Jesus in Mt 9,12 damit, dass nur die Kranken einen Arzt brauchen?

A: Alle sind krank, aber nur diejenigen, die erkennen, dass sie krank sind, suchen einen Arzt auf. In gewisser Hinsicht war der Vorwurf, den man Jesus machte, also absolut wahr. Doch wenn Jesus mit den Pharisäern – oder mit wem auch immer – aß, aß er auch mit Sündern! Da Jesus gerade bewiesen hatte, dass er dem Gelähmten die Sünden vergeben konnte, konnte er auch den Zöllnern die Sünden vergeben. Wenn jemand sagt, er wolle nicht in die Kirche gehen, weil sie voller unvollkommener und sündiger Menschen sei, sagen Sie ihm, dass ihn das nicht davon abhalten sollte, denn in der Kirche ist immer Platz für noch einen! Weitere Informationen finden Sie im „Believer’s Bible Commentary“, S. 1234–1235, und im „The Expositor’s Greek Testament“, Band 1, S. 152.

Frage: Warum erwähnte Jesus in Mt 9,13, dass Gott Barmherzigkeit und nicht Opfer will?

A: Jesus bezieht sich auf Hosea 6,6. Zwar gebot Gott sowohl Opfer als auch Barmherzigkeit, doch lag ihm mehr daran, dass wir ein barmherziges Herz haben, als an den Opfern selbst. Genau wie zu Hoseas Zeiten kümmerten sich auch zu Jesu Zeiten einige religiöse Menschen wenig um andere und waren vielmehr darauf bedacht, mit den „richtigen“ Leuten zusammen zu sein. Jesus kümmerte sich um die verlorenen Zöllner und Sünder und tadelte sie dafür, dass sie nicht erkannten, dass alle vor Gott Sünder sind und sie keinen Grund hatten, sich anderen Sündern überlegen zu fühlen. Die Schriftgelehrten und Pharisäer offenbarten ihr wahres Herz, denn sie warfen Jesus niemals vor, ein Zöllner oder Sünder zu sein, sondern dass er mit ihnen Umgang pflegte. Weitere Informationen finden Sie in „Bible Difficulties & Seeming Contradictions“, S. 118–119, sowie in „The Expositor’s Greek Testament“, Band 1, S. 152.

F: Warum fasteten die Jünger in Mt 9,14 nicht?

A: Jesus sagte nicht, dass seine Jünger niemals fasten würden, sondern dass sie nicht fasten mussten, solange Jesus noch im Fleisch bei ihnen war. Zu den richtigen Zwecken des Fastens siehe die Erörterung zu Matthäus 6,16–18. Weitere Informationen finden Sie in „The Expositor’s Bible Commentary“, Band 8, S. 226–227.

F: Was ist in Mt 9,16–17 und Mk 2,21–22 der Sinn der Gleichnisse von den Kleidern und den Weinschläuchen?

A: Selbst in der natürlichen Welt kann man sich nicht immer schrittweise an etwas Neues gewöhnen. Manchmal muss man „mit alten Mustern brechen“, Paradigmen wechseln oder einen Neuanfang wagen. Jesus sagte hier, dass man, um seine Lehre anzunehmen, einen so radikalen Bruch vollziehen müsse, dass man von neuem geboren werden müsse (Johannes 3,5–7) und eine neue Schöpfung werden müsse (2. Korinther 5,16–17). Siehe auch die Erörterung zu Mk 2,21–22.

Leider versuchten in der Antike genau das jene Menschen, gegen die Paulus im Galaterbrief wetterte – die sogenannten Judaisierer: Sie versuchten, Gnade und die Lehren Jesu mit dem Gesetz und den Geboten des Alten Testaments zu vermischen. In anderer Weise tun dies auch einige Siebenten-Tags-Adventisten.

Weitere Informationen finden Sie in „The Expositor’s Bible Commentary“, Band 8, S. 227, „The Bible Knowledge Commentary: New Testament“, S. 40, „The Expositor’s Greek Testament“, Band 1, S. 153, sowie im „Believer’s Bible Commentary“, S. 1235–1236.

F: Was ist in Mt 9,20 das Besondere am Saum eines Gewandes?

A: Es handelte sich wahrscheinlich um Quasten am Saum des Gewandes. Diese wurden möglicherweise als ein heiligerer Teil des Gewandes angesehen, da Quasten mit einem blauen Faden in der Mitte in 4. Mose 15,38 ff. und 5. Mose 22,12 vorgeschrieben waren.

Die Frau schien diesbezüglich sehr verschlossen zu sein. Nach 3. Mose 15,19–33 hätte ihr anhaltender Blutfluss sie unrein gemacht, sodass sie sich gar nicht erst in die dichte Menschenmenge hätte mischen dürfen, um zu Jesus zu gelangen.

Weitere Informationen finden Sie im „New International Bible Commentary“, S. 1131, im „Expositor’s Greek Testament“, Band 1, S. 154, sowie im „Evangelical Commentary on the Bible“, S. 733.

F: Warum hat Jesus in Mt 9,20–22, Mk 5,27–34 und Lk 8,43–49 die Frau mit dem Blutfluss öffentlich angesprochen?

A: Körperliche Heilung war nicht der Grund, warum Jesus auf die Erde kam. Jesus ging es mehr um den Glauben der Frau als nur um ihre körperliche Krankheit. Wie ein Pastor zu diesem öffentlichen Wunder treffend bemerkte: „Am Ende unseres Seils befindet sich der Saum von Jesu Gewand.“

F: Bestimmt in Mt 9,20–22 und Mk 5,27–34 die Stärke unseres Glaubens, ob unsere Gebete erhört werden?

A: Es ist ein Faktor. Bei Gebeten, die im Willen Gottes liegen, müssen wir Glauben haben, wenn wir beten. In Jakobus 1,6–7 heißt es, dass wir ohne zu zweifeln bitten müssen, denn ein wankelmütiger Mensch wird nicht erhalten, worum er bittet. Wenn wir jedoch glauben, aber dennoch gewisse Zweifel hegen, können wir bitten und dabei unseren Unglauben ehrlich eingestehen, wie es der Mann in Markus 9,24 tat, und Gott wird unser Gebet erhören. Es ist auch gut zu wissen, dass der Heilige Geist in Römer 8,26–27 für uns im Gebet Fürsprache einlegt.

Selbstverständlich gilt: Selbst wenn wir um etwas mit mehr Glauben bitten, als jemals zuvor jemand um etwas gebeten hat, und es nicht Gottes Wille ist, es uns zu geben, wird Gott es nicht tun, wie Jakobus 4,3 zeigt. Dies ist Teil einer umfassenderen Frage: Wann erhört Gott Gebete, und wann sagt die Heilige Schrift, dass Er dies nicht tut? Weitere Informationen finden Sie in der Erörterung zu Matthäus 7,7–11 und in „Hard Sayings of the Bible“, S. 419–421.

Fragen zur Tochter des Jairus finden Sie im Abschnitt „Die Evangelien“.

F: Warum gab es in Mt 9,23–26 professionelle Trauernde?

A: Bezahlte Trauernde waren üblich, damit man Zeit hatte, sich um alle Gäste der Beerdigung zu kümmern. Gemäß der Mischna Ketuboth 4,4 musste selbst eine arme Familie zwei Flötenspieler und eine professionelle Klagefrau bezahlen. Manche haben dies als „künstliche Trauer“ bezeichnet. Das Sterben ist ein großes Geschäft, damals wie heute. Weitere Informationen finden Sie im „Expositor’s Bible Commentary“, Band 8, S. 231, und im „Believer’s Bible Commentary“, S. 1236.

F: Warum hatten diese beiden blinden Männer in Mt 9,28–31, die den Glauben hatten, an Jesus zu glauben, nicht den Gehorsam, dies nicht an andere weiterzugeben?

A: Dies ist eine interessante Frage. Diese blinden Männer „sahen“, dass Jesus der Sohn Davids, d. h. der Messias, war – besser als die meisten Sehenden. Diese Männer hatten den Glauben, sich an Jesus zu wenden, als es keine andere Alternative gab. Doch obwohl sie sich in großen Dingen im Glauben an Jesus wandten, gehorchten sie ihm in dieser kleinen Sache nicht. Vielleicht dachten sie, dass es hilfreich wäre, dies zu diesem Zeitpunkt weiterzugeben, und sie maßen sich an, mehr darüber zu wissen, was hilfreich sei, als Jesus selbst.

Hier zeigt sich die interessante, aber traurige Situation geistlich einsichtsvoller Menschen, die großen Glauben an Jesus hatten und sich dann bewusst dafür entschieden, Jesus ungehorsam zu sein. Weisheit und Glaube nützen ohne Gehorsam nicht viel. Ja, sie erhielten ihr Augenlicht, doch Jesus erhielt hier keine gehorsamen Diener.

Weitere Informationen finden Sie im „Believer’s Bible Commentary“, S. 1236–1237, und im „Expositor’s Bible Commentary“, Band 8, S. 232–233.

F: Sollten wir heute gemäß Mt 9,38 um mehr Arbeiter für die Ernte beten?

A: Ja, dies ist ein oft vernachlässigtes Gebet. Wir beten für die Ernte, d. h. dafür, dass Menschen zu Christus kommen und seine Jünger werden, aber wir sollten auch um mehr Erntearbeiter beten, die Gott einsetzen kann, um Nichtchristen zu evangelisieren, denn Jesus sagt, dass die Arbeiter wenige sein werden – was bedeutet: zu wenige. Manchmal, wenn die Zeiten schwierig und die wirtschaftlichen Bedingungen hart sind, können sich sogar diejenigen, die als Pastoren tätig sind oder im Missionsdienst arbeiten, entmutigt fühlen und den Wunsch verspüren, aufzugeben. Arbeiter werden von Gott ausgesandt, doch sie sollten in ihrem Auftrag verbleiben, bis Gott sie zu einer anderen Aufgabe beruft. Weitere Informationen finden Sie im „Believer’s Bible Commentary“ auf Seite 1237.

F: Konnten die Jünger in Mt 10,1 bereits zuvor heilen?

A: Unabhängig davon, ob sie zuvor bereits einige Krankheiten geheilt hatten, gab Jesus ihnen hier die Macht über jede Krankheit. Übrigens werden sie in Matthäus 10,2 zum ersten Mal als Apostel bezeichnet.

F: Wer ist in Mt 10,3 (KJV) „Lebbaeus“?

A: Dies ist derselbe wie Thaddäus.

F: Wie konnte Simon der Kananäer in Mt 10,4 und Mk 3,18 zu den Jüngern Jesu gehören, da Simon [angeblich] kein Jude war?

A: Die KJV und die NKJV verwenden den Begriff „Canaanite“, wobei die NKJV in einer Fußnote angibt, dass der Mehrheitstext „Cananaean“ lautet. Die frühen Ausgaben der NASB und der NRSV verwenden „Canaanean“. Die BSB und die NASB 2020 verwenden den Begriff „Zealot“.

Ob Simon nun überhaupt kein Jude oder teilweise jüdischer Abstammung war, ist nicht der springende Punkt. Jesus konnte Jünger jeder Nationalität berufen. Nebenbei bemerkt: In Markus 3,8 kamen viele Menschen aus den heidnischen Städten Tyrus und Sidon, um Jesus zu sehen. Tyrus lag etwa 35 Meilen vom See Genezareth entfernt, und Sidon lag 25 Meilen von Tyrus entfernt.

Das griechische Wort „Kananaios“ könnte eine Transliteration des aramäischen Wortes „qan’an“ sein, das „Eiferer“ bedeutet. In Lukas 6,15 und Apostelgeschichte 1,13 wird er als „Simon, der Eiferer“ bezeichnet. Der „Expositor’s Bible Commentary“, Band 8, S. 237, 239, sowie „Asimov’s Guide to the Bible“, S. 840, und „The Expositor’s Greek Testament“, Band 1, S. 158, bestätigen dies. Doch dies wirft einen interessanten Punkt auf. Wenn einer der Jünger Jesu früher ein Zelot war und ein anderer, Matthäus, ein Zöllner, dann hätten sie politisch diametral entgegengesetzte Standpunkte vertreten, zumindest bevor sie zu Christus kamen. Weitere Informationen hierzu finden Sie im „Evangelical Commentary on the Bible“, S. 734.

F: Was bedeutet „Iskariot“ in Mt 10,4; Mk 3,19; Lk 6,16; Joh 6,71?

A: Judas’ Vater heißt in Joh 6,71 und 13,26 Simon; es handelt sich also nicht um den Namen seines Vaters. Es gibt zwei Ansichten darüber, was „Iskariot“ bedeutete.

1. „Iskariot“ könnte „Mann des Dolches“ bedeuten.

2. Es könnte „Mann (ish) aus Kerioth“ bedeuten, was der Name zweier Städte in Juda war. Weitere Informationen finden Sie in verschiedenen Quellen, darunter in der „Archaeological Encyclopedia of the Holy Land“, S. 212, und im „Expositor’s Bible Commentary“, Band 8, S. 239.

F: Warum hat Jesus in Mt 10,5–6 seinen Jüngern ausdrücklich geboten, nicht in die samaritanischen Dörfer zu gehen?

A: Dies war eine Frage des Zeitpunkts, da Jesus ihnen in Apostelgeschichte 1,8 ausdrücklich befahl, nach Samaria zu gehen.

Jesus wurde zuerst nach Israel gesandt und dann in den Rest der Welt. Die Apostel gingen zuerst nach Judäa, dann nach Samaria und schließlich bis an die Enden der Erde. Wenn Paulus in eine neue Stadt kam, folgte auch er dem Muster, zunächst in der Synagoge zu predigen. Auch heute gibt es in vielen Dingen möglicherweise einen Zeitplan, dem Gott möchte, dass wir folgen.

F: Was ist in Matthäus 10,5–6 von der Behauptung der Ahmadiyya-Muslime zu halten, dass sie jedem 20.000 Dollar zahlen, der einen Beweis dafür findet, dass Jesus für alle Menschen und nicht nur für die Juden gekommen ist?

A: Die Bibel, vom Alten Testament bis zur Offenbarung, ist sich darin einig, dass Jesus der Erlöser für alle Menschen ist, nicht nur für die Juden. Stellen Sie sich einmal kurz vor, die Botschaft Jesu wäre nicht für die Heiden bestimmt gewesen. Hätten Sie dann all den rund einer halben Million Christen in den ersten drei Jahrhunderten nach Christus gesagt: „Ihr sollt den Lehren Jesu nicht folgen; Gott möchte, dass ihr zurückkehrt und eure heidnischen Götzen anbetet!“ – Natürlich nicht, das ist lächerlich! – Genauso wie diese Frage. Aber lassen Sie uns das dennoch im Detail untersuchen.

Einerseits können wir unterscheiden zwischen dem Wirken Jesu vor seiner Kreuzigung, der Botschaft Jesu und Jesus nach seiner Auferstehung. Doch in allen drei Fällen war Jesus nicht nur für die Juden da. Während seines irdischen Wirkens wandte sich Jesus selbst in erster Linie (wenn auch nicht ausschließlich) an „die verlorenen Schafe des Hauses Israel“ (Matthäus 15,24). Er verkündete seine Erlösung zunächst vor allem den Juden. Aber auch:

a) Das Alte Testament prophezeite, dass Jesus für alle Menschen bestimmt sei.

b) Jesus wandte sich an die Samariter, die Halbjuden waren

c) Jesus war auch für die Heiden (Nichtjuden) bestimmt; er reiste sogar zu Heiden außerhalb Israels.

d) Jesus sagte, seine Botschaft sei für alle bestimmt, nicht nur für das jüdische Volk.

e) Jesus hat niemals gesagt, dass sein Evangelium auf Juden beschränkt sei.

f) Schließlich waren die Apostel Jesu am besten in der Lage, zu verstehen, was Jesus lehrte.

Hier sind die Beweise.

a) Gott sagte im Alten Testament, der Messias sei für alle Menschen bestimmt

Jesaja 9,1–7 ist eine berühmte messianische Prophezeiung. In Jesaja 9,1b heißt es: „Aber in Zukunft wird er den Weg am Meer ehren, jenseits des Jordans, Galiläa der Völker.“

Jesaja 42,1–9 ist eine messianische Prophezeiung. In Jesaja 42,6 heißt es: „Ich, der HERR, habe dich zu einem gerechten Zweck berufen, und ich werde deine Hand ergreifen. Ich werde dich bewahren und dich dazu bestimmen, ein Bund für das Volk und ein Licht für die Völker [Heiden] zu sein, um den Blinden die Augen zu öffnen, die Gefangenen aus dem Kerker zu befreien und die in der Finsternis Sitzenden aus dem Gefängnis zu führen.“

Auch Jesaja 49,1–7 ist messianisch, doch beachten Sie insbesondere Jesaja 49,6: „Er spricht: ‚Es reicht nicht aus, dass du mein Knecht bist, um die Stämme Jakobs wieder aufzurichten und die Bewahrten Israels wiederherzustellen. Ich werde dich auch zum Licht für die Völker machen, um mein Heil bis an die Enden der Erde zu bringen.‘“

b) Jesus ging zu den halbjüdischen Samaritern

In Johannes 4,1–42 predigte Jesus nicht nur der Frau am Brunnen, sondern auch den anderen samaritanischen Dorfbewohnern. Die Samariter baten Jesus, bei ihnen zu bleiben, und so blieb Jesus zwei Tage bei ihnen. „Und viele weitere glaubten aufgrund seiner Botschaft. Sie sagten zu der Frau: ‚Wir glauben nun nicht mehr nur aufgrund deiner Worte; wir haben selbst gehört und wissen, dass dieser Mann wahrhaftig der Retter der Welt ist.‘“

Lukas 17,11–18 zeigt jedoch, dass die Samariter nach wie vor als Fremde und nicht als Juden galten.

c) Jesus reiste zu den Heiden östlich und nördlich von Israel

Markus 7,24–30: Jesus reiste in die Gegend von Tyrus (nördlich von Israel in Phönizien) und heilte die Tochter einer Frau. Nun war diese Frau keine Jüdin, die außerhalb Israels lebte. Vielmehr heißt es im Text ausdrücklich, dass sie Griechin war, syro-phönizischer Herkunft. Da behauptet wurde, Jesus sei nur für Juden da gewesen – und nicht lediglich in erster Linie für Juden –, widerlegt allein dieser eine Fall die Behauptung, er sei „nur“ für Juden da gewesen.

Matthäus 8,28–34: Jesus heilte die Besessenen von Gadara. Das Land der Gadaren lag östlich des Sees Genezareth, in der nichtjüdischen, griechischsprachigen Region namens Dekapolis, in der Schweinezucht betrieben wurde. Siehe auch Markus 5,1–20 und Lukas 8,26–39. Genau wie die syro-phönizische Frau handelte es sich hierbei nicht um Nichtjuden, die zufällig ebenfalls anwesend waren. Jesus reiste bewusst außerhalb Israels, um zu predigen und diesen Nichtjuden seine Botschaft der Erlösung zu verkünden.

Markus 7,31–37: Jesus vollbrachte öffentlich ein Wunder in der Dekapolis, was auf Griechisch „zehn Städte“ bedeutet. Es handelte sich um eine Region griechischer Siedler im heutigen Syrien und Jordanien; kein Teil der Dekapolis lag in Israel.

Markus 8,1–10 Nachdem Jesus die Menge von fünftausend Menschen in Israel gespeist hatte, überquerte er später den See Genezareth in östlicher Richtung zur Seite der Heiden und speiste dort die viertausend. Auch dies geschah in der Dekapolis, den zehn Städten der griechischen Kolonisten.

d) Das Evangelium Jesu galt allen Völkern

Jesus wies seine Jünger an, seine Botschaft an „alle Völker“ weiterzugeben, nicht nur an das jüdische Volk.

Lukas 24,45–47: „Da öffnete er [Jesus] ihnen den Verstand, damit sie die Schrift verstanden. Und er sprach zu ihnen: ‚So steht es geschrieben: Der Christus wird leiden und am dritten Tag von den Toten auferstehen, und in seinem Namen wird allen Völkern, beginnend in Jerusalem, Buße und Vergebung der Sünden verkündet werden.‘“ Hier heißt es nicht einfach „in allen Völkern“, sondern „allen Völkern“.

Matthäus 28,18–20: „Da trat Jesus zu ihnen und sprach: ‚Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf Erden. Darum geht hin und macht alle Völker zu Jüngern, tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.‘“ Hier heißt es nicht einfach „macht Jünger in allen Völkern“, sondern „macht alle Völker zu Jüngern“.

Matthäus 8,11–12 Nachdem Jesus den Diener des Hauptmanns geheilt hatte, sprach Jesus: „Ich sage euch: Viele werden von Osten und Westen kommen, um mit Abraham, Isaak und Jakob im Himmelreich das Festmahl zu genießen. Die Söhne des Reiches aber werden in die äußerste Finsternis geworfen werden, wo Heulen und Zähneklappern sein wird.“ Siehe auch Lukas 7,1–10 bezüglich des Dieners des Hauptmanns und Lukas 13,28–30 bezüglich der anderen, die am Festmahl teilnehmen. Jesus sagt NICHT lediglich, dass jüdische Menschen aus anderen Ländern kommen werden, denn die Söhne des Reiches sind die Juden, und die Nicht-Söhne aus dem Osten und Westen werden kommen.

Markus 3,7b–8: „… eine große Menschenmenge aus Galiläa, Judäa, Jerusalem, Idumäa, dem Gebiet jenseits des Jordans und der Umgebung von Tyrus und Sidon. Die große Menschenmenge kam zu ihm, als sie hörte, welche großen Taten er vollbrachte.“ Sollte jemand behaupten, es hätten ausschließlich Juden aus diesen Gegenden kommen müssen (sonst würde das „nur“-Argument hinfällig), so widerlegt dies die Tatsache, dass Jesus der griechisch-syrisch-phönizischen Frau in Tyrus seine Botschaft verkündete.

Lukas 2,32 Als Jesus noch ein Säugling war, prophezeite der Prophet Simeon über ihn, dass er „ein Licht zur Offenbarung für die Heiden und zur Herrlichkeit für dein Volk Israel“ sein würde. Während der letzte Satzteil zeigt, dass Jesus auch für die Juden bestimmt war, verdeutlicht der unterstrichene Satzteil, dass Jesus eine „Offenbarung“ für die Heiden war – und Heiden sind Nichtjuden.

Lukas 3,14 Einige römische Soldaten fragten Johannes den Täufer, was sie tun sollten, und er gab ihnen Antwort. Warum sollte Johannes der Täufer diesen nichtjüdischen Besatzern Anweisungen erteilen, was sie tun sollten, wenn Jesus nicht auch für sie bestimmt gewesen wäre?

Johannes 1,4: „In ihm [dem Wort] war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.“ Johannes hätte hier das Wort „Juden“ verwenden können, tat es aber nicht; Johannes verwendete das Wort „Menschen“.

Johannes 1,9–12: „Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt. Er war in der Welt, und die Welt wurde durch ihn geschaffen; doch erkannte ihn die Welt nicht. Er kam zu den Seinen, und die Seinen nahmen ihn nicht auf. Allen aber, die ihn aufnahmen, denen, die an seinen Namen glaubten, gab er das Recht, Kinder Gottes zu werden.“

Johannes 1,29: „Am nächsten Tag sah Johannes Jesus auf sich zukommen und sprach: ‚Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt!‘“ Johannes hätte sagen können: „das die Sünden der Juden hinwegnimmt“, doch er sagte: „das die Sünde der Welt hinwegnimmt.“

Johannes 3,15b–17: „damit jeder, der an ihn [den Menschensohn] glaubt, das ewige Leben habe. Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, um die Welt zu richten, sondern um die Welt durch ihn zu retten.“

e) Jesus zeigte, dass sein Evangelium nicht nur für Juden bestimmt war

Man muss verstehen, dass Jesus zunächst sagte, man solle in Jerusalem warten, dann aber sagte, man solle hinaus in die Welt gehen.

Apostelgeschichte 1,4–5: „Und während sie versammelt waren, gebot er [Jesus] ihnen: ‚Verlasst Jerusalem nicht, sondern wartet auf die Gabe, die der Vater verheißen hat, von der ihr gehört habt, dass ich darüber gesprochen habe. Denn Johannes hat mit Wasser getauft, aber in wenigen Tagen werdet ihr mit dem Heiligen Geist getauft werden.‘“ Doch dann sagte Jesus in Apostelgeschichte 1,8: „Aber ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch kommt, und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samaria und bis an die Enden der Erde.“

Matthäus 25,31–46: Wenn Jesus in Herrlichkeit wiederkommt, werden sich alle Völker vor ihm versammeln, und Jesus wird die Menschen in Schafe und Ziegen trennen. Die Schafe haben Jesus bildlich gesprochen zu essen und zu trinken gegeben, ihn aufgenommen und ihm Kleidung gegeben, während die Ziegen dies bildlich gesprochen nicht getan haben.

In Johannes 5,22–23 spricht Jesus: „Außerdem richtet der Vater niemanden, sondern hat das ganze Gericht dem Sohn übertragen, damit alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren. Wer den Sohn nicht ehrt, ehrt auch den Vater nicht, der ihn gesandt hat.“

Matthäus 21,43: Jesus sagte: „Darum sage ich euch: Das Reich Gottes wird euch genommen und einem Volk gegeben werden, das seine Früchte bringt.“

Matthäus 12,50: Jesus sprach: „Denn wer den Willen meines Vaters im Himmel tut, der ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter.“ Siehe auch Markus 3,34–35. Jesus sagte nicht „die Juden, die den Willen meines Vaters tun“, sondern „wer auch immer den Willen meines Vaters tut“.

Matthäus 16,25: „Denn wer sein Leben retten will, der wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, der wird es finden.“

Johannes 8,12a: „Ich [Jesus] bin das Licht der Welt.“ Hat Jesus eine falsche Behauptung aufgestellt, als er sagte, er sei das Licht der Welt, wenn er doch nur ein Licht für die Juden war? Nein, Jesus hat uns nicht in die Irre geführt!

Johannes 10,16 Jesus sagte: „Ich habe noch andere Schafe, die nicht aus diesem Stall sind. Auch sie muss ich herführen, und sie werden auf meine Stimme hören. Dann wird es eine Herde und einen Hirten geben.“

Johannes 12,32: „‚Und ich [Jesus], wenn ich von der Erde erhöht bin, werde alle zu mir ziehen.‘ (12,33) Das sagte er, um anzudeuten, welche Art von Tod er sterben würde.“ Hat Jesus dann gesagt: „Das war nur ein Scherz! Ich werde nur die Juden zu mir ziehen“? – Natürlich nicht.

Johannes 12,46: „Ich [Jesus] bin als Licht in die Welt gekommen, damit niemand, der an mich glaubt, in der Finsternis bleibt.“ Wie oft muss Jesus noch wiederholen, dass sein Licht bzw. seine Botschaft für alle bestimmt ist, bevor wir endlich ernsthaft begreifen, dass sie für alle gilt?

Johannes 14,6: „Jesus antwortete: ‚Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater außer durch mich.“ Wie viele andere Wege hat Gott den Menschen geschaffen, um zu ihm zu gelangen, abgesehen von Jesus? Übrigens sagen Christen, dass auch fromme Menschen vor Christus durch Jesus ins Paradies gelangten. Obwohl sie nicht wussten, was wir über Jesus wissen, blickten sie auf den kommenden Messias und brachten Tieropfer dar, die ihre Sünden vorübergehend bedeckten, während wir auf den Messias zurückblicken, der durch sein Opfer unsere Sünden für immer gesühnt hat.

Johannes 17,20: „Ich [Jesus] bitte nicht nur für sie [die Jünger], sondern auch für jene, die durch ihre Botschaft an mich glauben werden.“ Wenn also ein Nichtjude an das Zeugnis der Apostel glaubte (wie es alle Christen getan haben), dann gehört er zu denen, für die Jesus betet. Zwar war es wahr, dass viele Juden zu den ersten Christen gehörten, doch seit der Zeit des Märtyrers Stephanus wurden auch immer mehr Nichtjuden zu Christen.

Johannes 18,37 Jesus spricht: „Jeder, der zur Wahrheit gehört, hört auf meine Stimme.“ Ob man auf die Stimme Jesu, seine Botschaft, sein Evangelium hört oder nicht, ist eine sehr ernste Angelegenheit. Jesus sagte nicht: „Nur die Juden, die zur Wahrheit gehören, hören auf meine Stimme; die Heiden, die zur Wahrheit gehören, werden mich nicht hören.“ Nein, Jesus sagte, dass „jeder“, der zur Wahrheit gehört, auf seine Stimme hört.

f) Was die Jünger Jesu über seinen Dienst sagten

Petrus sagte in Apostelgeschichte 4,12: „In keinem anderen ist das Heil zu finden; denn unter dem Himmel ist den Menschen kein anderer Name gegeben, durch den wir gerettet werden sollen.“ Zwar sprach Petrus zu jüdischen Menschen, doch erklärte er ihnen, dass es keinen anderen Namen gibt, 1) unter dem Himmel, 2) der den Menschen gegeben ist.

1. Johannes 2,1b–2: „Jesus Christus, der Gerechte. Er selbst ist das Sühneopfer für unsere Sünden, und nicht nur für die unseren, sondern auch für die Sünden der ganzen Welt.“

Warum begab sich der Apostel Johannes nach Kleinasien, Thomas in den Osten, wahrscheinlich bis nach Indien, Andreas nach Skythen und andere Apostel an andere Orte, um das Evangelium den Nichtjuden zu verkünden? Gerade sie wussten doch am besten, wem Jesus seine Botschaft verkündet haben wollte, und sie verkündeten diese Botschaft in der ganzen Welt.

Fazit

Es ist nicht richtig, all diese Verse, die zu unterschiedlichen Zeiten gegeben wurden, nicht zu lesen oder anderweitig zu ignorieren und nur einen einzigen Vers zu betrachten, der für einen bestimmten Zeitraum gegeben wurde. Man kann Matthäus 15,24 – wonach Jesus, das Licht der Welt, zu jener Zeit in seinem Wirken nur für die verlorenen Schafe Israels bestimmt war – ebenso wenig heranziehen wie Matthäus 16,20: „Da verbot er den Jüngern, jemandem zu sagen, dass er der Christus sei.“ (Christus bedeutet Messias). Jesus meinte, sie sollten zu jenem Zeitpunkt niemandem sagen, dass er der Christus sei, denn später wies er sie an, in die ganze Welt hinauszugehen, und genau das verstanden sie auch. Ebenso war Jesus zu jenem Zeitpunkt (vor seiner Kreuzigung) in erster Linie zu den verlorenen Schafen Israels gesandt worden, und er ging damals nicht nur zu einigen Heiden, sondern wies die Jünger auch an, seine Botschaft in der ganzen Welt zu verbreiten.

Die Beweise dafür, dass Jesus für alle Menschen gekommen ist, sind konsistent, kumulativ und überwältigend. Nach jedem rechtlichen Maßstab (Beweiskraft, zweifelsfrei usw.) beweisen die Aussagen der Bibel und der Geschichte, dass Jesus für alle Völker gekommen ist. Nur ein voreingenommener Richter oder eine voreingenommene Jury könnte zu einem anderen Urteil gelangen.

Alle Zitate stammen aus der BSB. Weitere Informationen finden Sie in „When Critics Ask“, S. 339.

F: War Jesus in Mt 10,5–6; 15,24–26 ein Rassist, der nur für die Juden gekommen war? (Der Muslim Ahmad Deedat behauptete dies.)

A: Keineswegs, wie wir beim Lesen dieser 24 Passagen erkennen können: Matthäus 2,1; 3,9–10; 4,15–16; 5,13–16; 8,1–13; 8,18–28; 10,18; 21,43; 24,14; 25,31–46; 28,16–20; Markus 7,24–30; 7,31–37; 8,1–10 (Ostufer des Sees Genezareth); Lukas 8,22–33; 24,45–47; Johannes 1,9.29; 3,17; 10,16; 12,46; 14,6; 17,20; 18,27; Apostelgeschichte 1,7–8. Jesus hatte jedoch ein Gespür für den richtigen Zeitpunkt.

Vor seiner Auferstehung verkündete Jesus das Evangelium zuerst dem Volk Gottes, den Juden. Selbst in Apostelgeschichte 1,8 gab Jesus den Auftrag, seine Zeugen in Jerusalem, Judäa und Samaria zu sein und dann bis an die Enden der Erde. Dennoch diente Jesus vor seinem Tod und seiner Auferstehung nicht nur der syro-phönizischen Frau in Matthäus 15,24–26, sondern auch den Samaritern in Johannes 4,1–42 sowie den Heiden östlich des Sees Genezareth.

Nach seiner Auferstehung sagte Jesus in Matthäus 28,19–20: „Darum geht hin und macht alle Völker zu Jüngern, tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ Diese Botschaft wurde von Gott in Apostelgeschichte 10 erneut bekräftigt.

Nebenbei sei angemerkt, dass auch die Ahmadiyya-Muslime behaupten, Jesus sei nur für das jüdische Volk gekommen.

Weitere Informationen finden Sie im „Expositor’s Bible Commentary“, Band 8, S. 244–245.

F: Was ist in Mt 10,10; Mk 6,8; Lk 9,3; 22,35–36 und 1 Sam 17,40 (KJV) mit einem „scrip“ gemeint?

A: Dieser Ausdruck aus der King-James-Bibel bezeichnet einen Beutel oder eine Geldbörse, die in der Regel Geld enthält.

F: Was bedeutet „ein Haus grüßen“ in Mt 10,12 (KJV)?

A: Dieser Ausdruck aus der King-James-Bibel bedeutet, Gottes Segen für das Haus und die darin Wohnenden zu erbitten.

F: Was bedeutet es in Mt 10,13, dass der Segen der Jünger auf einem Haus ruht oder andernfalls zu ihnen zurückkehrt?

A: Mit „Haus“ sind hier die Bewohner des Hauses gemeint. Sie sollten sich keine Sorgen machen, jemanden „versehentlich“ zu segnen, der sie nicht wirklich willkommen heißt. Der Segen kommt von Gott, nicht durch irgendeine Magie ihrer Worte.

F: Warum sollten die Jünger in Mt 10,14 und Mk 6,11 den Staub von ihren Füßen schütteln, wenn man sie nicht willkommen hieß?

A: Dies war ein Zeugnis gegen sie. Das heißt, die unfreundlichen Menschen würden vielleicht ihr Verhalten überdenken, nachdem sie diese Zurechtweisung gesehen hatten. Außerdem wäre es ein Zeugnis für Gott gegen diejenigen, die Seine Botschaft ablehnten.

F: Bedeutet Mt 10,14 und Mk 6,11, dass wir niemals mit jemandem diskutieren, sondern einfach gehen sollten?

A: Nein, und zwar aus mehreren Gründen: Man muss die gesamte besondere Beauftragung der Zwölf zu dieser Zeit betrachten, und dort heißt es nicht, man solle gehen, wenn sich jemand ihnen widersetzt. Vielmehr sollen sie den Staub von ihren Füßen schütteln als Zeichen, WENN sie gehen, falls niemand sie aufnimmt. Schließlich diskutierten die Apostel Petrus und Paulus mit anderen, und auch Apollos, der kein Apostel war, führte Diskussionen.

Besondere Beauftragung zu dieser Zeit:

Matthäus 10,5–20 bezieht sich wahrscheinlich auf dasselbe Ereignis wie Markus 6,11, und man muss die gesamten Passagen betrachten, nicht nur einen Teil eines Verses. Die zwölf Jünger sollten weder einen Wanderstab noch Geld mitnehmen und nicht im Haus eines anderen übernachten. Dies ist nicht das Muster für die gesamte spätere Evangelisation. Die Tatsache, dass sie nicht an einem Ort verweilen und diskutieren oder debattieren sollten (anders als es Paulus später in der Halle des Tyrannus in Apostelgeschichte 19,9–10 tat), ist nachvollziehbar, da sie die Botschaft zunächst verbreiteten.

Selbst dann sollten sie nicht weggehen, wenn sich jemand ihnen widersetzte. Vielmehr sollten sie bei jemandem bleiben, der sie willkommen hieß. Wenn niemand in der Stadt sie willkommen hieß, dann sollten sie weggehen und den Staub von ihren Füßen schütteln.

Den Staub abschütteln, WENN sie gehen

Der griechische Text fordert sie hier nicht tatsächlich auf, zu gehen. Vielmehr heißt es, den Staub von ihren Füßen zu schütteln, WENN sie gehen. Sowohl sie, die zukünftigen Christen, als auch wir würden Situationen erleben, in denen am selben Ort einige Menschen ihnen widerstanden und andere sie unterstützten. In 2. Korinther 10,3–6 sagt Paulus: „Denn obwohl wir im Fleisch leben, führen wir den Kampf nicht nach dem Fleisch. Die Waffen unserer Kriegsführung sind nicht die Waffen der Welt. Vielmehr haben sie göttliche Kraft, Festungen zu zerstören. Wir reißen Argumente und jede Anmaßung nieder, die sich gegen die Erkenntnis Gottes richtet; und wir nehmen jeden Gedanken gefangen, um ihn Christus gehorsam zu machen.“ (BSB)

Jesus im Streit mit anderen

Jesus führte in Matthäus 22,41–46 und an anderen Stellen mit Hilfe von Fragen eine Auseinandersetzung mit den Pharisäern.

Dann änderte Jesus seinen Ton und sprach in Matthäus 23,1–37 eine sehr, sehr scharfe Zurechtweisung aus.

Jesus sagte den Pharisäern in Matthäus 12,22–33, dass sie die unverzeihliche Sünde der Lästerung gegen den Heiligen Geist begehen könnten.

Jesus verwendete Schimpfwörter! Er bezeichnete diese Juden in Matthäus 12,39–41 als „böse und ehebrecherische Generation“. Er nannte die Menschen, die sich ihm widersetzten, in Matthäus 23,15 „Söhne der Hölle“.

Jesus sagte den Sadduzäern in Matthäus 22,29–32 ausdrücklich, dass sie im Irrtum lägen, weil sie weder die Heilige Schrift noch die Kraft Gottes kannten.

Petrus, Paulus, Stephanus und Apollos führten Debatten mit anderen

Neben Jesus bewies auch Paulus in Apostelgeschichte 9,19–25 in Antiochia, dass Jesus der Christus war. Er stieß dabei sowohl auf Erfolg als auch auf Widerstand. Er ging erst fort, als die Juden versuchten, ihn zu töten.

Als Elymas sich Paulus in Apostelgeschichte 13,8–12 entgegenstellte, wies Paulus ihn zurecht und blieb vor Ort.

Als es in Ephesus zu einem Aufruhr gegen Paulus kam, wollte Paulus in Apostelgeschichte 19,30 mit ihnen sprechen.

In Jerusalem sprach Paulus in Apostelgeschichte 22,2–22 zu der feindseligen Menschenmenge.

Petrus führte in der Apostelgeschichte Diskussionen mit Ungläubigen, und Paulus diskutierte noch häufiger mit Ungläubigen. Damit niemand behauptet, dies sei nur die Aufgabe der Apostel: Apollos war kein Apostel, und dennoch führte er Diskussionen. Es ist jedoch nicht richtig anzunehmen, dass jeder einzelne Gläubige dazu befähigt ist, mit anderen zu diskutieren.

Die frühen Christen vor dem Konzil von Nicäa

Die frühen vor-nikänischen Christen, die Gott dazu benutzte, die römische Welt zu verwandeln, setzten bei ihrem Zeugnis in großem Umfang Überzeugungskraft und Argumente ein. Das Spektrum reichte von einem freundlichen und ausführlichen Dialog zwischen Justin dem Märtyrer und Trypho dem Juden über andere wie Aristides, Theophilus von Antiochia, Mathetes an Diognetus und Tertullian, die die angeblichen schändlichen Taten griechisch-römischer Gottheiten detailliert darlegten, bis hin zu Irenäus und Hippolyt, die alle vielfältigen Schulen des Gnostizismus umfassend widerlegten. Arnobius bediente sich sehr humorvoller Spottdarstellungen gegenüber dem griechisch-römischen Heidentum. Laktanz zeigte auf, warum die griechische Philosophie falsch war. Eine Liste finden Sie unter

www.BibleQuery.org/History/ChurchHistory/WhatEarlyChristiansTaughtOnExperienceandPractice.html (oder .docx). Suchen Sie ab „r1“ in Kleinbuchstaben.

Wenn Sie schließlich mit mir und anderen, die in derselben Stadt leben, nicht einer Meinung sind und immer noch der Ansicht sind, man solle Menschen, die anderer Meinung sind, nicht überzeugen oder mit ihnen diskutieren, sondern stattdessen die Stadt verlassen, kann ich Ihnen auf Wunsch gerne einen Umzugswagen bestellen. ;-)
Im Ernst, dies wirft tatsächlich zwei wichtige Fragen auf: Wie gingen Jesus und die frühen Christen mit Menschen um, die anderer Meinung waren, und ab wann sollten wir die Auseinandersetzung beenden und gehen? Die nächsten beiden Fragen befassen sich mit diesen Themen.

F: Wann sollten wir gemäß Mt 10,14 und Mk 6,11 die Diskussion mit einem Nichtchristen beenden und einfach gehen?

A: Es gibt mindestens drei Überlegungen.

Unmittelbare Gefahr

Wenn Ihr Leben, das Leben Ihrer Familie oder das Leben anderer Christen aufgrund Ihrer Anwesenheit in unmittelbarer Gefahr ist, sollten Sie vielleicht darüber nachdenken, ob Gott möchte, dass Sie gehen. Paulus floh aus Antiochia, als man versuchte, ihn zu töten, und Christen flohen häufig, wenn sie verfolgt wurden. Einerseits sollten wir bereit sein, für Christus zu sterben, andererseits möchte Gott vielleicht, dass wir noch eine Weile länger leben, um das Evangelium weiter zu verkünden, und unsere Flucht könnte das von Gott gewählte Mittel sein, um uns zu bewahren.

Abnehmender Ertrag vs. andere Möglichkeiten

Ich bin an einem Punkt angelangt, an dem ich nicht mehr in der Lage bin, so viel Zeit wie möglich darauf zu verwenden, jedem, der mir eine E-Mail schickt, so umfassend wie möglich Zeugnis zu geben, und dennoch Zeit zum Schlafen, für meine Familie und meine reguläre Arbeit zu haben. Manchen Menschen gebe ich vielleicht nur kurze Antworten oder lehne einige Gelegenheiten zum Dienst ab, um Zeit für Dinge zu haben, die ich für wichtiger halte. Einmal kam Paulus in eine Stadt, in der einige Menschen Christus angenommen hatten. Paulus hätte sich dafür entscheiden können, etwas Gutes zu tun und den Rest seines Lebens in dieser einen Stadt zu verbringen, um zu versuchen, alle anderen dort zu bekehren. Stattdessen zog Paulus jedoch weiter in andere Städte. Lassen Sie sich nicht davon abhalten, Großes zu tun, nur weil Sie Gutes tun.
Andererseits habe ich weiterhin mit Menschen aus Sekten diskutiert, bei denen ich äußerst wenig Hoffnung hatte, dass sie Buße tun würden. Ich tat dies, weil dort auch andere Nichtchristen waren und ich wollte, dass sie gewarnt werden, sich diesen Gruppen nicht anzuschließen.

Wenn Ihre Auseinandersetzungen oder Ihre Verkündigung schädlich wären oder die Menschen dazu bringen würden, sich abzuschotten

Ich zögere, dies zu erwähnen, da die meisten Menschen das gegenteilige Problem haben: Sie sind nicht mutig genug, das Evangelium zu verkünden. Jesus sagte, wir sollten um mehr Arbeiter für die Ernte beten, und Paulus freute sich in Philipper 1,14 darüber, dass seine Leiden andere Gläubige dazu ermutigten, mutiger und furchtloser zu predigen. Darüber hinaus heißt es in 2. Korinther 2,15, dass wir (wenn wir es richtig machen) für diejenigen, die verloren gehen, nach dem Geruch des Todes riechen WERDEN. Das Evangelium ist anstößig, und wenn unsere Worte niemals anstoßen, erfüllen wir unsere Aufgabe nicht. Doch so anstößig das Evangelium für manche auch sein mag, dürfen wir den Anstoß nicht noch verstärken. Wir sollen die Wahrheit in Liebe verkünden, wie es in Epheser 4,15 heißt. Gerade in der modernen Kultur können wir die Wahrheit auf eine aufdringliche oder unsensible Weise vermitteln und Menschen dadurch unnötig abschrecken. Wir können denselben Menschen das Evangelium so häufig verkünden, dass unser ständiges Nörgeln nervt. Wir wollen die Anstößigkeit des Evangeliums nicht noch verstärken, aber wir wollen auch nichts von der Anstößigkeit des Evangeliums wegnehmen.

F: Warum lehrte Jesus in Matthäus 10,14–15 und 40–42, dass es so wichtig sei, einen Gerechten aufzunehmen?

A: Einen Gerechten aufzunehmen, umfasste viele Aspekte. Es bedeutete nicht nur, ihn willkommen zu heißen, sondern dem Gerechten auch Hilfe, Unterstützung und in den kommenden Jahrzehnten Schutz vor den ihn verfolgenden Behörden zu gewähren. Einen Gerechten aufzunehmen bedeutete auch, seine Lehre anzunehmen und bereit zu sein, von ihm zu lernen. Es bedeutete ferner, ihm eine Plattform zu bieten, um andere zu unterweisen.

F: Warum wird es laut Mt 10,15 am Tag des Gerichts für Sodom und Gomorra erträglicher sein als für diejenigen, die die Jünger nicht in ihren Häusern aufgenommen haben?

A: Die Heilige Schrift gibt keine Antwort darauf, doch Gott richtet die Menschen danach, was sie wissen konnten (Römer 4,15; 5,13). Die Menschen in Sodom und Gomorra waren zwar sehr gottlos, wussten aber nur sehr wenig über Gott. Menschen, die nicht so gottlos sind, aber viel über Gott wissen und dennoch Gottes Jünger ablehnen, werden sich einem strengen Gericht stellen müssen.

F: Wie sollen sie (und wir) in Mt 10,16 klug wie die Schlangen und doch unschuldig wie die Tauben sein?

A: Ganz einfach: Wir sollen uns der Machenschaften und möglichen Fallen bewusst sein, die andere uns stellen könnten, dürfen aber niemals selbst böse Machenschaften anstellen.

F: Wie gibt der Heilige Geist den Christen in Mt 10,19 die richtigen Worte, wenn sie verfolgt werden?

A: Unabhängig davon, ob ein Christ zu einem bestimmten Zeitpunkt verfolgt wird oder nicht, flößt der Heilige Geist einem Menschen manchmal einfach die richtigen Worte ein. Zweitens kann Gott Sie alltägliche Dinge um Sie herum sehen oder hören lassen, die mit der Botschaft zusammenhängen, die Sie überbringen sollen. Zum Beispiel sah Paulus, kurz bevor er zu den Athenern sprach, viele Götzenbilder sowie einen Altar für einen unbekannten Gott. Außerdem werden wir durch das Lesen der Bibel an die Wahrheit erinnert. Selbst wenn ein Christ jede Geschichte und jede Lehre in der Bibel perfekt kennen würde, wäre es dennoch wichtig, die Bibel zu lesen, um an die Wahrheit erinnert zu werden.

F: Wenn in Mt 10,19–20 der Heilige Geist den Christen die Worte eingibt, bedeutet das dann, dass diese Worte zu diesem Zeitpunkt unfehlbar (ohne Fehler) oder irrtumslos (ohne wesentliche theologische Fehler) sind?

A: Sofern der Heilige Geist nicht die genauen Worte vorgibt und sicher ist, dass die Person die Worte fehlerfrei gehört hat, ist es möglich, dass ein gehorsamer Christ dennoch Fehler macht.

F: Warum sollten sich in Mt 10,21–22, 35–36 Mitglieder eines christlichen Haushalts gegen einen Christen erheben?

A: Es ist böse, dass Familienangehörige eines Gottesanbeters sich gegen ihn oder sie erheben. Mir wurde von einem algerischen Jungen berichtet, der vom Islam zum Christentum konvertierte. Als er sich weigerte, seinem Glauben abzuschwören, mischte seine eigene Mutter Rattengift in sein Essen.

F: Warum forderte Jesus in Mt 10,23 die Christen auf, vor der Verfolgung zu fliehen, da Gott sie doch beschützt?

A: Gott kann uns auf jede Weise beschützen, die Er wünscht, und eine Möglichkeit, uns zu beschützen, besteht darin, uns zu sagen, wann wir fliehen sollen.
Einerseits ist es keine Schande zu fliehen, wie es viele Christen taten, nachdem Stephanus in Apostelgeschichte 8,1–8 gesteinigt worden war. Andererseits gibt es Zeiten, in denen Gott nicht möchte, dass wir fliehen, sondern dass wir standhaft bleiben und für Ihn leiden. Zu verschiedenen Zeitpunkten begaben sich sowohl Jesus als auch Paulus bewusst nach Jerusalem, wohl wissend, was sie dort erwartete.

F: Hat sich in Mt 10,23 das Kommen Jesu nie verwirklicht, da Er kommen würde, bevor sie alle Städte Israels durchlaufen hätten? (Der Muslim Ahmad Deedat hat dies angesprochen.)

A: Nein, denn auf ihrer Flucht würden sie nicht durch jede Stadt Israels ziehen, bevor Jesus kommt, und sie sind auch nie durch jede Stadt Israels geflohen. Dieses zukünftige Ereignis wird höchstwahrscheinlich während der Trübsal stattfinden.

F: Was bedeutet es in Mt 10,23, dass Jesus kommen wird, bevor sie alle Städte Israels durchlaufen haben?

A: Zunächst, was nicht die Antwort ist, dann einige Fakten und schließlich die Antwort.

Nicht die Antwort: Es heißt, dass Jesus „kommen“ wird; daher kann sich dies nicht auf seine Himmelfahrt beziehen, bei der Jesus fortging. Manche meinen, es beziehe sich auf das kommende Gericht Jesu über die Zerstörung Jerusalems, doch hier wird nichts über einen Tempel erwähnt.

Einige Fakten: Wir haben keine Belege dafür, dass die Jünger Verfolgung erlitten, bevor Jesus gekreuzigt wurde. Die Zerstörung des Tempels erfolgte zwar im Jahr 70 n. Chr., doch wenn Jesus damals heimlich und unsichtbar gekommen wäre, hätte niemand in der frühen Kirche davon gewusst. Tatsächlich schrieben nach dem Jahr 70 n. Chr. etwa 14 frühe Christen über die Wiederkunft Christi als ein zukünftiges Ereignis.

Zwei Punkte zur Antwort: Erstens spricht Jesus in Matthäus 10,21–22 nicht davon, das Evangelium zu verkünden, sondern davon, von Stadt zu Stadt zu ziehen, um der Verfolgung zu entkommen. Das Fliehen vor der Verfolgung „löst sozusagen den Countdown aus“. Zu jenem Zeitpunkt werden den Christen noch nicht die Städte ausgehen, in die sie fliehen können, bevor Christus wiederkommt. Dies wird in der Zukunft geschehen, wahrscheinlich während der Trübsal.

Zweitens: Unabhängig davon, wann dies geschieht, gibt es keinen Hinweis darauf, dass die Apostel alle Städte Israels durchlaufen konnten; dies ist also noch nicht geschehen.

Frage: Wird das Evangelium in Mt 10,23 in jeder Stadt verkündet werden, oder wird es in Mt 24,14 nicht verkündet werden?

A: Es ist wichtig, die Bibelverse sorgfältig zu lesen, um ihre Aussage nicht falsch zu verstehen. In Matthäus 24,14 heißt es, dass das Evangelium der ganzen Welt als Zeugnis für alle Völker verkündet werden wird. Das bedeutet nicht, dass jeder Einzelne gezwungen wird, zuzuhören; doch dank Fernsehen, Radio und Internet wird das Evangelium heute fast der ganzen Welt verkündet, abgesehen vielleicht von einigen abgelegenen Stammesgebieten.

Matthäus 10,23 äußert sich nicht dazu, ob in jeder Stadt Israels gepredigt werden wird oder nicht. Vielmehr geht es dort um die Flucht vor der Verfolgung, und einem Christen werden vor der Wiederkunft Christi nicht die Städte in Israel ausgehen, in die er fliehen kann.

F: Wer ist in Mt 10,25, Mk 3,22 und Lk 11,15–19 „Beelzebub“?

A: Dies ist der Name eines Dämons, der den Juden unter diesem Namen bekannt war. „Beelzebub“ leitet sich von „Baal“ ab, was „Herr“ bedeutet, und von „Zebub“, was „Fliegen“ bedeutet.

F: Was bedeutet es in Mt 10,26, dass nichts verborgen ist, was nicht offenbart werden wird?

A: Am Ende wird alles offenbart werden. Insbesondere wird Gott beim Jüngsten Gericht jede Tat (Offenbarung 20,13) und jedes leere Wort (Matthäus 12,36–37) richten und sogar alle unsere Gedanken kennen (Psalm 139,2.4).

F: Ist es in Mt 10,28 Gott oder Satan, den man fürchten sollte, weil er sowohl den Leib als auch die Seele in der Hölle vernichtet?

A: Diese Stelle bezieht sich auf Gott.

F: Wie werden in Mt 10,28 die physischen Körper in der Hölle vernichtet?

A: Das griechische Wort hier ist „Gehenna“, was sich auf die Hölle bezieht, aber dieses Wort bezeichnet auch einen großen Müllhaufen südlich von Jerusalem. Unabhängig davon, wo der erste Körper eines Gottlosen vernichtet wird, gelangt sein Auferstehungskörper in den Feuersee und wird dort vernichtet, weil er sich weigert, Jesus Christus als seinen Herrn und Erlöser anzunehmen.

F: Wenn ein Christ in einem Moment der Schwäche in Mt 10,33 Christus vor den Menschen verleugnen würde, würde dieser Christ dann von Jesus verleugnet werden und in die Hölle kommen?

A: Petrus hat dies getan, doch Petrus wurde vergeben. Christus zu verleugnen und Buße zu tun ist keine unverzeihliche Sünde, denn keine Sünde ist unverzeihlich, außer der Lästerung gegen den Heiligen Geist (Matthäus 12,31–32; Markus 3,28–30; Lukas 12,10–11).

F: Wie kam es, dass Jesus, der Fürst des Friedens, in Mt 10,34 nicht gekommen ist, um Frieden zu bringen, sondern das Schwert?

A: Jesus hat gegen niemanden das Schwert erhoben (zumindest nicht bis zu Seiner Wiederkunft), doch Familien wurden gespalten, und viele Christen wurden um des Namens Jesu willen getötet. Jesus sagt hier, dass man, obwohl er der Fürst des Friedens ist, nicht davon ausgehen soll, dass er bereits hier ist, um Frieden auf Erden zu bringen – obwohl Jesus gemäß Epheser 2,14–17 und Philipper 4,6–7 bereits jetzt Frieden in die Herzen der Gläubigen bringt.

F: Warum müssen wir in Matthäus 10,37 Gott mehr lieben als unsere eigene Familie?

A: In Markus 12,29–30 sagte Jesus, dass die Liebe zu Gott das erste Gebot sei. Gott hat uns erschaffen und liebt uns mehr als jeder andere, und Gott gegenüber sollten wir unsere höchste Treue bekunden.

F: Wie erhalten wir in Mt 10,41 den Lohn eines Propheten oder eines Gerechten, indem wir einen Propheten oder einen Gerechten aufnehmen?

A: Dies gilt in mindestens zweierlei Hinsicht.

1. Wenn jemand sie aufnimmt und ihre Botschaft annimmt, kann diese Person zum Christentum übertreten und ebenfalls ein Gerechter werden.

2. Wenn wir einen Christen im Namen Jesu aufnehmen, ist das eine gerechte Tat, und es ist, als würden wir Jesus selbst aufnehmen, wie es in Matthäus 25,33–40 heißt.

F: Warum fragte Johannes in Mt 11,3 Jesus, ob Er der verheißene Messias sei, obwohl er in Joh 1,32 gesehen hatte, wie der Heilige Geist wie eine Taube auf Jesus herabkam?

A: Johannes der Täufer befand sich laut Josephus’ „Jüdische Altertümer“, Buch 18, Kapitel 119 (Vers 2), in der Festung Machaerus am Toten Meer im Gefängnis. Vielleicht hatte Johannes noch nichts von den Wundern und dem Wirken Jesu gehört. Oder vielleicht fragte sich Johannes, ob Jesus ihn auf übernatürliche Weise aus dem Gefängnis befreien würde. Es gibt mindestens vier sich ergänzende Möglichkeiten:

Zweifel: Vielleicht hatte Johannes hier einen Moment des Zweifels. Der frühchristliche Schriftsteller Tertullian (198–220 n. Chr.) war der Erste, der dies vermutete.

Verwirrung: Vielleicht sah Johannes, wie sich die Prophezeiungen über das erste Kommen erfüllten, und stellte sich Fragen zu den Prophezeiungen über das zweite Kommen.

Ungeduld: William Hendriksen sagt: „Vielleicht lag Johannes’ Schwierigkeit nicht in seinem Glauben, sondern in seiner Geduld. Johannes traf eine sehr weise Entscheidung, als er seine Bedenken bezüglich Jesus nicht für sich behielt oder sie mit anderen, aber nicht mit der richtigen Person besprach, sondern sie Jesus selbst vortrug.“ (Das Matthäusevangelium, 1973, S. 84)

Jesus unter Druck setzen: In ähnlicher Weise hat Johannes Jesus vielleicht dazu gedrängt, mehr Macht zu zeigen – oder beides.

Frage: Warum hat Jesus in Mt 11,3–6 nicht einfach mit „Ja“ oder „Nein“ geantwortet?

A: Es ist leicht, zu behaupten, der Messias zu sein. Es ist jedoch etwas ganz anderes, diese Behauptung durch wundersame Beweise zu untermauern. Jesus erinnerte sowohl Johannes als auch seine Zuhörer an die Beweise, die er vorgelegt hatte.

F: Gab es in Ihrem Leben – wie in Mt 11,3 beschrieben – Zeiten, in denen Sie für Gott Zeugnis ablegten und für ihn lebten, und in denen Sie verwirrt oder enttäuscht waren?

A: Johannes der Täufer verkündete das Wort mutig und folgte Gott treu. Für sein beharrliches Wirken wurde Johannes schließlich aus der Freiheit der Wüste in ein enges Gefängnis gebracht, wo er später hingerichtet werden sollte. Doch er tat dies für den großen Messias, der spektakuläre Taten vollbringen und sich sehr bald in seiner Macht offenbaren würde – nur schien dies nicht zu geschehen, zumindest nicht nach dem Zeitplan, den Johannes erwartet hatte. Johannes der Täufer war verwirrt und wollte sich nur vergewissern, dass all das, wofür er gearbeitet und gelitten hatte, nicht umsonst gewesen war.

Anstatt Johannes – privat oder öffentlich – wegen seiner Zweifel zu tadeln, sandte Jesus einen Boten zu ihm, um ihm mitzuteilen, dass die Ereignisse bevorstehen würden, und er könne nun die Wunder betrachten, wobei er sich auf die Worte aus Jesaja 35,5–6 stützte. Dann bestätigte er Johannes öffentlich, trotz dessen Zweifeln.

Johannes mag verwirrt gewesen sein, aber es gibt Zeiten, in denen auch wir verwirrt sein können. Manchmal vollzieht sich eine Veränderung zum Guten nicht nach unserem Zeitplan. Manchmal kann es so aussehen, als wäre alles, was wir getan haben, umsonst gewesen. Manchmal haben wir, wie Hiob, keine Ahnung, warum wir Gott treu folgen und dennoch so viele schlimme Dinge widerfahren.

F: Lehren Matthäus 11,11 und Lukas 7,28, dass Johannes der Täufer in die Hölle kam, wie es in Rev. Moons „Göttliches Prinzip“ auf Seite 161 heißt?

A: Nein. Johannes 10,41–42 zeigt, dass das Zeugnis des Johannes viele dazu brachte, an Jesus zu glauben. Wir sollten vorsichtig sein, einen Märtyrer, der für Gott gestorben ist, als Versager zu verurteilen und ihm vorzuwerfen, Gott beleidigt zu haben. Wenn Jesus sagt, dass der Geringste im Himmelreich größer ist als [Johannes der Täufer], bezieht sich dies auf die Tatsache, dass Jesus den Weg zum Himmel noch nicht eröffnet hatte und Johannes der Täufer tatsächlich der letzte Prophet unter dem Alten Bund war. Wenn Johannes der Täufer zudem in seiner Lehre versagt hätte, warum sagte Jesus dann in Matthäus 21,32, dass das Volk Johannes dem Täufer glauben solle?

F: Was bedeutet es in Mt 11,11 und Lk 7,28, dass der Geringste im Himmelreich größer ist als Johannes der Täufer?

A: Damit ist nicht gemeint, dass Johannes nicht errettet war oder ein schlechter Mensch war, denn im ersten Teil des Verses lobt er Johannes in höchsten Tönen, und als auserwählter Vorläufer hatte Johannes einen Platz, den niemand sonst in der Geschichte innehatte. Doch das Himmelreich war noch nicht auf die Erde gekommen, sodass Johannes der Täufer getötet wurde, bevor er Teil davon sein konnte. Darüber hinaus würde die geistliche Einsicht der Gläubigen größer sein als die, die Johannes der Täufer besaß.

Es gibt zudem drei weitere Sichtweisen, die alle zutreffend sein könnten.

Hebräische Redewendung: Dieser Ausdruck ähnelt stark einem rabbinischen Spruch von Johanan ben Zakkai, einem der angesehensten Gelehrten des ersten Jahrhunderts, der als der „Geringste“ unter den achtzig Schülern Hillels galt; dieser Spruch sollte nicht den Status des Johannes herabsetzen, sondern den seiner Zeitgenossen hervorheben.

Niemand vor Jesus: Selbst Johannes der Täufer befand sich noch nicht im Himmelreich. Niemand tat dies, bis Jesus durch seinen Tod und seine Auferstehung den Weg ebnete.

Relative Stellung im Himmel: Denken Sie daran, dass Johannes der Täufer bereits vor seiner Geburt vom Heiligen Geist erfüllt war. Eine Spekulation lautet, dass Gläubige im Himmel, die nach ihrer Geburt wiedergeboren werden mussten, möglicherweise eine höhere Stellung einnehmen werden als diejenigen, die diesen Prozess nicht durchlaufen mussten.

Frage: In Mt 11,12–13: Inwiefern wurde dem Himmelreich Gewalt angetan?

A: Seit der Inhaftierung (und späteren Hinrichtung) Johannes des Täufers bis heute wird Gewalt gegen das Himmelreich ausgeübt und wird dies auch weiterhin tun. Jesus sagte dies, nachdem Johannes der Täufer, der zu dieser Zeit von Herodes inhaftiert war, ihm eine Botschaft gesandt hatte. Viele betrachten Gewalt und gewalttätige bzw. gewaltsame Menschen nicht als etwas Positives, sondern als etwas Negatives. Andere hingegen betrachten dies als etwas Positives.

F: Wie haben, seit den Zeiten des Neuen Testaments, wie in Mt 11,12–13 beschrieben, energische Männer das Reich Gottes vorangebracht oder versucht, es voranzubringen?

A: Innerhalb von 50 Jahren nach dem Ersten Konzil von Nicäa verfolgten die Menschen in der Kirche andere, um die Kirche voranzubringen. Für manche Christen mag es überraschend sein, dass Satan und die Dämonen NICHT ihre ganze Kraft darauf verwenden, die Kirche zu zerstören. Warum etwas zerstören, wenn man einen Großteil davon übernehmen und als Werkzeug für ihre bösen Zwecke nutzen kann? Zerstörung ist nur eine von Satans Taktiken; Unterwanderung ist eine weitere. Während die spanische Inquisition das bekannteste Beispiel ist, gibt es unzählige Kreuzzüge und Verfolgungen gegen Waldenser, Juden, Protestanten und andere.

F: In Mt 11,14; 17,12; Mk 9,11–13 und Lk 1,17 heißt es, Johannes der Täufer sei im Geist und in der Kraft Elias gewesen. War er die Reinkarnation Elias’?

A: Nein. Er kam im Geist und in der Kraft Elias, aber Johannes war nicht die Reinkarnation Elias. Bei Jesu erstem Kommen hatte Johannes den Zweck und den Auftrag Elias. Natürlich erschien Elia (nicht Johannes) selbst kurz bei der Verklärung. Viele glauben, dass Elia einer der beiden Zeugen sein wird, die unmittelbar vor der siebten Posaune in Offenbarung 11,3–12 erscheinen.

Der erste bekannte Autor, der sich mit diesem Vers befasste, war Justin der Märtyrer (ca. 138–165 n. Chr.), dem auffiel, dass das Konzept, dass jemand den Geist eines anderen besitzt, nicht nur auf Elia und Johannes den Täufer beschränkt ist. Gott versprach, dass Josua den Geist Mose haben würde. (Dialog mit Trypho dem Juden, Kap. 49, S. 220). Auch Elisa erhielt in 2. Könige 2,9–10 eine doppelte Portion des Geistes Elias.

Johannes ebnete Jesus den Weg und trat dann beiseite, um ihm Platz zu machen.

F: In Mt 11,16–17 und Lk 7,32: Inwiefern glich diese Generation quengelnden Kindern auf dem Marktplatz?

A: Kinder können schlecht zuhören, haben ein kurzes Gedächtnis und sind manchmal sehr unvernünftig. Es fällt ihnen schwer, eine andere Perspektive als ihre eigene einzunehmen. Jesus erklärt in Lukas 7,33–35, warum er dies sagte: Einerseits kritisierten sie Johannes den Täufer dafür, dass er keinen Wein trank und keine gewöhnliche Nahrung zu sich nahm, und dann kritisierten sie im Umkehrschluss Jesus dafür, dass er Wein trank und gewöhnliche Nahrung aß.

Ich habe eine ähnliche Situation in Salt Lake City erlebt, als ich unter Mormonen missionierte. Mormonen fragten mich, ob ich jemals Mormone gewesen sei, und ich antwortete mit „nein“. Da ich nie Mormone gewesen war, wie sollte ich dann verstehen, was sie lehrten? Sie stellten ehemaligen mormonischen Christen dieselbe Frage, und diese antworteten mit „ja“. Wie konnten sie jemandem zuhören, der vom Glauben abgefallen war und ihre Kirche verlassen hatte? Anscheinend ist es unmöglich, zu manchen Menschen durchzudringen.

F: Warum hat Jesus in Mt 11,20 diese Städte namentlich angeprangert?

A: Das griechische Wort für „verurteilen“ in diesem Zusammenhang, oneidizein, bedeutet eine sehr scharfe Zurechtweisung oder Empörung. Jesus sagte nicht nur, dass sie verloren wären, wenn sie Ihn nicht als den Messias annehmen würden. Vielmehr sagte Jesus noch eindringlicher, dass es im Jüngsten Gericht für böse, gottlose Städte wie Sodom und Gomorra besser ausgehen werde als für diese Städte. Das Ausmaß der Strafe berücksichtigt die den Menschen gebotenen Möglichkeiten. Zweitens war Jesus empört darüber, dass sie nicht glauben wollten, dass Er von Gott kam, selbst nachdem Er diese Wunder in ihren Städten vollbracht hatte.

Nebenbei bemerkt: Wir wissen nicht genau, wo Korazin liegt, aber es handelte sich wahrscheinlich um den Ort des heutigen Khirbet Kerazeh, der zwei Meilen nordöstlich von Kapernaum liegt.

F: Warum sollte Sodom in Mt 11,23–24 bereit sein, Buße zu tun?

A: Jesus bedient sich hier einer Übertreibung, um zu verdeutlichen: Hätten die Menschen in Sodom das Wissen über Gott gehabt, das die Juden besaßen, wären sie nicht so gottlos gewesen, dass sie vernichtet worden wären. Selbst die Assyrer taten Buße, als Jona zu ihnen kam, doch einige der Menschen in Galiläa wollten nicht Buße tun, selbst als Gott selbst zu ihnen kam.

F: Warum dankte Jesus in Mt 11,25–26 dem Vater dafür, dass er die Wahrheit vor den sogenannten Weisen verborgen hatte?

A: Wäre es nicht seltsam, wenn die Intelligenteren und diejenigen, die sich mehr Bildung leisten konnten, allein aufgrund ihres Wissens Gott mehr gefallen würden oder dem Himmel näher stünden? So ist es nicht; hinsichtlich Intelligenz und Bildung herrschen gleiche Voraussetzungen. Diejenigen, die bereit sind, vor Gott ihre eigene Hilflosigkeit einzugestehen, stehen Gott nahe, wie das Gleichnis vom Pharisäer und vom Zöllner zeigt.

F: In Mt 11,25–26: Auf welche Weise hindert Gott die Menschen daran, seine Weisheit zu ergründen?

A: Menschen, die so klug waren, dass sie glaubten, das Leben unabhängig von Gott ergründen zu können. Weise zu sein ist nichts Schlechtes, aber auf die eigene Weisheit statt auf Gott zu vertrauen, ist es sehr wohl.

F: Sollten wir Gott gemäß Mt 11,25–26 jemals dafür danken, dass er die Wahrheit verborgen hat?

A: Es ist besser, Gott einfach für die Wahrheit und dafür zu danken, wie Er sie offenbart hat. Jesus sagt damit, dass intelligentere Menschen keinen Vorteil gegenüber weniger intelligenten Menschen haben, wenn es darum geht, die Wahrheit über Gott zu finden. Die Wahrheit wurde so verborgen, dass die Menschen sie nicht aus eigener Weisheit, losgelöst von Gott, finden können. Doch paradoxerweise werden diejenigen, die die Wahrheit erkennen wollen, sie finden – selbst wenn sie nur kleine Kinder sind.

F: In Mt 11,27: Inwiefern sind alle Dinge Jesus übergeben worden?

A: Alle Dinge sind Jesus auf verschiedene Weise übergeben. Alle werden sich vor Jesus verneigen, Jesus wird die Menschen richten, und Jesus hat uns gerettet.

Der Kernpunkt, den Jesus hier jedoch hervorhebt, ist nicht, dass Jesus „ein“ Erlöser ist, sondern vielmehr, dass es keine Erlösung gibt, außer durch Jesus, der uns erlöst. Ein moderner Erwachsener, ein Säugling oder eine Person, die in früheren Zeiten starb, bevor Christus ihr bekannt war, kommt entweder durch Jesus in den Himmel oder gar nicht.

F: Wie ist es in Mt 11,27 zu verstehen, dass niemand den Vater kennt, außer dem Sohn und denen, denen der Sohn den Vater offenbart?

A: Dies trifft nicht nur in einer, sondern in zweierlei Hinsicht zu.

Erkenntnis: Hätte Gott es so gewollt, hätte Er sich verbergen können, sodass wir überhaupt nicht viel über Ihn erfahren könnten. Gott entschied sich jedoch, sich zu offenbaren – teilweise durch Abraham und durch die Propheten –, doch die vollkommenste Offenbarung seiner selbst erfolgte durch das Kommen Jesu Christi auf die Erde.

Erlösung: Alle, die erlöst wurden, und alle, die noch erlöst werden, werden durch den Messias, Jesus, erlöst. Selbst Menschen, die dem wahren Gott bereits vor der Geburt Jesu folgten und den Namen Jesus nicht kannten, werden durch Jesus erlöst. In Apostelgeschichte 4,12 heißt es, dass es nirgendwo sonst Erlösung gibt. In Philipper 2,9–11 steht, dass sich im Namen Jesu jedes Knie beugen wird, im Himmel, auf Erden und unter der Erde, und jede Zunge bekennen wird, dass Jesus Christus der Herr ist.

F: Warum sagt Jesus in Matthäus 11,27, dass niemand den Vater kennt außer dem Sohn und dem, dem der Sohn ihn offenbaren will, da in Psalm 145,18 steht, dass Gott allen nahe ist, die ihn anrufen?

A: In dem Buch „Die neun Fragen, die Menschen zum Judentum stellen“ (S. 86–87) wird dieser Punkt angesprochen. Bei der Beantwortung sind drei Aspekte zu berücksichtigen.

Alle, die Jesus erwählt: Jesus hat niemals gesagt, dass er allein den Vater kennen würde. Vielmehr sagte Jesus, dass nur er und diejenigen, die Jesus erwählt, den Vater kennen werden.

Zeitlicher Rahmen: Jesus hat nicht präzisiert, ob dies in der Zukunft beim Jüngsten Gericht, in der Gegenwart, in der Vergangenheit oder in allen genannten Zeiträumen der Fall sein würde. Diese Aussage gilt für die Zukunft, denn am Ende werden alle vor Christus stehen, der unser Richter ist, wie Johannes 5,22–23 zeigt. Jesu Worte galten auch zu seiner Zeit, denn in Johannes 8,24 sagte Jesus den Juden, dass sie, sollten sie ihn ablehnen, tatsächlich in ihren Sünden sterben würden. Dies mag jemandem ungerecht erscheinen, der glaubte, der Weg in den Himmel bestehe lediglich darin, die Heilige Schrift zu lesen und sich auf Worte zu verlassen, anstatt Gehorsam zu üben. Jesus sagte jedoch in Johannes 14,6, dass er der Weg, die Wahrheit und das Leben sei und dass niemand zum Vater kommen könne außer durch ihn. In gewisser Hinsicht galten die Worte Jesu jedoch auch schon vor seiner Zeit. Nicht nur war er gemäß 1. Korinther 10,4 bei den Israeliten in der Wüste, sondern seine Kreuzigung und Auferstehung, die allen Gläubigen – sowohl denen, die vor Christus lebten, als auch denen, die nach ihm lebten – das Leben schenkten, waren gemäß Apostelgeschichte 2,23 von Grundlegung der Welt an vorgesehen.

Besondere Beziehung: Nach all dem Gesagten haben Jesus und der Heilige Geist tatsächlich eine besondere Beziehung zum Vater, die niemand sonst hat.

F: Wie schenkt uns Jesus in Mt 11,28 Ruhe?

A: Wir können diese Wahrheit auf mindestens fünf Arten auf unser Leben anwenden.

Befreiung von der Angst: Gott wird für uns sorgen, und uns wird nichts widerfahren, außer dem, was Gott zulässt. 1. Petrus 1,6–9 und 1. Korinther 2,9 zeigen, dass die Herrlichkeiten des Himmels die Leiden, die wir auf Erden ertragen, gering erscheinen lassen werden.

Freiheit von Angst und Sorge: In der Bergpredigt betont Jesus ausdrücklich unseren Wert für Gott sowie die Unangebrachtheit und Sinnlosigkeit von Sorgen. In Philipper 4,6–7 heißt es, dass wir uns um nichts sorgen sollen, sondern unsere Bitten vor Gott bringen sollen.

Befreiung von unserer eigenen Arbeit, unseren Zielen und Ambitionen: Wenn wir Christen werden, wird unser Maßstab für Erfolg neu definiert. Erfolg bedeutet nicht nur, das zu erreichen, was Gott von Ihnen erwartet, sondern all das zu sein, was Gott von Ihnen erwartet. Mehr ist es nicht. Wir müssen uns nicht länger darum sorgen, in den Augen anderer erfolgreich zu sein oder kulturellen Idealen gerecht zu werden.

Freiheit von der Sorge um das Gericht: Am Tag des Gerichts können Christen ohne Furcht vor dem Gericht stehen. Christus wird die Christen hinsichtlich ihrer Belohnungen (oder des Verlusts von Belohnungen) richten, doch Christen können die Gewissheit haben, dass sie gerettet sind und dem Feuersee entgehen werden.

Ewige Freiheit: Unsere Freiheit beginnt bereits jetzt auf Erden, wenn auch in begrenzter Form. Doch wir werden die Freiheit als Söhne des Königs im Himmel für immer besitzen.

„When Critics Ask“, S. 342, fasst es treffend zusammen: „Das Leben eines Gläubigen ist insofern ‚leicht‘, als es ‚Ruhe für eure Seelen‘ bringt (Mt 11,29), doch es ist schwer für das ‚Fleisch‘, das oft die züchtigende Hand Gottes benötigt, um es im Zaum zu halten. Die Erlösung bringt ‚Frieden mit Gott‘ (Röm 5,1), aber sie bringt auch Konflikt mit der Welt mit sich (1. Joh 2,15–17; Gal 5,17).“

F: Was ist in Mt 11,29–30 der Unterschied zwischen einem Joch und einer Last?

A: Ein Joch zieht einen Karren, der eine Last trägt. Ein Joch wird gemeinsam mit anderen gezogen. Ein Joch und die Last, die damit gezogen wird, können leicht oder schwer sein, und Jesus sagt, sein Joch sei leicht.

Ein Landwirt muss sicherstellen, dass das Joch richtig sitzt, dass alle Polster an der richtigen Stelle sind usw. Manchmal fragt man sich, ob es für einen Bauern leichter oder schwerer ist, Ochsen aneinander zu spannen, oder für Gott, Christen aneinander zu spannen. Wenn ein Ochse tot ist oder sich weigert, sich zu bewegen, nützt es dem Landwirt nichts, ihn einzuspannen. Wenn Gott Christen eine Chance gibt, indem er sie miteinander verbindet, ein Christ sich jedoch weigert, sich zu bewegen, weil Gott seine Erwartungen nicht erfüllt, nützt das den anderen Christen, mit denen er verbunden ist, nichts. Oder noch schlimmer: Wenn der Christ beschließt, in eine andere Richtung zu gehen, als Gott pflügen möchte, dann kann es schwierig werden.

Manchmal erwarten Christen, dass es ihnen den größten Segen und Wohlstand in ihrem Leben bringt, wenn sie Gott nachfolgen und ihm gehorchen. Das hat Gott niemals versprochen. Steinigungen und Schläge können einen Menschen verkrüppeln, und die Schläge und Steinigungen, denen Paulus ausgesetzt war, waren für ihn körperlich kein Segen. Paulus hätte wahrscheinlich wohlhabender sein können, wenn er mehr Zeit damit verbracht hätte, Zelte herzustellen, und weniger Zeit mit „finanziell verschwenderischen Dingen“ wie der Verkündigung des Evangeliums. Wenn Paulus nicht erwarten konnte, durch die Nachfolge Gottes körperlich und finanziell besser dazustehen, dann können wir das auch nicht. Gottes Ziel ist es, seine Herrlichkeit auf Erden zu offenbaren, nicht unser größtes Wohlbefinden. Zu Gottes Herrlichkeit gehört, dass wir das Evangelium verkünden, andere zu Jüngern machen und ein würdiges Leben führen (Mt 10,37–38; Lk 20,35; Phil 1,27; 2 Thess 1,5.11), aber nicht unbedingt unser ständiges Vergnügen. Ein Ochse weiß vielleicht nichts davon, in konzentrischen Kreisen zu pflügen; er weiß nur, dass er der Führung seines Herrn folgen muss. Wenn wir unsere eigenen Erwartungen daran, was Gott für uns tun sollte, ablegen und einfach Seiner Führung folgen können, dann wird es für Gott leichter sein, uns unter sein Joch zu nehmen.

F: Stützt Mt 11,29 in irgendeiner Weise Yoga, wie es von Mark und Elizabeth Prophet in „The Lost Teachings of Jesus 3“ (1988), S. 273–274, gelehrt wird?

A: Keineswegs. Jesus sagt, man solle sein „Joch“ auf sich nehmen, nicht „Yoga“. Das griechische Wort „zugon“ bedeutete hier, Ochsen anzuspannen, um auf dem Feld zu arbeiten, und impliziert, Jesus zu dienen, nicht spezielle körperliche Übungen durchzuführen oder die Atmung zu kontrollieren.

F: Wie nehmen wir heute in Mt 11,29–30 das Joch Jesu auf uns?

A: Unterwerfen Sie sich dem Willen Christi und übergeben Sie Ihr ganzes Leben Ihm. Lassen Sie sich von Jesus lehren, seien Sie sanftmütig und demütig wie Jesus.

F: Haben die Jünger Jesu in Mt 12,1–5 den jüdischen Sabbat gebrochen oder nicht?

A: Sie haben hier den Sabbat nach dem mosaischen Gesetz nicht gebrochen, wohl aber die Auslegung der Pharisäer. Zwar verbot 2. Mose 34,21 das Ernten am Sabbat, doch sie hatten keine Sichel und nur wenige Ähren. Das Abpflücken von Ähren ohne Sichel war nach 5. Mose 23,25 erlaubt.Es gibt keine Aufzeichnungen darüber, dass die Jünger oder Jesus gegen das mosaische Gesetz verstoßen hätten, während Jesus vor seiner Auferstehung auf Erden wirkte. Beachten Sie, dass die Meinungsverschiedenheit nicht unterschiedliche Auslegungen des Gesetzes betraf, sondern die grundlegende Herangehensweise an das Gesetz.

Es ist interessant, dass sich die Juden selbst nicht einig waren, ob das Pflücken von Getreide am Sabbat falsch sei. „Getreide ernten“ war eine von neununddreißig Arten von Arbeit, die in der Mischna Schabbat 7.2.9.c gemäß ihren Überlieferungen verboten waren. Allerdings wurden Ausnahmen für den Tempeldienst gewährt. Eine Ausnahme wird auch gewährt, wenn Leben auf dem Spiel steht (Mischna Joma 8,6; Mek. Exodus 22,2; 23,13). Die Mischna Schabbat 10,2 befasst sich nicht mit dem beiläufigen Pflücken von Getreide. In einer späteren Periode erlaubt die Gemara ausdrücklich das Pflücken von Getreide mit der Hand; sie verbietet lediglich die Verwendung eines Werkzeugs.

F: Stellt das, was Jesus in Mt 12,1–8 und Mk 2,27 über den Sabbat sagt, eine Änderung des Gesetzes Gottes dar, oder hat Jesus damit zum Ausdruck gebracht, wie man es bereits in den Zeiten des Alten Testaments hätte praktizieren sollen?

A: Jesus nimmt hier keine Änderungen vor. Das Pflücken von Ähren war im Gesetz bereits ausdrücklich erlaubt. Zwar besagte das Gesetz, dass man am Sabbat nicht arbeiten dürfe, doch durfte man Getreide zum Verzehr pflücken, solange man es nicht erntete, indem man es in einen Sack füllte.

Jesus wies darauf hin, dass man das Gesetz als Ganzes betrachten müsse, denn das Gesetz sah auch eine Sonderregelung für die Priester vor. Außerdem wies Jesus darauf hin, dass in Davids Notlage sein Überleben und seine Flucht vor Saul Vorrang vor den Schaubroten hatten. Um wie viel mehr sollte der Messias Vorrang vor den Traditionen der Pharisäer haben?

Schließlich sagte Jesus, dass hier etwas Größeres als Gottes Tempel sei. Etwas, das größer ist als Gottes Tempel, ist Gott selbst.

F: Warum war es in Mt 12,3–5 und Mk 2,25–27 in Ordnung, das Schaubrot zu nehmen, und in welchem Zusammenhang steht dies mit der Einhaltung des Sabbats?

A: Der entscheidende Grundsatz hierbei ist eine Hierarchie der Gebote, und ihr oberster Gehorsam galt Gott, nicht dem Sabbat. Nur die Priester durften das Schaubrot essen, und David und seine Männer befanden sich auf einer Mission für Gott; sie befanden sich in einer Notsituation (auf der Flucht vor Saul), und nachdem sie dies mit dem Priester besprochen hatten, aßen sie es (1. Samuel 21,3–6).

Für die Pharisäer war der Sabbat tatsächlich zu ihrem Götzen geworden! Das lag nicht daran, dass der Sabbat an sich schlecht gewesen wäre, sondern vielmehr daran, dass ihnen der Sabbat wichtiger war als Gott. Sie waren Männer der Regeln, aber keine Männer Gottes.

Irenäus (182–188 n. Chr.) schrieb: „David war von Gott zum Priester berufen worden, obwohl Saul ihn verfolgte. Denn alle Gerechten besitzen den priesterlichen Rang. Und alle Jünger des Herrn sind Priester, denn sie erben weder Ländereien noch Häuser. Vielmehr dienen sie Gott und dem Altar unablässig … Seine Jünger hatten ein Priestertum des Herrn. Daher war es für sie erlaubt, wenn sie Hunger hatten, die Ähren [das Getreide] zu essen.“ Irenäus, „Gegen die Häresien“, Buch 4, Kap. 8.3, S. 471

F: Wie konnten die Priester in Mt 12,5 jeden Sabbat ohne Schuld entweihen?

A: Das Gesetz wies die Priester an, das zu tun, was für andere am Sabbat nicht erlaubt war – sie sollten arbeiten. Jesus wollte damit nicht sagen, dass Priester aufhören sollten, das zu tun, was Gott ihnen geboten hatte. Vielmehr wollte Jesus darauf hinweisen, dass es zu allerlei Problemen kommen kann, wenn man Gottes Anweisungen betrachtet, ohne den Kontext zu berücksichtigen. Ein Legalist ist jemand, der Gesetze betrachtet, ohne den Kontext zu berücksichtigen.

Tertullian (198–220 n. Chr.) bringt in seinem Werk „Fünf Bücher gegen Marcion“, Buch 4, Kapitel 12, S. 362–363, einen interessanten Punkt zum Vorrang des Gehorsams gegenüber Gott gegenüber der rein rituellen Einhaltung des Sabbats vor. Das erste Beispiel dafür, dass das gesamte Volk den Sabbat brach und dennoch Gott gehorchte, war, als Gott ihnen gebot, um Jericho herumzuziehen. Gott befahl den Israeliten, acht Tage lang ununterbrochen um Jericho zu marschieren; sie marschierten dabei auch am Sabbat. Auch dies ist also ein Beispiel dafür, dass Gottes direkter Befehl Vorrang vor dem Sabbat hat.

F: Als Jesus in Mt 12,5 sagte: „Oder habt ihr nicht im Gesetz gelesen, dass die Priester im Tempel am Sabbat den Sabbat brechen und dennoch unschuldig sind?“, warum war dies dann kein Zitat aus dem Gesetz?

A: Jesus hat dies nicht als Zitat aus irgendeiner Schriftstelle bezeichnet. Jesus zog vielmehr die logische Schlussfolgerung, dass die Priester gemäß dem Gesetz am Sabbat ihre priesterlichen Aufgaben erfüllten und dies dennoch rechtmäßig und Gott wohlgefällig war.

F: Was war der Sinn dieser Beispiele in Mt 12,3–8 und Mk 2,25–28?

A: Gott nachzufolgen bedeutet nicht nur, Regeln zu befolgen, sondern auch Prioritäten zu setzen. Jesus als Ihren Herrn nachzufolgen, darum geht es beim Gehorsam – nicht nur um Regeln, auch nicht um Gottes Regeln. Andere Stellen zeigen, dass es bei der Nachfolge Gottes um mehr als nur Regeln und Prioritäten geht, doch Jesus drückte sich hier sehr grundlegend aus. Jesus hatte die Geduld, den feindseligen Pharisäern eine einfache Erklärung zu geben, und wir preisen Gott dafür, dass Er auch mit uns Geduld hat.

F: Was bedeutet es in Mt 12,8 und Mk 2,28, dass der Menschensohn auch Herr über den Sabbat ist?

A: Wir wurden für Gott geschaffen, nicht für ein Gesetz und nicht für den Sabbat. Das Gebot, am Sabbat zu ruhen, wurde erteilt, um dem Menschen zu helfen, nicht um ihn zu behindern. Gott ist der Herr über Sein Gesetz.

F: In Mt 12,8.12: Wann, wenn überhaupt, sollten wir heute gegen den Buchstaben des Gesetzes verstoßen?

A: Es kann gelegentlich Situationen geben, in denen wir dies tun sollten. Unser oberstes Ziel ist nicht, „das“ oder „ein“ Gesetz zu befolgen. Es ist auch nicht die Evangelisation. Unser oberstes Ziel ist es, Gott zu verherrlichen und ihm zu gefallen. Dazu gehört, ihm zu gehorchen, einschließlich seines Gebots, das Evangelium zu verkünden, und vieler anderer Dinge. Wir sollten vorsichtig sein, wenn wir gegen das verstoßen, was Gott uns im Neuen Testament geboten hat, denn allzu oft kann dies einfach zu einer Ausrede werden, um zu sündigen, der Verfolgung zu entgehen oder den einfachen Ausweg zu wählen. Doch wie Jesus hier lehrte, gibt es Zeiten, in denen Gehorsam gegenüber Gott nicht darin besteht, einer Regel zu folgen. Ein einfaches Beispiel: Wenn Sie einen Freund in Ihrer Obhut haben, der im Sterben liegt, und Sie eilen, um ihn ins Krankenhaus zu bringen – sollten Sie dann darauf achten, die Geschwindigkeitsbegrenzung nicht zu überschreiten? Wenn eine Regierung ein Gesetz erlässt, wonach Sie melden müssen, was Ihre Nachbarn tun (wie in Nordkorea), und einige Nachbarn ein Bibelstudium abhalten – sollten Sie dies dann der Regierung melden?

Schließlich zeigt uns Jesus, dass diese Vorstellung, wonach Gott bestimmte Dinge mehr begehrt als Opfer oder andere Gesetze, keine neue Lehre von ihm ist, sondern bereits im Alten Testament in Hosea 6,6 angedeutet wird, das Jesus in Matthäus 12,7 zitiert.

F: Was würden die Pharisäer in Mt 12,10–14 und Mk 3,3–6 als falsch an einer Heilung am Sabbat ansehen?

A: Die Pharisäer würden das Heilen als einen schöpferischen Akt und somit als Arbeit betrachten. Allerdings diskutierten die Juden des ersten Jahrhunderts selbst in der Mischna Eduyoth 2,5 und der Mischna Schabbat 6,3 sowie im Mek Exodus 22,2 und 23,13 darüber, was bei der Pflege von Kranken erlaubt war.

F: Warum antwortete Jesus den Pharisäern in Mt 12,10–14 auf diese Weise?

A: Jesus wies auf ihre Widersprüchlichkeit hin. Stellen Sie sich den seltsamen Humor dieser Situation vor. Da waren einige Männer, die ihre eigenen Ergänzungen zu Gottes Wort als Gottes Wort lehrten und Gott selbst sagten, Er könne etwas nicht tun. Da das Wunder von Gott kam, hätten sie Gott genauso gut sagen können, Er müsse dieses Wunder zurücknehmen!

F: Ist Mt 12,18 ein Hinweis auf die Dreifaltigkeit?

A: Ja, sobald man versteht, dass der Knecht Gott ist. Der Knecht ist gesandt, und Gottes Geist ist in ihm.

F: Was ist in Mt 12,31–32, Mk 3,28–30 und Lk 12,10–11 die Lästerung gegen den Heiligen Geist?

A: Jesus verteidigte Seine Autorität, Dinge zu tun, nicht oft, doch Jesus hielt es für wichtig, Seine Autorität hier zu verteidigen, als Ihm vorgeworfen wurde, im Auftrag Satans zu wirken. Der Kontext deutet darauf hin, dass es darum geht, das direkte Wunderwirken Gottes zu sehen, das Evangelium abzulehnen und zu behaupten, dies stamme von Satan. Normalerweise ist es in Ordnung, Fragen zu stellen oder etwas zu hinterfragen, doch wenn man das offensichtlich Unbestreitbare bestreitet, lehnt man in Wirklichkeit das ab, was man als wahr erkennt.

Es geht nicht nur darum, den Heiligen Geist zu bitten, aus dem eigenen Leben zu weichen. Ich kenne eine christliche Studentin, die Gott bat, aus ihrem Leben zu weichen. Nach etwa einem Monat fühlte sie sich so elend, dass sie Buße tat und zu Christus zurückkehrte. Würde jemand Lästerung gegen den Heiligen Geist begehen, würde er niemals wieder zu Christus zurückkehren wollen.

F: Warum ist in Mt 12,31–32, Mk 3,28–30 und Lk 12,10–11 die Lästerung gegen den Heiligen Geist viel schwerwiegender als die Lästerung gegen Jesus?

A: Jesus hat dies nicht ausdrücklich gesagt. Wenn jedoch jemand Jesus ablehnt, kann der Heilige Geist so wirken, dass er seine Meinung ändert und Jesus später annimmt. Wenn jemand jedoch dauerhaft den Heiligen Geist in seinem Leben ablehnt und der Heilige Geist diesen Wunsch respektiert, wird er niemals zu Christus kommen und in den Himmel gelangen.

F: Bedeutet die Lästerung gegen den Heiligen Geist in Mt 12,31–32, das Licht zu verabscheuen, indem man Gottes Offenbarungen (wie Bahá’u’lláh) leugnet, wie es die Bahá’í in „Some Answered Questions“ auf den Seiten 127–128 lehren?

A: Nein, dies ist ein Zirkelschluss, da dabei die Behauptung vorausgesetzt wird, dass die Behauptung, Bahá’u’lláh sei das Licht, beweise, dass Bahá’u’lláh tatsächlich das Licht war. Beachten Sie jedoch, dass selbst in Bezug auf Jesus in Matthäus 12,32 gesagt wird, dass denen, die gegen Jesus sprechen, vergeben wird; daher ist das Sprechen gegen einen Propheten Gottes KEINE Lästerung gegen den Heiligen Geist.

F: Stützt die Tatsache, dass die Lästerung gegen den Heiligen Geist in diesem Leben nicht vergeben wird (Mt 12,32), nicht in gewisser Weise den Glauben an das Fegefeuer, wie der katholische Autor Ludwig Ott behauptet hat?

A: Nein, selbst die „New Catholic Encyclopedia“, Band 11, S. 1034, besagt: „Die Lehre vom Fegefeuer wird in der Bibel nicht ausdrücklich erwähnt.“ Matthäus 12,31–32 stützt aus drei Gründen in keiner Weise die Vorstellung vom Fegefeuer:

1) Nach katholischer Lehre reinigt das Fegefeuer einen Gläubigen von lässlichen (geringeren) Sünden, nicht jedoch von Todsünden (schwerwiegenderen oder verhängnisvollen Sünden), und die Lästerung gegen den Heiligen Geist gilt als Todsünde.

2) Jesus spricht nicht von Gläubigen, sondern von den Schriftgelehrten und Pharisäern, die ihn abgelehnt haben.

3) Dieser Vers sagt nichts über Dauer, Schwere, Art oder Ort der Strafe oder Läuterung aus; er sagt überhaupt nichts über Strafe oder Läuterung aus. Vielmehr spricht er davon, von Gott nicht vergeben zu werden.

F: Was sagt Jesus in Mt 12,34 über bestimmte Menschen?

A: Er sagt nicht nur, dass sie ein Schlangengeburt sind oder dass sie Böses reden. Vielmehr beschreibt Jesus eine Wenn-Dann-Bedingung. Da sie ein Schlangengeburt und böse sind, kann nur Böses aus ihnen hervorkommen. Dies trifft auch heute auf manche Menschen zu. Manche Menschen sind – angesichts der Veranlagung ihres Herzens – nicht in der Lage, etwas Gutes über eine Sache zu sagen, sondern nur Schlechtes. Das Erstaunliche daran ist, dass sie, genau wie die Pharisäer, meist selbst blind dafür sind, dass sie ein böses Herz haben. Das liegt nicht daran, dass sie nicht klug genug wären, dies zu erkennen, sondern daran, dass sie nie daran gedacht haben, zu hinterfragen, wo ihr Herz eigentlich steht.

Es ist eigentlich nicht so, als hätten die Pharisäer es nicht verstanden. Vielmehr wollten sie es nicht verstehen. Jesus stand ihnen im Weg und ließ ihr „großartiges“ Programm in einem schlechten Licht erscheinen.

Natürlich sollten wir als Gläubige darauf achten, dass wir nicht genauso sind. Manchmal, wenn jemand Schimpfwörter verwendet, könnte das als Entschuldigung herhalten: „Entschuldigung, das ist mir einfach so herausgerutscht.“ Nun, warum war es überhaupt erst einmal in ihm! Wir müssen darauf achten, dass es in unserem Herzen keine „unhinterfragten“ Bereiche gibt, die ebenfalls böse sind. In 2. Korinther 13,5 heißt es, dass wir uns selbst prüfen sollen. Aber lassen wir uns dabei helfen! In Psalm 139,23–24 bat der Psalmist Gott, sein Herz zu erforschen und ihm alles zu offenbaren, was in seinem Herzen böse war.

Leider haben sich manche Menschen selbst in der unmittelbaren Gegenwart Jesu nicht gewandelt. Manche werden sich nicht ändern, egal was wir ihnen sagen; doch wir können uns den Menschen zuwenden, die bereit sind, zuzuhören.

F: Als die Pharisäer in Mt 12,38–39 und Mt 16,1–4 um ein Zeichen baten, sagte Jesus da, sie würden nur das Zeichen des Jona erhalten, oder gab es kein Zeichen, wie es in Mk 8,11–13 heißt?

A: Bei der Beantwortung sind vier Punkte zu berücksichtigen.

1. Sie hatten gerade erst ein Zeichen gesehen; eigentlich baten sie um „noch ein weiteres Zeichen“. Doch was hätte ein weiteres Zeichen gebracht, da sie gesehen hatten, wie Jesus den Dämon austrieb, und sie dies als ein Zeichen aus der Hölle bezeichneten? Was hätte irgendein Zeichen gebracht, wenn sie es einfach als von Satan stammend bezeichnet hätten? Denken Sie daran, dass sie in Matthäus 12,14 bereits damit begonnen hatten, Pläne zu schmieden, wie sie Jesus vernichten könnten.

2. Matthäus 12,38–39 war die erste Forderung nach einem Zeichen, und Matthäus 16,1–4 sowie Markus 8,11–13 waren die zweite Forderung nach einem Zeichen.

3. In allen Fällen sagte Jesus entweder, sie würden kein Zeichen vom Himmel sehen, oder dass sie nur das Zeichen sehen würden, das die Zuhörer des Jona gesehen hatten.

4. Die Zuhörer des Jona sahen niemals ein Wunderzeichen, sondern nur den Propheten Jona. Jona vollbrachte niemals ein Wunder, das in der Bibel aufgezeichnet wurde.

F: Sind die Verse über das Zeichen des Jona in Mt 12,38–39 und Lk 11,30 unecht und wurden sie wahrscheinlich im 7. Jahrhundert n. Chr. hinzugefügt, wie Stendahl, Peake und G. Schmitt in „Das Zeichen Jona“, ZNW [1978] [S. 120–123] behaupten?

A: Nein. Der Abschnitt 16,1–4, S. 68 des Diatessaron zitiert diese Verse, und er wurde um 172 n. Chr. verfasst. Auf diese Verse beziehen sich Justin der Märtyrer (138–165 n. Chr.), Irenäus (182–188 n. Chr.) und Cyprian von Karthago (ca. 246–258 n. Chr.). Die Bibelhandschriften „Vaticanus“ (325–350 n. Chr.) und „Sinaiticus“ (340–350 n. Chr.) zitieren dies.

F: Wie kann in Mt 12,39–40 eine Generation böse und ehebrecherisch sein?

A: Jesus sagt nicht, dass es sich nur um einige Pharisäer und Gesetzeslehrer handelt, sondern um die gesamte Kultur des jüdischen Volkes in dieser bestimmten Zeit. Menschen neigen dazu, ihrer Kultur zu folgen, und ihre Kultur ließ zu jener Zeit keinen Platz für einen Messias.

F: Was lehrt Jesus in Mt 12,45 über Menschen und Dämonen?

A: Jesus lehrt zwei Punkte.

Insbesondere gilt: Wenn ein Dämon dazu gebracht wird, einen Menschen zu verlassen, und dieser Mensch in einem geistlichen Vakuum verbleibt, kann der Dämon zurückkehren – zusammen mit anderen, noch schlimmeren Dämonen.

Im Allgemeinen verharren Menschen nicht sehr lange in einem geistlichen Vakuum. Wenn sie nicht von Gott erfüllt sind, werden Dämonen kommen und sie, ihre Kultur und ihre Gesellschaft erfüllen.

F: Warum setzte sich Jesus in Mt 13,1 in ein Boot und sprach zu den Menschen?

A: Jesus sprach wahrscheinlich von einem Boot aus, weil an einem ruhigen Tag der Klang seiner Stimme gut über das Wasser getragen wurde. Dies ist eine der fünf großen Reden im Matthäusevangelium, die sich an die Menschenmengen richteten, und es war von Vorteil, dass die Menschenmengen ihn besser hören konnten. Es gibt keinen Hinweis auf eine versteckte Bedeutung, sei sie apokalyptischer oder anderer Art.

F: Was ist in Mt 13,1–23 unterschiedlich – der Same oder der Boden – und inwiefern betrifft uns das heute?

A: Der Same (die Botschaft des Evangeliums) war derselbe. Der Unterschied lag jedoch in der Fähigkeit des Bodens, den Samen zunächst aufzunehmen und ihn dann wachsen zu lassen. Manche Menschen können die Botschaft des Evangeliums nicht aufnehmen. Andere können sie zwar aufnehmen, doch wird sie in ihnen kein dauerhaftes Wachstum hervorbringen. Das Evangelium ist jedoch nichts, das wir selektiv nur auf den Boden säen sollten, den wir für guten Boden halten. Wir sollten es überall aussäen, und der Boden wird es aufnehmen, sofern er dazu in der Lage ist. Wir sollten uns jedoch nicht der Illusion hingeben, dass sich die ganze Welt zu Christus bekehren wird, wenn wir das Evangelium lediglich mit der Welt teilen. Schließlich regt dieses Gleichnis den Leser dazu an, darüber nachzudenken: „Was für ein Boden bin ich in Gottes Augen?“

F: Was ist an diesen Gleichnissen in Mt 13,1–58 ungewöhnlich?

A: David Wenham war der erste moderne Gelehrte, der erkannte, dass Matthäus 13,3–52 einen Chiasmus bildet. Es handelt sich jedoch nicht um einen perfekten Chiasmus.

13,1–2 Jesus kam

- 13,3–9 Gleichnis vom Sämann, gerichtet an die Menschenmenge

-- 13,10–12 Die Jünger fragen und Jesus antwortet

--- 13,10–17 Der Zweck der Gleichnisse (für Außenstehende)

----13,18–23 Auslegung des Gleichnisses vom Sämann

-----13:24-33 Drei weitere Gleichnisse, gerichtet an die Menschenmenge: „Das Himmelreich gleicht …“ (Unkraut, Senfkorn, Sauerteig)

Exkurs

--- 13:34–35 Der Zweck der Gleichnisse (für die Jünger)

---- 13:36–43 Auslegung des Gleichnisses vom Weizen und vom Unkraut

Ende des Exkurses

-----13:44-48 Drei weitere Gleichnisse, gerichtet an die Jünger: „Das Himmelreich gleicht …“ (einem Schatz, einer Perle, einem Netz)

---- 13:49-50 Erläuterung

-- 13:51 Jesus fragt, und die Jünger antworten

- 13:52 Gleichnis vom neuen und alten Schatz

13:53 Jesus ging fort

Innerhalb dieser Struktur bildet Matthäus 13,13–17 ebenfalls einen Chiasmus.

Frage: Worin besteht in Mt 13,6–7 der Unterschied zwischen dem Weg, dem zweiten, felsigen Boden und dem dritten, dornigen Boden?

A: Der erste Boden war tief genug, und es gab keine Dornen, die das Sonnenlicht abhielten. Aber er nahm den Samen von vornherein einfach nicht auf. In den anderen drei Böden keimten die Samen, doch im ersten Boden hatten sie nicht einmal die Chance zu keimen.

Die Samen sowohl im zweiten als auch im dritten Boden sprießen zunächst und sehen zunächst gut aus. Doch Pflanzen können in Boden ohne Tiefe keine gesunden Wurzeln bilden. Bei trockenem Wetter finden sie in dem ausgetrockneten Oberboden kein Wasser, um sich zu ernähren. Sie hatten zwar guten Zugang zur Sonne, doch es fehlte einfach an ausreichender Bodentiefe, damit diese Pflanzen weiterwachsen konnten.

Was den dritten Boden betrifft, so war der Boden gut, vielleicht sogar so gut wie der fruchtbare Boden. Allerdings gab es dort so viele zusätzliche Störfaktoren – insbesondere die Dornen –, dass den Pflanzen der Zugang zum Sonnenlicht versperrt war. Selbst der zweite Boden nahm das Wort mit Freude auf, nicht jedoch der überlastete dritte Boden. Der dritte Boden hatte zwar ausreichende Tiefe, doch es gab einfach zu viele andere Faktoren, die den Zugang zur Sonne blockierten. Außerdem können manche dornige Pflanzen offensichtlich sein, während andere kaum wahrnehmbar sind. Man sieht die Dornen vielleicht nicht auf Anhieb.

Der vierte Boden ist weder besonders noch „magisch“. Vielmehr unterscheidet er sich im Grunde nicht von den besten Eigenschaften des zweiten und dritten Bodens zusammen. Wie Johannes Chrysostomos (gest. 407 n. Chr.) als Erster hervorhob, gibt es nicht nur einen Weg ins Verderben, sondern mehrere Wege ins Verderben.

Der Unterschied in den Ergebnissen liegt nicht am Samen, sondern am Boden. Wie fruchtbar findet Gott Ihr Herz?

Nebenbei bemerkt: Der Weg, von dem hier die Rede ist, ist ein Fußweg, etwa zwischen Feldern, und keine Autobahn.

F: Warum erklärte Jesus in Mt 13,10–13 dieses Gleichnis seinen Jüngern und nicht der Menge?

A: Die Antwort findet sich in Matthäus 13,14–15. Jesus hatte viele Jünger (einschließlich der 70) und nicht nur die Zwölf. Den Menschenmengen wurde zu dieser Zeit ein Vorgeschmack auf die Lehre Jesu gegeben, und zwar so, dass sie den Wunsch verspüren sollten, mehr zu erfahren. Jesus ging hier selektiv vor; Er gab die Erklärung nur Seinen Jüngern. Natürlich konnten sich auch Menschen aus der Menge dafür entscheiden, Jesu Jünger zu werden. Außerdem erfüllte sich dadurch Jesaja 6,9–10.

Es ist jedoch falsch anzunehmen, der Zweck dieser Gleichnisse bestehe darin, „damit jeder die Wahrheit leichter begreifen kann“. Ebenso möchten wir heute vielleicht Dinge sagen, die nur diejenigen verstehen, die die Wahrheit erfahren wollen.

F: In Mt 13,10–11: Inwieweit sollte unsere Verkündigung des Evangeliums etwas Geheimnisvolles an sich haben?

A: Ein Geheimnis war im Alten Testament etwas Verborgenes, Verhülltes oder Verschleiertes, das später offenbart wurde. Jesus sprach erst von Geheimnissen, nachdem das jüdische Volk ihn abgelehnt hatte.

Jesus und das Evangelium sind Dinge, die die Menschheit niemals hätte ergründen können, hätte Gott sie uns nicht offenbart. Wir sollten es nicht als selbstverständlich ansehen, dass Gott uns im Dunkeln hätte lassen können, doch Er hat sich entschieden, uns zu erleuchten. Die Passion und Gottes Geschichte im Allgemeinen sind dramatisch, und wir sollten dieses Drama hervorheben, wenn wir davon erzählen.

F: Was bedeutet Mt 13,10–16?

A: Wer keine Liebe zur Wahrheit hat, hat keinen Anspruch auf das Licht der Wahrheit. Tatsächlich könnten die „Vögel“ das Licht wegnehmen, das sie bereits haben. Diese Passage enthält eine Reihe wichtiger Punkte.

13,10 Nachdem Jesus in Matthäus 13,1–9 das Gleichnis vom Sämann (eigentlich das Gleichnis von den Bodenarten) erzählt hatte, kamen die Jünger zu ihm und fragten, warum er in Gleichnissen spreche. Die Frage bezog sich nicht nur auf das Gleichnis vom Sämann, sondern darauf, warum Jesus generell in Gleichnissen sprach.

13:11 Die meisten Menschen würden das Wissen über das Himmelreich nicht besitzen oder behalten.

13:12 Diejenigen, die dieses Wissen besitzen, würden in ihrem Wissen wachsen. Denjenigen, die dieses Wissen nicht besitzen, würde sogar das wenige Wissen, das sie haben, genommen werden.

13,13 Warum sprach Jesus zu den Menschen in Gleichnissen und erklärte nicht alles so, wie er es seinen Jüngern tat? Schauen wir uns 2. Petrus 2,21 sowie Römer 4,15 und 5,13 an, um die Antwort zu finden. Wenn sich jemand entscheidet, der Wahrheit über Gott, die er besitzt, nicht zu folgen, dann gilt: Je weniger er weiß, desto besser wird es für ihn beim endgültigen Gericht sein.

13,14 zeigt, dass die Menschen zwar die ganze Wahrheit hören würden, sie aber nicht verstehen würden. Das bedeutet NICHT, dass man besonders intelligent sein muss, um Christ zu sein; das würde im Widerspruch zu 1. Korinther 1,26–28 stehen. Vielmehr besteht ihr Verständnisproblem – selbst bei intelligenten und hochgebildeten Pharisäern – darin, dass sie keinen Raum für das Wort Jesu haben (Johannes 8,37), und die Botschaft vom Kreuz ist für diejenigen, die mit der Weisheit dieser Welt weise sind, schlichtweg Torheit (1. Korinther 1,18–25). Ich habe erlebt, wie kluge Menschen sich clevere, einfallsreiche Ausreden ausgedacht haben, warum sie nicht glauben wollen, was in der Bibel klar und deutlich steht.

13,15 Dies zeigt eine Verhärtung des Volkes. Christen haben darüber diskutiert, ob Gott dafür verantwortlich war, dass das Herz des Pharaos gegenüber Mose und den Israeliten verhärtet war, oder ob der Pharao selbst dafür verantwortlich war. Die Bibel sagt an acht Stellen, dass der Pharao sein eigenes Herz verhärtete, und an acht Stellen, dass Gott es verhärtete. Ein Gericht Gottes gegen Menschen, die ihre Herzen verhärten, besteht darin, dass ihre Herzen noch mehr verhärtet werden.

Schließlich kann ein und dasselbe Wirken Gottes bei zwei verschiedenen Menschen gegensätzliche Auswirkungen haben. Ein kirchlicher Schriftsteller erklärte dies folgendermaßen: „So wie Wachs durch dieselbe Hitze geschmolzen und Lehm getrocknet wird; so bewies dasselbe Wirken, das durch Mose vollbracht wurde, einerseits die Hartherzigkeit des Pharaos – das Ergebnis seiner Bosheit – und andererseits die Nachgiebigkeit der gemischten ägyptischen Menge, die sich mit den Hebräern auf den Weg machte.“ Rufinus (374–406 n. Chr.) in seiner Übersetzung von Origenes’ „De Principiis“ (225–254 n. Chr.), Buch 3, Kap. 1.11, S. 311.

13:16 Übrigens: Jesus hatte zwar zwölf besonders ernannte Jünger, doch er hatte nicht nur diese zwölf; er hatte auch eine größere Gruppe von siebzig sowie weitere Jünger. Die Jünger Jesu waren in doppelter Hinsicht gesegnet: zum einen durch das Privileg, diese Wahrheiten zu kennen, und zum anderen durch die Tatsache, dass sie sich das Erlernen dieser Wahrheiten weder verdient noch erwirkt hatten. Gott hätte sich dafür entscheiden können, uns alles zu verbergen; doch Gott wollte uns diese Dinge offenbaren.

13:17 geht noch weiter und besagt, dass selbst fromme Propheten in den Zeiten des Alten Testaments diese Dinge erfahren wollten, Gott sie ihnen jedoch noch nicht lehrte; Gott wartete mit ihrer Offenbarung, bis Jesus kam.

Manchmal glauben die Menschen fälschlicherweise, Gott sei es uns schuldig, sich so sehr wie möglich anzustrengen, um jedem die Wahrheit zu lehren. Tatsächlich ist Gott jedoch nicht verpflichtet, jemandem, der die Wahrheit über Gott, die er bereits besitzt, ablehnt, weitere Wahrheit aufzuzwingen. Im Gegenteil: Je weniger sie von der Wahrheit wissen, desto besser ist es für sie (2. Petrus 2,21). Doch denen, die der Wahrheit folgen wollen, zeigt Gott mit Freude immer mehr davon.

Wie genau kommt es dazu, dass Menschen die Wahrheit nicht hören und verlieren? Jesus erklärt dies in Matthäus 13,18–23.

F: War Gott in Mt 13,12 ungerecht, als er denen, die nichts hatten, etwas wegnahm und es denen gab, die bereits etwas hatten?

A: Gott war nicht ungerecht, doch man muss das Zusammenspiel zwischen Folge und daraus resultierendem Zweck betrachten. Dabei sind drei Gegensätze zu berücksichtigen: Gerechtigkeit vs. Gleichheit, Lohn vs. Gaben und die Erfüllung von Bedürfnissen vs. das Vergeben von Belohnungen.

Gerechtigkeit vs. Gleichheit: Gott ist allen gegenüber gerecht, aber Gott ist nicht verpflichtet, jeden identisch zu behandeln, wie Römer 9,6–18 verdeutlicht.

Lohn vs. Gaben: In dem Gleichnis von den Minen (Lukas 19,11–27) wäre es ungerecht, wenn der König die guten Dinge, die er jemandem schuldete, nicht auszahlen würde. Wenn Sie jedoch das Geld Ihres Arbeitgebers anlegen, schuldet Ihnen der Arbeitgeber nicht das gesamte Geld; er schuldet Ihnen lediglich Ihr Gehalt und das, wozu er sich vertraglich verpflichtet hat. Der König in der Parabel schuldete keinem seiner Diener irgendwelche Städte. Als er demjenigen, der am meisten erreicht hatte, weitere Städte gab, war dies ein unentgeltliches, gnädiges Geschenk, und der König (und Gott) kann tun, was Er will.

Bedürfnisse stillen vs. Belohnungen vergeben: Der König sorgte für alle seine Diener, noch bevor einer von ihnen die Verantwortung für eine Stadt übernahm. Die Städte waren Belohnungen oder Bonuszahlungen. Gott wird im Himmel alle Bedürfnisse aller dort Anwesenden reichlich erfüllen (1. Korinther 2,9), doch darüber hinaus wird Gott im Himmel einigen Belohnungen geben, anderen jedoch nicht. Darüber können Sie in 1. Korinther 3,8–15 nachlesen.

F: Ist es in Mt 13,15 nicht eher hartherzig von Gott, ihre Herzen nicht zu erweichen und ihre Augen nicht zu öffnen?

A: Keineswegs. Gott sagt damit, dass der Herr sie gewiss heilen würde, wenn sie sich Gott zuwenden würden. Sie tragen jedoch die Verantwortung dafür, dass ihr Herz verhärtet ist, was dazu führt, dass sie sich nicht Gott zuwenden.

Gott öffnet die Augen der Blinden, aber Er öffnet in der Regel nicht die Augen derer, die ihre Augen fest verschließen. Gott erweicht die Herzen der Menschen, aber Er ist nicht verpflichtet, das Herz eines Menschen zu erweichen, der sich bereits entschlossen hat, sein Herz zu verhärten.

F: In Mt 13,24: Inwiefern gleicht das Himmelreich dieser Situation, da der Himmel doch vollkommen ist?

A: Das Himmelreich gleicht nicht dem Mann, sondern der Situation. Die Antwort auf diese Frage ist Teil der Kernaussage Jesu. Das Himmelreich ist nicht nur etwas Vollkommenes, in das wir nach unserem Tod gelangen. Das Himmelreich ist etwas, das auch jetzt schon in unseren Herzen als Gläubige vorhanden ist. Im Himmelreich in dieser Welt wachsen der Weizen und das Unkraut nebeneinander.

F: Bedeutet Mt 13,28–30, dass wir zulassen sollten, dass Ketzer in der Kirche verbleiben?

A: Keineswegs. In Matthäus 13,38 ist das „Feld“ nicht die Kirche, sondern die Welt. Es wird ketzerische Gemeinden geben, doch wir sollten diejenigen exkommunizieren, die ketzerische Lehren vertreten oder böse Praktiken ausüben, es sei denn, sie tun Buße – und solange sie dies nicht tun. Die Behauptung, wir sollten Menschen mit ketzerischer Lehre oder gottlosen, reuelosen Handlungen in unseren Gemeinden zulassen, widerspricht Gottes Lehre in 1. Timotheus 1,3–4; 6,3–5; 2. Timotheus 2,16–17; 3,1–5; 2. Johannes 10 sowie der Praxis in 1. Korinther 5,11–13 und Offenbarung 2,20. Leider war Augustinus von Hippo in seinem Werk „An die Donatisten“ einer der Ersten, der die Kirche und die Welt miteinander verwechselte. Diejenigen, die sündigen (in der Praxis oder in der Lehre), sollten gemäß 1. Timotheus 5,20 vor allen anderen zurechtgewiesen werden.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Wenn man etwas in einem Gleichnis fälschlicherweise in einer bestimmten Weise (die Kirche) auslegt, obwohl Jesus ausdrücklich etwas anderes (die Welt) gesagt hat, kann man sich wirklich in den Details verlieren!

F: Worauf genau bezieht sich Jesus in Mt 13,30, wenn er von „Unkraut“ spricht?

A: Diese waren den Zuhörern Jesu wohlbekannt. Es gibt vier Arten von Unkraut, und bei dem „Unkraut“ handelt es sich hier mit ziemlicher Sicherheit um eine Unkrautart namens Bart-Lolium (Lolium temulentum), die in jungem Zustand wie Weizen aussieht und deren Wurzeln sich manchmal so stark verflechten, dass man eine Pflanze nicht ausreißen kann, ohne eine andere mitzureißen. Interessanterweise können sowohl das Bärlapp als auch der Weizen nicht mehr durch wilde Ausbreitung gut wachsen, sondern benötigen einen Landwirt, der die Samen ausstreut. Die Rabbiner wussten, dass es sich um verdorbenen Weizen handelt, und an manchen Orten wird er als „falscher Weizen“ bezeichnet; um das Jahr 2000 herum bestanden 10 % der Weizenernte in Äthiopien tatsächlich aus Bärlapp. Moderne Sortiermaschinen sind jedoch gut darin, Weizensamen vom Bärlapp zu trennen. Lolch ist häufig mit einem Pilz befallen, der beim Verzehr der Samen befallener Pflanzen einen Rauschzustand hervorruft. Weitere Informationen finden Sie unter https://www.atlasobscura.com/articles/wheats-evil-twin-has-been-intoxicating-humans-for-centuries.

F: Welche Bedeutung hat in Mt 13,30 das Unkraut, das vor dem Weizen gesammelt wird?

A: In der Landwirtschaft ist es sinnvoll, ein Feld vor der Ernte von Unkraut zu befreien. Das Gericht sortiert die Gottlosen aus dem Himmel aus. Es ist nicht so, dass wir aus dem Universum entfernt werden, in das das Unkraut von Natur aus gehört. Vielmehr wird das Unkraut aus Gottes Universum entfernt, in das Gottes Kinder auf übernatürliche Weise gehören. Als die Jünger zusammen mit der Menge dem Gleichnis vom Weizen und vom Unkraut lauschten, frage ich mich, was Judas Iskariot wohl gedacht hat?

F: In Mt 13,32 und Mk 4,30–34: Inwiefern ist das Senfkorn das kleinste aller Samenkörner?

A: Zunächst einmal gab es in Palästina zwei Arten von Senfkörnern: schwarzen Senf, den die Menschen anbauten, und wilden Senf. Jesus meinte den schwarzen Senf, da er ausschließlich von Samen sprach, die ausgesät werden, und in Palästina wurden keine Samen ausgesät, die kleiner waren als Senfkörner. Außerdem galt das Senfkorn im jüdisch-rabbinischen Werk M. Niddah 5,2 (vgl. SBK 1,669) als Sprichwort für Kleinheit.

Das Senfkorn ist von unbedeutender Größe und das kleinste aller Nutzsamen im Land Palästina. Ein schwarzer Senfstrauch kann 1.200 Samen hervorbringen. Jesus sprach zu den Menschen unter Bezugnahme auf die Nutzsamen ihres Landes.

Für diejenigen jedoch, die Wert auf Details legen: Das griechische Wort für „kleinst“ sowohl in Matthäus 13,32 als auch in Markus 4,30–34 lautet „microteron“, was sowohl „klein in der Größe“ als auch im übertragenen Sinne „gering an Würde“ bedeuten kann. Das Wort für „Samen“ in beiden Passagen, „spermaton“, kann „das, was gesät wird“ bedeuten. Unabhängig davon, ob Jesus Aramäisch oder Griechisch sprach, bezog er sich dennoch auf Samen, die gesät wurden.

F: Wie kann in Mt 13,32 und Mk 4,30–34 eine Senfpflanze ein Vogelnest tragen?

A: Zwar kann ein Vogel notfalls auch in einem kleinen Strauch ein Nest bauen, doch das ist nicht die Antwort. Ein Senfkorn kann zu einem bis zu zehn Fuß hohen Baum heranwachsen, der sicherlich groß genug ist, damit ein Vogel darin ein Nest bauen kann. Mit anderen Worten: Die gegenwärtige Größe steht in keinem Zusammenhang mit der zukünftigen Größe. Jesus betont weniger die zukünftige Größe des Reiches Gottes als vielmehr dessen winzige Anfänge auf Erden.

F: Welche Bedeutung hat die Hefe in Mt 13,33?

A: Jesus sagte, dass Hefe in diesem Gleichnis etwas Gutes sei, da sie das Himmelreich symbolisiere, während Hefe in anderen Gleichnissen etwas Schlechtes darstelle. Der wichtige Auslegungsgrundsatz, den man hier lernen muss, ist, dass man die Bedeutung eines Symbols in einem Gleichnis nicht unbedingt auf dasselbe Symbol in allen anderen Gleichnissen übertragen kann.

Manche betrachten die Hefe und die Vögel fälschlicherweise als etwas Schlechtes, was die gesamte Bedeutung des Gleichnisses verändert, da Hefe als Symbol an allen anderen Stellen in der Bibel etwas Schlechtes oder Weltliches darstellt. Einige sehen die Vögel und die Hefe jedoch als böse an, andere hingegen als einen guten Segen.

In diesem Gleichnis ist der Sauerteig gut. In diesem Kapitel gibt es keinen Hinweis darauf, dass er schlecht ist, und es steht im Einklang mit den anderen Gleichnissen in diesem Kapitel.

Eine dritte Sichtweise besagt, dass die Gleichnisse vom Senfkorn und von der Hefe sehr allgemein zu verstehen sind und die Vögel sowie die Hefe als neutral anzusehen sind.

Zusammenfassung: Das Himmelreich ist gut, nicht schlecht. In Matthäus 13,33 heißt es, dass die Hefe das Himmelreich symbolisiert; daher ist die Hefe in diesem Gleichnis gut. Während die Schlussfolgerung bei den Vögeln nicht ganz so offensichtlich ist, ist es lobenswert, dass der Senfbaum einen Nistplatz bieten kann.

Frage: Warum hat die Frau in diesem Gleichnis in Mt 13,33 den Sauerteig in drei Maß Mehl versteckt?

A: Drei Laibe Weizenbrot stellen eine vollständige Mahlzeit für eine Familie dar. Drei Maße (oder „satas“ auf Griechisch) entsprechen einem Epha des Alten Testaments, und das ist eine große Menge Teig, etwa 56 Pfund oder 23 Liter. Es ist die Menge, die Sara in Genesis 18,6 für die drei Besucher zubereitete, und die Gideon dem Engel in Richter 6,19 gab. Es bedarf nur einer winzigen Menge Sauerteig, um die Beschaffenheit des gesamten Teigs zu verändern. Der springende Punkt ist, dass die Juden selbst wussten, dass schon eine winzige Menge Hefe selbst eine große Menge Teig zum Aufgehen bringen kann.

F: Wie kam es, dass Jesus in Matthäus 13,34 ausschließlich in Gleichnissen sprach, wo er doch an anderen Stellen, wie beispielsweise in der Bergpredigt, keine Gleichnisse verwendete?

A: Matthäus 13,34 präzisiert, dass dies geschah, als Jesus zu den Volksmengen sprach. Wenn er sich an seine Jünger wandte, erklärte Jesus alles. Zwar hörten auch die Volksmengen zu, doch die Bergpredigt richtete sich an die Jünger. Darüber hinaus bezieht sich Matthäus 13,34 auf die Lehre Jesu zu dieser Zeit, nicht unbedingt auf die Zeit vor oder nach diesem Abschnitt seines Wirkens.

F: Sind in Mt 13,38 alle Menschen Kinder des Reiches Gottes?

A: Nein. Wie dieser Vers zeigt, sind wir, bevor wir zu Christus kommen, keine Kinder des Reiches Gottes. In Epheser 2,3 heißt es, dass wir (einschließlich Paulus) vor unserer Bekehrung zu Christus Kinder des Zorns waren.

F: Warum hat der Mann in dem Feld in Mt 13,44 in dem Gleichnis den Schatz nicht einfach heimlich ausgegraben und mitgenommen?

A: Nach jüdischem Recht gehörte ein Schatz, den jemand auf einem Feld ausgrub, laut Derrett (Law, S. 1–16) dem Eigentümer des Feldes. Hätte der Schatz von den Eigentümern vergraben worden und wäre ihnen bekannt gewesen, hätten sie das Feld natürlich nicht billig verkauft. War der Schatz jedoch nicht ihr Eigentum – was dadurch deutlich wurde, dass sie nichts davon wussten –, dann konnte der Arbeiter das Feld kaufen und den Schatz erhalten.

F: Wer ist der Mann in Mt 13,44 und was ist der Schatz?

A: Zunächst, was nicht die Antwort ist, und dann die Antwort:

Nicht die Antwort: Jesus und die Juden. Einige dispensationalistische Schriften behaupten, Jesus sei der Mann und der Schatz sei der Überrest der Juden in der Endzeit. Jesus gab jedoch nicht alles, was Er hatte (Göttlichkeit usw.), und starb nicht am Kreuz nur für den jüdischen Überrest. Zweitens hätte niemand, der das Gleichnis hörte, es so verstanden; wäre dies also die wahre Bedeutung, wäre nichts von der wahren Bedeutung vermittelt worden.

Die Antwort: jeder Einzelne und die Erlösung im Himmelreich. Ein Mensch sollte bereit sein, alles aufzugeben, was er besitzt, um einen so kostbaren Schatz zu erlangen, wie Jesus ihn anbietet. Bei diesen Gleichnissen geht es gemäß Matthäus 13,52 ausschließlich um das Himmelreich. Der Kauf des Feldes ist eine Entscheidung, die der Mann treffen muss, sonst gibt es für ihn keinen Schatz.

F: Was ist in Mt 13,45–46 die Bedeutung des Gleichnisses von der Perle?

A: Zunächst, was nicht die Antwort ist, und dann die Antwort.

Nicht die Antwort: Jesus ist der Kaufmann und die Perle ist die Kirche. Doch noch einmal: Hat Jesus alles, einschließlich seiner Göttlichkeit, für die Perle „verkauft“, und an wen hat er sie verkauft?

Die Antwort: Jeder Einzelne, der Gott sucht, ist der Kaufmann, und die Perle ist die Erlösung. Christliche Gelehrte sind sich im Allgemeinen einig, dass der Arbeiter und der Kaufmann in beiden Gleichnissen ein und dieselbe Person sind und dass der Schatz und die Perle ein und dasselbe sind.

Beide Gleichnisse vermitteln denselben Kernpunkt. Jesus sagte in Matthäus 13,52, dass es in beiden Gleichnissen um das Himmelreich gehe. Doch während der Mann den Schatz erkannte, macht dieses Gleichnis vor allem deutlich, dass der Kaufmann den Wert dieser Perle im Vergleich zu anderen Perlen erkennen muss und nicht nach den anderen Perlen streben darf, um sich ausschließlich auf diese eine zu konzentrieren.

F: Was ist die Bedeutung des Gleichnisses vom Schleppnetz in Mt 13,47?

A: Es handelt sich hierbei um ein sehr großes Netz, das entweder zwischen zwei Booten gespannt oder am Ufer und an einem Boot befestigt wird. Es weist große Ähnlichkeit mit dem Gleichnis vom Weizen und vom Unkraut auf. Alle Fische sind Teil der Welt, doch am Ende der Zeit wird es eine Trennung zwischen den guten und den schlechten Fischen geben. Sind Sie ein guter Fisch?

F: Hatten die Jünger in Mt 13,51 Recht, als sie sagten, sie hätten diese Gleichnisse verstanden?

A: Ja und nein. Ja, die Jünger verstanden die grundlegenden Gleichnisse und die Symbolik dahinter. Allerdings hatten sie keine Ahnung von all den historischen Auswirkungen, die das Gleichnis vom Weizen und vom Unkraut sowie vom Senfkorn mit sich bringen würde. Dennoch hatten sie Recht, mit „Ja“ zu antworten, denn sie hatten richtig verstanden, was Jesus ihnen zu diesem Zeitpunkt vermitteln wollte.

F: Gibt es in Mt 13,51 Situationen, in denen Sie zuversichtlich und zu Recht davon ausgehen, ein grundlegendes Verständnis für etwas zu haben, das Gott Ihnen lehrt, nur um später festzustellen, dass Sie keine Ahnung hatten, was dies alles mit sich bringen würde?

A: Ein einfaches Beispiel könnte die Ehe sein. Man könnte meinen, man wüsste, wen man heiraten wird, und dass man diese Person heiraten möchte. Im Laufe der Jahre stellt man jedoch fest, dass man im Vergleich zu dem, was man heute weiß, sehr, sehr wenig über diese Person gewusst hat. Hoffentlich waren Ihre Überraschungen größtenteils angenehm.

Ähnlich verhält es sich, wenn Gott Sie dazu beruft, ein Dienstamt für Ihn auszuüben: Sie haben vielleicht ein grundlegendes Verständnis davon, was Er will, und Sie möchten es tun. Doch während Sie diesen Dienst ausüben, stellen Sie fest, dass Sie fast keine Vorstellung davon hatten, was die Ausübung dieses Dienstes mit sich bringen würde – und sogar, wie er Sie verändern würde.

F: Warum erwähnte Jesus in Mt 13,52, dass ein Schriftgelehrter sowohl neue als auch alte Schätze habe?

A: Dies war eine gnädige Art zu sagen, dass sie die zuvor gelernten Wahrheiten ebenso schätzen sollten wie die neuen Dinge, die Jesus sagte. „Schriftgelehrte“ sind hier keine besondere Gruppe von Christen. Vielmehr ist ein „Schriftgelehrter“ hier eine positive Bezeichnung für jeden Gläubigen, der sich ernsthaft mit der Heiligen Schrift auseinandersetzt.

F: In Mt 13,52: Inwiefern gleicht unser Herz einem Schatzkammer?

A: Der Vorratsraum (griechisch „thesauros“) ist hier ein Aufbewahrungsort für Erinnerungen, Entscheidungen, Gefühle und Werte, die wir für wichtig halten – unabhängig davon, ob Gott sie als gut oder wichtig ansieht oder nicht.

Es heißt „ein ganzer Schatzraum“, nicht nur eine Schachtel oder Truhe, in der ein einzelner Gegenstand im Dunkeln aufbewahrt wird. Ein Schatzraum kann viele Schätze enthalten, und diese können gesehen werden – sie werden nicht einfach in einer Schachtel versteckt.

Zwei Aufgaben, die ein Christ zu erfüllen hat, sind: a) Dinge in unserem Schatzraum zu identifizieren und wegzuwerfen, die Gott dort nicht haben möchte, und b) unseren Schatzraum mit guten Dingen zu füllen, die Gott uns lehrt.

Frage: War Jesus in Mt 13,53–58 kein Prophet, weil „Prophezeiungen in Israel nur dann existieren können, wenn das Land von einer Mehrheit des weltweiten Judentums bewohnt wird“? Zur Zeit Esras (um 300 v. Chr.), als sich die Mehrheit der Juden weigerte, von Babylon nach Israel zurückzukehren, endete die Prophezeiung mit dem Tod der letzten Propheten – Haggai, Sacharja und Maleachi.“ (Ein Jude brachte diesen Einwand vor.)

A: Das ist aus drei Gründen falsch:

1) Es gibt keinen Vers in der Bibel, der dies besagt; diese Regel ist frei erfunden.

2) Daniel und Hesekiel waren Propheten während des Exils. Die Mehrheit der Juden weltweit lebte damals nicht in Palästina. Tatsächlich waren Daniel und Hesekiel Propheten, die außerhalb Israels lebten, obwohl Daniel in seiner Jugend in Juda lebte.

3) Wir sollten nicht versuchen, dem allmächtigen Gott vorzuschreiben, was Er tun darf und was nicht!

Selbst wenn man die Tatsache außer Acht lässt, dass viele Juden zur Zeit Christi tatsächlich in Palästina lebten (ob es eine Mehrheit war oder nicht, weiß ich nicht), spielt dies keine Rolle, denn Gott, der Allmächtige, kann einen Propheten senden, wann immer Er es wünscht.

Die Bibel (sowohl das Alte als auch das Neue Testament) nennt eine Reihe von Dingen, die Gott nicht tut (seine Meinung ändern in 4. Mose 23,19; 1. Samuel 15,29 usw.), doch gibt es in der gesamten Bibel nur vier Dinge, von denen gesagt wird, dass Gott sie NICHT tun KANN. (Um diese zu lesen, müssen Sie allerdings im Neuen Testament nachschlagen.) Diese vier Dinge sind: Gott kann nicht zum Bösen versucht werden (Jakobus 1,13), Gott kann nicht lügen (Hebräer 6,18), Gott kann nicht bei jemandem schwören, der größer ist als Er selbst (Hebräer 6,13), und Gott kann sich nicht selbst verleugnen (2. Timotheus 2,13). Abgesehen davon werde ich nicht darüber sprechen, was Gott nicht tun kann; ich werde lediglich in der Bibel nachlesen, um demütig zu erfahren, wozu sich Gott entschlossen hat und wovon Er Abstand genommen hat.

F: In Mt 13,54–58 polarisierte die Lehre Jesu; wann sollte also auch unsere Lehre polarisieren?

A: Die Lehre Jesu schien die Menschen in zwei Lager zu spalten: diejenigen, die ihm folgten, und diejenigen, die sich ihm vehement widersetzten. Wir sehen niemanden, der Jesu Botschaft zuhört und sagt: „Nicht schlecht, nur so lala.“ Wir sollten das Evangelium nicht einfach nur weitergeben und Gottes Wahrheit auf dieselbe Weise lehren, wie man vielleicht Mathematik oder alte Geschichte unterrichtet. Wir sollten auch die Bedeutung des Evangeliums für das ewige Schicksal der Menschen und die Dringlichkeit des Evangeliums vermitteln, damit sie den Glauben nicht aufschieben. Wenn wir feststellen, dass wir bei manchen weniger beliebt sind, wenn wir dies tun, dann bedeutet das lediglich, dass wir unsere Aufgabe erfüllen.

F: Wie konnte Jesus in Mt 13,55 Brüder und Schwestern haben, da (nach der Lehre der katholischen Kirche) Maria stets Jungfrau war?

A: Matthäus 1,25 beantwortet dies prägnant: „Er [Josef] hatte jedoch keinen Geschlechtsverkehr mit ihr [Maria], bis sie einen Sohn gebar. Und er gab ihm den Namen Jesus.“ Maria war also bei der Geburt Jesu Jungfrau, doch Maria und Josef hatten danach weitere Kinder.

Katholiken entgegnen in der Regel, dass in vielen Kulturen des Mittelmeerraums auch Cousins und Cousinen als Brüder und Schwestern bezeichnet werden können.

Allerdings gibt es in der Bibel keine Stelle, die lehrt, dass Maria stets Jungfrau war. Im Gegensatz dazu gibt es andere Stellen, an denen von den Brüdern oder Schwestern Jesu die Rede ist: Johannes 7,5; Galater 1,19; Markus 3,31; Johannes 2,12 und Apostelgeschichte 1,14. Es wäre seltsam, wenn sie nur Cousins und Cousinen wären und an mindestens einer dieser sechs Stellen nicht das Wort „Cousins“ verwendet worden wäre.

Als historische Anmerkung sei angemerkt, dass die einzigen beiden Stellen vor dem Konzil von Nicäa, an denen Maria als „immer jungfräulich“ bezeichnet wird, folgende sind:

Hippolyt, Bischof von Portus (225–235/6 n. Chr.), bezeichnete Maria als „immer jungfräulich“. Gegen Beron und Helix, Fragment 8, S. 234

Petrus von Alexandria (306, 285–311 n. Chr.): „von Gott, und immer jungfräulich, und wahrlich, von Maria, der Mutter Gottes“; Fragment 5.7, S. 282

Auf dem Zweiten Konzil von Konstantinopel (553 n. Chr.) wurde Maria offiziell als „immer Jungfrau“ bezeichnet; Kap. 2, S. 312. Im selben Jahr äußerte sich Papst Vigilius in seinem Brief in gleicher Weise; S. 322.

F: Was genau tat ein Zimmermann in Mt 13,55?

A: Zimmerleute errichteten Gebäude. Sie arbeiteten also sowohl mit Stein als auch mit Holz. Zu dieser Zeit bauten die Römer nördlich von Nazareth eine neue Stadt namens Sepphoris, die in erster Linie für Heiden bestimmt war; daher gab es damals viel Arbeit für Zimmerleute. Als Jesus also in Lukas 6,49 und 14,29 davon sprach, auf einem guten Fundament zu bauen, hatte er möglicherweise praktische Erfahrung mit Fundamenten.

F: Warum wurde in Matthäus 13,55–57 ein Prophet in seiner Heimatstadt nicht geehrt?

A: Denken Sie daran, dass die Menschen, als Jesus das letzte Mal in seiner Heimatstadt sprach, ihn von einer Klippe stürzen wollten. Jesus gab hier weder einen Befehl noch eine Prophezeiung, sondern machte lediglich eine Beobachtung. Propheten genossen unter den Menschen, mit denen sie aufgewachsen waren, kein hohes Ansehen. Für jemanden, der am selben Ort aufgewachsen ist und viele der gleichen Erfahrungen gemacht hat, kann es schwer zu glauben sein, dass Gott gewöhnliche Menschen auf außergewöhnliche Weise gebrauchen kann. Leider steckt ein Funken Wahrheit in dem Sprichwort: „Vertrautheit kann Verachtung gebären.“ Der griechische Dichter Pindar hatte ein ähnliches Sprichwort darüber, dass Ruhm am heimischen Herd verblasst. (Oden des Pindar, Ode 12:3)

Ein damit zusammenhängender Punkt ist, dass sie sich offenbar mehr um den Ruhm und die Beliebtheit eines „Jungen aus der Nachbarschaft“ sorgten, anstatt darauf zu achten, was Jesus tatsächlich zu sagen hatte. Es liegt in der menschlichen Natur, dass es für Menschen im Allgemeinen – uns eingeschlossen – nur allzu leicht ist, sich auf nebensächliche oder belanglose Dinge zu konzentrieren und dabei den wichtigen Kernpunkt zu übersehen.

F: In Mt 13,58: Inwiefern schränkte der Mangel an Glauben der Menschen die mächtigen Taten Jesu ein?

A: Dieser Vers besagt nicht, dass der allmächtige Gott hier unfähig gewesen wäre, ein Wunder zu vollbringen. Vielmehr entschied sich Jesus aufgrund ihres mangelnden Glaubens, hier keine Wunder zu vollbringen. Es ist nicht so, dass Jesus keine Wunder hätte vollbringen können – schließlich ging Jesus auf dem Wasser, erweckte Lazarus zum Leben, stand selbst von den Toten auf usw., ohne dass irgendjemand daran glaubte, dass Jesus diese Dinge tun würde. Vielmehr: Warum sollte Jesus Menschen segnen, wenn diese gar kein Verlangen danach hatten, von ihm gesegnet zu werden?

F: Warum wird in Matthäus 14 der Tod Johannes des Täufers an dieser Stelle im Matthäusevangelium erwähnt?

A: Auch wenn dies nicht ausdrücklich gesagt wird und Matthäus diese Rückblende an beliebiger Stelle hätte einfügen können, liegt der Grund dafür vielleicht darin, andeuten zu wollen, warum Jesus sich zu diesem Zeitpunkt aus der Öffentlichkeit zurückziehen wollte. Jesus wusste, dass sie kommen würden, um ihn zu töten, und er wollte abwarten, bis er die anderen Dinge vollbracht hatte, bevor er gekreuzigt wurde. Außerdem folgen Matthäus und Markus ab diesem Punkt derselben Reihenfolge der Ereignisse, die in beiden Evangelien zu finden ist.

F: Warum genau hat Johannes der Täufer in Mt 14,3–4 Herodes Antipas angeprangert?

A: Zunächst der genealogische Hintergrund und dann die Antwort.

Hintergrund:

Herodes Antipas (= Herodes der Tetrarchen): Sohn von Herodes dem Großen und Malthace, einer seiner zehn Ehefrauen. Herodes Antipas regierte von 4 v. Chr. bis 39 n. Chr. unter römischer Herrschaft über Galiläa und Peräa. Er wollte den Titel „König“ tragen, was ihm Ärger mit Kaiser Caligula einbrachte.

Aretas IV., der Nabatäer: Herodes Antipas war mit Phasaelis, der Tochter von Aretas IV., dem König der nabatäischen Araber im heutigen Jordanien, verheiratet. Eine Scheidung von ihr und die Heirat mit Herodias waren ein politisches Minenfeld, doch zumindest lebte er mit Herodias zusammen. Später kam es zu Kämpfen zwischen Herodes Antipas und König Aretas, wobei Aretas die Oberhand behielt, bis die Römer eingriffen.

Philipp: Sohn von Herodes dem Großen und Mariamne II.

(Philipp lebte in Rom und sollte nicht mit einem anderen Sohn Herodes’ des Großen verwechselt werden, der in Lukas 3,1 als Philipp, der Tetrarchen von Ituräa und Trachonitis, bezeichnet wird)

Aristobulos: Sohn von Herodes dem Großen und Mariamne I.

Herodias: Tochter von Aristobulos und seiner Frau Berenike. Sie ließ sich von ihrem ersten Ehemann scheiden, um mit Herodes Antipas zusammen zu sein.

Die Antwort: Herodes Antipas war der Halbonkel von Herodias, doch laut 3. Mose 18,1–17 und 20,12.14 war dies zulässig. Die Scheidung von einer Ehefrau war in alttestamentarischen Zeiten zulässig. Das Problem bestand darin, dass 3. Mose 18,16 ausdrücklich verbietet, die Frau des eigenen Bruders zu heiraten, und Herodias war die Frau von Philippus, dem Bruder von Herodes Antipas, und Philippus lebte noch.

Wie es im „Expositor’s Bible Commentary“, Band 8, S. 670, heißt: „Herodias wusste, dass ‚der einzige Ort, an dem ihre Heiratsurkunde sicher ausgestellt werden konnte, die Rückseite des Todesurteils von Johannes war‘“ (aus: T. W. Manson, „The Servant Messiah“, S. 40).

Später, als die Nabatäer im Jahr 36 n. Chr. Herodes’ Armee besiegten, schrieb Josephus in „Antiquitates Judaicae“, Buch 18, Kap. 119.2, dass die Juden dies als Strafe Gottes für Herodes Antipas betrachteten.

F: Warum steht dieser grausame Bericht in Matthäus 14,6–12 in der Bibel?

A: Manchmal haben Menschen eine künstlich verklärte Sicht auf das Leben auf Erden. Das Leben kann grausam sein, wenn böse Menschen die Macht haben. Wir können hier lernen, dass selbst Gläubige wie Johannes der Täufer in diesem Leben unter ungerechten Folgen leiden können.

Zweitens: Vergleichen Sie den Mut Johannes des Täufers, den Herrscher anzuprangern, mit der Feigheit des Herodes, der Johannes weder freilassen noch hinrichten wollte. Herodes ähnelt ein wenig König Ahab, der sowohl gottlos als auch schwach war.

Nach diesem Ereignis lässt sich hier eine Veränderung im Wirken Jesu feststellen. Jesus konzentrierte sich darauf, die Jünger auf die Zeit nach seinem Tod vorzubereiten, und es ist nichts Weiteres überliefert, was Jesus unternommen hätte, um die jüdischen Herrscher und das Volk davon zu überzeugen, dass er der Messias war.

F: Würde es in Mt 14,6–12 nicht die festliche Stimmung trüben, einen abgetrennten Kopf hereinzubringen?

A: Manche haben Matthäus und Markus vorgeworfen, sie hätten hier eine Falschmeldung verbreitet. Dies ist jedoch typisch für das grausame Leben der Königshäuser. Ein Beispiel: Cicero war ein politischer Gegner von Marcus Antonius. Als der Kopf des Redners Cicero zu Fulvia, der Ehefrau von Marcus Antonius, gebracht wurde, spuckte sie darauf und durchbohrte die Zunge mit einer Nadel. Ein zweites Beispiel: Als Alexander Jannaeus, der sowohl hasmonäischer König als auch Hohepriester war, ein öffentliches Festmahl mit seinen Konkubinen veranstaltete, befahl er, 800 Rebellen zu kreuzigen, wobei deren Frauen und Kinder zuvor öffentlich hingerichtet wurden.

F: Da es sich in Mt 14,15 um eine Wüste handelte, warum gab es dann in Vers 19 Gras?

A: Es handelte sich nicht um eine trockene Wüste, sondern um einen menschenleeren Ort. Außerdem gibt es in Palästina zwei Jahreszeiten: die Regenzeit und die Trockenzeit, und dies war wahrscheinlich während der Regenzeit. Die Regenzeit war zwar nicht von Monsunregen geprägt, wie es in Südostasien der Fall ist, doch der Jordan war zu dieser Zeit zu breit, um ihn zu überqueren, und an Orten, die uns während der Trockenzeit wie eine Wüste erscheinen würden, gab es viel grünes Gras.

Zudem bezeichnet das griechische Wort „opsios“, das mit „Abend“ übersetzt wird, jeden Zeitpunkt zwischen dem späten Nachmittag und kurz nach Sonnenuntergang.

F: Wie sollten Christen in Mt 14,24–32 Stürmen trotzen?

A: Diese Passage gibt Aufschluss darüber, wie man Stürmen trotzt und wie man Stürmen NICHT trotzt.

1. Lassen Sie sich nicht erschrecken, wenn Gott auf unerwartete Weise wirkt (14,25–26).

2. Wenn Jesus uns auffordert, Mut zu fassen, müssen wir Mut fassen und tapfer handeln (14,27–28).

3. Wir müssen Jesus gehorchen, in dem Bewusstsein, dass Er nicht nur größer ist als die Gefahren um uns herum, sondern auch als unsere Ängste, Zweifel und Schwächen (14,29).

4. Richten Sie Ihren Blick auf Jesus, nicht auf den Wind und die Wellen oder andere mögliche Gefahren (14,30). Die Gefahren sind nicht eingebildet, doch richten Sie Ihren Blick trotzdem auf Jesus.

5. Wenn wir einen Fehler begangen haben oder Zweifel hegen, sollten wir zu Jesus rufen, damit er uns rettet (14,30–32).

6. Wenn wir in Sicherheit sind, vergessen Sie nicht, Gott zu preisen (14,33).

F: Wann war in Mt 14,25 die vierte Nachtwache?

A: Während die alten Hebräer die Nacht nur in drei Wachen unterteilten, teilten die Römer die Nacht in vier Wachen ein, wobei die vierte Wache ungefähr von 3 Uhr morgens bis 6 Uhr morgens dauerte.

F: Warum war Petrus’ Glaube in Mt 14,29–31 zunächst so stark und dann so schwach?

A: Petrus war für einen Augenblick bereit zu gehorchen, und in diesem Moment war sein Glaube stark genug, um zu glauben, auf Jesus zu blicken und aus dem Boot zu steigen. Als dieser Glaube jedoch fortbestehen musste, um auf dem Wasser zu gehen, kam es zu diesem Schwanken.

F: War Jesus in Mt 15,1–3 gegen das Händewaschen?

A: Nein. Jesus war zwar nicht gegen Hygiene, aber er war dagegen, das Händewaschen zu einer religiösen Zeremonie zu erheben. Auch heute sind andere gesundheitsfördernde Dinge wie eine gute Ernährung, Kräuter und Bewegung in Ordnung, doch auch sie können zu Götzen werden, wenn Menschen ihre Gesundheit anstelle von Gott verehren.

F: Woher stammt in Mt 15,3–6 der Begriff „qorban/corban“ (griechisch „korban“)?

A: Das Wort selbst und das Konzept, etwas Gott zu weihen, finden sich in 3. Mose 1,2–3; 2,1; 3,1 sowie in 4. Mose 7,12–17. Die Pharisäer erlaubten es jedoch jemandem, sich der Verantwortung für die Versorgung seiner Eltern zu entziehen, indem er die Hilfe, die er seinen Eltern leisten würde, Gott weihte.

Die Pharisäer hatten hier ihre Prioritäten verwechselt. Jemandem zu gestatten, Dinge Gott zu weihen, wurde eine höhere Priorität eingeräumt als das zu tun, was Gott wünschte – wozu auch die Fürsorge für die eigenen Eltern gehört. Dies kann geschehen, wenn Menschen mehr darauf bedacht sind, einer Tradition zu folgen, als Gott zu gehorchen.

F: Was genau ist in Mt 15,7 ein Heuchler?

A: Ursprünglich war dies kein abwertender Begriff. Es handelte sich um einen griechischen Begriff für einen Schauspieler in einem Theaterstück. Alle Schauspieler setzten Masken auf und spielten ihre Rolle in einer Komödie, einer Tragödie oder was auch immer das Drehbuch gerade vorsah. Dies ist das erste Mal, dass Jesus die Pharisäer und die Gesetzeslehrer als Heuchler bezeichnete. Jesus verwendet diesen Begriff in abwertendem Sinne und sagt damit, dass die Menschen eine Maske aufsetzen, um ihre Hingabe an Gott vorzutäuschen, während sie innerlich nur eine Show abziehen.

F: Warum entscheiden sich die Menschen in Mt 15,8 dafür, sich Gott mit ihren Lippen zu nähern, obwohl ihre Herzen weit von ihm entfernt sind?

A: Menschen wenden sich aus den unterschiedlichsten Gründen der Religion und – zumindest dem Namen nach – Gott zu, und nicht alle dieser Gründe sind die besten. Manche tun es, um von anderen gelobt zu werden, manche aus finanziellen Gründen, und manche, um einen Ehemann oder eine Ehefrau zu finden.

Manche streben eine Laufbahn an, in der sie anderen helfen können, und das ist ihr Hauptanliegen – nicht etwa, weil sie eine Liebe zu Gott hegen. In diesem Fall gibt es viele gute Wohltätigkeitsorganisationen wie das Rote Kreuz, das Peace Corps, Goodwill oder UNICEF. Sie sollten sich diesen anschließen und nicht den falschen Eindruck erwecken, Gott zu lieben, indem sie über eine christliche Kirche wirken wollen.

Nebenbei bemerkt: Die Bibel sagt, dass Christen den Armen, Benachteiligten, Waisen usw. helfen sollen. Das bedeutet nicht, dass wir Geld nur an christliche Organisationen spenden sollten. Es ist gut, auch gemeinnützige Organisationen zu unterstützen, die nicht mit einer Religion verbunden sind.

F: In Mt 15,9 heißt es: Wann sind menschliche Traditionen gut, und wann sind sie schlecht?

A: Traditionen geben frühere Überzeugungen und Ansichten als Lehren und Gesetze an nachfolgende Generationen weiter. Sie können gut sein oder schlecht, wenn sie das Wort Gottes verschleiern. Bei der Beantwortung sind vier Punkte zu berücksichtigen.

Böse: Wenn die vergangene Tradition falsch oder schlecht war, werden Irrtümer und möglicherweise Sünden gelernt und nachgeahmt. Die Bibel spricht von sündigen Traditionen wie der „Königin des Himmels“ in Jeremia 44,17–19.

Inhaltlos: Häufiger sind Traditionen jedoch schlichtweg wertlos (Kolosser 2,16–19). Werden diese Traditionen ernst genommen, können sie die Hingabe an Gott verwässern. Die Bibel spricht in Kolosser 2,8 und 1. Timotheus 1,4 von inhaltslosen und trügerischen Traditionen.

Corban: Selbst wenn die frühere Meinung oder Praxis nicht gegen die Heilige Schrift gerichtet war, neigen die Menschen dazu, menschliche Tradition mit der Heiligen Schrift gleichzusetzen; und was einst eine menschliche Meinung war, wird in den Augen der Menschen nun zu „Gott sagt“, und menschliche Praktiken, die für eine bestimmte Zeit und bestimmte Umstände vielleicht sehr angemessen waren, werden angeblich zu „Gottes Gesetz“ für alle Zeiten und Umstände. Für manche Menschen hat die Tradition sogar Vorrang vor Gottes Wort, wie beispielsweise bei jenen, die in Markus 7,10–13 „Corban“ praktizierten.

Gottes Gesetz: Wir sollten dem folgen, was Gott geboten hat, wie beispielsweise die Wassertaufe und das Abendmahl. Wir sollten dem jedoch nicht folgen, weil es christliche Tradition ist, sondern weil Gott es von uns erwartet. Wir sollten darauf achten, das Symbol nicht über die Wirklichkeit zu erheben. Wir sollen nicht nur Regeln befolgen (Markus 7,6–7), sondern wir dienen auf die neue Weise des Geistes, nicht auf die alte Weise des geschriebenen Gesetzes (Römer 7,6; 2,29; Kolosser 2,14).

F: Warum hat Jesus in Mt 15,10–20 und Mk 7,15–23 die Speisevorschriften des Alten Testaments für ungültig erklärt?

A: Jesus hat die Speisevorschriften des Alten Testaments nicht außer Kraft gesetzt, sondern sie durch etwas Neues ersetzt. Dabei sind vier Punkte zu beachten.

1. Auch wenn Jesus und seine Jünger manchmal die von Menschen gemachten Traditionen der Pharisäer missachteten, lebten sie selbst im Gehorsam gegenüber dem alttestamentlichen Gesetz.

2. Selbst unter dem Alten Testament lag Gott ihr Gehorsam am Herzen, und ihre Ernährung war nur eine Möglichkeit – aber nicht die einzige –, ihren Gehorsam zu zeigen.

3. Nachdem durch die Auferstehung Jesu eine neue Ära eingeleitet worden war, entschieden sich die Jünger nicht einfach dafür, alle Arten von Fleisch zu essen. In Apostelgeschichte 10,11–16 kam ein Engel Gottes herab und wies den zögernden Petrus an, zu essen. Wer war Petrus schon, dass er mit einem Engel aus dem Himmel streiten konnte?

4. Muslime sollten mit dieser Antwort kein Problem haben, da Mohammed angeblich dasselbe tat. Er sprach von aufgehobenen Gesetzen (auch wenn die Aufhebung ein etwas anderes Konzept ist als der Neue Bund durch Jesus). Außerdem zeigte er, dass Muslime Kamelfleisch essen dürfen, und das Alte Testament betrachtet Kamelfleisch genauso wie Schweinefleisch (3. Mose 11,4.7.26; 5. Mose 14,7.8).

F: Wie kann es sein, dass in Mt 15,11.17–18 nur das, was herauskommt, verunreinigt?

A: Der Kontext hierfür findet sich in Matthäus 15,20, wo es den Pharisäern darum ging, mit ungewaschenen Händen zu essen, während es Jesus darum ging, im Inneren rein zu sein.

Wenn Sie etwas in einem Gefäß kochen würden und dabei langsam Flüssigkeit hinzugefügt und wieder abgegossen würde, würden Sie dann die zugeführte oder die abfließende Flüssigkeit probieren, um zu prüfen, ob die Temperatur im Inneren korrekt ist und den Vorgaben entspricht? Natürlich sollten Sie die abfließende Flüssigkeit probieren. Ebenso meinte Jesus, man solle sich nicht zu sehr auf die Ernährung versteifen, denn es ist das, was aus einem herauskommt, das verunreinigen kann.

F: Wäre es in Mt 15,12 nicht seltsam, dass einige der Pharisäer aus Jerusalem hinausgingen, um Jesus aufzusuchen, nur um ihn nach seiner Meinung zur Körperpflege zu fragen?

A: Darum ging es gar nicht. Die Frage war nur ein Vorwand, um Jesus in eine Falle zu locken. Es ging nicht um Körperpflege; sie kannten noch keine Keimtheorie der Krankheiten. Vielmehr ging es um ihre eigenen Ergänzungen zu den Vorschriften über die zeremoniellen Waschungen. Sie sahen in Jesus eine Bedrohung für ihre Vorrangstellung, den Menschen zu verkünden, was Gottes Wille für sie sei.

F: Warum war es Jesus in Mt 15,12 nicht wichtig, dass sich die Pharisäer schlecht fühlten?

A: Jesus war sich dessen bewusst, doch es lag ihm mehr daran, die Wahrheit ans Licht zu bringen, als daran, was die Pharisäer dachten. Aber darüber hinaus war Jesus sehr wohl besorgt; er wollte, dass sie sich schlecht fühlten. Insbesondere in Matthäus 23 tadelte Jesus sie aus zwei ganz bestimmten Gründen scharf. Da sie den Tadel hörten, würden vielleicht einige innehalten, über die Worte Jesu nachdenken und Buße tun. Zweitens würden die Menschenmengen – unabhängig von der Buße der Pharisäer – dies hören und erkennen, dass sie den Pharisäern, die Jesus ablehnten, nicht vertrauen sollten.

F: Warum lässt Gott in Mt 15,14 manchmal zu, dass Blinde von Blinden geführt werden?

A: Wie jemand einmal sagte: Niemand ist so blind wie der, der sich weigert zu sehen. Gott lässt die Menschen dorthin gehen, wohin sie wollen. Eine bessere Frage ist: Warum lassen sich Blinde von Blinden führen oder ziehen es sogar vor, sich von ihnen führen zu lassen?

F: Warum ging Jesus in Mt 15,21–29 und Mk 7,24 nach Tyrus und Sidon?

A: Auf den ersten Blick scheinen diese nichtjüdischen Städte tatsächlich weit abseits von Jesu Weg zu liegen. Die folgenden Verse zeigen jedoch, dass er einen Dämon austreiben musste (Markus 7,29) und dass viele Menschen von der phönizischen Küste her kamen, um Jesus zuzuhören. Tyr lag an der Küste, etwa 35 Meilen (56 km) vom See Genezareth entfernt, und Sidon lag ebenfalls an der Küste, 25 Meilen (40 km) von Tyr und 60 Meilen (96 km) nordnordwestlich vom See Genezareth.

Frage: In Mt 15,21–28, als die „Frau aus Kanaan“ Jesus bat, sich ihrer zu erbarmen, sagte Jesus: „Ich bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt.“ Warum finden wir dies nur im Matthäusevangelium? Und auch den Auftrag Jesu an seine Jünger: „Geht nicht auf den Weg der Heiden, und in keine Stadt der Samariter geht hinein; geht vielmehr zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel“ (Mt 10,5–6)? Sind diese beiden Aussprüche Jesu wirklich authentisch, obwohl sie im Widerspruch zu seiner Botschaft von der universellen Erlösung stehen? Oder handelt es sich um eine Erfindung oder Fälschung der frühen Kirchengemeinden?

A: Nein, es gibt keinen Grund, an Gott zu zweifeln und zu glauben, dass Gott zugelassen hätte, dass Sein Wort durch Erfindungen oder Schöpfungen der frühen Kirchengemeinden „ersetzt“ wurde. Diese beiden Aussagen passen tatsächlich eindeutig zum Wirken Jesu. Vor Seiner Kreuzigung wurde dem jüdischen Volk die Gelegenheit geboten, seinen Messias anzunehmen und den Weg für alle Heiden zu ebnen. Selbst im Wirken des Paulus ging dieser zuerst in die jüdische Synagoge und erst danach zu den Heiden.

Wenn man sich jedoch eine Karte ansieht, liegt die Region um Tyrus und Sidon weit außerhalb des Landes Israel. Jesus machte also einen großen Umweg, um diese kanaanitische (oder syro-phönizische) Frau zu besuchen. Durch den Besuch bei dieser Frau zeigte Jesus somit, dass seine Botschaft auch für Nichtjuden bestimmt sein würde.

F: In Mt 15,21–22 und in den Evangelien im Allgemeinen finden wir, dass Jesus allen Menschen das Heil verspricht, ohne zwischen ihnen zu unterscheiden oder sie zu diskriminieren, seien es Juden, Völker oder Heiden; doch im Matthäusevangelium liegt der Schwerpunkt auf den Juden, was das Heil betrifft. Was denken Sie darüber?

A: Betrachten Sie den zeitlichen Ablauf. Dabei sind drei Punkte zu beachten.

1) In allen Evangelien, nicht nur im Matthäusevangelium, predigte Jesus vor der Kreuzigung in erster Linie zu den Juden, um dem jüdischen Volk die Gelegenheit zu geben, den Messias anzunehmen.

2) Nach der Auferstehung Jesu sollte das Evangelium allen Juden und Heiden verkündet werden. Die Reihenfolge, die Jesus in Apostelgeschichte 1,8 vorgab, lautete: „Jerusalem, dann ganz Judäa (wo sich Juden befanden), dann Samaria (Halbjuden) und schließlich bis an die Enden der Erde.“

3) Doch obwohl die Heiden und Samariter vor der Kreuzigung nicht die vorrangigen Zielgruppen waren, sprach Jesus dennoch mit ihnen, wenn er ihnen begegnete. So zum Beispiel nicht nur die Frau aus Tyrus und Sidon (Markus 7,24–30), sondern auch der von Dämonen besessene Mann aus Gerasa auf der östlichen (nichtjüdischen, von Schweinezüchtern bewohnten) Seite des Sees Genezareth in Markus 5,1–20. Jesus speiste 5.000 Menschen auf der jüdischen (westlichen) Seite des Sees Genezareth in Matthäus 14,13–21; Markus 6,30–44; Lukas 9,10–17; Johannes 6,8–12, und Jesus speiste ein zweites Mal 4.000 Menschen auf der nichtjüdischen (östlichen) Seite des Sees Genezareth in Matthäus 15,32–38 und Markus 8,2–9.

Nun sollen wir jedoch allen Menschen das Evangelium verkünden, unabhängig davon, ob sie Juden, Araber, Europäer, Asiaten oder sonst jemand sind.

F: Hat Jesus in Mt 15,21–22 im Zusammenhang mit der kanaanitischen Frau offenbar gesagt, dass man nur Juden und diejenigen lieben solle, die Gott auf die vorgeschriebene Weise verehrten? (Auch der Muslim Ahmad Deedat spricht dies an.)

A: Nein, diese Auffassung lässt sich kaum aufrechterhalten, da Jesus einen großen Umweg in Kauf nahm, um in die Region von Tyrus und Sidon zu gelangen.

Jesus wurde zunächst zu den verlorenen Schafen Israels gesandt, doch später überquerte er (mehrfach) den See Genezareth. Dies ist insofern von Bedeutung, als auf der Westseite des Sees Genezareth hauptsächlich Juden lebten, während auf der Ostseite Heiden, darunter auch heidnische Schweinehirten, wohnten. Doch schon zuvor beteten die Samariter Gott nicht in der vorgeschriebenen Weise an, und Jesus sprach bereits zu Beginn seines Wirkens mit der samaritanischen Frau.

F: War Jesus in Mt 15,24 nur für die Juden da und nicht für alle Menschen?

A: Nein. Jesus wandte sich zwar zuerst an die Schafe Israels, doch in Johannes 10,16 sagte er auch, dass er noch andere Schafe habe, die nicht zu dieser Herde gehörten. Als er die Worte aus Matthäus 15,24 sprach, begab sich Jesus weit außerhalb Israels in die Gegend von Tyrus und Sidon, um eine syro-phönizische Frau zu besuchen. Auch viele Samariter glaubten an Jesus, wie in Johannes 4,39–42 beschrieben. Später predigte Jesus diesen Nichtjuden am Ostufer des Sees Genezareth und speiste sie. Später sagte Jesus in Johannes 12,32, dass er alle Menschen zu sich ziehen werde. Die Vorgehensweise, dass Jesus zunächst zu den Juden predigte, wurde auch von Paulus befolgt, der das Wort Gottes im Allgemeinen zuerst den Juden und dann den Heiden verkündete.

F: War Jesus in Matthäus 15,24–26 ein Rassist, weil er die kanaanitische (syrisch-phönizische) Frau mit Hunden verglich? (Der Muslim Ahmad Deedat hat dies angesprochen.)

A: Lassen Sie uns im Gegenzug eine Frage stellen: Wo befand sich Jesus, als er sagte, er sei nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt worden? Die Antwort lautet: Er hatte Israel verlassen und war über 30 Meilen (Luftlinie) über oder um Berge herum gewandert, um nach Tyrus zu gelangen, das keine israelitische Stadt war und es auch nie gewesen war. Jesus begab sich dorthin, um nicht mit einer außerhalb Israels lebenden jüdischen Frau zu sprechen, sondern mit einer Frau, die eindeutig als Heidin identifiziert wurde. Doch da er diesen zusätzlichen Weg (bzw. tatsächlich 30 Meilen) auf sich genommen hatte, wollte Jesus sicherstellen, dass sie nicht glaubte, etwas zu erhalten, auf das sie Anspruch hatte, sondern etwas aus Gnade. Übrigens hat das griechische Wort für „Hund“ hier in Matthäus 15,26 die Bedeutung von „Welpe“ oder „Schoßhund“ und nicht von „Wildhund“.

F: Was genau sagten Jesus und die syro-phönizische Frau in Mt 15,21–29 und Mk 7,27–29?

A: Bei der Beantwortung sind vier Punkte zu berücksichtigen.

1. Nachdem Jesus an die phönizische Küste gereist war, bat die Frau Jesus um eines: den Dämon aus ihrer Tochter auszutreiben. Beachten Sie, dass es keinen Hinweis darauf gab, dass diese ethnisch syro-phönizische Frau, die als Griechin bezeichnet wurde, zum Judentum konvertiert war oder gar an den wahren Gott glaubte.

2. Nachdem Jesus diesen ganzen Weg zurückgelegt hatte – Meilen außerhalb Israels –, teilte er ihr unverblümt mit, dass Gottes Botschaft durch die Juden verkündet werde, die zuerst geheilt werden sollten (Markus 7,27). Mit anderen Worten: Jesus würde ihrer Bitte nicht nachkommen, solange sie sich nicht dazu verpflichtete, an Gottes Botschaft zu glauben, wie sie den Juden übermittelt worden war.

3. Sie willigte demütig ein, zu Jesus zu kommen – zu seinen Bedingungen, zu keinen anderen. Auch wir müssen auf Gottes Gnade vertrauen.

4. Obwohl sowohl Heiden als auch Hunde von den Juden nicht besonders hoch geschätzt wurden, verwendete Jesus hier nicht den üblichen Begriff für „Hund“. Dieses Wort lässt sich besser mit „Hündchen“ oder „Welpe“ übersetzen. Die Römer und Griechen schätzten Hunde sehr. Jesus bediente sich einer „doppeldeutigen Anspielung“ – der geringen Wertschätzung durch die Juden, kombiniert mit der hohen Wertschätzung und Zuneigung durch die Heiden –, indem er sie mit einem liebevollen Haustier verglich. Dennoch machte Jesus deutlich, dass seine Botschaft in erster Linie an die Juden gerichtet war. Wenn Gott jemand anderen reichlich gesegnet hat und nicht uns, sollten wir uns dennoch über die Segnungen freuen, die Gott uns geschenkt hat.

Zusammenfassend veranschaulichen der lange Weg Jesu in Verbindung mit seinen knappen Worten auf wunderschöne Weise das Paradoxon, dass Jesus weite Strecken zurücklegt, um uns zu erreichen, wir aber ohne Stolz zu ihm kommen müssen – zu seinen Bedingungen, nicht zu unseren.

F: Beziehen sich diese „verlorenen Schafe Israels“ in Mt 15,24 auf Menschen, die angeblich zur Zeit des Exils von Israel nach Amerika ausgewandert sind, wie es der Mormone Joseph Fielding Smith in „Doctrines of Salvation“ (1975, Band 3, S. 214) lehrt?

A: Nein. Diese Auslegung war weder Juden noch Christen in irgendeiner Weise bekannt. Jesus sprach nicht von Menschen, die geografisch verloren waren, sondern von denen, die geistlich verloren waren. Jesus war ein Erlöser, kein GPS. Jesus sagte zu seinen Jüngern: „Geht vielmehr zu den verlorenen Schafen Israels …“ (Matthäus 10,6–7), und sie erfüllten dies in den folgenden Tagen, indem sie durch Israel zogen und nicht in ein Flugzeug stiegen, um nach Amerika zu fliegen.

F: Warum war es in Mt 16,1.4 falsch, Jesus um ein Zeichen vom Himmel zu bitten?

A: Für die Jünger muss es seltsam erschienen sein, dass die Pharisäer und Sadduzäer um ein Zeichen baten, kurz nachdem Jesus all diese Wunder vollbracht hatte – viele davon in Anwesenheit eben dieser Pharisäer und Sadduzäer. Offenbar wollten sie damit zum Ausdruck bringen, dass all die bisherigen Zeichen und Wunder nicht gut genug waren, sondern dass nur ein weiteres möglicherweise ihren Ansprüchen genügen würde. Das griechische Wort für „Prüfung“ – in dem Sinne, dass sie Jesus auf die Probe stellen wollten – ist dasselbe Wort, das Matthäus 4,1 für die Versuchung Jesu durch den Satan verwendet. Die Wunder Jesu hatten bereits den Lahmen, Blinden und Besessenen geholfen, und die Pharisäer verlangten ein Zeichen vom Himmel, das niemandem helfen würde. Jesus weigerte sich, auf ihre Forderung hin ein solches Zeichen zu vollbringen.

F: Was hat in Mt 16,2–4 der Wechsel von Abend und Morgen mit den Zeichen der Zeit zu tun?

A: Der vorhersehbare Wechsel von Tag und Nacht ist eine sehr einfache Wahrheit, die selbst Kinder beobachten können. Jesus sagt, dass es auch andere Zyklen gibt, wie zum Beispiel die Zeichen seines Kommens, auf die sein Kommen folgt. Jesus wird ein zweites Mal kommen, und viele der Zeichen, die unmittelbar vor seinem ersten Kommen auftraten, werden auch vor seinem zweiten Kommen zu beobachten sein. Jesus wollte hier nicht sagen, dass die Pharisäer und Sadduzäer blind waren oder dass sie nicht intelligent waren. Tatsächlich lobte er ihre Fähigkeit, das Wetter zu deuten und zwei und zwei zusammenzuzählen, um eine Wettervorhersage zu erstellen. Doch genau diese Menschen waren nicht in der Lage, im geistlichen Sinne zwei und zwei zusammenzuzählen, wenn es um die Zeichen der Zeit ging. Entweder konnten sie es nicht, oder aber sie wollten es einfach nicht.

F: In Mt 16,3–4: In welchen anderen Situationen kann jemand alle Fakten und Details erkennen, ist aber dennoch blind für die Bedeutung und die Schlussfolgerungen?

A: Ein Beispiel dafür ist, dass die Sadduzäer und Pharisäer angesichts der häufigen Aufstände, der allgemeinen Unzufriedenheit der Bevölkerung mit den römischen Herrschern und der Herzlosigkeit der Kaiser immer noch keine Ahnung hatten, dass das Ende Judäas, wie sie es kannten, nahe war. Im Jahr 70 n. Chr. wurde die gesamte Bevölkerung Jerusalems getötet oder versklavt. Innerhalb von fünfzehn Jahren danach waren die Sadduzäer ausgestorben.

Ein weiteres Beispiel ist der große Tsunami vor der Westküste Sumatras. Als sich das Meerwasser zurückzog, verstanden viele Tiere nicht, was vor sich ging, und flohen ins Landesinnere. Doch einige Touristen, die eigentlich klüger sein sollten als Tiere, hielten sich dort draußen mit Kameras auf, um Fotos vom sich zurückziehenden Meer zu machen.

Während des Hurrikans der Kategorie 5 in Florida besaß ein Mann zwei teure Autos im Gesamtwert von 500.000 US-Dollar. Er hatte eine Woche Zeit, die Autos in Sicherheit zu bringen, ließ sie jedoch stattdessen einfach in einer Garage stehen. Die Garage wurde zerstört, die Autos wurden umgestürzt und ebenfalls zerstört.

Eine Frage, die wir uns stellen sollten, lautet: Wenn jemand anderes unser Leben beobachten würde – vielleicht 30 Jahre später –, was würde ihn dann überraschen, wenn er feststellte, dass wir alle Anzeichen dafür erkennen konnten, aber keine Ahnung hatten, was passieren würde? Dies kann körperlicher Natur sein (Ernährung, Bewegungsmangel), zwischenmenschlicher Natur (wie wir unseren Ehepartner behandeln) oder geistlicher Natur (wie leichtfertig wir einige der Verantwortlichkeiten nehmen, die Gott uns übertragen hat).

F: Was genau war in Mt 16,4 das Zeichen des Propheten Jona?

A: Der springende Punkt war, dass es kein wundersames Zeichen gab, außer dem Zeugnis dieses gottesfürchtigen Mannes.

F: Welche Bedeutung hatten in Mt 16,7–11 und Mk 6,52 die fünf Brote und die 5.000 Menschen sowie die sieben Brote und die 4.000 Menschen?

A: Bei der Beantwortung sind vier Punkte zu berücksichtigen.

Jesus ist das Brot des Lebens. Da Er so viele Menschen ernähren konnte, brauchen sie sich keine Sorgen darüber zu machen, ob sie Brote mitgenommen haben oder nicht.

Generell hat Jesus für sie gesorgt, und sie sollten keine Angst haben, dass Gott in Zukunft nicht in der Lage oder nicht willens sein könnte, für sie zu sorgen.

Die gleiche Lektion wird erneut vermittelt, da Markus berichtet, dass die Jünger den Sinn der Speisung beim ersten Mal nicht verstanden hatten.

Hier könnten zwei Botschaften beabsichtigt sein: zum einen, dass Gott die Juden ernährt, und zum anderen, dass Gott auch die Heiden ernährt.

Viele ärmere Menschen machten sich täglich Sorgen darüber, wie sie an Nahrung kommen würden. Wenn ein Fischer, der sechs Tage in der Woche arbeitete, an einem Tag keinen Fisch fing, gab es an diesem Tag kein Geld. Doch selbst nachdem sie gesehen hatten, wie Jesus die 5.000 und dann die 4.000 Menschen speiste, machten sie sich immer noch Sorgen, ob sie genug zu essen haben würden. Manchmal spielen alte Gewohnheiten und Denkmuster, wie zum Beispiel Mangel oder Verletztheit, immer noch in unserem Kopf eine Rolle, selbst wenn sich die Zeiten geändert haben. Dies zeugt von einem Mangel an Vertrauen darauf, dass die Dinge mit Jesus anders sind und dass Gott die Lage verändern kann. „Wenig ist viel, wenn Gott darin ist“.

F: Was sagt Jesus in Mt 16,7–11 und Mk 8,19–20 über die Bedeutung dieser Zahlen?

A: Manche mögen in den fünf Broten, den 5.000 Menschen und den fünf Büchern des Gesetzes für die Juden bei der ersten Speisung sowie in den sieben Broten (eine vollkommene Zahl) und den 4.000 Menschen (wobei die 4 vielleicht die vier Ecken der Erde symbolisiert) bei der zweiten Speisung, an der vorwiegend Heiden teilnahmen, eine mystische Bedeutung sehen.

Es gibt jedoch eine viel einfachere Erklärung. Bei Jesus kann eine sehr geringe Anzahl von Broten eine sehr große Anzahl von Menschen sättigen.

F: Warum sagte Jesus in Mt 16,8, dass sie hier wenig Glauben hätten?

A: Sie machten sich angesichts all dessen, was sie sahen, keine Sorgen um ihre Nahrung, da ihr Wissen begrenzt war. Vielmehr konzentrierten sie sich auf ihre kurzfristigen Probleme und verloren dabei aus den Augen, wozu Gott fähig ist.

Manchmal sind Christen heute besorgt, nicht weil sie nicht genug gelernt haben, sondern weil sie sich so sehr auf ihre Probleme konzentrieren, dass sie den Blick auf Gott verlieren.

F: In Mt 16,11–12: Inwiefern gleicht die Lehre der Pharisäer und Sadduzäer dem Sauerteig im Brot?

A: Sie kann eine sehr kleine Zugabe sein und dennoch eine große Wirkung auf den gesamten Laib haben. Ebenso können manche Lehren eine kleine Zugabe sein, aber eine große negative Wirkung haben.

Zweifellos lehrten die Pharisäer und Sadduzäer auch einige gute Dinge; beide glaubten beispielsweise an nur einen Gott und daran, dass Er alle Dinge geschaffen hat. Doch der schlechte Teil konnte ihre Lehre so sehr durchdringen, dass Jesus nicht sagte: „Unterscheidet zwischen Gut und Böse, nehmt das Gute und lasst das Schlechte beiseite.“ Vielmehr war selbst die kleine „Hefe“ in ihrer Lehre derart, dass Jesus sagte, man solle sich von ihnen gänzlich fernhalten.

Die Sadduzäer besaßen einen Teil der Wahrheit, da sie die Thora anerkannten. Wer jedoch von den Sadduzäern lernte, neigte dazu, an Gottes Wort zu zweifeln, denn die Sadduzäer lehnten den Rest des Alten Testaments ab und bestritten gemäß Apostelgeschichte 23,8 die Auferstehung, Engel und Geister.

F: Deutet Mt 16,11–12 auf eine späte Entstehung hin, da der Verfasser nicht zwischen Pharisäern und Sadduzäern unterscheiden konnte?

A: Entgegen den Behauptungen einiger liberaler Kritiker ist dies keineswegs der Fall. Die Sadduzäer verschwanden als Gruppe innerhalb von 15 Jahren, nachdem die Römer Jerusalem im Jahr 70 n. Chr. zerstört hatten. Ein Verfasser würde sich wahrscheinlich nur dann auf die Sadduzäer beziehen, wenn er mit den Ereignissen vor dieser Zeit vertraut gewesen wäre. Hätte Matthäus die Sadduzäer nie erwähnt, würde gerade das Auslassen ihrer Erwähnung auf eine späte Entstehung hindeuten. Obwohl in der gesamten Literatur höchstens einige Seiten über die Sadduzäer zu finden sind, wäre Matthäus mit ihnen vertraut gewesen und hätte gewusst, ob sie gemeinsam mit den Pharisäern gegen Jesus vorgingen – ähnlich wie in viel späterer Zeit, als Römer und Westgoten gemeinsam gegen die Hunnen vorgingen oder Katholiken und Protestanten gemeinsam gegen die türkische Armee kämpften. Matthäus schreibt auch in Matthäus 3,7; 16,1.6.11.12 über sie. Die Mahnung, sich vor den Lehren zweier Gruppen zu hüten, bedeutet nicht, dass der Verfasser nicht in der Lage war, zwischen den beiden Gruppen zu unterscheiden. Politisch gesehen sollten wir uns heute vor den Lehren der extremen Linken und der extremen Rechten hüten. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie gleich sind.

F: Warum wollte Jesus in Mt 16,13–14 und Mk 8,27–29 wissen, für wen andere ihn hielten?

A: Jesus machte sich nicht die Mühe zu fragen, wer die Pharisäer und Sadduzäer glaubten, dass Jesus sei; das hätte keinen Sinn gehabt. Vielmehr fragte Jesus, wer die Menschen in der Menge glaubten, dass er sei. Der Ort, an dem er die Jünger befragte, war Cäsarea Philippi, eine Stadt nördlich von Galiläa im heutigen Syrien, gelegen auf einer Ebene unmittelbar südlich des Hermongebirges, etwa 25 Meilen nördlich des Sees Genezareth und 5 Meilen östlich des Jordan. Es gab zwei Städte namens Cäsarea, und diese befand sich im Herrschaftsgebiet von Herodes Philippus, dem Bruder von Herodes Antipas. In dieser Cäsarea stand ein Tempel zu Ehren des verstorbenen römischen Kaisers Caesar Augustus. Wenn die Menschen dort Augustus, einen gewöhnlichen Menschen, der keine Wunder vollbrachte, als Gott verehrten, was sagten die Menschen dann über Jesus? Dies wird als sokratische Lehrmethode bezeichnet, bei der Fragen gestellt werden. Oft ist es sinnvoll, eine Frage zu stellen, auf die man die Antwort bereits kennt. So lässt sich erkennen, was der Befragte denkt, und man kann ihm sogar dabei helfen, seine Gedanken zu ordnen. Als Jesus fragte: „Wer, sagt ihr, bin ich?“, bezog er sich mit dem Plural „ihr“ auf alle Jünger gemeinsam. Wir wissen jedoch nur, dass Petrus antwortete.

F: Wie konnte Petrus in Mt 16,16–17 dies allein durch den Heiligen Geist wissen?

A: Offenbar hatte Petrus noch nicht gehört, dass Jesus dies ausdrücklich behauptet hatte. Petrus sagte nicht: „Ich denke …“ oder „Ich hoffe …“, sondern er wusste es mit Sicherheit. Darüber hinaus wäre es eine Sache, wenn jemand Petrus diese Behauptung mitgeteilt hätte, und eine andere, wenn Petrus dies selbst geglaubt hätte.

F: Worüber können sich Katholiken und Protestanten in Bezug auf Mt 16,18 einig sein?

A: Es gibt sieben Punkte, über die sich Katholiken und Protestanten einig sein sollten.

1) Petrus ist der Fels, auf dem die Kirche erbaut ist. Die Kirche ist zweifellos auf dem „Felsen“ dieses Apostels erbaut; schließlich ist die Kirche gemäß Epheser 2,20a auf dem Fundament aller Apostel und Propheten erbaut. Petrus ist ein Hauptfundament der Kirche, aber er ist nicht das einzige Hauptfundament, denn in Offenbarung 21,14 heißt es, dass es zwölf Fundamente der Stadt des neuen Jerusalem gibt, und diese stehen für die zwölf Apostel Jesu.

2) Hier ist von Nachfolgern des Petrus keine Rede. Matthäus 16,16–18 sagt nichts über etwaige Nachfolger des Petrus aus. Tatsächlich findet sich in keinem Bibelvers ein Hinweis auf Nachfolger des Petrus.

3) Jesus, nicht Petrus, ist der Eckstein. Petrus ist kein wichtigerer „Fels“ als Jesus selbst, der Eckstein, wie es in Epheser 2,20b heißt. So wie ein Fels fest auf einem anderen ruht, hat uns Petrus selbst in Apostelgeschichte 4,10–11 und 1. Petrus 2,6–7 gesagt, dass der Fels oder Eckstein Jesus ist, ebenso wie Paulus in 1. Korinther 10,4. Petrus hat nie geschrieben, dass er selbst ein „Fels“ oder Eckstein sei, doch Paulus sagte in Epheser 2,20, dass alle Apostel das Fundament seien, obwohl Christus der Eckstein sei. Doch obwohl Jesus der Eckstein ist, spricht Jesus hier in Matthäus 16,16–18 nicht von sich selbst als dem Felsen.

4) Petrus war weder vor der Auferstehung (Matthäus 16,22–23) noch danach (Galater 2,11–14) in seinen Worten oder Taten makellos.

5) Dennoch sprach Petrus als Apostel mit Autorität (1. Petrus 1,1 und Apostelgeschichte 1,15–22), und wir sollen seine Lehre als solche anerkennen. Wie die ersten Christen sollen wir uns der Lehre der Apostel widmen (Apostelgeschichte 2,42).

6) Petrus wurden in Matthäus 16,19 die Schlüssel des Himmelreichs gegeben, die Macht, zu binden und zu lösen. Tatsächlich wurde allen Aposteln und der Gemeinde in Matthäus 18,18 dieselbe Macht, zu binden und zu lösen, verliehen.

7) Keine Lehre des Christentums kann grundlegender sein als das Bekenntnis, das Petrus hier ablegte. Wenn jemand nicht anerkennt, dass Jesus der verheißene Messias, der Sohn des lebendigen Gottes, ist, und wenn er nicht anerkennt, dass Jesus für unsere Sünden gestorben und von den Toten auferstanden ist (1. Korinther 15,1–11), dann ist sein Glaube vergeblich und wird ihn nicht in den Himmel bringen.

Frage: Was oder wer ist in Mt 16,18 der Fels?

A: Vielen Menschen entgeht, dass Petrus in Matthäus 16 nicht nur einmal, sondern zweimal mit einem „Felsen“ in Verbindung gebracht wird. In Matthäus 16,18 wird Petrus mit einem „guten“ Felsen, einem Grundstein, assoziiert. In Matthäus 16,23 wird Petrus mit einem „schlechten“ Felsen (in manchen Übersetzungen als „Anstoß“ bezeichnet) assoziiert, wörtlich jedoch mit einem Stolperstein. Wie kann Petrus beides sein? – Es handelt sich um Metaphern. Es gibt zwei Hauptansichten, und beide könnten zutreffen.

Der Felsen ist das Bekenntnis des Petrus zu Christus. Hier wurden nicht nur ein, sondern zwei verschiedene griechische Wörter für „Felsen“ verwendet. Simon wurde Petrus („Felsen“) genannt, weil er als Erster das Bekenntnis ablegte, dass Jesus der Christus ist. Jesus sprach Petrus in der zweiten Person („du“) an, doch „dieser Felsen“ steht in der dritten Person. Jesus und die Jünger, die aus Galiläa stammten, sprachen höchstwahrscheinlich Griechisch. Unabhängig davon, wie ein Christ diesen speziellen Vers auslegt, zeigen 1. Johannes 4,1–3 und 2. Johannes 7–10, dass jeder, der nicht anerkennt, dass Jesus im Fleisch gekommen ist, nicht angenommen oder willkommen geheißen werden sollte. 1. Korinther 15,1–4 zeigt, dass jeder, der nicht glaubt, dass Jesus für unsere Sünden gestorben und leiblich von den Toten auferstanden ist, vergeblich glaubt. 1. Korinther 12,3 lehrt, dass niemand sagt: „Jesus ist der Herr“, außer durch den Heiligen Geist. Praktisch gesehen ist die Kirche auf dem Bekenntnis zu Jesus Christus gegründet.

Der Fels ist Petrus selbst. Jesus und die Jünger beherrschten zweifellos Aramäisch, und so könnte Jesus hier Aramäisch gesprochen haben. Die beiden Wörter unterscheiden sich im Griechischen, da das eine weiblich und das andere ein männlicher Personenname ist. Im Aramäischen gibt es jedoch keine Endungen für Maskulinum, Femininum und Neutrum. Zudem sagt Papias, ein Schüler des Apostels Johannes, dass das Matthäusevangelium zunächst auf Hebräisch [womit vielleicht Aramäisch gemeint ist] verfasst und später ins Griechische übersetzt wurde. Im Aramäischen würde das identische Wort „kepha“ verwendet werden. Katholiken vertreten im Allgemeinen die Ansicht, dass der Fels hier Petrus ist, da sie glauben, dass dies die Auffassung stützt, die Kirche sei auf Petrus gegründet. Sie fügen hinzu, dass Petrus das Amt des Papstes an seine Nachfolger weitergegeben habe. Zwar gibt es in der Bibel keinen Hinweis auf diesen letzten Teil, doch stellt es für Protestanten kein Problem dar, Petrus hier ebenfalls als den Felsen zu interpretieren. Unabhängig davon, wie ein Christ diesen Vers auslegt, bestehen gute Fundamente aus Fels, und alle Apostel und Propheten sind gemäß Epheser 2,20 das Fundament der Kirche. Praktisch gesehen ist die Kirche auf der Bibel aufgebaut, die die Lehre der Apostel und Propheten darstellt.

Da Petrus mit zwei Arten von Felsen in Verbindung gebracht wird, würde ein Nicht-Römisch-Katholik leicht erkennen, dass beide Aspekte wahr und wichtig sind. Petrus ist ein Grundstein der Kirche, und die Neuerung, dass Päpste die Nachfolger Petri seien, ist für Römisch-Katholiken ein Stolperstein gewesen.

F: Was steht in Mt 16,18 nicht?

A: Es gibt mindestens acht wichtige Dinge, die dort NICHT gesagt werden.

1. Es heißt dort nicht, dass Petrus der Eckstein war, auf dem die Kirche erbaut wurde. Wäre dies der Fall, würde dies im Widerspruch zu Eph 2,20b stehen, wonach Christus der Eckstein ist.

2. Es schließt nicht aus, dass Petrus und die anderen Apostel der Fels sind, auf dem die Kirche erbaut ist. Wäre dies der Fall, würde es der Aussage in Epheser 2,20a widersprechen, dass die Kirche auf dem Fundament (den Felsen) der Apostel und Propheten erbaut ist, und es stünde im Widerspruch zu Offenbarung 21,14.

3. Es deutet nicht darauf hin, dass Petrus Nachfolger als Apostel hatte, noch wird ein Papst erwähnt. Tatsächlich wurden selbst in Nicäa vier Hauptkirchen anerkannt: Jerusalem, Konstantinopel, Rom und Alexandria.

4. Zwar heißt es, dass die Pforten der Hölle die Kirche nicht überwältigen werden, doch wird nicht gesagt, dass es dem Satan nicht gelingen würde, Verderbnis in die Kirche zu bringen. Tatsächlich wurde Papst Formosus nach seinem Tod vom nachfolgenden Papst wegen Ketzerei vor Gericht gestellt und für schuldig befunden. Diese Päpste wurden vor Gericht gestellt:

a) Die Päpste Zephyrinus und Callistus I., die der sabellianischen Häresie angehörten

b) Stephan VI. (896–897) und die Leichensynode. Man schnitt dem Leichnam von Papst Formosus die Finger ab. Er wurde später ermordet.

c) Coelestin V. (1294–1296). Nahezu alle seine Amtshandlungen wurden von seinem Nachfolger, dem rücksichtslosen Bonifatius VIII., für nichtig erklärt. Coelestin wurde nach seinem Rücktritt ermordet. Bonifatius ordnete einen Kreuzzug gegen die Familie Colonna an.

d) Bonifatius VIII. (1294–1303) war in zahlreiche Kriege verwickelt. Er verfasste die Bulle „Unam Sanctam“. Er starb kurz nach seiner Inhaftierung an „Kummer“.

e) Benedikt XI. (1303–1304) hob die päpstliche Bulle „Unam Sanctam“ von Bonifatius VIII. aus dem Jahr 1302 auf.

f) Clemens V. (1305–1314) stellte Bonifatius VIII. wegen Ketzerei und Sodomie vor Gericht.

g) 1328 setzte Kaiser Ludwig IV. von Bayern Papst Johannes XXII. wegen Ketzerei ab

h) 1328 – Marsilius von Padua, der spätere Erzbischof von Mailand, verfolgt katholische Geistliche, die Johannes XXII. treu ergeben waren

5. Es wird nicht versprochen, dass die Nachfolge der römischen Bischöfe ununterbrochen sein würde. Ein Papst stammte aus der Partei, die den vorherigen Papst ermordet hatte. Wenn dies die päpstliche Nachfolge nicht unterbricht, dann ist die päpstliche Nachfolge bedeutungslos.

Die folgenden drei Punkte stammen von dem römisch-katholischen Karl Keating.

6. Die falsche Person würde nicht Papst werden – „The Francis Feud“, S. 82–83. Lesen Sie weiter über Alexander VI., Bonifatius VIII., Julius II., der Städte in Italien angriff, oder Benedikt IX., der das Amt des Papstes verkaufte.

7. Schlechte Vorbilder: Gewalttätige, bösartige, unmoralische und nepotistische Männer würden nicht als Papst führen

8. Die Päpste versagten bei der Aufrechterhaltung der richtigen Lehre – „Katholizismus und Fundamentalismus“, S. 227

F: Hat Jesus in Mt 16,18 im Wesentlichen gesagt, dass Petrus der erste Papst war, wie es die katholische Kirche behauptet?

A: Dies wurde erstmals im Jahr 382 n. Chr. von Papst Damasus zur Untermauerung der päpstlichen Nachfolge herangezogen. Wie Dave Hunt in „A Woman Rides the Beast“, S. 101, schreibt: „Eines der frühesten Beispiele für mehrere Päpste entstand durch die gleichzeitige Wahl der Päpste Ursinus und Damasus durch rivalisierende Fraktionen. Den Anhängern des Ersteren gelang es nach viel Gewalt, ihn als Papst zu installieren. Später, nach einer blutigen dreitägigen Schlacht, ging Damasus mit der Unterstützung des Kaisers als Sieger hervor und amtierte 18 Jahre lang (366–384) als Stellvertreter Christi. Also eine ‚apostolische Sukzession‘ durch eine ‚ununterbrochene Linie von Petrus‘ mittels Waffengewalt? Wirklich?“

Aus demselben Buch, S. 135–136, sagt Bischof Joseph Hefele von Rottenburg: „‚Aber in all diesen Dokumenten [Geschichte und Lehren der Kirche] habe ich die Lehre [von der päpstlichen Unfehlbarkeit] nie aus einer glaubwürdigen Quelle gesehen.‘ … Von Döllinger, einer der großen Autoritäten der Kirchengeschichte jener Zeit, stimmte Hefele voll und ganz zu. Sein (von Rom verbotenes) Buch warnte vor dem bevorstehenden Versuch Pius’ IX., das Dogma der Unfehlbarkeit durchzusetzen, und erinnerte die Bischöfe, die sich versammeln würden, um über diese entscheidende Frage zu beraten: ‚Keines der alten Glaubensbekenntnisse, kein Katechismus, keines der zur Unterweisung des Volkes verfassten patristischen Schriften enthält auch nur ein Wort über den Papst, geschweige denn einen Hinweis darauf, dass alle Gewissheit des Glaubens und der Lehre von ihm abhängt.‘“

Augustinus von Hippo (388–430 n. Chr.) sagte: „Auf diesen Felsen, so sagte Er [Jesus], den du bekannt hast, werde ich meine Kirche bauen. Denn der Felsen (petra) ist Christus; und auf diesem Fundament wurde Petrus selbst erbaut.“ Anschließend zitiert Augustinus 1. Korinther 3,11 und erklärt, dass die Kirche symbolisch in Petrus, dem Felsen, verkörpert sei. (Zum Johannesevangelium, Traktat 124, Kap. 21,5, Band 7, S. 450.)

Frage: Inwiefern war „der Fels“ in Mt 16,18 das bedeutendste Wortspiel der gesamten Geschichte?

A: Jemand hat einmal gesagt: „Es war das einflussreichste Wortspiel der gesamten Geschichte.“ In gewisser Hinsicht ist diese Feststellung zutreffend, da diese Worte jahrhundertelang zur Stützung der Päpste herangezogen wurden.

Zwar dürfte unbestritten sein, dass Jesus beabsichtigte, Petrus und den anderen Aposteln die höchste Autorität auf Erden über die Kirche zu übertragen, doch hat Jesus niemals etwas über angebliche Nachfolger gesagt. Somit waren es nicht die Worte selbst, sondern ihre ungerechtfertigte Ausweitung auf die Päpste, die sie zum einflussreichsten Wortspiel der gesamten Geschichte machte.

Hätte Jesus jedoch Aramäisch gesprochen, wäre „Kephas/Cephas“ (massiver Felsen) zwar kein üblicher Vorname gewesen, doch würde es hier nicht als Wortspiel funktionieren.

Übrigens wies ein Leser darauf hin, dass das Wortspiel möglicherweise auf Hebräisch und NICHT auf Griechisch verfasst war. Im Hebräischen hätte es „Stein“ (eben) und „ich werde bauen“ (ebneh) lauten können. George Howard verweist beispielsweise auf eine hebräische Abhandlung aus dem 14. Jahrhundert, verfasst von einem Rabbiner namens Shem-Tob Ben Shaprut, in deren hebräischem Text es heißt: „Du bist ein Stein (eben) und auf dir werde ich (ebneh) mein Gebetshaus errichten.“ Weitere Informationen finden Sie unterwww.jerusalemperspective.com/Default.aspx?tabid=27&ArticleID=1859 .

F: Wurde der Name Petrus in Mt 16,18 in Qumran unter den Schriftrollen vom Toten Meer gefunden?

A: Nein. Es gab einen Bericht in einer Übersetzung einer Transkription von John Allegro in der heute als Schriftrolle 4Q432 bezeichneten Schriftrolle. Martin Abegg von der Trinity Western University erklärt jedoch in einer E-Mail, dass dieser Name nicht in 4Q432 vorkommt.

F: Welche drei sich ergänzenden Bedeutungen könnte dieser Vers in Mt 16,18 in Bezug auf die Pforten der Hölle haben?

A: Hier gibt es drei verschiedene Zusammenhänge, und in allen drei Fällen werden die Pforten der Unterwelt die Gemeinde nicht überwältigen.

Bei der Auferstehung, als Christus auferstand, nahm er die Heiligen des Alten Testaments mit sich in den Himmel, wie in Epheser 4,8–10 beschrieben.

Auf der Erde können die Pforten der Hölle derzeit die Ausbreitung des Reiches Gottes nicht aufhalten.

Bei der Entrückung wird Gottes Volk auferstehen, und ihre Leiber werden nicht im Grab verbleiben.

F: Was bedeutet dieses „Binden und Lösen“ in Mt 16,19?

A: Stellen Sie sich vor, Christen müssten heute versuchen, Sektenanhänger von irregeführten Christen und seltsame Lehren von gottgefälligen Lehren zu unterscheiden, wenn sie kein Neues Testament hätten. Das war die Situation in der Urkirche. Gott gab den Aposteln die Fähigkeit zur Unterscheidung und die Vollmacht, zu verkünden, was gute Lehre ist. Die Vollmacht zum Binden und Lösen, die Petrus in Matthäus 16,19 übertragen wurde, wird in Matthäus 18,18 der gesamten Kirche übertragen. Etwas Ähnliches wie dieses „Binden und Lösen“ – nämlich Sünden zu vergeben oder zu behalten – wird von Jesus in Johannes 20,23 allen Aposteln übertragen. In gewisser Weise tun die Apostel dies auch heute noch, in schriftlicher Form, durch das Neue Testament. Doch bevor das Neue Testament vollständig niedergeschrieben war, war es von großer Bedeutung, dass sie dies unmittelbar taten.

Manche sagen, es ging nicht darum, Schuld oder Unschuld festzustellen, sondern diese zu verkünden, so wie Petrus in Apostelgeschichte 5,1–10 Ananias und Saphira für schuldig erklärte, den Heiligen Geist belogen zu haben.

Andere sagen, dass die Begriffe „binden“ und „lösen“ aus dem rabbinischen Judentum stammten. Diese Begriffe bedeuteten, verschiedene Arten von Handlungen zu genehmigen oder zu verbieten.

F: Was genau waren in Mt 16,19 die Schlüssel des Himmelreichs?

A: Beachten Sie zunächst, dass es heißt: die Schlüssel des Himmelreichs, nicht der Kirche. Es werden mehrere Schlüssel erwähnt, und auch der Hades wird als Ort mit mehreren Toren beschrieben. Hier geht es nicht um Metall oder einen physischen Gegenstand. Es könnte sich entweder um die Botschaft des Evangeliums handeln oder darum, dass Petrus die Tür des Evangeliums für die Juden (Apostelgeschichte 2) und später für die Heiden in Apostelgeschichte 10 öffnete, wie es in der NIV Study Bible auf Seite 1466 heißt.

Jesus sagte außerdem in Matthäus 23,13, dass die Schriftgelehrten und Pharisäer den Menschen das Himmelreich verschlossen hätten. In Lukas 11,52 nahmen die Gesetzesgelehrten den Schlüssel zur Erkenntnis weg.

F: Könnten diese Schlüssel zum Himmelreich in Matthäus 16,19 weitergegeben werden?

A: Die Heilige Schrift deutet nicht einmal an, dass irgendwelche „Schlüssel“ weitergegeben werden könnten, außer dass Jesus diese allen Aposteln übergab. Dass Jesus den Aposteln jedoch im übertragenen Sinne sagte, sie hätten die „Schlüssel“, bedeutet nicht, dass Jesus selbst auf den Besitz der Schlüssel verzichtete, denn Jesus besitzt in Offenbarung 1,18 nach wie vor „die Schlüssel des Todes und der Unterwelt“.

Hypothetisch betrachtet würde selbst die Annahme, dass ein früherer Papst diese Schlüssel besaß und sie weitergeben konnte, keine päpstliche Nachfolge bedeuten, wenn diese unterbrochen worden wäre. Dass ein Papst die Schlüssel von einem abgesetzten Vorgänger übernimmt, klingt lächerlich. Wäre ein Papst völlig unmoralisch, wie beispielsweise Alexander VI. (1492–1503 n. Chr.), würde dies ebenfalls die päpstliche Nachfolge unterbrechen. Natürlich kann man von diesem Zeitpunkt an nicht weitergeben, was man nie besessen hat.

Wie schlimm waren manche Päpste? Laut Austins „Topical History of Christianity“, S. 148,

„Dann [nach 904] begann die sogenannte ‚Pornokratie‘, in deren Verlauf Theodora und ihre beiden Töchter, Theodora die Jüngere und Marozia, Rom und die Kirche selbst praktisch beherrschten. Als verführerische Dirnen hatten diese Frauen ihre Körper für Ämter, Titel und Ländereien verkauft, was ihnen weitreichende Macht verschaffte. Marozia unterhielt eine unerlaubte Affäre mit Papst Sergius III., aus der ein Sohn hervorging, der später Papst Johannes XI. wurde. Als Marozia sich zur Kaiserin krönen lassen wollte, entführte ihr jüngerer Sohn Alberich seine Mutter und sperrte sie ein, ließ seinen Halbbruder, den Papst, inhaftieren und wurde selbst Kaiser. Er regierte von 932 bis 954 und übte absolute Kontrolle über das Papsttum aus. Nach Alberichs Tod wurde sein Sohn Octavian zum Papst Johannes XII. gewählt und erwies sich als das verabscheuungswürdigste Mitglied dieser verdorbenen Familie.

b. Die Ottonische Herrschaft. Im Jahr 962 krönte der ruchlose Johannes XII. den deutschen König Otto I. zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. In der Annahme, einen Verbündeten in der Verderbtheit gefunden zu haben, musste Johannes bald feststellen, dass der neue Kaiser ein Mann von Charakter war, der sich der Wiederherstellung von Anstand und Ehre im Papsttum verschrieben hatte. Als Otto eine Synode einberief, um die Absetzung von Johannes zu erörtern, drohte der Papst allen mit der Exkommunikation, doch sie setzten ihn dennoch ab. Drei Monate später berief Johannes eine weitere Synode ein, die die Beschlüsse von Ottos Synode aufhob. Daher beschloss Otto, das Papsttum mit Gewalt von seinem bösen Herrscher zu befreien.

… Die folgenden zweiundvierzig Jahre [nach 1004] der päpstlichen Geschichte waren geprägt von intensiver Rivalität, opportunistischer Mittelmäßigkeit, geistiger Ohnmacht, Laster und Korruption. Sie schien ihren Tiefpunkt mit der Wahl eines verkommenen zwölfjährigen Jungen, Papst Benedikt IX. (1032–1045), zu erreichen, der nach schändlicher Ausschweifung und chaotischer Amtsführung die heilige Tiara (d. h. das Amt des Papstes) an den Meistbietenden verkaufte. Er war bekannt als Gregor VI. (1045–1046)....“

Der katholische Seminarprofessor Pacwa und andere Katholiken haben eine Antwort, die viele Protestanten verblüffen würde. Sie stimmen mit den Protestanten darin überein, dass viele Päpste gottlose Männer waren und wahrscheinlich in die Hölle gekommen sind. Da sie jedoch Päpste waren, müssen wir ihnen dennoch gehorchen.

Wenn ein Papst gewaltsam inhaftiert und abgesetzt wird, hat dann der neue, feindselige Papst die Autorität und das Recht auf Nachfolge des alten Papstes? Hätten die Christen damals die Drohung Johannes’ mit der Exkommunikation fürchten müssen? Hätten die Christen Ottos Kriegsvorbereitungen gegen den Papst unterstützen sollen? Unter welchen Umständen ist jemand, der sich den Titel des Papstes erkauft, ein Nachfolger des heiligen Petrus? Sicherlich sollte jemand, der in Apostelgeschichte 8,13–25 mit Simon verglichen wurde, nicht gehorcht werden, wenn er sich das Amt des Papstes erkauft hat???

F: Warum wollte Jesus in Mt 16,20 und Mk 8,30 nicht, dass die Jünger zu diesem Zeitpunkt anderen erzählten, er sei der Christus (d. h. der Messias)?

A: Beachten Sie zunächst, dass Jesus ihnen niemals gesagt hat, sie sollten lügen und leugnen, dass er der Messias sei, sondern lediglich, dass sie nichts darüber erzählen sollten. Dafür gibt es mindestens zwei mögliche Gründe.

1. Zu diesem Zeitpunkt seines Wirkens wollte Jesus, dass sie seine Worte hörten, bevor sie entschieden, ob er der Messias war oder nicht. Manchmal ist es besser, die Hörer des Evangeliums die Worte Jesu selbst hören zu lassen, als zu viel Zeit damit zu verbringen, das Evangelium „kontextualisieren“ und „an die heutige Zeit anpassen“ zu wollen.

2. Wie Matthäus 16,21 zeigt, mussten sich die Jünger zunächst absolut im Klaren darüber sein, wer Jesus war, bevor sie anderen davon erzählten.

Jesus verkündete dies öffentlich beim triumphalen Einzug am Palmsonntag. Natürlich wies Jesus sie später, nach der Auferstehung, in Matthäus 28,18–20 und in Apostelgeschichte 1,8 an, es der ganzen Welt zu verkünden.

F: Warum war das Bekenntnis des Petrus in Mt 16,21 und Mk 8,29 ein entscheidender Wendepunkt im Wirken Jesu?

A: Von dem Moment an, als sie erkannten, dass Jesus der Messias war, begann Jesus, ihnen zu lehren, dass er nach Jerusalem gehen müsse, um zu sterben. Sie mussten erst glauben, wer Jesus war, bevor sie verstehen konnten, warum Jesus für ihre Sünden sterben musste.

F: Warum begann Jesus genau zu diesem Zeitpunkt seines Wirkens – und nicht schon früher – in Mt 16,21 und Mk 8,31, ihnen zu sagen, dass er leiden und verworfen werden würde?

A: Jesus sprach erst davon, dass er leiden und getötet werden würde, als zumindest einer seiner Jünger erkannte und glaubte, dass Jesus der verheißene Messias war.

F: Warum wartete Jesus in Mt 16,21 bis zu diesem Zeitpunkt, um seinen Jüngern zu sagen, dass er leiden, sterben und von den Toten auferstehen würde?

A: Es war wichtig, dass die Jünger zunächst erkannten, dass er der Messias, der Sohn Gottes, war. Doch sobald sie dies erkannt hatten, ging Jesus zum nächsten Schritt über: Der Messias müsse leiden, sterben und wieder auferstehen. Möglicherweise wollte Jesus auch nicht, dass sie voreilige falsche Schlussfolgerungen darüber zogen, der Messias würde nun schon den Triumph über Rom erringen. Jesus hatte bereits zuvor in Matthäus 9,15; 10,38; 12,40; Johannes 2,19; 3,14 auf seinen Tod angespielt, doch hier verkündete er es zum ersten Mal offen.

Frage: Bedeutet die Aussage in Mt 16,21; 17,22; 20,19; Mk 8,31 – da Jesus nach drei Tagen oder am dritten Tag auferstehen würde –, dass er mindestens 24 × 3 = 72 Stunden tot war?

A: Nein, denn in Lukas 24,21 heißt es, dass der Tag der Auferstehung der dritte Tag war. Jesus starb am Freitagnachmittag und stand am Sonntag gegen Morgengrauen wieder auf. „Nach drei Tagen“ war eine bekannte hebräische Redewendung, die einen Teil oder die Gesamtheit von drei Tagen bedeutete. Hier sind fünf weitere Beispiele für diese „Drei-Tage-Redewendung“.

1. In Genesis 42,17 ließ Josef seine Brüder drei Tage lang gefangen halten. Doch in Vers 18 ließ er neun von ihnen am dritten Tag frei.

2. Rehabeam sagte in 2. Chronik 10,5 zum Volk: „Kommt in drei Tagen zu mir zurück.“ Doch in 2. Chronik 10,12 kehrte das Volk zurück und sagte: „Kommt am dritten Tag zu mir zurück.“

3. In 1. Samuel 30,12 sagte ein kranker ägyptischer Sklave zu David, er habe drei Tage und drei Nächte lang weder etwas gegessen noch etwas getrunken. Doch ein Mensch könnte draußen in der Wüste ohne jegliches Wasser keine 72 Stunden überleben. Zweifellos meinte der Sklave einen Teil von drei Tagen.

4. In Ester 4,16 fordert Ester auf, für sie zu fasten, „drei Tage lang, bei Tag und bei Nacht“, und sie selbst werde dasselbe tun. In Ester 5,1 heißt es jedoch, dass Ester „am dritten Tag“ ein Festmahl gab; es handelt sich also um einen zeitlichen Äquivalent.

5. In Bezug auf den Tod und die Auferstehung Christi sagte Jesus selbst in Matthäus 12,40: „drei Tage und drei Nächte“, in Markus 8,31: „am dritten Tag wird er auferstehen“, in Markus 14,58: „durch drei Tage“, in Johannes 2,19: „in drei Tagen“ und in Lukas 24,21: „Dieser dritte Tag ist heute“.

Zusammenfassend haben wir bewiesen, dass diese hebräische Redewendung „innerhalb von drei Tagen“ bedeuten kann und dass dieser Ausdruck von der Zeit Rehabeams bis zur Zeit Jesu gebräuchlich war.

F: Warum tadelte Jesus Petrus in Mt 16,22–23 und Mk 8,32–33 mit den Worten: „Weiche von mir, Satan“?

A: Petrus hatte menschliche Dinge im Sinn, nicht Gott. Satan benutzte Petrus, den engen Freund Jesu, um Jesus in Versuchung zu führen. Jesus erkannte die Versuchung jedoch als das, was sie war. Jesus wollte damit nicht sagen, dass Petrus von Dämonen besessen oder von Satan beherrscht war. Vielmehr erkannte Jesus, dass hinter dem Vorschlag Satan stand. Wenn Gott möchte, dass wir etwas für Ihn tun, und wir stattdessen einen Vorschlag für den einfachen Weg haben oder daran denken, sollten wir dies als das erkennen, was es ist: eine Versuchung durch Satan. Selbst wenn die Person es gut meint und ein Glaubensbruder ist, sollten wir erkennen, dass sie Ihnen dennoch einen Vorschlag machen könnte, der eine Versuchung Satans darstellt. Sowohl Satan in der Wüste als auch Petrus hier schlugen vor, dass Jesus das Königtum ohne das Leiden erlangen könnte. Wenn wir heute versuchen, Jesus zu unserem König und Erlöser zu machen, ohne das Kreuz oder ohne die Notwendigkeit dafür, untergraben wir Gottes Botschaft der Erlösung.

F: Wie konnte Petrus in Mt 16,22–23 und Mk 8,33 die Kühnheit aufbringen, Jesus zu korrigieren und zu tadeln?

A: Jesus wählte einen mutigen Jünger, als er Petrus auserwählte. Mut an sich ist weder gut noch schlecht. Mut, Gott nachzufolgen, ist gut, aber Mut, seinen eigenen Weg zu gehen, ist es in der Regel nicht.

F: Warum tadelte Petrus Jesus in Mt 16,22 hier törichterweise?

A: Petrus war der Meinung, dass Jesus Zurechtweisung und Rat benötigte. Auch heute noch können manche die Haltung einnehmen, dass sie es besser wüssten als Gott.

F: In Mt 16,23 und Mk 8,33: Auf welche Weise können Menschen heute die Dinge des Menschen statt der Dinge Gottes im Sinn haben?

A: Wir können Gottes Weisheit durch menschliche Weisheit ersetzen. Wir können beschließen, Dinge auf unsere Weise zu tun, wenn dies im Widerspruch zu Gottes Weg steht. Wir können vergessen, dass unsere Hoffnung auf Gott ruht, nicht auf unserer eigenen Kraft oder Weisheit. Wir können unsere eigenen irdischen Methoden anwenden. Schließlich können wir so darauf bedacht sein, unsere „Pflichten“ schnell zu erfüllen, dass wir die Gegenwart Gottes nicht mehr so sehr genießen und eine Art „Fast-Food“-Anbetung einer hingebungsvollen Hingabe an Gott vorziehen.

Sie haben nicht von ganzem Herzen „Ja“ zu Gott gesagt, solange Sie nicht auch „Nein“ zu sich selbst gesagt haben.

F: Warum erwähnte Jesus in Mt 16,24 hier das Kreuz, noch bevor er seinen Jüngern sagte, dass er gekreuzigt werden würde?

A: Jesus wusste bereits, dass er gekreuzigt werden würde, bevor er dies seinen Jüngern mitteilte. Sie alle wussten bereits über die Kreuzigung Bescheid, da die Römer häufig Rebellen und Räuber kreuzigten. Die Kreuzigung sollte für andere ein Anreiz sein, sich an die Regeln zu halten. So wie die revolutionären Zeloten für eine kleine, irdische Sache die Kreuzigung riskierten, sollten die Jünger bereit sein, die Kreuzigung für eine himmlische Sache zu riskieren, die es mehr wert war. Letztendlich erlitten alle zwölf Apostel den Märtyrertod für ihren Glauben, mit Ausnahme von Johannes, der nach Patmos verbannt wurde und eines natürlichen Todes starb.

F: Wird Jesus in Mt 16,27 in der Herrlichkeit des Vaters kommen oder in seiner eigenen Herrlichkeit, wie es in Joh 1,14 heißt?

A: In Joh 1,14 heißt es, dass sie etwas von der Herrlichkeit Jesu gesehen haben. Zum Beispiel sahen sie etwas von dieser Herrlichkeit zu Pfingsten. Matthäus 16,27 bezieht sich auf ein Ereignis in ferner Zukunft, wenn Jesus wiederkommt. Mit anderen Worten: Sie haben noch gar nichts gesehen!

F: Bezieht sich Mt 16,27 nicht auf das Ende der Welt, sondern auf die höchste Offenbarung Bahá’u’lláhs, wie es die Bahá’í in „Bahá’u’lláh und das neue Zeitalter“, S. 268–269, lehren?

A: Nein, lesen Sie den Vers genauer. Dort heißt es, dass der Menschensohn in der Herrlichkeit seines Vaters mit seinen Engeln kommen und jeden Menschen entsprechend seinen Taten belohnen wird. Die Menschen sahen keine Engel bei Bahá’u’lláh, und Bahá’u’lláh belohnte weder die gläubigen Bahá’í, die ins Exil geschickt wurden oder starben, noch die Muslime, die ihn verfolgten.

F: Was meinte Jesus in Mt 16,28 und Mk 9,1 damit, dass einige den Tod nicht schmecken würden, bis sie das Reich Gottes mit Macht kommen sähen?

A: Zunächst einmal, was die Antwort nicht ist, und dann, was sie ist.

X1. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass Jesus lehrte, die Jünger würden noch lange am Leben bleiben. Tatsächlich wissen wir aus der Kirchengeschichte, dass elf der zwölf Apostel den Märtyrertod starben. Nur einer, Johannes, starb eines natürlichen Todes. Er litt jedoch dennoch unter dem Exil auf der Insel Patmos.

X2. Es bezieht sich NICHT auf das tausendjährige Reich in Offenbarung 20,1–6.

X3. Es kann sich nicht auf die Reinkarnation beziehen, bevor sie den Menschensohn in seinem Reich kommen sehen. Nicht nur ist die Reinkarnation nicht wahr, sondern selbst wenn sie wahr wäre, würden Menschen, die wiedergeboren werden, dennoch den Tod erleben.

X4: Einige vertreten die Ansicht, es handele sich um die Verklärung, die kurz danach stattfand. Wenn Petrus in 2. Petrus 1,16–18 davon spricht, Augenzeugen seiner Herrlichkeit gewesen zu sein, heißt es in „1001 Bible Questions Answered“, S. 299–300, dass dies darauf hindeute, dass Petrus es so verstanden habe.

Die Antwort: Es bezieht sich darauf, als Jesus durch die Kreuzigung Sein Reich „eroberte“, wie die Auferstehung beweist. Er trat in Sein Reich ein, nachdem Er über Satan triumphiert hatte. Christen sind sich uneinig darüber, ob der Beginn mit der Auferstehung oder mit Pfingsten zusammenfiel, doch dies ist ein sehr nebensächlicher Punkt.

Matthäus legt einen besonderen Schwerpunkt auf das Himmelreich. Das Himmelreich würde zunächst sichtbar klein sein wie ein Senfkorn (Matthäus 13,31); wie Hefe wäre es nicht sichtbar, doch seine Wirkung würde im Teig der Welt sichtbar werden (Matthäus 13,33); doch am Ende werden Engel alles, was Sünde verursacht, und alle, die Böses tun, aus dem Himmelreich aussortieren (Matthäus 13,41–42). Das Himmelreich gleicht einem vergrabenen Schatz, den man heimlich findet (Matthäus 13,44), doch es ist äußerst wertvoll, wie ein Kaufmann, der alles verkauft, um eine kostbare Perle zu erwerben (Matthäus 13,45–46). So wie es das Gleichnis vom Netz in Matthäus 13,47–50 zeigt, ist das Himmelreich etwas in diesem Leben, das sowohl gute als auch schlechte Fische enthält, aber es findet auch seine endgültige Erfüllung am Ende der Zeit. Das Reich Gottes war in uns (Lk 17,21).

Petrus in Matthäus 16,19 und später auch den anderen Aposteln wurden die Schlüssel des Reiches Gottes übergeben.

Beim Letzten Abendmahl sagte Jesus, er werde nicht mehr von der Frucht des Weinstocks trinken, bis er sie mit ihnen im Reich des Vaters erneut trinke (Matthäus 26,29). Nach seiner Auferstehung aß und trank Jesus mit den Jüngern.

Zusammenfassung: Die Jünger, die ein normales Leben führten, sagen, dass das Himmelreich nach der Auferstehung Jesu auf die Erde gekommen sei. Während die Juden vielleicht auf ein militärisches Königreich gehofft hatten, das die Römer stürzen würde, lehrte Jesus, dass das Reich wie ein Senfkorn, wie Hefe oder wie eine kostbare Perle sei. Es war klein, zunächst kaum zu erkennen, von großem Wert und würde große Auswirkungen haben.

Frage: Warum wurde Jesus in Mt 17,1–8 verklärt?

A: Die Heilige Schrift gibt zwar keine Antwort darauf, doch könnte es eine Kombination verschiedener Gründe gewesen sein, die sowohl die Jünger als auch Jesus selbst betrafen.

1. Für die Jünger war diese Offenbarung ein Zeichen zur Bestätigung ihres Glaubens sowie zur Ermutigung und Stärkung der drei Jünger, die Zeugen dieses Ereignisses waren. Vielleicht war es sinnvoll, den Glauben dieser drei vor der Kreuzigung zu stärken.

2. Sie hob die drei Jünger als Führer der übrigen hervor.

3. Der Vater und der Heilige Geist hätten dieses Ereignis nutzen können, um Jesus zu stärken und ihn darüber zu unterweisen, was er im Vorfeld der Kreuzigung zu tun habe und was zwischen der Kreuzigung und der Auferstehung von den Toten zu tun sei.

4. Es könnte ein Zeugnis dafür sein, dass Jesus als der vollkommene, sündlose Mensch „bestanden“ hatte, und nun drehte sich das anschließende Gespräch um seine Kreuzigung.

Jesus hatte bereits zuvor zahlreiche Beweise Seiner Macht erbracht. Doch all diese Wunder sind das, was Jesus tat oder zu tun imstande war – nicht einfach das, was Er war. Manchmal müssen wir eine Pause vom Dienst und von anderen Tätigkeiten einlegen und einfach Zeit allein mit dem Herrn verbringen, um uns darauf zu konzentrieren, wer Er ist.

Natürlich ist Gott nicht verpflichtet, uns die Gründe für alles zu erklären.

F: Auf welchen Berg führte Jesus sie in Mt 17,1 hinauf?

A: Es handelte sich wahrscheinlich um den Berg Meron mit einer Höhe von etwa 3.926/3.963 Fuß bzw. 1.204 Metern. Es war wahrscheinlich nicht der Berg Hermon (9.232 Fuß), der schneebedeckt war und auf dem es keinen Sinn gemacht hätte, die Nacht zu verbringen. Sie sind wahrscheinlich auch nicht auf den Gipfel des Berges Tabor (1.900 Fuß, wie Cyrill von Jerusalem und Hieronymus annahmen) gestiegen, da sich dort eine römische Festung befand.

Der Berg Meron ist eine fünf- bis achtstündige Wanderung mittleren Schwierigkeitsgrades. Im Winter liegt auf dem Gipfel oft etwas Schnee, während der Rest des Jahres jedoch nicht.

F: War die Verklärung in Mt 17,1–8 eine Auferstehung oder eine Vision?

A: Es war nicht genau das eine oder das andere. Mose und Elija waren tatsächlich anwesend, zumindest im Geiste, und sprachen mit Jesus. Die Heilige Schrift sagt nicht, ob sie in körperlicher Gestalt erschienen oder nicht. Mose und Elija kamen in einer leuchtenden Wolke und verschwanden dann wieder. Elia wurde in einem Wirbelwind in den Himmel aufgenommen (2. Könige 2,1), und obwohl Mose starb, wurde sein Leichnam nie gefunden (5. Mose 34,6), und der Teufel stritt mit dem Erzengel Michael um den Leichnam des Mose (Judas 9).

F: Warum wurden die Kleider Jesu in Mt 17,2 und Mk 9,3 so weiß?

A: Die Heilige Schrift sagt nicht, warum die Gewänder weiß wurden (oder hell leuchteten), als die Herrlichkeit offenbar wurde. Weitere Beispiele für weiße Gewänder in Herrlichkeit sind Engel, die erschienen sind.

F: Wie wussten Matthäus und Markus in Mt 17,3–4 und Mk 9,4, dass es sich um Mose und Elija handelte?

A: Wahrscheinlich, weil Petrus oder Jakobus und Johannes es ihnen sagten. Woher wussten Petrus, Jakobus und Johannes das? Entweder hörten sie, wie Jesus sie namentlich ansprach, oder Jesus erzählte es ihnen anschließend, oder der Vater teilte es ihnen direkt mit.

F: Warum wollte Jesus in Mt 17,9 und Mk 9,9 ausdrücklich nicht, dass die Jünger jemandem von der Verklärung erzählten, bis Jesus von den Toten auferstanden war?

A: Viele der Juden lehnten Jesus als den Messias ab; wie hätten sie da jemals an die Verklärung glauben sollen? Es ist unerlässlich, zu glauben, dass Jesus der Messias, der Sohn Gottes, war. Es war nicht unerlässlich, über nebensächliche Themen wie die Verklärung Bescheid zu wissen oder daran zu glauben. Wenn jemand Jesus nach dem Anblick der Wunder nicht als den Messias akzeptierte, ist es unwahrscheinlich, dass er aufgrund eines Berichts über die Verklärung glauben würde. Nachdem Jesus von den Toten auferstanden war, hätte jemand, der an Jesus glaubte, keine Schwierigkeiten gehabt, die Verklärung anzunehmen.

Ebenso sollten Sie, wenn Sie mit anderen über Christus sprechen – insbesondere beim ersten Mal –, unter all den Themen, über die Sie sprechen könnten, darauf achten, diese kostbare Zeit dafür zu nutzen, über das Wesentliche zu sprechen.

Petrus, Jakobus und Johannes hätten herumziehen und allen von der Verklärung erzählen können, und vielleicht hätten mehr Menschen ihre geistige Gesundheit in Frage gestellt, als ihnen zu glauben. Doch dieser Bericht aus zweiter Hand wäre im Vergleich zur bald stattfindenden Auferstehung nicht sehr bedeutsam gewesen. Manchmal möchten wir, wenn wir mit anderen sprechen, keine „nur mäßig überzeugenden“ Aspekte des Christentums ansprechen, sondern lieber die „äußerst überzeugenden“.

F: In Mt 17,11–13: Inwiefern war Johannes der Täufer der Elia, der kommen sollte?

A: Zunächst werden wir über Elia sprechen, danach über Johannes den Täufer.

Elia selbst war bei der Verklärung anwesend. In Matthäus 17,11 sagt Jesus, dass Elias Wiederherstellung aller Dinge in der Zukunft liegt und dass Elia selbst vor der Wiederkunft Jesu erscheinen wird. Manche glauben, Elia sei einer der beiden Zeugen in Offenbarung 11,3–12.

Johannes der Täufer kam im Geist und in der Kraft Elias, und es ist Johannes der Täufer, auf den sich Jesus in Matthäus 17,12–13 metaphorisch bezieht.

In einem Theaterstück kann jemand während einer Probe für einen Schauspieler einspringen, während der Schauspieler selbst bei der Aufführung auftritt.

Fazit: Beim ersten Kommen trat Johannes der Täufer in der Rolle Elias auf, doch dies schließt nicht aus, dass Elia selbst vor der Wiederkunft erscheinen wird.

Frage: In Mt 17,12 und Mk 9,11–13: Inwiefern erfüllte Johannes der Täufer die Prophezeiung über Elia? War er die Reinkarnation Elias?

A: Nein, denn die Reinkarnation ist falsch, wie Hebräer 9,27 und Römer 9,11 zeigen. Beim ersten Kommen Jesu hatte Johannes den Zweck und den Auftrag Elias. Natürlich erschien Elia (nicht Johannes) selbst kurz bei der Verklärung. Viele glauben, dass Elia einer der beiden Zeugen sein wird, die unmittelbar vor der siebten Posaune in Offenbarung 11,3–12 erscheinen. Als Jesus (das erste Mal) kam, lag es nicht daran, dass Elia und Mose nicht anwesend waren, dass das Reich Gottes zu jenem Zeitpunkt auf Erden noch nicht vollständig errichtet wurde. Sie waren anwesend.

F: Warum verletzen Dämonen in Mt 17,14–16 und Lk 9,37–39 oft die Menschen, von denen sie Besitz ergriffen haben?

A: Ein Grund könnte schlichtweg der Hass auf Menschen sein. Ein zweiter Grund könnte jedoch den Gründen ähneln, aus denen böse Menschen oft jenen Schaden zufügen, die ihnen geholfen haben. Für eine logische, ja sogar grausam logische Erklärung hierfür spricht Machiavellis verwerfliches Werk „Der Fürst“ von Fällen, in denen ein Söldnerführer gefährlich ist, solange er einem Fürsten dient, und noch gefährlicher, wenn er überläuft. Er schrieb, dass die sicherste Vorgehensweise oft die Ermordung sei, selbst wenn sich die Person in der Vergangenheit stets als loyal erwiesen habe! Wenn jemand mit dem Bösen herumtollt, sollte er sich nicht wundern, wenn ihm von denen, denen er geholfen hat, Böses angetan wird.

F: In Mt 17,15 lautet der Begriff für Epilepsie wörtlich „mondgeschlagen“. Gibt es einen Zusammenhang zwischen epileptischen Anfällen und den Mondphasen?

A: Die Menschen der Antike glaubten dies offenbar, da sie diesen Begriff verwendeten. In der heutigen Zeit sind wir uns darüber nicht sicher. Ein Artikel von Sallie Baxendale und Jennifer Fisher aus dem Jahr 2008 in der National Library of Medicine mit dem Titel „Moonstruck? The effect of the lunar cycle on seizures“, https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/18602495/. Sie untersuchten 1.571 Anfälle und stellten einen Zusammenhang zwischen der Dunkelheit des Nachthimmels und den Anfällen fest. Ausschlaggebend war die Helligkeit des Nachthimmels, nicht die Mondphase, da sie die Auswirkungen der Wolkendecke herausrechneten. Demgegenüber fand ein Artikel von C. L. Raison et al. aus dem Jahr 1999 unter https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/10363673/ keinen Zusammenhang. Die Autoren vermuteten, dass möglicherweise ein Zusammenhang zwischen Anfällen und einem Mangel an gutem Nachtschlaf bestehe. Wenn man sich in einem Haus mit dichten Vorhängen befände, spiele die Helligkeit des Mondes natürlich möglicherweise keine Rolle.

F: Warum konnten die Jünger in Mt 17,15–21, Mk 9,17–18, 28–29 und Lk 9,40 diesen Dämon nicht austreiben?

A: Es lag weder an der Person der Jünger noch an einer Begrenzung der göttlichen Macht. Vielmehr hielten sie die Fähigkeit, Dämonen auszutreiben, zu dieser Zeit für selbstverständlich und beteten oder fasteten nicht – vielleicht aus Stolz oder Selbstgefälligkeit. Auch heute erzielen manche Christen nicht die Ergebnisse, die sie erzielen sollten, weil sie sich nicht die Zeit zum Beten und Fasten nehmen.

F: Sollten wir gemäß Mt 17,15–21; Mk 9,17–18,28–29 und Lk 9,40 bei der Austreibung von Dämonen die Hände auflegen, oder handelt es sich dabei lediglich um eine symbolische Geste?

A: Unsere Hände sind nicht magisch. Doch so wie es uns beim Gebet helfen kann, in verschiedenen Haltungen zu beten, ist es in Ordnung und biblisch, einem von Dämonen besessenen Menschen die Hände aufzulegen. Es ist jedoch nicht zwingend erforderlich, sodass „der Dämon nicht ausgetrieben werden kann, wenn wir ihm nicht die Hände auflegen“.

F: Wird in Mt 17,15–21 der ausgetriebene böse Geist zurückkehren und die schwächere Person im Team angreifen, die versucht, den Dämon auszutreiben?

A: Dämonen besetzen keinen wahren Gläubigen, aber sie können einen Gläubigen bedrängen und ihn auf diese Weise durch stärkere Versuchungen, Angst, Depressionen und andere Mittel angreifen, um seinen Blick von Jesus abzulenken. Daher sollten die Teammitglieder in enger Gemeinschaft mit dem Herrn leben.

Übrigens birgt die Dämonenaustriebung noch eine weitere Gefahr. Wenn die Person, aus der der Dämon ausgetrieben wurde, Christus nicht in ihrem Herzen aufnehmen möchte, können die Dämonen zurückkehren und sogar weitere mitbringen. Siehe Matthäus 12,43–45 und Lukas 11,24–26.

F: In Mt 17,15–21 praktizieren einige Gemeinden, dass die Familie die von Dämonen besessene Person in die Kirche bringen muss und nicht zu ihr nach Hause gehen darf. Liegt das daran, dass es sicherer ist, einen Dämon in der Kirche auszutreiben als in einem Privathaushalt?

A: Ich denke, sowohl die Kirche als auch das eigene Zuhause sind in Ordnung. Wenn möglich, würde ich es jedoch nicht in einem Haus durchführen, in dem sich Götzenbilder (Buddhas usw.) befinden oder in dem Astrologie oder Wahrsagerei praktiziert wird.

F: In Mt 17,15–21 geht es um eine nichtchristliche Frau, die von einem bösen Geist besessen ist, und deren Ehemann zunächst nichts dagegen einzuwenden hat. Nach zwei bis drei Besuchen ändert der Ehemann jedoch seine Meinung, heißt das Team nicht mehr willkommen oder hindert es daran, zu kommen, während die Ehefrau weiterhin offen dafür ist – wie ist unsere Haltung in diesem Fall? Muss sie ihrem Ehemann gehorchen?

A: Das ist eine schwierige Situation. Ehefrauen sollen ihren Ehemännern gehorchen, doch in erster Linie müssen sie Gott gehorchen. Wenn der Ehemann der Ehefrau also etwas befiehlt, das unbiblisch ist, muss die Ehefrau dem Ehemann in diesem Punkt nicht gehorchen. In anderen Punkten sollte sie ihm jedoch weiterhin gehorchen. Wenn die Ehefrau jedoch möchte, dass die Christen kommen, glaube ich nicht, dass sie von einem Dämon besessen ist; sie könnte allerdings unter dem Angriff eines Dämons stehen. Ist die Ehefrau bereit, die Gemeinde zu besuchen? Wenn der Ehemann nicht möchte, dass die Ehefrau mit Gläubigen Umgang pflegt, und Hebräer 10,25 uns gebietet, das gemeinsame Zusammenkommen nicht zu versäumen, ist es die Pflicht der Ehefrau, in erster Linie Gott zu gehorchen.

F: Was ist in Matthäus 17,15–21 der Fall, wenn sich die besessene Person während der Seelsorge selbst verletzt oder aus einem Fenster springt und ein Familienmitglied beschließt, eine Beschwerde einzureichen oder eine Klage gegen den Teamleiter oder das Team anzustrengen – wie steht die Gemeinde dazu?

A: Das ist durchaus möglich; Menschen können Klagen einreichen und anderen praktisch alles vorwerfen. Unabhängig davon sollten Gemeindemitglieder jedoch Vorsichtsmaßnahmen zur Sicherheit der betroffenen Person treffen.

F: Müssen wir gemäß Mt 17,15–21 die Pastoren informieren und deren Zustimmung einholen, bevor wir eine von Dämonen besessene Person besuchen?

A: Ich würde Ihnen dringend raten, Ihren Pastor oder die Ältesten darüber in Kenntnis zu setzen. In Hebräer 13,17 heißt es, dass wir denen gehorchen sollen, die über uns herrschen, und damit sind Pastoren und Älteste gemeint.

F: Warum und über wen war Jesus in Mt 17,17 verärgert?

A: Jesus sprach von dieser ungläubigen und verdorbenen „Generation“, was entweder eine Gruppe von Menschen bedeuten könnte, die zu dieser Zeit lebten, oder eine bestimmte Volksgruppe wie die Juden. Unabhängig davon bezieht sich diese Zurechtweisung jedoch auch auf die neun Jünger. Den Jüngern war bereits die Kraft zur Heilung verliehen worden, doch peinlicherweise versagten sie nun und konnten diesen Fall nicht heilen. Jesus beklagte den allgemeinen Mangel an Glauben der Menschen jener Kultur, zu der auch die Jünger gehörten. „Geringer Glaube“ bezieht sich nicht auf ein „kleines Stückchen“ Glauben, sondern vielmehr auf einen Mangel an Glauben.

F: In Mt 17,17: Auf welche Weisen könnte Gott Ihrer Meinung nach heute durch den Mangel an Glauben der Gläubigen verärgert sein?

A: Das kann auf vielfältige Weise geschehen. Manchmal könnten unsere Sorgen und Ängste einen Mangel an Vertrauen in Gott offenbaren. Manchmal zögern Christen eher, Gottes Willen zu tun, wenn sie ein Risiko für ihre eigene Sicherheit, die Sicherheit ihrer Angehörigen oder ihren Wohlstand sehen. Manchmal tun Christen Dinge nur „halbherzig“, um sich sozusagen abzusichern, anstatt sich voll und ganz einzubringen. Manchmal wollen Christen Gottes Willen mit weltlichen Methoden umsetzen, weil sie aufgrund ihres mangelnden Glaubens das Gefühl haben, dies tun zu müssen. Manchmal ist es eine „Ich schaffe das schon alleine“-Mentalität, bei der sie es versäumen, die Führung des Herrn zu suchen.

F: Warum sagte Jesus in Mt 17,25–27, dass die Söhne von der Steuer befreit seien, obwohl Jesus selbst Steuern zahlte?

A: Stellen Sie sich vor, Sie könnten Jesus sehen und Ihm jede beliebige Frage stellen. Wäre die brennendste Frage, die Ihnen durch den Kopf gehen würde: „Zahlen Sie die Tempelsteuer?“ Es erscheint fast komisch, dass der Schöpfer und Herr der Erde aufgefordert wird, Steuern zu zahlen. Dennoch tat Jesus dies gnädigerweise und ohne zu murren, um niemanden zu verärgern. Zwar wird in Vers 24 nicht näher angegeben, um welche Art von Steuer es sich handelt, doch der Betrag von zwei Drachmen (ein halber Schekel) würde eine jährliche Steuer bedeuten, die von allen jüdischen Männern ab zwanzig Jahren sowohl in Israel als auch außerhalb für den jüdischen Tempel im März fällig war – und nicht eine Steuer an die römische Regierung. Dies war die Steuer zu Jesu Zeiten, wie Josephus in „Antiquitates Judaicae“, Buch 3, Nr. 193–196; Buch 18, Kap. 312, sowie in der Mischna, Traktat „Shekalim“, beschreibt. Vers 25 hingegen, der sich auf die Könige der Erde bezieht, bezieht sich eindeutig auf die römische Steuer.

Abgesehen von diesem Beispiel gebietet auch Römer 13,6–7 den Gläubigen, Steuern an die Regierung zu zahlen, selbst an eine so korrupte Regierung wie das Römische Reich.

Manche Menschen könnten die Worte Jesu fälschlicherweise als vage interpretieren, da Jesus dies hypothetisch sagte: Während alles, was dem Kaiser zusteht, ihm gegeben werden sollte, sollte den Römern tatsächlich nichts zustehen. Hätte Jesus dies jedoch gemeint, wäre es entweder sinnlos gewesen, sie einen Denar vorzeigen zu lassen, oder – schlimmer noch – die Menschen in die Irre zu führen.

F: Haben in Mt 17,25–27 auch die anderen Jünger die Tempelsteuer gezahlt?

A: Die Heilige Schrift sagt dazu nichts. Entweder haben sie es vermutlich getan, oder sie wären davon befreit gewesen, wenn sie unter 20 Jahre alt waren. Viele der Jünger lebten nach der Auferstehung Jesu noch 30 oder 40 Jahre weiter; daher könnte Jesus junge Männer ausgewählt haben.

F: Warum ärgern wir uns in Mt 17,27 manchmal über andere, und wie sollten wir reagieren, wenn dies der Fall ist?

A: Wenn jemand etwas Schlechtes tut, wovon wir es ohnehin erwartet haben, macht uns das normalerweise nicht allzu wütend. Was uns jedoch auf die Palme bringen kann, ist, wenn wir höhere Maßstäbe oder Erwartungen an jemanden oder eine Gruppe von Menschen haben und diese uns enttäuschen oder hintergehen. Bevor wir jedoch aus der Haut fahren und die Beherrschung verlieren, sollten wir uns daran erinnern, wie wir Jesus manchmal auf die Palme bringen könnten. Zweitens müssen wir bedenken, dass sie sich vor ihrem Herrn verantworten müssen – und wir sind nicht ihr Herr, sondern Gott ist es. Und schließlich: Hätten wir diese Erwartungen überhaupt erst stellen sollen? Anstatt lediglich auf unsere Gefühle der Enttäuschung zu „reagieren“, sollten wir angemessen „reagieren“, je nachdem, was in dieser Situation das Beste ist. Wenn eine Reaktion offensichtlich nicht funktioniert, sollten Sie vielleicht innehalten und anders reagieren. Denken Sie schließlich an Jakobus 1,20: „Denn der Zorn des Menschen bringt nicht die Gerechtigkeit Gottes hervor.“

F: Wie lenken Sie in Matthäus 18,1–6 das Gespräch in die richtige Richtung, wenn jemand – insbesondere ein Christ – sich darauf konzentriert, die falsche Frage zu stellen?

A: Mit Geduld und Fingerspitzengefühl. Eine Zurechtweisung ist hier möglicherweise nicht hilfreich, da die Denkweise der betreffenden Person möglicherweise zu verworren ist, um dies zu erkennen. In diesem Fall war es nicht so, dass die Frage unlogisch oder unsinnig war, sondern dass die Prioritäten falsch gesetzt waren. Jemandem lediglich zu sagen, dass seine Prioritäten falsch sind, ist an sich nicht sehr hilfreich; Sie sollten ihm sagen – oder noch besser: ihm zeigen –, wie seine Prioritäten aussehen sollten.

F: Was sollten Sie gemäß Mt 18,1–6 tun, wenn Sie Rivalitäten unter Gläubigen feststellen?

A: Es gibt sieben Schritte, die wir unternehmen können.

1) Beten Sie für sie – oder für beide Parteien –, dass sie ihre Situation so sehen, wie Gott sie sieht, und dass sie das Herz und den Mut haben, ihren Kurs zu ändern und Gottes Führung zu folgen.

2) Versuchen Sie, ihre Denkweise zu verstehen – warum sie glauben, dass sie so empfinden sollten.

3) Beachten Sie, dass Jesus sie nicht dafür verurteilt hat, dass sie diese Frage gestellt haben, und auch Sie sollten sie nicht verachten. Doch wie Johannes Chrysostomos (gest. 407 n. Chr.) sagte: „Wir sind nicht einmal in der Lage, die Fehler der Zwölf zu erkennen; wir fragen nicht, wer im Himmelreich der Größte ist, sondern vielmehr, wer im irdischen Reich der Größere ist: je reicher, desto mächtiger.“ (Predigten über Matthäus, Predigt 58, NPNF1, S. 360)

4) Achten Sie darauf, ein Vorbild zu sein und ein dienendes Herz zu pflegen, indem Sie andere für wichtiger halten als sich selbst (Philipper 2,3).

5) Versuchen Sie, ihnen zu helfen, ihre Rivalität als eine Sünde zu erkennen, die sie ändern müssen.

6) Ermutigen Sie sie, zusammenzuarbeiten.

7) Wir sollten alle wie Kinder sein (im positiven Sinne), denn wir sind alle Kinder Gottes.

F: In Mt 18,5 und Mk 9,35–37: Inwiefern gleicht das Aufnehmen eines Kindes im Namen Jesu dem Aufnehmen Jesu selbst?

A: Jesus betonte, dass es keinen Unterschied gibt zwischen dem herzlichen Empfang seiner Person im Fleisch und dem Empfang anderer im Namen Jesu. In der Antike wurde ein Gesandter des Königs als Vertreter des Königs königlich behandelt.

F: Sollten wir gemäß Mt 18,8 und Mk 9,43.47 unsere Hand abhauen oder unser Auge ausreißen, wenn es uns zur Sünde verleitet?

A: Nein, aus dem einfachen Grund, dass unsere Hände und Augen uns nicht zur Sünde verleiten. Jesus sagt damit, dass die Sünde so schwerwiegend ist, dass es besser wäre, so drastische Maßnahmen zu ergreifen, wie diese Gliedmaßen zu verlieren, als zu sündigen. Es ist besser, ein Glied abzuschneiden, als an Wundbrand zu sterben. Von Zeit zu Zeit müssen wir alle eine „Realitätsprüfung“ an uns selbst vornehmen. Fragen wir uns: Verbessert sich unsere Beziehung zu Christus, oder entfernen wir uns gerade von ihm?

F: Beweisen die Verweise auf das unauslöschliche Feuer in Mt 18,9 und Mk 9,43–44.48 eine ewige Strafe?

A: Sie deuten auf die Wahrheit der ewigen Strafe hin, beweisen sie jedoch nicht, denn es könnte sein, dass das Feuer ewig ist, die Menschen, die darin überleben, jedoch nicht. In diesem Fall müsste das Feuer natürlich über einen anderen Brennstoff oder eine andere Quelle verfügen, um am Leben zu bleiben.

F: Hat Gott der Vater in Mt 18,10 ein Gesicht?

A: Nein. Man würde nicht erwarten, dass Jesus an dieser Stelle eine detaillierte Lehre über die Nähe und die Wahrnehmung der Engel in den Dimensionen des Himmels erteilt. Vielmehr verwendete Jesus lediglich eine Metapher, um auszudrücken, dass die Engel, die über diese Kleinen wachen, direkten Zugang zum Vater haben. Es gibt jedoch keinen Hinweis darauf, dass andere Engel nicht ebenfalls direkten Zugang zum Vater hätten.

F: Da Gott in Mt 18,14 nicht will, dass auch nur einer der Kleinen zugrunde geht, warum gehen dann Menschen zugrunde?

A: Dies sind zwei Fragen in einer: Warum sterben Säuglinge, und warum kommen Menschen in die Hölle?

Babys sterben, so wie wir alle irgendwann sterben, weil wir Teil einer gefallenen Menschheit sind. Wir leben in einer Welt voller Böses und Ungerechtigkeit, und Gott wird am Tag des Gerichts alles wieder ins Lot bringen.

Babys und Föten haben eine sündige Natur, doch der Tod eines Fötus beweist nicht, dass dieser der Sünde schuldig ist, genauso wenig wie der Tod eines Kätzchens beweist, dass es der Sünde schuldig war.

Menschen kommen gemäß 2. Thessalonicher 1,8 in die Hölle; dort heißt es, dass diejenigen, die dem Evangelium des Herrn Jesus Christus nicht gehorchen, verurteilt werden – das Evangelium ist also etwas, für dessen Befolgung wir alle verantwortlich sind. Der Tod Jesu am Kreuz war für alle ausreichend. Dennoch lässt Gott zu, dass Menschen, die den einen wahren Gott ablehnen, die Konsequenzen der Entscheidungen tragen, für die sie selbst verantwortlich waren.

F: Bedeutet Matthäus 18,15–18, dass wir die Lehre eines christlichen Leiters niemals kritisieren sollten?

A: Keineswegs. Während Matthäus 18,15 sich auf den Umgang mit Gläubigen und nicht mit Ungläubigen bezieht, befasst sich Matthäus 18,15–18 mit dem Verhalten und nicht mit der öffentlichen Verkündigung von Irrlehren oder Häresien. Es ist zwar gut, eine Person unter vier Augen anzusprechen und zu versuchen, sie zu überzeugen, bevor man an die Öffentlichkeit geht; wurde die Irrlehre jedoch öffentlich verkündet, muss sie auch öffentlich korrigiert werden. Wird sie von der Person korrigiert, die die falschen Aussagen getroffen und zuvor daran geglaubt hat, umso besser. Ist dies jedoch nicht der Fall, muss sie von jemand anderem korrigiert werden. Dies sollte jedoch nicht in einem Geist der Feindseligkeit oder des Hasses gegenüber der Person geschehen, die den Irrtum geäußert hat, sondern in Liebe und aus dem Wunsch heraus, die Wahrheit aufzuzeigen.

F: Was bedeutet in Mt 18,17 die Aufforderung, jemanden wie einen Heiden oder Zöllner zu behandeln?

A: Das Wort „Sie“ steht hier im Singular; es bedeutet also, dass sich der Einzelne von der Person distanzieren soll, die Unrecht tut. Ein Heide oder ein vermutlich gieriger und unehrlicher Zöllner standen ganz offensichtlich außerhalb des Bereichs des Reiches Gottes und der Kirche. Vermitteln Sie niemandem den Eindruck, dass Sie dieselbe Erlösung oder denselben Glauben wie diese Person haben. Selbst wenn es sich bei der Person tatsächlich um einen irrtümlichen Gläubigen handelt, wissen wir nicht, ob sie wirklich ein sündiger Heiliger ist oder ob sie vielleicht gar nicht wirklich erlöst wurde.

F: Was bedeuten „binden“ und „lösen“ in Mt 18,18?

A: „Binden“ bedeutet, etwas zu unterbinden, einzuschränken oder zu verbieten, und „lösen“ bedeutet, etwas zuzulassen. Manche sagen, dass „Binden“ und „Lösen“ jüdische Redewendungen dafür waren, dass das, was auf Erden verkündet wird, bereits zuvor im Himmel vorherbestimmt worden war. Diese Macht des Bindens und Lösens wurde allen Aposteln verliehen.

F: In Mt 18,21–22: Inwiefern unterscheidet sich die Großzügigkeit Jesu, wenn er den Menschen sagt, sie sollen anderen siebzigmal siebenmal vergeben, von anderen Lehren?

A: Die Sadduzäer und viele Rabbiner lehrten, man müsse seinem Bruder nur dreimal vergeben. Es ist jedoch keineswegs großzügig, wenn jemand wie Jesus einem anderen sagt, er solle vergeben. Was äußerst großzügig war, war, dass Jesus uns – denen, die ihn ans Kreuz genagelt hatten (Lk 23,34) – vergab und für unsere Sünden starb.

F: Wie hoch waren die Geldbeträge in Mt 18,28–31?

A: Zehntausend Talente waren eine riesige Summe. David spendete dreitausend Talente Gold und siebentausend Talente Silber für den Bau des Tempels in Jerusalem. Die Fürsten spendeten laut 1. Chronik 29,4.7 fünftausend Talente Gold und zehntausend Talente Silber. Manche haben dies auf 12 Millionen Dollar geschätzt, doch eine realistischere Zahl dürfte knapp unter einer Milliarde liegen. In Matthäus 18,28 entsprachen 100 Denare etwa dem 100-tägigen Lohn eines einfachen Arbeiters oder Fußsoldaten. Ein wirklich guter Sklave konnte ein Talent einbringen, doch die meisten Sklaven waren ein Zehntel eines Talents wert. Es war zudem gesetzeswidrig, einen Mann für mehr als die Höhe seiner Schulden in die Sklaverei zu verkaufen.

F: Hebt Gott in Mt 18,32–35 Sünden jemals wieder auf oder vergibt er sie nicht?

A: Nein. Die Schuld wurde nicht erneuert; vielmehr wurde die Vergebung nicht gewährt. Der Herr vergab dem Diener seine Schuld, doch als der böse Diener einen anderen Diener an die Kehle griff, um seine Schuld einzutreiben, war der Herr über diese Ungerechtigkeit erzürnt und machte die Schuld erneut geltend. Gott hat uns unsere Sünden frei und gnädig vergeben, obwohl wir es nicht verdient hatten; doch ob die Vergebung wirksam wird oder nicht, hängt von unserer Reaktion ab. In Hebräer 4,2 heißt es, dass das Evangelium einigen nichts genützt hat, weil sie es nicht mit Glauben verbanden. In Römer 11,29 steht, dass Gottes Gaben und seine Berufung unwiderruflich sind.

F: Könnte diese Parabel in Matthäus 18,32–35 bedeuten, dass der Herr den bösen Diener wegen nachfolgender Schulden ins Gefängnis schickte, anstatt ihm die alte Schuld zu erlassen?

A: Nein, darum geht es nicht, denn das Gleichnis macht deutlich, dass der Herr den bösen Knecht den Gefängniswärtern übergab, weil es dem bösen Knecht an Barmherzigkeit mangelte.

F: Sind in Mt 18,35 bestimmte Werke, wie beispielsweise das Vergeben unserer Brüder, für die Erlösung erforderlich?

A: Weder das Vergeben anderen noch irgendein anderes Werk wird einem Menschen helfen, das Heil zu erlangen. Vielmehr wird jemand, der das Heil besitzt, in der Lage sein, anderen zu vergeben, was auch immer sie getan haben. Wenn wir die große Barmherzigkeit Gottes erfahren haben, fällt es uns viel leichter, anderen zu vergeben.

F: Unter welchen Umständen ist in Mt 19,3–9 und Mk 10,11–12 eine Scheidung zulässig?

A: In alttestamentlicher Zeit (5. Mose 24,1–4 usw.) war die Scheidung aus fast jedem Grund erlaubt, da die Herzen der Menschen verhärtet waren; Jesus hat diesen Grund jedoch aufgehoben. Eine Scheidung ist nur unter den folgenden Umständen zulässig:

1. Der ungläubige Ehepartner möchte die Ehe verlassen (1. Korinther 7,12–15).

2. Sie ist zulässig, wenn einer der Ehepartner Ehebruch begangen hat (Matthäus 5,31–32).

3. Viele Christen betrachten eine Scheidung im Falle der Verlassenheit als unvermeidlich, da sich ein Ehepartner faktisch bereits „getrennt“ hat.

4. Selbstverständlich müssen wir auch den übrigen Teil des Wortes Gottes befolgen, und viele Christen sehen einen Grund für eine Scheidung, wenn das Leben eines Ehepartners oder eines Kindes durch den anderen Ehepartner gefährdet ist.

Chuck Swindoll nennt in seiner Broschüre „Scheidung“ nur drei Umstände, unter denen es für einen Christen in Ordnung ist, nach einer Scheidung wieder zu heiraten:

4a. Ehe und Scheidung vor der Bekehrung

4b. Ein unmoralischer und reueloser Partner

4c. Verlassenwerden/Scheidung durch einen Ungläubigen

Beachten Sie, dass der Tod eines Ehepartners keine Scheidung darstellt, und Römer 7,3 lehrt, dass eine Wiederheirat nach dem Tod eines Ehepartners zulässig ist.

Diese Verse besagen, dass man sich nicht scheiden lassen soll, außer aus diesen Gründen – doch was ist, wenn Sie dies nicht tun, der Ehepartner sich jedoch von Ihnen scheiden lässt? Genau wie beim Tod eines Ehepartners steht einer Wiederheirat nichts im Wege, wenn der Ehepartner die Scheidung eingereicht hat.

Zu Jesu Zeiten vertraten jüdische Lehrer unterschiedliche Ansichten zum Thema Scheidung. Die Schule des Hillel vertrat die Auffassung, dass ein Mann sich aus jedem beliebigen Grund von seiner Frau scheiden lassen könne, selbst wenn diese das Essen verbrannt habe! Josephus folgte Hillel und war selbst geschieden. Später erklärte Rabbi Akiba, ebenfalls aus der Schule des Hillel, dass eine Frau sich von ihrem Mann scheiden lassen könne, wenn dieser ein „wanderndes Auge“ auf schönere Frauen habe (M. Gittin 9:10). Die Schule des Schammai vertrat die Ansicht, dass ein Mann seine Frau aus keinem Grund scheiden könne, außer wegen „Unzucht“. Kam es jedoch laut der Schule des Schammai aus einem falschen Grund zur Scheidung, so war eine Wiederverheiratung dennoch zulässig (Mischna Eduyoth 4:7-10). Oder, wie manche heute sagen: „Was einmal zerbrochen ist, lässt sich nicht wieder zusammenfügen.“ Die kleine Gruppe in Qumran vertrat die Ansicht, dass eine Scheidung unter keinen Umständen zulässig sei (11QTemple 57:17-19). Jüdische Kommentatoren gingen nicht auf den Fall ein, dass eine Frau sich von ihrem Ehemann scheiden lässt. Vielleicht wurde Jesus diese Frage gestellt, um herauszufinden, welcher Gruppe er zustimmte, und vielleicht auch, um Anhänger der anderen Schule von Jesus zu entfremden. Ein zweiter Grund, Jesus diese Frage zu stellen, ist, dass (laut Josephus) Herodias sich von ihrem Ehemann Herodes II. scheiden ließ, um Herodes Antipas zu heiraten, und dass Jesu Antwort – wie auch immer sie ausfiel – ihn in den Augen der Obrigkeit nicht in einem guten Licht erscheinen lassen würde.

F: Bedeutet die Änderung der Scheidungsgesetze durch Jesus in Mt 19,8–9, dass Gott Schriftstellen inspiriert hat, mit denen er nicht einverstanden war?

A: Unter dem Alten Bund sagte Jesus, die Scheidung sei erlaubt, weil ihre Herzen verhärtet waren. Dies zeigt, dass Gott Dinge, die Er nicht wünscht, für einen bestimmten Zeitraum zulässt. Unter dem Neuen Bund jedoch sollte ein Mann sich nicht von seiner Frau scheiden lassen, außer im Falle von Ehebruch. Aber wir sollten heute keine verhärteten Herzen haben. Wir sollten dafür sorgen, dass unsere Ehe nicht nur mit billigem Klebstoff zusammengehalten wird, sondern mit göttlichem Zement.

Nebenbei bemerkt: Unser Wort „Sklerose“ leitet sich vom griechischen Wort für „hart“, nämlich „skleros“, ab. Das vollständige Wort lautet „sklerokardian“.

F: Warum begeht in Mt 19,9 ein Mann, der sich von seiner Frau scheiden lässt und eine andere heiratet, Ehebruch, da doch die Polygamie erlaubt war?

A: Nein, Polygamie ist kein Ehebruch. Die Lehre Jesu ist hier unabhängig von Monogamie oder Polygamie dieselbe. Bei der Beantwortung sind fünf Punkte zu berücksichtigen.

Gottes Haltung zur Scheidung wird in Maleachi 2,16 klar zum Ausdruck gebracht: Gott verabscheut sie. Zur Zeit des mosaischen Gesetzes erlaubte Gott sie nur, weil die Herzen der Menschen hart waren, wie es in Matthäus 19,8 heißt. Im Neuen Testament ist es nicht erlaubt, sich von seinem Ehepartner scheiden zu lassen, außer im Falle von Ehebruch.

Sollte jedoch ein ungläubiger Ehepartner darauf bestehen, sich von Ihnen scheiden zu lassen, gebietet Gott uns, dies zuzulassen, da Gott uns zum Frieden berufen hat, wie es in 1. Korinther 7,15 heißt. Der Gehorsam gegenüber Gottes Gebot, einem Ehepartner [widerwillig] die Scheidung zu gestatten, unterscheidet sich biblisch gesehen davon, Gottes Gebot zu missachten, indem man sich selbst für die Scheidung von seinem Ehepartner entscheidet.

Gottes Sichtweise zur Polygamie. Adam und Eva waren ein Vorbild dafür, dass zwei (nicht mehrere) ein Fleisch werden (1. Korinther 6,16). Polygamie war sowohl im Alten als auch im Neuen Testament erlaubt. Im Neuen Testament wurde sie jedoch missbilligt, da Kirchenführer nicht polygam sein dürfen.

Wichtiger als Gottes Vorbild für die monogame Ehe ist Gottes Gebot bezüglich der Scheidung. Wenn christliche Missionare unter primitiven Völkern predigen, weisen sie polygame Männer an, sich nicht von ihren Frauen scheiden zu lassen, da dies den Frauen die finanzielle Unterstützung entziehen würde; sie raten den Ehemännern jedoch davon ab, weitere Frauen zu heiraten.

Daher war es die bewusste Entscheidung, das Eheversprechen zu brechen, die den Grund für den Ehebruch darstellte, nicht die Polygamie. Unabhängig davon, ob ein Mann mehr als eine Ehefrau hatte oder nicht: Wenn ein Mann sich sündhaft für eine Scheidung entscheidet – was Gott verabscheut –, dann will Gott nicht, dass er erneut heiratet.

F: Gibt es in Mt 19,9 Handschriften, in denen der Ausdruck „außer wegen Unzucht“ fehlt?

A: Alle Handschriften, die Aland et al. (3. Auflage) aufführen, lauten entweder „außer wegen Unzucht“ oder „wenn nicht wegen Unzucht“, mit Ausnahme der Handschrift 1574. Die Handschrift 1574 entstand im 14. Jahrhundert, kurz vor dem Ende des Mittelalters.

Auch Tertullian, der zwischen 198 und 220 n. Chr. schrieb, führte sowohl in seinem Werk „An seine Frau“, Buch 2, Kapitel 2, Seite 45, als auch in „Über die Keuschheit“, Kapitel 16, Seite 92, aus, dass eine Scheidung nur im Falle von Unzucht zulässig sei. Diese Klausel war also kein nach Tertullians Zeit hinzugefügter Zusatz. Es gibt keinen Grund anzuzweifeln, dass dieser Ausdruck ursprünglich vorhanden war.

F: Lehrt Matthäus 19,12 kurz gesagt, dass ein Mann sich selbst zum Eunuchen machen könnte für das Reich Gottes, wie ein Atheist (Capello) behauptet?

A: Nein. Lassen Sie uns beide Möglichkeiten untersuchen. Da eine chirurgische Kastration auch Zölibat bedeuten würde, stellt sich die Frage, ob sich dieser Vers nur auf den Zölibat bezieht oder auf den Zölibat durch Kastration. Sind Sie damit einverstanden?

Da eine körperliche Kastration gegen 5. Mose 23,1 verstößt, eine Auslegung als Zölibat jedoch große Ähnlichkeit mit 1. Korinther 7,2.7 aufweist und die frühen Christen dies einhellig als Zölibat verstanden haben, sollten wir es im Einklang mit dem Alten Testament, dem Neuen Testament und der einheitlichen Auslegung durch die Christen interpretieren. Eine ausführlichere Antwort finden Sie in der nächsten Frage.

F: In Mt 19,12 sagt Jesus: „… und es gibt Eunuchen, die sich um des Himmelreichs willen selbst zu Eunuchen gemacht haben. Wer dies fassen kann, der fasse es.“ Hier haben wir [angeblich] die Billigung der Selbstkastration durch Christus. Ich frage mich, wie viele christliche Männer ihre Treue zu Gott auf diese Weise unter Beweis stellen würden? Seltsamerweise widerspricht diese Billigung der Kastration Deuteronomium 23,1.

A: Hier ist von Zölibat die Rede, nicht von Kastration. Aber lassen Sie uns beide Möglichkeiten untersuchen.

Zölibat: Jesus bediente sich in seinen Reden gerne der Übertreibung (Sie meinen, ich hätte mir umsonst das Auge ausgestochen und die Hand abgehackt!), und offenbar machte er sich keine Sorgen, dass diese Juden, die das Gesetz kannten, ihn missverstehen könnten. Die Sadduzäer und Pharisäer kritisierten Jesus wegen vieler Dinge, doch in diesem Punkt wurde er nicht kritisiert, da die Übertreibung verstanden wurde.

Körperliche Kastration: Wenn sich dieser Vers auch auf körperliche Kastration bezieht, würde dies im Widerspruch zum Alten Testament in Deuteronomium 23,1 stehen, und nichts in der Heiligen Schrift oder in den Schriften der frühen Kirche deutet darauf hin, dass Jesus etwas lehrte, das im Widerspruch zum alttestamentarischen Gesetz stand – mit Ausnahme der Ernährungsvorschriften, bei denen er weniger restriktiv war, sowie der Themen Scheidung und Liebe, bei denen Jesus einen höheren Maßstab anlegte.

Hätte Jesus tatsächlich die Kastration gemeint, gäbe es in diesem Vers keinen Unterschied zwischen denen, die von Menschen zu Eunuchen gemacht wurden, und denen, die sich für das Reich Gottes für das Zölibat bzw. die Kastration entschieden haben.

Zudem ähnelt diese Lehre Jesu sehr der Lehre des Paulus in 1. Korinther 7,2.7, wo Paulus eindeutig vom Zölibat (sowohl für Männer als auch für Frauen) für das Reich Gottes spricht.

Schließlich sollten wir uns nicht fragen, wie Menschen 2.000 Jahre später diesen Vers in der modernen Kultur interpretieren könnten, sondern wie die frühen Christen diesen Vers gelesen hätten. Justin der Märtyrer zitiert diesen Vers in seiner Ersten Apologie, Kapitel 14, und spricht von denen, die zweimal verheiratet sind. Es ist zwar umstritten, ob Justin von Polygamie, einer Wiederverheiratung nach einer Scheidung oder einer Wiederverheiratung nach dem Tod eines Ehepartners spricht, doch unabhängig davon spricht Justin vom Zölibat, nicht von Kastration. Tertullian verwendet in „Über die Auferstehung des Fleisches“, Kapitel 27, diesen Vers und spricht von „der strahlenden Schönheit des unverheirateten Fleisches“ (d. h. vom Zölibat im Allgemeinen).

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass diejenigen, die sich in ihrem Leben an der Bibel orientieren – ob sie nun im zweiten Jahrhundert oder im einundzwanzigsten Jahrhundert leben –, erkennen können, was dies bedeutet.


F: In Mt 19,14 heißt es, dass das Himmelreich den kleinen Kindern gehört. Wie ist das zu verstehen?

A: Dies könnte in mehrfacher Hinsicht zutreffen.

a) Wir müssen unsere kindliche Abhängigkeit von Gott anerkennen, um gerettet zu werden. Gott hilft denen, die ihm ihre Hilflosigkeit bekennen.

b) Gott sorgt für Kinder, die vor Erreichen des Alters der Rechenschaft sterben. Die Bibel deutet an, dass sie im Himmel sind, wenn auch ohne jegliche Belohnung.

Sowohl Narren als auch Kinder wissen vieles nicht, doch zumindest wissen Kinder, dass sie vieles nicht wissen.

Nebenbei bemerkt: Es war zu Jesu Zeiten üblich, Kinder zu Rabbinern und Ältesten zu bringen, um sie segnen zu lassen. Dies wird beispielsweise auch in Genesis 48,14; Numeri 27,18; Apostelgeschichte 6,6; 13,3; Matthäus 9,18.20 sowie Markus 10,16 erwähnt.

F: Lehrt der Calvinismus, um konsequent zu sein, in Mt 19,14, dass alle, die als Säuglinge sterben, in die Hölle kommen?

A: Nein, dies ist eine falsche Anschuldigung, die ich gehört habe. Zwar lehrten Ambrosius von Mailand, Augustinus, Prosper von Aquitanien und einige andere, dass alle ungetauften Säuglinge, die sterben, in die Hölle kommen, doch waren sie keine Calvinisten, sondern größtenteils Augustiner.

Calvinisten glauben an die biblische Sichtweise, dass letztlich Gott die Macht hat, zu erretten; es sind nicht die Taufe, unsere Werke oder unser Glaube. Gott kann sich entscheiden, durch Christus zu erretten, wie Er es wünscht. Hier ist, was Calvinisten selbst sagen.

„Alle, die im Säuglingsalter sterben, gehören zu den Auserwählten“, so Lorraine Boettner in *The Reformed Doctrine of Predestination*, S. 148, 149. Das Zweite Schottische Bekenntnis (1580 n. Chr.) besagt: „Wir verabscheuen und verachten sein [des Papstes] grausames Urteil gegen Säuglinge, die ohne Taufe sterben.“ C. H. Spurgeon, der sich (fälschlicherweise) auf Hesekiel 16,21 berief, glaubte, dass im Säuglingsalter verstorbene Kinder in den Himmel kommen. Zu den anderen Calvinisten, die dieser Ansicht zustimmten, gehörten Charles Hodge, W.G.T. Shedd und B.B. Warfield. Der Calvinist Curt Daniel widmet in seiner Dissertation „The History and Theology of Calvinism“, S. 336–339, einen Abschnitt mit dem Titel „Sterbende Säuglinge werden gerettet“.

Hier ist, was Calvin selbst in den „Institutio Christianae Religionis“, Buch 4, Kapitel 16, S. 2:541, sagte: „Aber wie, so fragen sie, werden Säuglinge wiedergeboren, wenn sie weder Erkenntnis des Guten noch des Bösen besitzen? Wir antworten, dass das Wirken Gottes, obwohl es sich unserem Verständnis entzieht, deshalb nicht nichtig ist. Darüber hinaus müssen Säuglinge, die gerettet werden sollen (und es steht fest, dass einige in diesem Alter gerettet werden), zweifellos zuvor vom Herrn wiedergeboren worden sein. Denn wenn sie die angeborene Verdorbenheit bereits aus dem Mutterleib mitbringen, müssen sie gereinigt werden, bevor sie in das Reich Gottes aufgenommen werden können … Um jedoch diese Art von Einwendern [Kritikern] zum Schweigen zu bringen, gab Gott im Fall von Johannes dem Täufer … einen Beweis dafür, was er auch bei anderen tun könnte.“

F: Hat Jesus in Mt 19,16–17 bestritten, dass er gut sei, oder dass er Gott sei?

A: Nein, darauf geht Jesus hier nicht ein. Die Antwort finden Sie in der Erörterung zu Mt 19,16–17 in den Evangelien.

F: Was ist in Mt 19,17 „gut“?

A: In Genesis 1 und 2 erklärte Gott die gesamte Schöpfung vor dem Sündenfall der Menschheit für gut. Jesus sagte in Markus 10,18 und Lukas 18,19, dass niemand gut ist außer Gott allein. Gott ist die Quelle des Guten, doch wie Thomas von Aquin hervorhob, ist es ebenso wenig stichhaltig, Gott allein deshalb als gut zu definieren, weil er die Quelle des Guten ist, wie Gott als physischen Körper zu definieren, nur weil er die Quelle aller physischen Körper ist.

Für uns ist das Gute das, was dem Charakter und dem gewollten Willen Gottes entspricht. In 1. Timotheus 6,18 wird uns geboten, Gutes zu tun; somit können wir in einem begrenzten Sinne gut sein. Gott ist in höherer Weise gut, denn 1) ist Er die Quelle aller Güte, die Er uns schenkt, 2) ist Er der Maßstab, an dem Güte gemessen wird, 3) und nichts ist vollkommen gut außer Ihm (Markus 10,18; Lukas 18,19).

Frage: Stimmt es, dass reiche Menschen gemäß Matthäus 19,23 nicht in den Himmel kommen können?

A: Nein, denn sonst wäre Abraham in Schwierigkeiten, und Paulus, Jakobus und der Verfasser des Hebräerbriefes – ganz zu schweigen von Jesus – würden Unrecht haben, wenn sie Abraham als Helden des Glaubens hervorheben würden. Auch Hiob wäre in Schwierigkeiten, nachdem Gott ihn mit Reichtum gesegnet hatte. Vielmehr ist es die Liebe zum Reichtum und das Vertrauen in ihn, die es einem Menschen schwer machen, in den Himmel zu kommen. Ein Mensch könnte großen Reichtum besitzen, wie Abraham, und dennoch seinen Reichtum weder lieben noch auf ihn vertrauen. Das griechische Wort für „traurig“, lypoumenos, bedeutet hier „bedrückt“ oder „sehr traurig“.

F: Was meinte Jesus in Mt 19,24, Mk 10,25 und Lk 18,25 damit, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr gehen müsse?

A: Manche glauben, „das Nadelöhr“ sei ein Spitzname für ein enges Tor in Jerusalem gewesen. Zwar gab es in Jerusalem und anderen Städten tatsächlich einige sehr enge Tore, doch ist uns kein Tor bekannt, das „das Nadelöhr“ genannt wurde. Das griechische Wort „rhaphidos“ kann hier nur eine Nadel zum Nähen oder für chirurgische Eingriffe bedeuten, nicht irgendeine Art von Tor innerhalb eines Tores.

Es ist wahrscheinlicher, dass Jesus hier eine Übertreibung verwendet. Es ist völlig unmöglich, dass ein Kamel, insbesondere ein beladenes Kamel, durch ein Nadelöhr geht. Jesus benutzte diese komische Analogie, um dies auszudrücken. Jüdische Autoren im babylonischen Talmud (Babylonisches Berakoth 55b) verwenden eine ähnliche Übertreibung: „Ein Elefant, der durch ein Nadelöhr geht.“ (Elefanten waren in Babylon häufiger anzutreffen, und die Verwendung dieses Bildes in Babylon zeigt, dass es sich nicht um ein Tor in Jerusalem handelte.)

a) Es ist naturgemäß unmöglich, dass ein Mensch, der sich für reich hält, jemals in den Himmel kommt, und

b) bei Gott sind alle Dinge möglich, sogar dass ein reicher Mann in den Himmel kommt (Matthäus 19,26; Markus 10,27; Lukas 18,27).

Frage: Was ist in Mt 19,27.30 der zentrale Kernpunkt dieses Verses und dieses Kapitels?

A: Zunächst einmal, was es nicht ist. Es geht nicht darum, ob ihr Verstand an das Wort Jesu glaubt – sie alle glaubten, sogar der reiche junge Herrscher. Es geht auch nicht darum, ob sie beschlossen haben, Jesus nachfolgen zu wollen. Das tun sie bereits, und Jesus wies sogar einige zurück, die sagten, sie wollten ihm nachfolgen. Vielmehr geht es um Ihr Herz. Sind Sie bereit, alles andere aufzugeben, um Jesus nachzufolgen? Vielleicht bedeutet es, sich dafür zu entscheiden, in einer ehelichen Situation zu bleiben (sei es im Zölibat oder in der Ehe), wenn eine Option, die Gott Ihnen nicht offen gelassen hat, im Moment attraktiver erscheint. Vielleicht bedeutet es, sich für eine finanziell weniger lukrative Situation zu entscheiden, wenn Sie sich ziemlich sicher sind, dass Sie gegen Gott handeln und deutlich (oder auch nur ein wenig) mehr Geld verdienen könnten. Wenn Gott Ihren Verstand und Ihren Willen hat, ist das großartig. Aber hat Gott auch Ihr Herz?

F: Anhand welcher Anzeichen können Sie in Mt 19,27.30 erkennen, ob etwas mehr von der Hingabe Ihres Herzens einnimmt als Gott?

A: Oft lässt sich erkennen, wem Ihre Hingabe gilt, wenn man Ihre Zeit, Ihr Geld und Ihr Herz betrachtet.

Zeit: Wenn die Zeit, die Sie für etwas aufwenden, mehr beträgt als die Zeit, die Sie damit verbringen, Gott anzubeten, zu ihm zu beten und ihm zu dienen, dann stimmt etwas nicht. Ich habe einmal einen Mann getroffen, der sich den gesamten Frühling und Sommer freigenommen hatte, um jedes einzelne Baseballspiel seiner Lieblingsmannschaft zu verfolgen – sowohl zu Hause als auch auswärts. Auf den ersten Blick könnte man meinen, seine Hingabe sei lobenswert. Bei näherer Betrachtung ist sie jedoch keineswegs lobenswert. Glaubte er etwa, er hätte nichts Besseres mit seinem Leben anzufangen, als die ganze Zeit Baseball zu schauen? Gab es nichts Besseres, das er hätte tun können?

Geld: Schauen Sie sich jeden Monat Ihren Kontoauszug an. Es gibt notwendige Ausgaben, die Sie begleichen müssen, wie Miete oder Hypothekenzahlungen, Grundnahrungsmittel und andere Kosten. Doch was ist mit dem restlichen Geld? Für welche Kategorie geben Sie mehr aus, als Sie Gott spenden? Gibt es Dinge wie häufige Urlaube, feines Essen oder schicke Kleidung, die einen zu großen Teil Ihres Budgets beanspruchen?

Herz: Der Titel eines Films sagt schon alles: „Der Himmel kann warten“. Wenn Sie noch nicht in den Himmel kommen möchten, weil Ihnen hier auf Erden etwas anderes attraktiver erscheint, ist es wahrscheinlich, dass Ihre Hingabe an diese Sache größer ist als Ihre Hingabe an Gott. Wenn es in der Heiligen Schrift eine klare Aussage gibt, von der Sie sagen, dass Sie ihr nicht folgen können, könnte diese einen stärkeren Einfluss auf Ihr Herz haben als Gott. Selbst wenn Sie sich das mit „Gott versteht das schon“ oder „Wir sind sowieso alle Sünder, also spielt es keine Rolle“ einreden, täuschen Sie sich nur selbst.

F: Da in Mt 19,28 und Lk 22,28–30 steht, dass die Jünger auf zwölf Thronen sitzen werden, wird dann auch Judas Iskariot dort sitzen?

A: Nein. Zunächst einmal werden in Lukas 22,28–30 keine zwölf Throne erwähnt, sondern nur zwölf Stämme. Tatsächlich heißt es in Matthäus 19,28 NICHT, dass die zwölf Jünger auf zwölf Thronen sitzen werden. Vielmehr heißt es dort: „… ihr, die ihr mir nachgefolgt seid, werdet auch auf zwölf Thronen sitzen und die zwölf Stämme Israels richten.“ Es heißt also, dass es zwölf Throne geben wird, aber es heißt nicht, dass die zwölf Jünger auf ihnen sitzen werden. Vielmehr versprach Jesus dies nur „euch, die ihr mir nachgefolgt seid“. Judas folgte Jesus nicht weiter und gab seinen Platz als Jünger auf, nachdem er Jesus verraten hatte, wie es in Apostelgeschichte 1,20 heißt. In Matthäus 19,28 versprach Jesus dies nur „euch, die ihr mir nachgefolgt seid“.

F: Wie werden die Menschen in Mt 19,29 in diesem Leben 100-mal mehr Väter, Mütter usw. haben?

A: Dieser Vers gilt sowohl für dieses Leben als auch für das kommende Leben. Stellen Sie sich vor, Sie hätten überall auf der Welt ein Zuhause, das Ihnen offensteht, und Menschen aller Völker der Welt, die Ihre lieben Brüder und Schwestern sind. Das ist es, was wir in der christlichen Gemeinschaft, die wir die Kirche nennen, haben oder haben sollten. Darüber hinaus werden wir im Himmel in vollendeter Form das haben, was wir auf Erden in unvollkommener Form haben.

F: In Mt 19,30, Mk 10,31 und Lk 13,30 – inwiefern werden diejenigen, die die Ersten sind, die Letzten sein und umgekehrt?

A: Am Ende werden wir vielleicht sehr wohl erstaunt sein, wer der Erste und wer der Letzte ist. Die Dinge werden sich in mindestens vier Punkten unterscheiden:

Stolz: Diejenigen, die in diesem Leben stolz waren, werden gedemütigt werden, und die Demütigen werden erhöht werden (Jakobus 4,6; Lukas 1,51–52).

Reichtum: Im Allgemeinen sehen viele Menschen mit großem Reichtum kaum einen Grund, zu Gott zu kommen, wie Sprüche 30,8–9 andeutet und Lukas 16,19–21 anhand eines Beispiels verdeutlicht. Paulus sagt in 1. Korinther 1,26–31, dass nur wenige in der Gemeinde von Korinth nach weltlichen Maßstäben weise oder einflussreich waren. Jakobus 2,5 zeigt, dass dies in den meisten frühen Gemeinden zutraf. Siehe auch Lukas 1,53 und Jakobus 5,1–6.

Belohnungen: Gott wird die Gläubigen danach richten, was ihnen gegeben wurde. Von denen, denen viel gegeben wurde, wird auch viel verlangt.

Dienerschaft: Die größten Gläubigen sind in Gottes Augen diejenigen, die anderen dienen, wie Markus 9,35–37, Lukas 9,46–48 und Matthäus 18,1–4 zeigen.

Seien Sie vorsichtig, wenn Sie versuchen, sich den Weg in den Himmel zu erhandeln oder um Belohnungen zu feilschen. Denn da Gott die Motive kennt, können diejenigen, die äußerlich als Erste erscheinen, die Letzten sein.

F: Ist der Herr in diesem Gleichnis in Matthäus 20,1–16 gerecht?

A: Der Herr steht für Gott, und Gott ist nach Seinen Maßstäben gerecht. Ich kann nicht beantworten, ob Er nach Ihren Maßstäben ungerecht ist, da manche Menschen sehr seltsame Vorstellungen von Gerechtigkeit haben. Gott lehrt uns, dass Sein Maßstab der Gerechtigkeit dennoch besondere Großzügigkeit zulässt.

Gott ist gerecht, und Er hat jedem Arbeiter korrekt das gezahlt, was Er versprochen hatte.

Die erste Gruppe handelte ihren Lohn aus. Die anderen Gruppen ließen den Eigentümer einfach so viel zahlen, wie er wollte. Wir ziehen die Gnade Gottes dem Versuch vor, mit Gott zu verhandeln. Wenn man die Wahl zwischen Gerechtigkeit und Gnade hat, entscheidet man sich für die Gnade.

F: Erhalten in Mt 20,1–16 alle im Himmel die gleichen Belohnungen?

A: Nein. Auch wenn Matthäus 20,1–16 den Anschein erwecken mag, dass dies der Fall ist, lehrt 1. Korinther 3,12–15 ausdrücklich, dass wir nicht davon ausgehen sollen, dass alle im Himmel die gleiche Belohnung erhalten.

F: Warum ist Mt 20,1–16 ein hervorragendes Gleichnis, um es gemeinsam mit Mormonen (LDS) zu studieren?

A: Diese falsche Religion legt den Schwerpunkt auf Werke, und die Errettung basiert auf dem, was man verdient. Der Mormonismus lehrt, dass es drei Himmel gibt: den höchsten für gute Mormonen, den mittleren – etwas besser als die Erde – für schlechte Mormonen und gute Christen sowie den untersten Himmel – etwas schlechter als die Erde – für den Großteil der übrigen Menschheit. Zwar heißt es im Buch Mormon: „Wir wissen, dass wir durch Gnade errettet werden, nachdem wir alles getan haben, was wir tun können.“ (2 Nephi 25:23), doch dies ist lediglich eine Verschleierung für „alles, was man tun kann“. Lässt man einmal die Fragen beiseite, ob man wirklich alles getan hat, was man tun konnte, oder was „danach“ bedeutet, so besagt dies zumindest, dass Werke und Gnade bei der Errettung miteinander verbunden werden. Dieses Gleichnis ergibt im Mormonismus – wie auch in den meisten auf Werken basierenden Religionen – wenig Sinn.

F: Wie kann der allmächtige Gott in Mt 20,17–19 zulassen, dass Sein Prophet Jesus den Heiden ausgeliefert wird, um verspottet und getötet zu werden?

A: Manchmal muss man bereit sein, zunächst besiegt zu wirken, um den endgültigen Sieg zu erringen.

F: Da in Mt 20,20–28 große Christen Diener sind und nicht Herrscher über andere, warum scheinen manche christliche Führungskräfte dies zu vergessen?

A: Macht kann korrumpieren, und viele gottlose Menschen bezeichneten sich selbst als Gläubige. Über einige der traurigen Beispiele, anhand derer Gott uns gelehrt hat, können Sie in den Büchern der Könige und der Chroniken nachlesen.

F: Worauf weist Jesus in Mt 20,22 hin, was an der Bitte der beiden Brüder unwissend ist?

A: Sie fragten lediglich nach der Belohnung. Wie manche Menschen heutzutage – wie es im „Believer’s Bible Commentary“ auf Seite 1280 heißt: „Sie wollten eine Krone ohne Kreuz, einen Thron ohne Opferaltar, die Herrlichkeit ohne das Leiden, das dazu führt.“ Jesus tadelte ihren Wunsch nicht. Es ist in Ordnung, sich große Belohnungen im Himmel zu wünschen, aber nicht, wenn man nicht bereit und fähig ist, das zu tun, was zu diesen Belohnungen führt. Alle Apostel starben als Märtyrer, mit Ausnahme von Johannes, der eines natürlichen Todes starb. Wie Robert Little sagte: „Jakobus starb den Märtyrertod, Johannes lebte ein Märtyrerleben.“

Jesus forderte nicht nur Opfer; Er ging auch mit gutem Beispiel voran. Doch manche meinen, dass Jesus zwar den aufopferungsvollen Dienst gewählt habe, sie selbst jedoch irgendwie davon ausgenommen sein sollten.

Die anderen zehn Jünger waren empört über diese beiden. Das lag weniger daran, dass sie selbst etwas verlangen wollten, sondern vielmehr an Eifersucht, dass diese beiden ihnen durch eine einfache Bitte den Rang ablaufen könnten.

Frage: Was können wir aus dem Beispiel Jesu in Mt 20,28 lernen?

A: Jesus, der von Ewigkeit her als Sohn Gottes in Herrlichkeit existiert, kam auf die Erde, nicht um bedient zu werden, sondern um zu dienen. Als Nachfolger Jesu müssen wir uns fragen, wie ernst es uns damit ist. Haben wir das Gefühl, dass wir hier sind, um zu „nehmen“ und bedient zu werden, oder sind wir in erster Linie auf dieser Erde, um zu „geben“ und Gott und anderen zu dienen?

F: Handelte es sich in Mt 20,30 um zwei Blinde oder um einen einzigen Blinden namens Bartimäus, wie es in Mk 10,46–52 heißt?

A: Es könnte sich um zwei verschiedene Ereignisse handeln, da sicherlich alle Blinden in Jericho Jesus sehen wollten. Da jedoch in beiden Evangelien die Worte „Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir/uns“ gerufen wurden, ist es wahrscheinlicher, dass es sich um ein einziges Ereignis handelte. Bartimäus wäre dann der Name eines der beiden Blinden. Markus, der dies höchstwahrscheinlich von Petrus gehört hatte, kannte nur einen Blinden, wusste aber dessen Namen. Matthäus, der selbst vor Ort war, sah beide Blinden.

F: Warum fragte Jesus in Mt 20,32 den offensichtlich blinden Mann, was er von ihm wünsche?

A: Dafür könnte es zwei unterschiedliche Gründe geben.

Erstens wollte Jesus, dass der Mann mündlich darum bat, bevor ihm das Augenlicht geschenkt wurde, und Jesus gab dem Mann die Gelegenheit dazu.

Zweitens möchte nicht jeder, der behindert ist, geheilt werden. Es gab Fälle, in denen Menschen in Leprakolonien ihre Kinder absichtlich ansteckten, damit diese für den Rest ihres Lebens versorgt würden.

Wenn Sie in Not sind, ein Wunder benötigen oder vor Traurigkeit über die Bosheit weinen, die Sie in Ihrem eigenen Herzen sehen, lassen Sie sich von niemandem und nichts davon abhalten, zu Jesus zu rufen.

F: Warum wies Jesus in Mt 21,1–3; Mk 11,2–3; Lk 19,30–31 seine Jünger an, einen Esel zu holen?

A: Wenn ein König in eine Stadt einzog, tat er dies auf einem Pferd, einem Tier für den Kampf, um zu symbolisieren, dass er ein Eroberer war. Wenn ein König oder Richter auf einem Esel einzog, symbolisierte dies, dass er in Frieden kam, ohne seine Armee. Damit erfüllte sich auch Sacharja 9,9–10.

Ein zentraler Punkt dieser Passage ist, dass Jesus auf sehr offensichtliche Weise verkündete, dass er der Messias sei. Sollte die jüdische Führung beschließen, ihn zu töten, würde dies nicht daran liegen, dass sie nicht wussten, dass Jesus behauptete, der Messias zu sein.

Zudem deutet die Zustimmung des Besitzers und seine Unverwunderlichkeit darüber, dass die Jünger den Esel mitnahmen, darauf hin, dass der Besitzer bereits damit einverstanden war, dass Jesus ihn benutzte. Als Jesus kurz in Bethanien, etwas außerhalb von Jerusalem, Halt machte, hätte dies Zeit gegeben, dass sich die Nachricht verbreitete und sich Menschenmengen bildeten.

F: Wie reagieren heute verschiedene Menschen in Matthäus 21,1–46, wenn Jesus und seine Lehre in ihr Leben treten?

A: Manche begrüßen es, Jesus näher kennenzulernen und mit ihm zu gehen. Andere versuchen, es zu ignorieren. Wieder andere reagieren feindselig und fragen: „Für wen hält er sich eigentlich, dass er kommt und uns vorschreibt, was wir tun sollen?“ Seien Sie vorsichtig, mit wem Sie sich umgeben. Wenn Sie viel Zeit mit der letztgenannten Gruppe verbringen oder Umgang mit ihr pflegen, achten Sie darauf, dass Sie nicht immer mehr wie sie werden.

F: Warum war Jesus in Mt 21,12–13, Mk 11,12–19 und Lk 19,43–48 zornig auf die Geldwechsler?

A: Diese Menschen befanden sich im Haus Gottes, ohne die Absicht, Gott anzubeten. Sie stellten sowohl eine Ablenkung als auch eine Entmutigung für diejenigen dar, die gekommen waren, um Gott anzubeten. Gott nimmt unsere Anbetung sehr ernst.

Die jüdischen Mischna-Texte berichten von Fällen von Preiswucher bei Tieren. (Die frühesten Mischna-Texte entstanden um 200 n. Chr.) Wenn jemand ein Tier zum Opfer im Tempel bringen musste und die Preise für den Kauf eines Tieres ungerechtfertigt hoch waren, dann wurden die Armen davon abgehalten, Gott ordnungsgemäß anzubeten.

Es ist durchaus merkwürdig, dass einige, die so sehr auf eine ordnungsgemäße Religionsausübung zu bestehen schienen und Jesus dafür kritisierten, dass er Kindern erlaubte, „Hosanna“ zu rufen, kein Problem damit hatten, dass die Geldwechsler exorbitante Gewinne auf Kosten der Gläubigen erzielten.

Es ist interessant, dass sie für Opfergaben darauf bestanden, das römische Geld in tyrische Münzen umzutauschen. Manche hatten angenommen, dies liege daran, dass die römischen Münzen Abbildungen von Göttern und Kaisern trugen, die für sich beanspruchten, Götter zu sein. Allerdings wiesen auch die tyrischen Münzen Abbildungen von Göttern auf.

F: Was ist in Mt 21,14–15 von Bedeutung daran, dass Blinde und Lahme zu Jesus kamen, damit er sie heile?

A: In der antiken Gesellschaft war es sehr schwer, blind, lahm oder anderweitig arbeitsunfähig zu sein. Man konnte nicht erwarten, dass irgendeine Regierung einem helfen würde. Zwar halfen die jüdischen Gemeinden und die Familie den Armen, doch war es dennoch ungewiss, ob man die benötigte finanzielle Unterstützung erhielt. Obwohl dies im Alten Testament nicht vorgeschrieben ist, verboten die meisten jüdischen Autoritäten blinden oder lahmen Menschen, ein Opfer darzubringen, auch wenn ihnen der Zutritt zum Tempel weiterhin gestattet war. Jesus half ihnen, indem er sie heilte.

Im Gegensatz zur üblichen jüdischen Praxis, etwas Hilfe zu leisten und die Betroffenen für den Rest ihres Lebensunterhalts im Tempel betteln zu lassen, glaubte die Qumran-Gemeinschaft (1QSa 2,5–22; 1QM 7,4–5), dass alle verkrüppelten Menschen von der jüdischen Gemeinde oder dem messianischen Festmahl der Endzeit ausgeschlossen seien.

F: Da wir laut Mt 21,16–17 doch nur Gott anbeten sollen – warum nahm Jesus dann Lobpreis an?

A: Bei der Beantwortung sind vier Punkte zu berücksichtigen.

1. Jesus nahm nicht nur Komplimente und Lob entgegen, sondern in Johannes 9,38 nahm er auch Anbetung entgegen. (Das griechische Wort „proskuneo“ bedeutet hier weit mehr als nur Dank oder Respekt.)

2. Es ist gut, gottesfürchtigen Führern Ehre und Lob zu erweisen (jedoch keine Anbetung), wie Philipper 2,29 zeigt. Beten Sie jedoch nur Gott an (Matthäus 4,9–10; Lukas 4,7–8; Offenbarung 19,10; 22,8–9).

3. Nicht nur Menschen (Matthäus 2,2), sondern auch Engel verehren Jesus als Gott in Hebräer 1,6.

4. Jesus ist Gott (Johannes 1,1; Hebräer 1,8.9), und Jesus ist unser Herr und unser Gott (Johannes 20,28–29).

Frage: Warum schien Jesus in Mt 21,18–19 und Mk 11,14,20–21 so streng zu sein, dass er einen gedankenlosen Feigenbaum verdorren ließ?

A: Das ist fast so, als würde man fragen, wie viele Weizenpflanzen grausam ermordet wurden, damit Sie Ihre Scheibe Brot essen können. Die Antwort lautet: keine, denn Pflanzen, die nicht denken können, können nicht grausam ermordet werden. Wenn ein Baum zudem zu dem botanisch erwarteten Zeitpunkt keine Knospen und Früchte zeigt, ist dies ein Anzeichen dafür, dass er krank ist – was eine treffende Beschreibung der jüdischen Religionsführung darstellt.

Jesus machte sich keine Gedanken über die nicht vorhandenen Gefühle der Pflanze. Vielmehr fordert uns Jesus in Markus 13,28–29 auf, das Gleichnis vom Feigenbaum zu beachten. Wenn die Zweige und Blätter sprießen, dann ist der Sommer nahe. Ebenso ist die Erlösung der Menschen nahe, wenn der Messias nach Jerusalem kommt. Doch diese Führer machten den Anschein, geistlich fruchtbar zu sein, waren aber in Wirklichkeit unfruchtbar.

Feigenbäume treiben ihre Blätter aus, kurz bevor sie grüne Feigen tragen. Die Feigenblätter ohne die Feigen sind so etwas wie „irreführende Werbung“. Doch wenn es jetzt keine frühen Feigen gibt, wird es später auch keine reifen Feigen geben. Am Ufer des Sees Genezareth trugen die Feigenbäume zehn Monate im Jahr Früchte, während die Saison um Jerusalem herum kürzer war.

Nachdem Jesus dies getan hatte, verwendete er in Matthäus 24,32 das Gleichnis vom Feigenbaum.

Das Werk „Hard Sayings of the Bible“, S. 441–442, das sich auf einen Artikel mit dem Titel „The Barren Fig Tree“ von W. M. Christie stützt, liefert weitere Einzelheiten. Dort heißt es, dass gegen Ende des Monats März Blätter an Feigenbäumen zu sprießen beginnen und kleine Knospen wachsen, die im palästinensischen Arabisch „taqsh“ genannt werden und die Größe grüner Mandeln haben. Diese fallen ab, da es sich nicht um echte Feigen handelt, doch Bauern essen sie, wenn sie hungrig sind, obwohl sie nicht besonders gut schmecken. Wenn jedoch die Feigenblätter ohne „Taqsh“ erscheinen, wird es keine Feigen geben.

Frage: Da wir in Mt 21,21–22 und Mk 11,24 im Gebet um alles bitten können – warum bitten Christen dann nicht darum, dass alle Menschen Christen werden, und warum wird dieser Wunsch nicht erfüllt? Außerdem habe ich eine lange Wunschliste …

A: Gott kann alles tun (außer lügen, sich vom Bösen in Versuchung führen zu lassen, sich selbst zu verleugnen oder bei jemandem zu schwören, der größer ist als Er selbst), doch eine logische Unmöglichkeit existiert nicht. Gott kann keine Menschen erschaffen, die sich frei dafür entscheiden, Ihn zu lieben und Ihm zu gehorchen, ohne dass diese fähig wären, sich frei dafür zu entscheiden, Ihn zu lieben und Ihm zu gehorchen.

Selbst Jesus weinte in Matthäus 23,37–39 über die Ablehnung, die ihm Jerusalem entgegenbrachte. Selbst den Pharisäern wurde in Lukas 7,30 gestattet, „Gottes Plan für sich selbst abzulehnen“.

Was die langen Wunschlisten betrifft, lesen Sie bitte die Erläuterung zu Matthäus 7,7–11, in der dargelegt wird, wie Gott uns – wie ein weiser Vater – nur die guten Dinge gibt, um die wir auf die richtige Weise bitten. Gelobt sei Gott, dass Er uns nicht immer „Ja“ sagt!

F: Ist es in Mt 21,21–22 und Mk 11,24 garantiert, dass man immer das erhält, worum man betet, wenn man betet und glaubt?

A: Nein, dieser Vers besagt, dass man wirklich an das glauben muss, worum man bittet. Wenn man Sünde in seinem Herzen hegt (Psalm 66,18), den Armen kein Gehör schenkt (Sprüche 21,13), gottlos ist (Sprüche 15,29; Jesaja 59,1–3), sich weigern, auf Gott zu hören (Sacharja 7,11–14 und impliziert in Sprüche 28,9), oder beten, um Ihre egoistischen Wünsche zu befriedigen (Jakobus 4,3), wird Gott Ihnen dies – wie ein weiser Vater – nicht gewähren.

F: Wie groß war der Tempelhof in Mt 21,23?

A: Vor dem Wirken Jesu hatte Herodes der Große den Tempelhof auf etwa 330 Yards mal 500 Yards (300 Meter mal 460 Meter) vergrößert. Dort befand sich Jesus, als er die Geldwechsler vertrieb und predigte.

F: Warum hat Jesus in Mt 21,23–24 ihre Frage, ob er der Messias sei, nicht einfach beantwortet?

A: Die Antwort war für diejenigen, die es wissen wollten, offensichtlich. Doch selbst nach all den Wundern war es nicht möglich, eine Antwort zu geben, die sie akzeptieren würden, da sie sich hartnäckig geweigert hatten, zu glauben. Deshalb sprach Jesus so, dass sie, wenn sie seine Frage ehrlich beantworten würden, damit auch ihre eigene beantworten würden. Leider suchten die Fragesteller, als sie selbst befragt wurden, nach der zweckmäßigsten Antwort, nicht nach der wahren.

F: Warum weigerte sich Jesus in Mt 21,24–27, Mk 11,33 und Lk 20,7–8, ihnen zu sagen, mit welcher Vollmacht er diese Dinge tat?

A: Bei der Beantwortung sind zwei Punkte zu berücksichtigen.

1. Jesus war nicht verpflichtet, die Frage einer Person zu beantworten, insbesondere nicht, wenn diese nicht gestellt wurde, um die Wahrheit herauszufinden, sondern um Ihn in eine Falle zu locken.

2. Sie kannten die Antwort bereits. Jesus hatte durch sein Handeln bereits beansprucht, von Gott zu sein. Sie wollten zu diesem Zeitpunkt lediglich eine klare Aussage in seinen eigenen Worten.

Da wir die Wahrheit verkünden, dürfen wir nicht lügen, aber es ist in Ordnung, eine Antwort manchmal zu verweigern, insbesondere wenn die Fragenden die Wahrheit gar nicht wissen wollen, sondern nur versuchen, Sie in eine Falle zu locken.

F: Da in Mt 21,33–41 Gott durch den Gutsherrn symbolisiert wird: Weiß Er da manchmal nicht, was vor sich geht?

A: Der Gutsherr symbolisiert zwar Gott, doch Er weiß sehr wohl, was geschieht, wie die Tatsache beweist, dass Jesus dieses Gleichnis erzählt hat. Gott ist soooo geduldig und langmütig; dieses Gleichnis zeigt uns, dass Er sogar bereit ist, anhaltenden Ungehorsam und Ungerechtigkeit zuzulassen – ja, sogar den Tod Seines Sohnes –, um der Verlorenen willen. Dies geschieht, damit sie zu Ihm kommen mögen. Gottes Nachsicht hat jedoch ein Ende, nämlich am Tag des Gerichts, an dem alles in Ordnung gebracht wird.

In diesem Gleichnis ist der Gutsherr so gütig und doch streng. Er ist so gütig, fast schon bis zur Torheit. Doch am Ende trifft die Pächter der strenge Zorn, den sie verdienen.

Gott ist der Gutsherr, die Boten waren die Propheten des Alten Testaments, und der Sohn ist Jesus.

F: In Mt 21,43: Inwiefern haben einige dies in Bezug auf die Briten grob falsch ausgelegt?

A: Wenn es heißt, dass das Reich Gottes euch (Plural) [d. h. den Juden] genommen und einem anderen Volk (Singular, griechisch „ethnei“) gegeben wird, haben einige einen seltsamen Irrtum entwickelt, der als „britisch-israelitische Lehre“ bezeichnet wird. In der gängigsten Variante dieser Ansicht heißt es, die zehn verlorenen Stämme seien, anstatt sich in die anderen Völker des Nahen Ostens zu integrieren, alle gemeinsam auf die Britischen Inseln ausgewandert, und somit stammten die Briten von biblischen Juden ab (trotz genetischer Beweise, die das Gegenteil belegen). Offenbar müssen die Angeln, Sachsen, Jüten, Dänen und später die Normannen, die sich alle in Großbritannien niedergelassen haben, keinerlei Nachkommen gehabt haben! Wussten Sie jedoch, dass es genetische Marker gibt, die darauf hindeuten, dass jemand angelsächsische Vorfahren hatte? Etwa 25–40 % der Gene der Briten sind angelsächsischer Herkunft. Weitere wissenschaftliche Informationen finden Sie unter https://www.nature.com/articles/ncomms10408 (10. Dezember 2022).

Jedenfalls wurde diese Sichtweise durch ein Buch mit dem Titel „A View of the Hebrews“ populär gemacht, das kurz vor Joseph Smith Jr., dem Gründer des Mormonismus, verfasst wurde. An den britisch-israelitischen Glauben glauben die Mormonen und die „Worldwide Church of God“ von Herbert W. Armstrong.

Das hier gemeinte Volk ist die Kirche, und Christen aller ethnischen Hintergründe und aus allen Ländern sind gleichermaßen Teil davon.

F: War Jesus in Mt 21,46 wirklich ein Prophet, oder hielten ihn die Menschen lediglich für einen Propheten?

A: Die Tatsache, dass „sie ihn als Propheten betrachteten“, sagt nichts darüber aus, ob er tatsächlich einer war oder nicht. Er stammte von Gott, sprach Gottes Worte und sagte die Zukunft voraus; daher war er ein Prophet, und viele betrachteten ihn als solchen.

F: Wie kann Gott in Mt 22,13–14 allliebend sein, wenn er jemanden hinauswirft und in die Finsternis stürzt?

A: Wer hat gesagt, dass Gott allliebend ist? Die Bibel tut dies nicht. Wie es in Römer 11,22 heißt, sollten Sie sowohl die Güte als auch die Strenge Gottes berücksichtigen. Gott ist das liebendste Wesen im Universum. Doch Er ist nicht liebend in dem Sinne, wie manche „Liebe“ definieren, wenn ihre Definition im Widerspruch zu Seinen anderen Eigenschaften wie Heiligkeit, Gerechtigkeit und Zorn steht.

F: Bezieht sich der Satz „Viele sind berufen, wenige sind auserwählt“ in Matthäus 22,14 auf Unterschiede und Abstufungen im Glauben und in der Gewissheit, wie es die Bahá’í in „Some Answered Questions“, S. 129–131, lehren?

A: Nein. Wenn Sie das gesamte Gleichnis in Matthäus 22,1–14 lesen, werden die Menschen dort in zwei Kategorien eingeteilt: diejenigen, die zum königlichen Hochzeitsmahl eintreten, und diejenigen, die dies nicht tun. „Viele sind berufen, aber wenige sind auserwählt“ bezieht sich auf diejenigen, die eingeladen wurden, aber ablehnten, sowie auf einen Mann, der in unpassender Kleidung eintreten wollte. Möglicherweise ging er, nachdem er eingeladen worden war, seinen Geschäften nach, ohne sich auf die Hochzeit vorzubereiten, und als die Zeit plötzlich näher rückte, hatte er keine Zeit mehr, nach Hause zu gehen und sich umzuziehen. Das ähnelt in gewisser Weise einigen Menschen, die Christus nachfolgen wollen, aber ihren eigenen Tagesablauf nicht entsprechend anpassen. Wir müssen uns für Christus „umziehen“.

Übrigens handelt es sich hierbei um ein anderes Gleichnis als das in Lukas 14,16–24, das von einem privaten Festmahl handelt und eine andere Aussage hat.

Hierin liegt eine Lehre für jeden. Man kann nicht einfach einen einzelnen Vers der Bibel lesen, dabei ignorieren, was davor oder danach steht, und erwarten, die Bedeutung richtig zu deuten.

F: Was sagt Jesus in Mt 22,21 über Steuern und die Regierung?

A: Zunächst ein wenig Hintergrundinformation, dann die Antwort.

Viele Juden waren verärgert darüber, dass sie Steuern an die götzendienerischen, tyrannischen heidnischen Römer zahlen mussten. Tatsächlich behaupteten einige Eiferer, ein Jude entehre Gott, wenn er die Steuer an die Römer zahle. Eine römische Münze trug die Inschrift „Tiberius Caesar Augustus, Sohn des göttlichen Augustus“. Die Pharisäer zahlten die Steuer, weil sie dazu verpflichtet waren, aber sie taten dies widerwillig. Wer also die Zahlung von Steuern befürwortete, verlor ihre Unterstützung. Würde man hingegen die Nichtzahlung von Steuern befürworten, könnten die Fragesteller Jesu direkt zu den Römern laufen und ihnen davon berichten. So versuchten sie, Jesus in eine Zwickmühle zu bringen.

Jesus entschied nicht über ihren politischen Streit, ob die römische Herrschaft legitim war oder nicht. Doch Jesus sagte, man solle den herrschenden weltlichen Autoritäten – ob gerecht oder nicht – geben, was ihnen zusteht, und Gott geben, was ihm zusteht. Auch in Römer 13,1–6 heißt es, dass wir Steuern zahlen und uns den staatlichen Autoritäten unterordnen sollen.

Jesus vermittelte hier zudem eine zweite Botschaft. Jesus machte durch seine Antwort deutlich, dass Freiheit, nationale Unabhängigkeit und Patriotismus nicht das vorrangige Ziel eines Christen sind; vielmehr ist es die Nachfolge Gottes. Eine dritte Botschaft, die Jesus hier andeutete, ist, dass wir Bürger des Reiches Gottes sein und uns gleichzeitig den weltlichen staatlichen Regierungen unterordnen können. Die Römer, insbesondere später unter Nero, waren schreckliche Herrscher, die Korruption zur Normalität machten. Und doch gibt es keinen Bericht darüber, dass Paulus oder einer der anderen Apostel versucht hätte, einen Aufstand oder eine Unabhängigkeitsbewegung anzuzetteln.

F: Warum sagte Jesus in Mt 22,29 zu den Sadduzäern, die offensichtlich die Heilige Schrift studiert hatten, dass sie im Irrtum seien, weil sie weder die Heilige Schrift noch die Kraft Gottes kannten?

A: Den frühen christlichen Schriftstellern zufolge glaubten die Sadduzäer, dass nur die ersten fünf Bücher des Alten Testaments (Genesis bis Deuteronomium) Heilige Schrift seien, nicht der Rest der Bibel. Auch Josephus berichtete, dass sie sich ausschließlich an das hielten, was in der Tora stand. In Apostelgeschichte 23,8 heißt es, dass die Sadduzäer die Auferstehung, Engel und Geister leugneten. Auch heute noch können Menschen die Bibel lesen und studieren, entscheiden sich aber dennoch dafür, Gottes Kraft und die Bedeutung des Glaubens an die Heilige Schrift zu ignorieren.

F: Bedeutet Mt 22,30, dass wir im Himmel keine physischen Körper haben werden, da wir wie die Engel sein werden und Engel Geister sind (Hebr 1,14)?

A: Nein. Der Vergleich bezieht sich auf die Ehe. Es heißt nicht, dass wir in jeder Hinsicht wie Engel sein werden, sondern nur in dieser Hinsicht.

F: Bedeutet Mt 22,30, Mk 12,25 und Lk 20,34–35, dass es im Himmel keine Ehen gibt, oder lediglich, dass es keine neuen Trauungen gibt, sondern dass einige irdische Ehen im Himmel fortbestehen?

A: Aus Römer 7,2 wissen wir, dass es im Himmel keine Ehen gibt. Eine Frau kann nicht mit mehr als einem Mann verheiratet sein. Stirbt der Mann jedoch, ist sie von der Ehe befreit und kann erneut heiraten. Somit ist sie im Himmel nicht mehr verheiratet.

Nebenbei sei angemerkt, dass die falsche Religion des Mormonismus glaubt, dass manche „Tempel-Ehen“ ewig sind. Stirbt jedoch der Ehemann, kann die Ehefrau wieder heiraten. Es ist lediglich so, dass sie nicht zwei Tempel-Ehen für Zeit und alle Ewigkeit eingehen kann. Was würde der Mann im mormonischen Himmel aus mormonischer Sicht denken, während seine Frau nach seinem Tod eine „normale Ehe“ eingeht?

F: Stützt Matthäus 22,30 in irgendeiner Weise Sex außerhalb der Ehe, wie es die Sekte „Family of Love“ (ehemals „Children of God“) behauptet?

A: Keineswegs. Die Aussage, dass wir im Himmel keine eheliche Beziehung haben werden, bedeutet schlicht das, was Jesus damit gemeint hat: dass es im Himmel keinen Bedarf an Ehe geben wird. Es heißt dort nicht, dass wir auf Erden entweder sexuell promiskuitiv sein oder ohne Ehe völlig enthaltsam leben sollten. Diese Art von Behauptung ist insofern interessant, als sie zeigt, wie weit manche gehen könnten, um ihre eigenen Ansichten in die Bibel hineinzuinterpretieren, die dort gar nicht zu finden sind.

F: In Mt 22,30, Mk 12,25 und Lk 20,34–35 … Hallo. Mein Vater ist gerade verstorben. Meine Mutter nimmt es sehr schwer und möchte wissen, ob sie im Himmel noch mit ihm verheiratet sein wird. Ich weiß nicht, wie ich ihre Frage beantworten soll. Ich weiß, dass in Matthäus 16,19 steht, dass das, was auf Erden gebunden wird, auch im Himmel gebunden sein wird, und das, was auf Erden gelöst wird, auch im Himmel gelöst sein wird. Ich habe jedoch gehört, dass es „im Himmel keine Ehe gibt“. Ich habe keinen Bibelvers, der dies untermauert, aber ich habe es so gehört. Können Sie mir helfen, dies zu verstehen?

A: Mein Beileid an Sie und Ihre Familie zum Tod Ihres Vaters. Ich glaube nicht, dass Matthäus 16,19 sich auf die Ehe beziehen sollte, sondern vielmehr darauf, frei zu sein, in den Himmel zu kommen. Matthäus 22,23–32 bezieht sich jedoch darauf. Die Sadduzäer, die die Auferstehung leugneten, wollten sowohl Jesus als auch die Pharisäer diskreditieren, indem sie fragten: Wenn es im Himmel Ehen gibt wie auf Erden, was ist dann mit einer Frau, die mehrmals Witwe wird?

In Matthäus 22,30 antwortete Jesus, dass die Menschen im Himmel weder heiraten noch verheiratet werden, sondern wie die Engel Gottes sind – und Engel sind vermutlich stets unverheiratet. Manche haben versucht, daraus abzuleiten, dass es im Himmel keine Hochzeiten gibt, dass aber Menschen, die verheiratet waren, verheiratet bleiben. Dies ist jedoch keine stichhaltige Auslegung dieses Verses, denn wenn Jesus nur das gemeint hätte, wäre das Argument der Sadduzäer nicht widerlegt worden. In moderner Sprache ausgedrückt: Wenn eine Witwe erneut heiraten würde, dann wäre:

1) Ihr erster Ehemann im Himmel gerade eine Ehefrau verloren haben, oder

2) hätte sie im Himmel zwei Ehemänner, oder

3) Wenn sie sich über die Erlösung ihres Mannes nicht sicher wäre, wüsste sie bis zu ihrem Tod nicht, ob sie noch verheiratet oder unverheiratet wäre, da vermutlich jemand im Himmel nicht mit jemandem in der Hölle verheiratet wäre.

Nein, wie es in den Eheversprechen üblicherweise heißt: „bis dass der Tod uns scheidet“. Sollte Ihre Mutter sich später entscheiden, wieder zu heiraten, ist daran nichts auszusetzen, wie Paulus in Römer 7,1–3 lehrt. Es mag sich für Sie zunächst sogar seltsam anfühlen, sie mit einem anderen Mann zu sehen, aber Sie müssten sich daran gewöhnen; was Gott ausdrücklich für in Ordnung erklärt hat, sollten wir nicht als falsch bezeichnen.

All dies bedeutet jedoch nicht, dass sie nicht Tausende und Abertausende von Jahren mit ihrem ehemaligen Ehemann verbringen kann – als liebe Freunde im Himmel. Ich würde erwarten, dass ihr Ehemann sie im Himmel, wenn wir vollkommen sind, noch mehr lieben wird, als er sie auf Erden geliebt hat, und sie ihn ebenso. Natürlich werden beide Gott noch mehr lieben.

F: Ist es in Mt 22,31–32 und Mk 12,26 gerechtfertigt, dass Jesus diesen Punkt anhand der Zeitform des Verbs „bin“ darlegt?

A: Anscheinend ja, denn die Sadduzäer haben mit Jesus nicht über die Zeitform des hebräischen Wortes gestritten.

Außerdem hätte es keinen Sinn, Abraham, Isaak und Jakob zu erwähnen, wenn diese nicht existierten und wenn Gott andere nach ihrem Tod im Stich lassen würde. Die Sadduzäer konnten nur sagen: „Gott ist nicht mehr ihr Gott, weil sie tot sind.“ Jesus jedoch, ebenso wie die Pharisäer, sagte, dass Gott immer noch ihr Gott ist.

F: Warum hat Jesus in Mt 22,35–36 und Mk 12,28–29 diese Frage nicht zurückgewiesen, wie er es bei der vorherigen Frage zur Ehe getan hat?

A: Die vorherige Frage nach der Frau, die sieben Ehemänner hatte, diente nicht der Suche nach der Wahrheit, sondern sollte Jesus in eine Falle locken. Diese Frage wurde gestellt, weil der Fragende aufrichtig hören wollte, was Jesus zu sagen hatte. Es ist in Ordnung, Gott respektvoll jede Frage zu stellen, solange wir fragen, um die Wahrheit zu erfahren und ihr zu folgen.

Jesus war nicht der Einzige, dem diese Frage gestellt wurde; auch Rabbiner diskutierten dies untereinander. Hillels „negative goldene Regel“ entstand, als Nichtjuden ihn baten, das gesamte Gesetz zu erklären, während er auf einem Bein stehen konnte. Er sagte, die Zusammenfassung laute: „Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem anderen zu“, und der Rest des Gesetzes sei nur Kommentar dazu. Andererseits heißt es in der Mekilta Exodus 6 und im Sifre Deuteronomium 12,8; 19,11, dass alle Gebote des Gesetzes gleichermaßen wichtig sind.

F: Hat Jesus in Mt 22,37–40 und Mk 12,30 tatsächlich etwas zu Deuteronomium 6,4 hinzugefügt, oder hat er es nur umschrieben, ohne etwas hinzuzufügen?

A: Die Evangelien geben die Aussagen Jesu oft in eigenen Worten wieder und geben nicht unbedingt die genauen Worte wieder. In Matthäus 22,37–40 heißt es: Herz, Seele und Verstand. In Markus 12,30 heißt es: Herz, Seele, Verstand und Kraft. Der masoretische Text des Alten Testaments nennt Herz, Seele und Kraft, doch laut der NIV Study Bible, S. 1475, fügen einige Handschriften der Septuaginta das Wort „Verstand“ hinzu, sodass Jesus nicht der Erste war, der den Verstand hinzufügte. (Die erhaltenen Schriften von Philo dem Juden enthalten keinen Verweis auf Deuteronomium 6,4. Die Schriftrolle vom Toten Meer 4Q43 (=4QDt(p)) enthält Deuteronomium 6,4–11, doch mir liegt keine Übersetzung davon vor.)

Zudem sind im jüdischen Denken Herz, Seele und Verstand keine getrennten Kategorien, sondern überschneiden sich.

F: Bezieht sich das größte Gebot in Mt 22,37 lediglich auf „Herz, Seele und Verstand“, oder gehört auch die Kraft dazu, wie es in Mk 12,29–30 heißt?

A: Es gibt zwei mögliche Antworten.

1. Jesus hätte es auf verschiedene Weisen formulieren können, daher könnte beides zutreffen.

2. Die Evangelien berichten, woran Gott die Evangelisten erinnern ließ. Es ist kein Problem, eine konservative Auslegung der Schrift zu vertreten und zu sagen, dass Matthäus’ Erinnerung hier ungenau war, da er „Kraft“ vergessen hat.

Welche der beiden Antworten ist richtig? Es spielt eigentlich keine Rolle, wie die Antwort auf die nächste Frage zeigt.

F: Warum hat ein souveräner Gott in Mt 22,37 zugelassen, dass das „größte Gebot“ ungenau und auf zwei verschiedene Weisen überliefert wurde – als „Herz, Seele und Verstand“ in Mt 22,37 und als „Herz, Seele, Verstand und Kraft“ in Mk 12,29–30?

A: Der Grund, warum Gott dies bewusst zugelassen hat, könnte in 2. Timotheus 2,14 angegeben sein. Es fällt den Menschen nur allzu leicht, sich an den genauen Wortlauten festzuklammern und dabei den Kernpunkt – das Glauben und das Tun – zu vernachlässigen.

Die Bibel ist durch und durch genau und wahr, doch sie wurde nicht so präzise wie möglich verfasst und bewahrt. Da die Bibel mit all der Genauigkeit verfasst und überliefert wurde, die Gott verlangte (und sie ist in Teilen äußerst präzise), sind die Ungenauigkeiten, die wir in der Bibel sehen, in den Augen mancher Menschen von größerer Bedeutung als sie es für Gott sind.

Gott hätte dieses Gebot und andere Teile der Bibel präziser bewahren können, doch es ist wahrscheinlich, dass die Ungenauigkeiten von Seiten Gottes beabsichtigt waren. Gott hat betont, wie ernsthaft wir der Heiligen Schrift gehorchen sollen; wenn wir jedoch anfangen, über die Ungenauigkeiten zu streiten, hören wir auf, der Heiligen Schrift gemäß 1. Timotheus 6,4 und 2. Timotheus 2,14 zu gehorchen.

F: In Matthäus 22,40 heißt es: „An diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten.“ Wie ist das zu verstehen?

A: Das gesamte Gesetz befasste sich damit, wie wir Gott gefallen und mit ihm umgehen sowie wie wir andere Menschen lieben und mit ihnen umgehen. Natürlich hatte das Gesetz auch andere positive Auswirkungen, wie zum Beispiel die Verringerung von Krankheiten, ein hygienischeres Lagerleben, stärkere Familien usw., doch die Israeliten waren sich nicht unbedingt aller dieser hilfreichen Auswirkungen bewusst.

F: Wollte Matthäus in Mt 22,41–45 durch den Verweis auf Ps 110 widerlegen, dass Jesus der Sohn Davids ist?

A: Keineswegs, da Matthäus in Matthäus 4,3.6; 8,29; 14,33; 16,16; 26,63; 27,40,43,54 ausdrücklich darauf hinwies, dass Jesus der Sohn Gottes ist. Auch in Matthäus 2,15; 3,17; 17,5; 22,45 wird Jesus implizit als Sohn Gottes bezeichnet. Jesus wurde in Matthäus 1,1; 9,27; 15,22; 20,30.31; 21,9.15; 22,42 als Sohn Davids bezeichnet. Jesus stellte den Pharisäern ein Rätsel, auf das sie keine Antwort finden würden, solange sie ihn nicht annahmen. Die Tatsache, dass Jesus dem Psalm 110 zustimmt und ihn zitiert, um zu zeigen, dass diese Person Davids Herr ist, widerlegt nicht die Tatsache, dass Jesus dem Psalm 110 ebenfalls zustimmte und ihn zitierte, um zu zeigen, dass diese Person auch ein Sohn Davids war.

Übrigens: Wenn Jesus, der keine Rabbinerschule besucht hatte, eine Frage stellte, die all jene, die eine Rabbinerschule besucht hatten, nicht beantworten konnten, würde das für sie und ihre Schulen ziemlich schlecht aussehen.

Adamantius (um 300 n. Chr.) antwortete auf diesen Einwand von Bardesanes, indem er weitere Beispiele anführte, in denen Fragen gestellt wurden. „Das ‚Wie‘ ist keine Verneinung, sondern eine Frage. Tatsächlich kommt dieses Wort in der Heiligen Schrift nicht nur einmal, sondern häufig vor, um keine Verneinung, sondern eine Frage auszudrücken. Zum Beispiel: ‚Wie kann einer tausend jagen?‘ [Dtn 32,30 LXX]. Oder: ‚Wie ist die treue Stadt Zion zur Hure geworden?‘ [Jesaja 1,21 LXX]. Und: ‚Wie ist Luzifer vom Himmel gefallen, der am Morgen aufzugehen pflegte?‘ [Jesaja 14,12]. Christus sagte ‚wie‘ nicht, um zu leugnen, sondern um eine Frage zu stellen.“ „Dialog über den wahren Glauben“, Fünfter Teil, F13, S. 164.

F: Beweist Mt 22,42 die Reinkarnation, indem es zeigt, dass Jesus, der Sohn Davids, die Reinkarnation Davids war, wie es die (fälschlicherweise so benannte) „Unity School of Christianity“ behauptet?

A: Nein. Der Begriff „Sohn von“ kann sowohl „leiblicher Sohn“ als auch „Nachkomme“ bedeuten. Jesus war ein Nachkomme Davids. In der Heiligen Schrift gibt es keinen Beweis für die Reinkarnation, wohl aber Lehren, die sich gegen die Reinkarnation richten. In Hebräer 9,27 heißt es, dass es den Menschen bestimmt ist, einmal zu sterben und danach dem Gericht zu stehen. Darüber hinaus steht die Vorstellung, dass wir es immer wieder versuchen, vielleicht bis wir es „richtig“ hinbekommen, in völligem Widerspruch zu der Lehre, dass Menschen sterben und anschließend in den Himmel oder in die Hölle kommen.

Der frühchristliche Schriftsteller Minucius Felix (210 n. Chr.) fasst dies treffend zusammen. Er bezeichnet die Vorstellung, dass die Seelen der Menschen in Tieren wiederkehren, als „Anzüglichkeit von Clowns“. „Octavius“ von Minucius Felix, Kap. 34, S. 194

F: War es in Mt 23 richtig von Jesus, so streitlustig zu sein?

A: Zwar ist eine Debatte in Ordnung (wie Paulus sie führte), doch in diesem Kapitel debattiert Jesus nicht. Er schildert lediglich die Tatsachen, wie sie sind, und tadelt die Pharisäer scharf. Wenn Ihnen die Vorstellung, dass Jesus jemanden scharf tadelt, theologisch fremd ist, muss sich Ihre Theologie vielleicht ändern, um dem zu entsprechen, was Jesus tun würde. Wie es im „Believer’s Bible Commentary“ auf S. 1288 heißt, warnte Jesus vor „großen Worten bei geringem Handeln“.

F: In Mt 23,5–7: Inwiefern ähneln manche Menschen heute den Pharisäern, indem sie ihren Stolz zum Ausdruck bringen und ihn zugleich verbergen?

A: Den Pharisäern ging es ausschließlich um „die Show“; sie legten großen Wert darauf, andere wissen zu lassen, wie fromm sie waren. Doch ihre großen Gebetsriemen, mit denen sie Deuteronomium 6,8 buchstäblich erfüllten, waren lediglich ein Mittel, um allen anderen zu zeigen, wie fromm sie waren – ähnlich wie das Tragen eines extrem großen Kreuzes. Heutzutage tun Menschen Dinge, um anderen zu zeigen, wie viel Geld sie besitzen, wie hoch ihr Bildungsstand ist oder wie beliebt sie sind. Hüten Sie sich vor der Versuchung, Ihren Selbstwert anhand dieser Dinge zu definieren.

Stellen Sie sich vor, Sie würden sich ehrenamtlich engagieren, um hungernden Menschen zu helfen, und dabei ein großes, mit Diamanten besetztes Kreuz aus 14-karätigem Gold tragen. Ist an diesem Bild etwas falsch? Stellen Sie sich vor, Sie würden einer Einrichtung viel Geld spenden, und diese würde nicht darum bitten, ein Gebäude nach Ihnen zu benennen, aber Sie würden darauf bestehen, dass das Gebäude nach Ihnen benannt wird.

F: In Mt 23,9 heißt es kurz gesagt, dass wir niemanden „Vater“ nennen sollen – dürfen wir dann unseren irdischen Vater so nennen?

A: Ja. Jesus war nicht dagegen, auf die direkte leibliche und familiäre Beziehung zu einem Vater hinzuweisen, da Jesus dieses Wort in diesem Zusammenhang selbst in Lukas 11,47 und Johannes 6,58 verwendete. Jesus war dagegen, die religiösen Titel „Vater“, „Meister“, „Lehrer“ oder „Rabbi“ zu verwenden, wie es die Juden taten.

Diese Aussagen lassen sich auf drei verschiedene Weisen betrachten, und alle drei sind richtig. Nennen Sie niemanden „Vater“, als ob dieser Ihr geistliches Leben erhalten könnte. Nennen Sie niemanden einen unfehlbaren Lehrer. Und niemand sollte Ihr „geistlicher Begleiter“ sein; Ihre Beziehung zu Gott ist genauso eng wie die zu jedem anderen Menschen.

Es gab Rabbiner zumindest seit der Zeit Hillels, einer Generation vor Jesus. Nachdem die Mischna um 217 n. Chr. zusammengestellt worden war, musste man seinem Rabbiner bedingungslos gehorchen, durfte weder neben ihm noch vor ihm gehen und durfte ihn nicht grüßen, bevor er einen nicht zuerst gegrüßt hatte.

Frage: Was meint Jesus in Mt 23,9, wenn er sagt: „Nennt niemanden Vater“? Offensichtlich können wir unsere leiblichen Väter „Vater“ nennen. Auch können wir unsere geistlichen Leiter – Pastoren – „Vater“ nennen. Paulus selbst bezeichnete geistliche Leiter als „Vater“. 1 Kor 4,15: „Auch wenn ihr in Christus zehntausend Erzieher habt, so habt ihr doch nicht viele Väter; denn in Christus Jesus bin ich durch das Evangelium euer VATER geworden.“ Apg 7,2: „Und Stephanus sprach: ‚Brüder und VÄTER, hört mir zu! Der Gott der Herrlichkeit erschien unserem Vater Abraham, als er noch in Mesopotamien war, bevor er in Haran wohnte.‘“ Sind die römisch-katholischen Gläubigen angesichts dieser Schriftstellen im Recht, wenn sie ihre Priester „Vater“ nennen?

A: Nein, die Katholiken verstoßen gegen diesen Vers, wenn sie Priester „Väter“ nennen. Würde die katholische Kirche jedoch einfach den Begriff „Vater“ in „Feder“ umbenennen, würde das allein noch nichts lösen. Ich denke, es gibt einige grundlegendere Aspekte, in denen sie diesem Vers nicht folgen.

Dies ist eine gute Frage, die ein sehr wichtiges Thema im Christentum anspricht: Inwiefern genau ist Gott unser Vater, und zwar auf eine Weise, wie es kein Mensch jemals sein könnte? Schauen wir uns zunächst an, was nicht die Antwort ist, und dann die Antwort selbst.

Matthäus 23,9 bedeutet NICHT drei Dinge

Biologische oder adoptive Verwandtschaft darf nicht geleugnet werden. Die Bibel sagt, dass soundso der Vater von soundso war, wobei der Begriff „Vater“ sowohl für den leiblichen Vater als auch für einen Vorfahren verwendet wird, wie in Jesaja 38,5. Jesus sprach von biologischer Verwandtschaft, als Er in Matthäus 10,37 ausdrücklich von den irdischen Vätern und Müttern der Menschen sprach.

Familiäre Pflichten dürfen nicht umgangen werden. In 1. Timotheus 5,8 heißt es, dass jeder, der nicht für seine Angehörigen, insbesondere für seine unmittelbare Familie, sorgt, den Glauben verleugnet hat und schlimmer ist als ein Ungläubiger. In Markus 7,11 bekräftigte Jesus dies, indem er von der Sünde sprach, die Hilfe, die man sonst seiner Familie gewähren würde, als „Corban“ – also als Gott geweiht – zu bezeichnen.

Jemand, der Sie zu Christus geführt hat. Paulus hat Timotheus wahrscheinlich nicht adoptiert; vielmehr ist es weitaus wahrscheinlicher, dass Paulus Timotheus als seinen Sohn bezeichnete, weil er ihn zu Christus geführt hatte (1. Timotheus 1,2.18; 2. Timotheus 1,2; 2,2; Philipper 2,22). Dies ist auch der Sinn von 1. Korinther 4,15–17. Hier gibt es einen Punkt, den manche Christen vielleicht vergessen haben. So wie Sie ein echtes Baby nicht fallen lassen würden, sollten Sie auch geistlich gesehen die neuen Kinder in Christus nicht „fallen lassen“. Sorgen Sie, soweit es möglich ist, dafür, dass sie in eine bibeltreue Gemeinde integriert werden. Helfen Sie ihnen theologisch und, falls nötig, auch materiell, und stellen Sie sicher, dass sie reichlich mit der Milch des Wortes Gottes genährt werden.

Matthäus 23,9 bezieht sich auf vier Dinge:

Schreiben Sie in Bezug auf Autorität und Rolle keinem Menschen auf Erden die Rolle Gottes, des Vaters, zu. Er ist letztlich unsere Quelle der Erlösung, unsere Quelle der Wahrheit und unsere höchste Quelle der Autorität. Während einige Juden glaubten, es sei Mose gewesen, der ihnen das Manna, das Brot vom Himmel, gegeben habe, musste Jesus sie in Johannes 6,32 daran erinnern, dass es NICHT Mose, sondern Gott war, der ihnen himmlische Nahrung gab. In „When Critics Ask“, S. 356, wird hinzugefügt, dass wir keinen bloßen Menschen als unseren unfehlbaren geistlichen Meister betrachten sollten, es jedoch in Ordnung ist, menschliche Mentoren zu haben, von denen wir wissen, dass sie fehlbar sind.

In dieser Beziehung ist Gott die Quelle der Erlösung und nicht irgendein sterblicher Mensch. Dass wir zu Kindern Gottes werden, beruht nicht auf natürlicher Abstammung oder menschlichen Mitteln, sondern wir sind aus Gott geboren (Johannes 1,13). Ein Christ hat einmal gesagt: „Gott hat keine Enkelkinder. Entweder ist man ein direktes Kind Gottes oder nicht (1. Johannes 3,1–2), aber man kann nicht bloß ein Enkelkind Gottes sein.“ Wenn ein paar mächtige Heilige für Sie vor Gott stehen könnten, würde Sie das retten? In Jeremia 15,1 heißt es, dass selbst wenn die Propheten Mose und Samuel für das jüdische Volk vor Gott stünden, dies sie nicht retten würde. Niemand außer Gott kann einen Menschen in den Himmel bringen, und es gibt keinen anderen Weg in den Himmel als durch die Erkenntnis Gottes.

Betrachten Sie im Gegensatz dazu die sehr hohe Wertschätzung, die jüdische Jünger ihren Rabbinern entgegenbrachten, und messen Sie Ihren menschlichen Religionslehrern nicht eine so hohe Bedeutung bei. Die Juden setzten ihre Hoffnung auf Mose (Johannes 5,45–46). Nun war Mose ein großer und gottesfürchtiger Mann, doch dennoch sollte unsere Hoffnung allein auf Gott gerichtet sein.

Dass wir Gott „Vater“ nennen dürfen, ist, wie in Epheser 3,14 beschrieben, ein kostbares Privileg. Einige Verse unter den vielen, die Gott als unseren Vater bezeichnen, sind Maleachi 1,6; 2,10 und Jesaja 63,16. Die Juden bezeichneten sich in Johannes 8,39a als Kinder Abrahams. Jesus bestritt in Johannes 8,39b–40 zwar nicht die genealogischen Tatsachen, doch er wies im Grunde genommen zurück, dass Abstammungsverhältnisse geistliche Beziehungen garantieren. Johannes der Täufer sagte zu den Pharisäern und Sadduzäern: „Und wagt es nicht, euch zu sagen: ‚Wir haben Abraham zum Vater.‘ Denn ich sage euch: Aus diesen Steinen kann Gott Abraham Kinder erwecken. Die Axt liegt schon an der Wurzel der Bäume, und jeder Baum, der keine guten Früchte bringt, wird gefällt und ins Feuer geworfen.“ (Mt 3,9–10 BSB)

Das Buch „When Critics Ask“ (S. 356) fasst es treffend zusammen, wenn es heißt, dass wir außer Gott und Seinem Wort keine sterblichen, unfehlbaren geistlichen Meister haben, wohl aber fehlbare geistliche Mentoren anerkennen.

Doch wie verhält es sich mit…

In Hiob 29,16 heißt es: „Ich war ein Vater für die Bedürftigen.“ Das bedeutet nicht nur, dass Hiob ihnen notwendigerweise geistlich half, sondern vielmehr, dass er einsprang, um die finanziellen Verpflichtungen der Familie für diejenigen zu erfüllen, mit denen er nicht verwandt war. Ebenso zeigt Psalm 68,5, dass wir den Waisen ein Vater sein sollen.

In Jesaja 51,2 heißt es: „Schaut auf Abraham, euren Vater, und auf Sara, die euch geboren hat.“ Abraham und Sara zeigen gemeinsam, dass es sich hier um eine Ahnenbeziehung handelt. Gott sagt damit: Schaut zurück auf diese Vorfahren, die ihr bewundert, eifert ihrem Glauben nach und seht, wie sie gesegnet wurden. Nichts in Jesaja 51 deutet jedoch darauf hin, dass Abraham (oder Sara) jetzt noch etwas für euch tun könnte; es ist Gott, der uns rettet.

2. Könige 2,12: Elisa rief Elia nach: „Mein Vater, mein Vater!“ Dies deutet wahrscheinlich nicht nur auf eine enge Meister-Schüler-Beziehung hin. Obwohl viele (darunter auch der „Bible Knowledge Commentary: Old Testament“, S. 540) darin sehen, dass Elisa Elia als seinen geistlichen Vater betrachtete, sagt Jesus in Matthäus 23,9, dass wir Menschen heute nicht auf diese Weise betrachten sollen.

1 Kor 4,15–17: „Auch wenn ihr in Christus zehntausend Erzieher habt, so habt ihr doch nicht viele Väter; denn in Christus Jesus bin ich durch das Evangelium euer Vater geworden.“ (16) Darum ermahne ich euch, mir nachzueifern. (17) Deshalb habe ich euch Timotheus gesandt, mein geliebtes und treues Kind im Herrn.“ Dies bezieht sich darauf, dass Paulus sie zu Christus geführt hat, nicht auf eine Rolle. Paulus war ein Apostel in der Gemeinde; es gab in der Gemeinde keine Rolle als „Vater“. Zu den Ämtern in der Gemeinde siehe 1. Korinther 12,28–29; Apostelgeschichte 6,1–4; 1. Timotheus 3,1–13; Titus 1,5–9.

In Apostelgeschichte 7,2, als Stephanus sie als Brüder und Väter ansprach, gibt es zwei Möglichkeiten. Die eine ist, dass Stephanus lediglich seinen Ältesten in dieser Gesellschaft Respekt zollte, ohne deren Glaubensüberzeugungen zu bestätigen. Eine zweite Sichtweise war, dass es falsch von Stephanus war, sie hier auf diese Weise anzusprechen.

In 1. Johannes 2,12.13.18 spricht Johannes seine Leser als „Kinder“ an, in 1. Johannes 2,1 sogar als „meine lieben Kinder“. Johannes war ein alter Mann, um sie als Kinder anzusprechen. Hebräer 13,17 besagt, dass Leiter in der Gemeinde Autorität besitzen und dass sie Gott Rechenschaft über ihre Aufsicht ablegen müssen. Auch wenn im 1. Johannesbrief nichts darauf hindeutet, dass jemand Johannes als „Vater“ bezeichnet hat, betrachtete Johannes die Menschen, denen er diente, als seine Kinder.

In 1. Johannes 2,13.14 werden „Väter“ im Zusammenhang mit jungen Männern und Kindern angesprochen. Auch wenn sich diese poetische Passage ebenfalls auf Beziehungen beziehen kann, die Menschen zu Christus führen, stützt diese Stelle keine kirchliche Rolle des „Vaters“, es sei denn, es gäbe auch eine kirchliche Rolle des „jungen Mannes“ und des „Kindes“.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Katholiken Unrecht haben, wenn sie Priester „Vater“ nennen, doch lassen Sie uns nicht über Worte streiten. Das eigentliche Problem besteht darin, fehlbaren Priestern mehr zu vertrauen als Gottes unfehlbarem Wort und an der Autorität von manchmal sehr bösen Päpsten und Kirchenkonzilen festzuhalten, anstatt an Gott selbst in Seinem Wort.

Vorbehalt: Denken Sie schließlich nicht, dass das Erkennen einer Wahrheit der Bibel bedeutet, Sie könnten aufhören, nach anderen Wahrheiten in der Bibel zu suchen. Die gesamte Passage aus Matthäus 23,5–13 zeigt, wie Kirchenführer dienende Führung praktizieren sollen – im Gegensatz zu den Pharisäern und anderen, die über andere herrschten.

F: Warum sprach Jesus in Mt 23,13–39 diese Wehe-Rufe aus?

A: Dies sind keine Flüche, sondern Ausdruck großer Trauer. Es sind warnende Zurechtweisungen, gewissermaßen das Gegenteil der Seligpreisungen in Matthäus 5,3–11. Versuchen wir, die Gefühle Jesu an dieser Stelle nachzuvollziehen, die ihren Höhepunkt in Matthäus 23,37–39 finden. Jesus war zutiefst betrübt darüber, dass Menschen, die Gott nachfolgen wollten, auf diese Menschen stoßen würden, die oberflächlich betrachtet genau die Art von Menschen zu sein schienen, nach denen sie suchen sollten. Doch diese Menschen würden sie in ein Gewirr von Regeln führen und sie weiter von der Liebe Gottes entfernen. Es war nicht nur so, dass diese Lehrer das Wesentliche verfehlten, sondern sie waren die schlimmsten Menschen, an die man sich wenden konnte, da sie anderen den Weg zur Erlösung versperrten.

F: Wie sieht in Mt 23,13–39 das Muster dieser Wehe-Rufe aus, und gibt es 7 oder 8 Wehe-Rufe?

A: Die frühen Handschriften enthalten nur sieben, da ihnen Matthäus 23,14 fehlt. (Dies sind der Sinaiticus, der Vaticanus, der Bezae Cantabrigiensis, einige italische Handschriften, die Vulgata, der sinaitisch-syrische Text, der sahidisch-koptische Text, der armenische Text und der georgische Text). Andere Handschriften platzieren Matthäus 23,14 entweder vor Vers 13 (Freer-Evangelien) oder nach Vers 13 (f13-Familie, einige italische Handschriften, die Clementine-Vulgata, offenbar auch die bohairisch-koptische Handschrift). Wenn es nur sieben Wehe-Rufe gibt, bilden sie einen guten Chiasmus.

23,13 Erstes Wehe – das Himmelreich verschließen (den Messias nicht erkennen

– 23,15 Zweites Wehe – sich gerecht geben, aber mehr Schaden als Gutes anrichten

– – 23:16–22 Drittes Wehe – Missbrauch der Heiligen Schrift

- - - 23:23–24 Viertes Wehe – den Sinn der Heiligen Schrift völlig verfehlen

- - 23:25–26 Fünftes Wehe – falscher Umgang mit der Heiligen Schrift

- 23:27–28 Sechstes Wehe – sich als gerecht ausgeben, aber mehr Schaden als Gutes anrichten

23:29-32 Siebtes Wehe – Erben derer, die die Propheten nicht erkannt, sondern getötet haben.

F: Warum richtete Jesus in Mt 23,13–33; 21,45; 16,4 scharfe Vorwürfe gegen die Ältesten seines Volkes? (Der Muslim Ahmad Deedat hat dies angesprochen.)

A: Bevor wir diese Frage beantworten, lassen Sie uns die Frage noch verschärfen. Jesus tadelte nicht nur die Pharisäer, die Gesetzesgelehrten und andere religiöse Führer, die ihn ablehnten, sondern er warnte sie auch davor, dass sie in die Hölle kommen würden. Jesus beschränkte sich jedoch nicht nur auf Worte. Er griff sogar zur Peitsche und warf zweimal die Tische der Geldwechsler im Tempel um. Es ist offensichtlich, dass er öffentlich die Autorität derer ablehnte, die die Tische der Geldwechsler überhaupt erst auf dem Tempelgelände zugelassen hatten.

Die Antwort besteht aus drei Teilen.

1) Jesus besaß eine größere Autorität als sie. Selbst wenn sie Gott gehorsam gefolgt wären (was sie nicht taten), konnte Jesus als Messias und Gottes Sohn ihnen vorschreiben, was Er wollte. Gott hat das Recht, unsere Pläne zu ändern und durcheinanderzubringen, wann und wie Er will. Warum tadelte Gott manchmal religiöse Führer? – Gott hat das Recht dazu. Jesus bekräftigte, dass auch er das Recht dazu hatte, und er tat es – sofern er Gott war.

2) In Matthäus 23,15 lehnte Jesus ausdrücklich die Autorität derer ab, die nicht nur selbst in die Hölle kommen würden, sondern auch andere in die Hölle führten. Im Gegensatz dazu erkannte Jesus, obwohl er größer war als Abraham, Mose und das Alte Testament, ausdrücklich deren Autorität und gebührenden Respekt an.

3) Heute wird uns geboten, den Autoritätsträgern, die die Wahrheit ablehnen, keine Beachtung zu schenken (Titus 1,14). Wir sollen diejenigen ablehnen, die Zwietracht säen (Titus 3,9–10). Tatsächlich bestand ein Problem im Laufe der Geschichte darin, dass viele allzu bereit waren, jemandem zu folgen, der gottlos ist, nur weil er ein religiöser Führer ist. Im Gegensatz dazu fordert uns die Bibel jedoch auch auf, gottesfürchtigen Führern zu gehorchen und uns ihrer Autorität zu unterwerfen (1. Thessalonicher 5,12–23; 1. Petrus 5,2–5; Hebräer 13,17).

F: Wie haben die Schriftgelehrten in Matthäus 23,14 und Markus 12,40 die Häuser der Witwen verschlungen?

A: Vielleicht auf ähnliche Weise, wie es falsche Lehrer heute tun. Wenn sie den Menschen aus egoistischen Motiven – um in diesem Leben etwas zurückzubekommen – sagen, sie sollten für ihr Werk spenden, können sie den Menschen damit raten, für ein Werk zu spenden, zu dem Gott vielleicht gar nicht möchte, dass sie beitragen.

F: In Mt 23,16–22: Wann sollten Sie heute – wenn überhaupt – etwas sagen, das den Anschein erweckt, als würden Sie eine verbindliche Vereinbarung eingehen, obwohl dies in Wirklichkeit nicht der Fall ist?

A: Wenn Sie absichtlich andeuten, dass es sich um eine verbindliche Vereinbarung handelt, obwohl Sie dies gar nicht beabsichtigen, bedienen Sie sich der Täuschung, um die Person zu überlisten, die Ihre Andeutung erkennt. Sie sollten „ausweichende Eide“ vermeiden und „klar und deutlich“ sein; Ihr „Ja“ soll „Ja“ sein und Ihr „Nein“ „Nein“, wie Jesus in Matthäus 5,37 sagte.

F: Warum bezeichnete Jesus in Mt 23,17 die Menschen als Narren, wo er uns doch in Mt 5,22 gesagt hat, dass wir dies nicht tun sollen?

A: Bei der Beantwortung sind zwei Punkte zu berücksichtigen, wobei der zweite Punkt wichtiger ist.

Das Wort für „Närrisch“ in Matthäus 5,22, „raca“, ist ein abwertender Slangausdruck, der wörtlich „Leerkopf“ bedeutet. Der deutsche Ausdruck „Dummkopf“ ist dem sehr ähnlich. Jesus hat die Menschen in Matthäus 23,17 mit diesem Wort nicht abwertend verspottet, und wir sollen Menschen nicht so bezeichnen. Jesus verwendete ein Wort für „Närr“, das zwar beschreibend, aber kein Slangausdruck war: „meroi“. Darüber hinaus sollen wir Menschen als von großem Wert betrachten, da sie nach dem Ebenbild Gottes geschaffen sind, und nicht als wertlos.

F: Inwiefern unterscheiden sich diese Wehe-Rufe in Mt 23,23–28 von den anderen?

A: Die anderen „Wehe“-Rufe kritisierten, was die Pharisäer lehrten und sagten. Diese „Wehe“-Rufe kritisieren, wer sie im Inneren sind und welches Beispiel sie geben. Ihr Beispiel ist nicht gut, aber es ist auch nicht zu 100 % böse. Es sieht äußerlich gut aus, ist jedoch innerlich voller Bosheit; und die Menschen durchschauen das. Jesus gibt in Matthäus 23,26 eine empfohlene Reihenfolge der Entwicklung vor. Er sagt, man solle sich zuerst um das Innere kümmern, dann werde auch das Äußere rein sein. Es hat wenig Sinn, das Äußere zu reinigen, wenn der innere Schmutz weiterhin nach außen sickert. Ritual ohne Wirklichkeit ist schlimmer als kein Ritual und keine Wirklichkeit.

Frage: In Matthäus 23,24: Inwiefern sieben die Menschen heute die Mücke aus und schlucken das Kamel?

A: Zunächst einmal geschieht dies in der Regel unbeabsichtigt. Tatsächlich handelt es sich im Aramäischen dabei um eine Art Wortspiel, da das Wort für „Mücke“ („qamla’“) dem Wort für „Kamel“ („gamla’“) sehr ähnlich ist. Im Deutschen ließe sich dies am ehesten mit „eine Mücke heraussieben und eine Fledermaus verschlucken“ vergleichen.

Menschen verhalten sich so entweder, weil sie keine Vorstellung davon haben, was wichtig und was unwichtig ist, oder weil sie sich bewusst dafür entscheiden, sich auf kleine, unwichtige Dinge zu konzentrieren, deren Ausgang kaum eine Rolle spielt – im Gegensatz zu wichtigen Dingen, auf die sie lieber nicht eingehen möchten. Manche Menschen möchten Probleme, bei denen sie nicht gut abschneiden, einfach ignorieren und sich stattdessen auf das konzentrieren, was sie gut können. In anderen Fällen wollen sie selbst die kleinsten Probleme bei anderen heraussuchen und ignorieren, was andere gut machen.

Eine einfache Frage, die Sie sich stellen sollten, lautet: Wenn es zwei Themen gibt, nach welchen Kriterien würden Sie sagen, dass das eine wichtiger ist als das andere – abgesehen von Ihrem momentanen emotionalen Empfinden?

F: Was ist in Mt 23,25 die Bedeutung des reinen Bechers?

A: In Anlehnung an den vorhergehenden Vers über das Sieben der Mücke gab es unter den Pharisäern gerade zu diesem Thema eine Meinungsverschiedenheit. Die Anhänger der Hillel-Schule (die nach 70 n. Chr. dominanter war) waren der Ansicht, dass ein Becher rein sei, wenn man nur das Innere reinigte. Die Anhänger der Schammai-Schule (die vor 70 n. Chr. dominanter war) waren der Ansicht, dass der Becher erst dann rein sei, wenn man sowohl das Innere als auch das Äußere reinigte. Jesus sagte, dass sie in der Praxis zwar die Außenseite, nicht aber die Innenseite reinigten.

Siehe Jacob Neusner, „First Cleanse the Inside“, in: NTS 22 [1976], S. 486–496, Mischna Kelim 2:1; 25:1, 7–9 und Berakoth 8:2.

F: Was will Jesus in Mt 23,27–29 mit den weiß getünchten Gräbern sagen?

A: „Weißkalk“ ist weiße Farbe, die zwar gut aussieht, sich aber beim nächsten Regen ablöst. Im Monat Adar, im März, wenn die Trockenzeit begann, trugen die Juden Weißkalk auf die Gräber auf, um sie schöner aussehen zu lassen. Was für ein Grab voller Tod geeignet ist, ist für einen Gläubigen, der voller Leben sein sollte, nicht angemessen.

Zu Jesu Zeiten legte Herodes großen Wert auf den Bau und die Renovierung von Gräbern, obwohl Herodes auch Gräber plündern ließ; die Zuhörer Jesu könnten darin einen Bezug zu Herodes erkennen.

F: Wer war, kurz gesagt, Zacharias (oder Zechariah) in Mt 23,35 und Lk 11,51?

A: Es handelte sich hierbei nicht um den Propheten Zacharias. Vielmehr war es der Priester Zacharias, den Joas in 2. Chronik 24,20–21 tötete. Die 2. Chronik war in der Reihenfolge der hebräischen Bibel das letzte Buch des Alten Testaments; als Jesus also von den Märtyrern von Abel bis Zacharias sprach, erwähnte er den ersten bis zum letzten Märtyrer des Alten Testaments.

F: War der in Matthäus 23,35 erwähnte Zechariah, der starb, der Sohn Berechias oder der Sohn Jojadas, der in 2. Chronik 24,20–21 zwischen dem Tempel und dem Altar getötet wurde?

A: Zunächst werden vier Standpunkte von Christen dargelegt, anschließend die Fakten, die die jeweiligen Standpunkte stützen.

1. Zacharias, der Sohn des Jojada

Diese Sichtweise steht mit allem im Einklang, wenn man davon ausgeht, dass der Ausdruck „Sohn des Berechja“ eine spätere Ergänzung durch einen Schreiber ist

2. Sacharja, Sohn des Berechja

Diese Ansicht steht mit allem im Einklang, wenn man davon ausgeht, dass Christus uns neue Informationen darüber gibt, wie der Prophet Sacharja starb.

3. Jojada hatte zwei Namen: Berechja könnte ein Spitzname sein, der „von Gott gesegnet“ bedeutet. Diese Ansicht geht auf Hieronymus (373–420 n. Chr.) zurück.

4. Vorfahr: Möglicherweise war der Zacharias, Sohn des Jojada, der Großvater bzw. Vorfahr des Zacharias, und es handelte sich um dieselbe Person.

Fakten, die verschiedene Ansichten stützen:

Sacharja, der Sohn Berechias, wirkte von 520 bis 480 v. Chr. Er war chronologisch gesehen einer der letzten Verfasser des Alten Testaments, und das Alte Testament berichtet nicht, wie er starb.

Sacharja, der Sohn des Priesters Jojada, wurde um 800 v. Chr., noch vor dem Exil, getötet. Sein Vater Jojada wurde 130 Jahre alt und wurde gemäß 2. Chronik 24,15–16 in Jerusalem bei den Königen beigesetzt. Aufgrund der Datumsangaben ist es ausgeschlossen, dass es sich bei diesen beiden Sacharjas um dieselbe Person handelt.

Die Septuaginta bezeichnet Jojadas Sohn als „Azarias, den Sohn des Priesters Jodae“, und den Verfasser des Buches als „Sacharja, den Sohn des Barachias, des Sohnes des Propheten Addo“. Somit weist die Septuaginta hier keinen Unterschied auf, abgesehen von der Aussprache der Namen.

Der Targum zu Klagelieder 2,20 und [offenbar] Johannes Chrysostomos berichten, dass der Prophet Sacharja, der Sohn Berechias, zwischen dem Tempel und dem Altar getötet wurde. (Ich konnte jedoch nicht unabhängig bestätigen, was Johannes Chrysostomos hierzu gesagt hat.)

Das Grab des Zacharias war zur Zeit Christi ein markanter Orientierungspunkt in Jerusalem.

Sacharja war ein weit verbreiteter Name. Tatsächlich gibt es in der Bibel 32 verschiedene Personen namens Sacharja.

Außerhalb der Bibel wurde laut Josephus in „Der Jüdische Krieg“ 4:334–344 ein Zacharias, Sohn des Baruch/Baris/Bariscaeus, von zwei Zeloten getötet. Er wurde im Tempelbereich getötet, jedoch wahrscheinlich nicht zwischen dem Tempel und dem Altar; daher handelt es sich hierbei um eine falsche Fährte, zumal „Der Jüdische Krieg“ nach der Zeit Christi spielt.

Das 2. Buch der Chronik war das letzte Buch in der Reihenfolge des jüdischen Alten Testaments. Auch wenn der Sohn des Jojada chronologisch gesehen nicht der letzte Märtyrer war, glich die Erwähnung von Abel bis hin zu Sacharja, dem Sohn des Jojada, in gewisser Weise der christlichen Redewendung „von der Genesis bis zur Offenbarung“.

In Lukas 11,51 kommt der Ausdruck „Sohn des Berechja“ nicht vor.

Irenäus (182–188 n. Chr.) zitiert in „Gegen die Häresien“, Buch 5, Kap. 14.1, S. 541, Matthäus 23,35 mit den Worten „Zacharias, der Sohn des Barachias“. Sollte es sich also um eine Ergänzung eines Schreibers handeln, so war diese bereits vor Irenäus’ Schrift vorhanden. Auch in Tatianus’ „Diatessaron“ (um 172 n. Chr.) findet sich Zacharias, der Sohn des Berechias (Abschnitt 41). Es gibt offenbar eine griechische Handschrift, die älter ist als der Sinaiticus und der Vaticanus und Matthäus 23,35 enthält. Es handelt sich um p77 (Mitte bis Ende des 2. Jahrhunderts), in der ebenfalls „Sohn des Barachias“ steht. Wäre „Sohn des Berechias“ also eine Hinzufügung, müsste sie sehr früh, vor etwa 170 n. Chr., vorgenommen worden sein.

Origenes (225–254 n. Chr.) bezieht sich ebenfalls auf diesen Vers und erwähnt Zacharias, den Sohn des Barachias, in „Origenes an Africanus“, Kap. 9, S. 389.

F: Heißt es in Mt 23,35, dass die Pharisäer für die Sünden ihrer Väter bestraft werden, obwohl in Hes 18 und Dtn 24,16 steht, dass Menschen nicht für die Sünden ihrer Väter schuldig sind?

A: Menschen werden nicht für das schuldig gesprochen, was ihre Väter getan haben. Wenn sie jedoch a) die Sünden ihrer Väter nicht missbilligen und b) selbst dieselben Sünden begehen, dann werden sie wegen ihrer eigenen Schuld bestraft, da sie dieselben Sünden wie ihre Väter begangen haben.

F: In Mt 23,37–40 wollte Jesus doch Jerusalem versammeln – warum geschah dies nicht, da Gott allmächtig, allwissend und [angeblich] allliebend ist?

A: In den letzten überlieferten öffentlichen Worten Jesu an das jüdische Volk erkennen Sie sowohl Herzschmerz als auch Gericht. Gott ist nicht allliebend. Dass Gott liebevoll ist, bedeutet nicht, dass Gott nichts als Liebe ist oder dass Gott allliebend ist, genauso wenig wie die Tatsache, dass Gott zornig ist, bedeutet, dass Gott nichts als Zorn ist oder dass Gott allzornig ist. Dasselbe gilt für „sanftmütig“ oder „eifersüchtig“. Gott ist das liebevollste Wesen im Universum, doch Gottes Liebe schließt Seine anderen Eigenschaften nicht aus.

Gott entschied sich, uns mit einem freien Willen zu erschaffen, und als sie Christus ablehnten – mit all den ewigen Konsequenzen –, entschied sich Gott, sie nicht zur Annahme Christi zu zwingen, sondern ihre Entscheidung zu respektieren, wenn auch unter Tränen Jesu.

Frage: Zeigt Matthäus 24,3–44, dass Jesus im Jahr 1914 unsichtbar wiedergekommen ist, wie es die Zeugen Jehovas lehren?

A: Nein. Das griechische Wort „parousia“ kann hier „Kommen“ oder „Anwesenheit“ bedeuten, und die „Neue-Welt-Übersetzung“ der Zeugen Jehovas interpretiert es als „Anwesenheit“. Wäre Christus im Jahr 1914 wiedergekehrt, hätte ihn niemand gesehen, es hätte keinerlei Auswirkungen gehabt, und dies stünde sowohl im Widerspruch zu Offenbarung 1,7 – wo es heißt, dass jedes Auge ihn sehen wird – als auch zu Apostelgeschichte 1,11. Bevor Jesus tatsächlich wiederkommt, wird es gemäß Matthäus 24,5 viele falsche Behauptungen geben, dass Christus bereits gekommen sei. Zwar haben die Zeugen Jehovas nicht tatsächlich behauptet, „sie seien Christus“, doch traten Behauptungen von Personen, die sich als Christus ausgaben – wie Rev. Moon, Guru Maharaj Ji, Jim Jones usw. – alle erst nach dieser Zeit auf.

F: Warum wird dies in Mt 24,19–20 für schwangere Frauen und stillende Mütter besonders schrecklich sein?

A: Ein Grund dafür lässt sich möglicherweise in dem christlichen Film „A Distant Thunder“ erkennen. Diejenigen, die das Malzeichen des Tieres nicht angenommen haben, werden es schwer haben.

In der Endzeit wird es Menschen geben, die nicht gläubig sind, und bevor sie das Malzeichen des Tieres empfangen, werden sie eine Entscheidung treffen müssen.

F: Welchen Unterschied macht es in Mt 24,20, wenn diese Flucht am Sabbat stattfindet?

A: Beachten Sie, wann dies geschehen wird. In der Endzeit werden viele Juden zu Christus kommen, wie es in Sacharja 12,10–12 und im Römerbrief 11 heißt. Die Juden werden weiterhin die Gesetze des Alten Testaments befolgen und den Sabbat einhalten.

F: Sollen wir daher gemäß Mt 24,20 heute den Sabbat (von Freitag Sonnenuntergang bis Samstag Sonnenuntergang) halten?

A: Christen haben zwei Antworten darauf.

1. Es gibt eine kleine Anzahl echter Christen, wie zum Beispiel die Siebenten-Tags-Baptisten, die mit „Ja“ antworten.

2. Eine zweite Antwort lautet „nein“, da sich dieser Vers auf Juden bezieht, die Gott suchen. Die Entrückung könnte zu diesem Zeitpunkt bereits stattgefunden haben.

F: Wie kann Gott in Mt 24,22 die kommenden Tage „verkürzen“?

A: Das bedeutet nicht, dass die Tage weniger als 24 Stunden dauern werden, sondern vielmehr, dass diese Zeit der schweren Verfolgung kürzer sein wird oder weniger Tage umfassen wird.

F: Warum würde Gott in Mt 24,23–27 zulassen, dass Menschen, die Christus suchen, von einem falschen Christus getäuscht werden?

A: Manchmal behaupten Menschen, nach einer Antwort zu suchen, doch sie akzeptieren nur eine der vorgegebenen Antworten, für die sie sich bereits entschieden haben.

Diese Frage wäre schwer zu beantworten, hätte Gott niemals eine Möglichkeit geschaffen, den wahren Christus von falschen Christussen zu unterscheiden. Gott hat mindestens sieben Wege vorgesehen, um zu erkennen, ob eine religiöse Gruppe eine geistliche Fälschung ist oder nicht.

1. Akzeptieren und lehren sie, was Gott in der Bibel sagt, oder widersprechen sie dem? Nun bedeutet es nicht, dass eine Gruppe eine geistliche Fälschung ist, wenn sie nicht in jedem einzelnen kleinen Punkt korrekt ist, wie Römer 14 und 1. Korinther 8,9–11 belegen. Wenn sie jedoch in den von Paulus in 1. Korinther 15,1–5 als „wesentliche Dinge“ bezeichneten Punkten im Unrecht sind, oder wenn sie leugnen, dass Jesus, der Messias, im Fleisch gekommen ist (1. Johannes 4,1–3), oder wenn sie einen anderen Jesus predigen (2. Korinther 11,1–15) oder ein anderes Evangelium verkündet (Galater 1,6–10), dann halten Sie sich und Ihre Familie von ihnen fern.

2. In diesem Zusammenhang: Leugnen sie die Bibel nicht so sehr, als dass sie sich weigern, die wichtigen Dinge zu bejahen, die sie lehrt? In 2. Timotheus 3,5–7 heißt es, dass wir nichts mit denen zu tun haben sollen, die zwar den Schein der Frömmigkeit haben, deren Kraft aber leugnen.

3. Ist ihre religiöse Erfahrung entweder nicht vorhanden oder seltsam? Verbringen sie Zeit im Gebet und mit dem Lesen von Gottes Wort? Haben sie seltsame religiöse Praktiken, die in der Bibel nicht zu finden sind?

4. Leben sie ihr Leben in Übereinstimmung mit dem, was die Bibel lehrt? Wenn jemand behauptet, Christ zu sein, sein Leben jedoch in einigen wesentlichen Bereichen im Widerspruch zu Gott führt, sagen 1. Korinther 5,9–13 und 2. Thessalonicher 3,10.14, dass wir keinen Umgang mit ihnen haben sollen.

5. Wäre eine religiöse Gemeinschaft mit ihnen ein eindeutiger Fall von „Anbetung mit Dämonen“ oder einer Verbindung mit Ungläubigen? 1. Korinther 10,20 und 2. Korinther 6,14–17 warnen uns davor und fordern uns auf, uns davon zu trennen.

6. Wenn jemand behauptet, der wiedergekommene Christus zu sein: Ist er dann wirklich in den Wolken vom Himmel gekommen, hat er die Christen entrückt und die Prophezeiungen in den Evangelien und der Offenbarung erfüllt?

7. Gläubige können auch zum wahren Gott beten, und Er wird uns helfen zu erkennen, was richtig ist. Ein christlicher Freund von mir erzählte mir, dass unmittelbar nachdem er zum Glauben gekommen war, einige mormonische Missionare zu ihm kamen, um mit ihm zu sprechen. Er erkannte, dass er angesichts seiner damals begrenzten Bibelkenntnisse keine Ahnung hatte, ob die Mormonen Recht oder Unrecht hatten. Also betete er zu Gott um Hilfe und schlug dann die Bibel auf, um darin zu lesen. Auf der allerersten Seite, die er aufschlug, las er Matthäus 7,15! Dort heißt es: „Hütet euch vor falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber reißende Wölfe sind.“

F: Wenn in Mt 24,23–27 jemand einem falschen Christus oder einer anderen geistlichen Fälschung folgt und aus unschuldiger Unwissenheit nicht erkennen kann, dass es sich um eine Täuschung handelt – warum würde Gott dies zulassen?

A: Es gibt zwei sich ergänzende Antworten.

Gott ist aktiv: Er kann Ereignisse so lenken, dass ein Christ mit dieser Person in Kontakt kommt, um ihr die Wahrheit zu zeigen. Dann muss die Person entscheiden, ob sie ihre Organisation mehr liebt oder ob sie die Wahrheit mehr liebt. Jeder Gott, der nicht der Gott der Wahrheit ist, ist es nicht wert, ihm zu dienen. Ich habe von Missionaren in Afrika und Asien gehört, die von Menschen angesprochen wurden, die behaupteten, Gott habe zu ihnen gesprochen und ihnen gesagt, der Missionar stamme von Gott. Wir brauchen uns keine Sorgen zu machen, dass Gott sich nicht kümmert oder nicht aktiv ist. Wir müssen Christen jedoch dazu ermutigen, fürsorglich und aktiv zu sein.

Gott ist gerecht: Gott richtet die Menschen nach dem, was sie wissen (Römer 4,15; 5,13), und Sünde wird nicht angerechnet, wo kein Gesetz ist. Wer heute wirklich keine Gelegenheit hatte, das Evangelium zu hören, könnte sich in einer ähnlichen Situation befinden wie ein Heide vor Christus, der das Evangelium nie gehört hat, oder wie ein Säugling, der gestorben ist.

F: Lehrt Mt 24,23–24, dass jeder von uns einen „kosmischen Christus“ in sich trägt, wie manche Anhänger der New-Age-Bewegung behaupten?

A: Keineswegs. Dieser Vers lehrt, dass es viele geben wird, die fälschlicherweise behaupten, Christus zu sein. Jesus ist der Christus, und obwohl wir danach streben sollen, mehr wie Christus zu leben, steht weder in diesem Vers noch an irgendeiner anderen Stelle in der Bibel, dass wir versuchen sollen, die Herrlichkeit und Ehre, die Christus zusteht, an uns zu reißen und für uns selbst zu beanspruchen. Christen werden für immer in Herrlichkeit bei Gott wohnen, aber wir werden nicht zu Gott werden, noch nicht einmal zu kleinen Göttern.

F: Wie konnten in Mt 24,24 die Auserwählten (die für den Himmel Bestimmten) getäuscht werden?

A: Ganz leicht. Mit „Auserwählten“ sind sowohl diejenigen gemeint, die bereits errettet sind, als auch diejenigen, die noch nicht errettet sind, aber errettet werden. Eine Reihe von Christen sind ehemalige Mormonen, ehemalige Zeugen Jehovas und ehemalige Mitglieder anderer spiritueller Irrlehren.

F: Hat der Blitz, der in Mt 24,27 von Osten nach Westen zuckte, etwas mit dem Bahá’í-Messias, genannt Bahá’u’lláh, und dem im selben Jahr (1863) aufkommenden Telegrafen zu tun?

A: Nein. Obwohl mir Bahá’í erklärt haben, dass der Telegraf diese Prophezeiung in Matthäus erfüllt, ist dies aus mindestens fünf Gründen falsch.

1. Ein Telegraf wäre nicht einmal annähernd eine so treffende Erfüllung wie Donner, Elektrizität, eine nukleare Explosion oder etwas Sichtbares. Beachten Sie, dass in Matthäus 24,27 steht: „Denn wie der Blitz vom Osten kommt und bis zum Westen leuchtet …“

2. Der wahre Christus wird sichtbar in den Wolken wiederkommen (Apostelgeschichte 1,11; Offenbarung 1,7), und Bahá’u’lláh stand nicht auf Wolken und kam auch nicht auf ihnen herab – es sei denn, man zählt nebulöses Denken dazu. ;-)

3. Außerdem ist Bahá’u’lláh nicht der wiedergekehrte Christus, da seine Lehre die Lehre Christi als Lüge bezeichnet. Der wahre Christus sagte, es gebe keinen anderen Weg zum Vater als durch Ihn.

4. Darüber hinaus haben sich die Prophezeiungen über den wiedergekehrten Christus – darunter die Entrückung der Christen, die Tötung eines Viertels der Weltbevölkerung durch Schwert, Hungersnot und Pest sowie die übrigen Ereignisse im Buch der Offenbarung – noch nicht erfüllt.

5. In Matthäus 24 heißt es zudem, dass es, bevor der wahre Christus wiederkommt, zunächst viele falsche Christusse geben wird.

Frage: Was bedeutet die Aussage in Mt 24,28 und Lk 17,37, dass sich die Geier dort versammeln werden, wo ein Aas liegt?

A: Um es bildlich auszudrücken: So wie Geier tote Kadaver finden können, ganz gleich, wo diese liegen mögen, so wird Gottes Rache jene finden, die Gott ablehnen und geistlich tot sind. Es ist interessant, dass Jesus hier den Vergleich mit Vögeln verwendet; Vögel werden auch in Offenbarung 19,17–21 erwähnt.

F: Wie kann in Mt 24,29 die Sonne sich verfinstern und die Sterne vom Himmel fallen?

A: Zwar hat Gott die Macht, das von der Sonne ausgestrahlte Licht zu verändern und die Sterne zu bewegen oder zu vernichten, doch könnte sich dies stattdessen darauf beziehen, dass die Sonne verdunkelt wird und die Sterne für Beobachter auf der Erde unsichtbar werden. Viele Dinge können dies verursachen, wie beispielsweise Umweltverschmutzung, Vulkanausbrüche, brennende Ölquellen und nukleare Explosionen.

F: Sind in Mt 24,30 die Wolken etwas, das den Wegen und Wünschen der Menschen entgegensteht, wie es die Bahá’í in „Bahá’u’lláh und das neue Zeitalter“, S. 280–281, lehren?

A: Nein. Nicht nur wird jeder Jesus sehen, wenn er in den Wolken wiederkehrt, und die Völker der Erde werden um ihn trauern (Offenbarung 1,7), sondern derselbe Jesus wird in den Wolken genau so wiederkehren, wie er gemäß Apostelgeschichte 1,9–11 gegangen ist.

F: Was ist Ihre persönliche Ansicht zur Entrückung in Mt 24,31? (Ein Christ hat mich dies gefragt.)

A: Ich bin dafür. ;-) Im Ernst, lassen Sie mich Ihnen zunächst die gängigen Positionen der Christen zum Zeitpunkt der Entrückung darlegen und am Ende meine eigene Position erläutern.

„Pre-Wrath“-Theorie: Die Entrückung findet während der Trübsal statt, jedoch unmittelbar bevor der Zorn Gottes ausgegossen wird. Die wichtigste Stütze für diese Ansicht ist eine Schlussfolgerung: Gehorsame Gläubige müssen oft den Zorn der Menschen erdulden, aber niemals den Zorn Gottes. Marvin Rosenthal verfasste ein Buch, in dem er diese Ansicht vertritt. Er war früher ein Verfechter der „Pre-Trib“-Theorie.

„Pre-Trib“: Die Entrückung findet unmittelbar vor Beginn der Trübsal statt. Zusätzlich zu den Argumenten für die vorherige Ansicht wird die Gemeinde im Buch der Offenbarung nach den Briefen an die sieben Gemeinden nicht mehr erwähnt. Anhänger der „Pre-Trib“-Sicht glauben, dass die Entrückung in Offenbarung 4,1 stattfindet, als Gott zu Johannes sagt: „Komm herauf!“ Der dispensationalistische „Bible Knowledge Commentary: New Testament“ (S. 79) vertritt zwar die Vor-Trübsal-Theorie, glaubt jedoch nicht, dass Matthäus 24 sich auf die Entrückung bezieht. Der ebenfalls dispensationalistische „Tony Evans Bible Commentary“ (S. 910) erklärt, dies beziehe sich auf die Trübsalszeit nach der Entrückung und betreffe somit nicht die entrückte Gemeinde.

Da niemand die Stunde in Matthäus 24 kennt – und wenn die Menschen wüssten, wann die Trübsal beginnt, könnten die Gläubigen herausfinden, wann die Entrückung stattfinden würde, falls die Post-Trib-Theorie zuträfe.

Ein beliebter Satz der „Pre-Trib“-Anhänger lautet: „Das nächste Ereignis im prophetischen Kalender ist die Entrückung der Gemeinde.“ Ihre wichtigste Stütze ist, dass in 1. Thessalonicher 5,2 steht, dass der Herr wie ein „Dieb in der Nacht“ kommen wird. Gegen diese Ansicht spricht jedoch 2. Thessalonicher 2,1–3, wo es heißt, dass die „Versammlung“ erst stattfinden wird, wenn die Rebellion eintritt und der Mensch der Gesetzlosigkeit offenbart wird. Somit sind die nächsten beiden Ereignisse im prophetischen Kalender die Rebellion und die Offenbarung des Menschen der Gesetzlosigkeit, NICHT die Entrückung. (Natürlich können Anhänger der Vor-Trübsal-Theorie entgegnen, dass die Entrückung unmittelbar nach dem Eintreten dieser Ereignisse stattfinden könnte und die Trübsal erst dann beginnen würde.)

Die „Mid-Trib“-Anhänger glauben, dass die Entrückung möglicherweise etwas vor dem „Pre-Wrath“ stattfindet, wobei sie sich auf ähnliche Belege stützen.

Die „Post-Trib“-Anhänger glauben, dass die Entrückung am Ende der Trübsal stattfindet. Ihre wichtigste Stütze ist 1. Korinther 15,52, wo es heißt, dass wir „bei der letzten Posaune“ verwandelt werden. Andere Ansichten besagen jedoch, dass dies die letzte Posaune ist, die die Gläubigen hören, nicht die letzte Posaune, die geblasen wird.

„No-Trib“: Viele Präteristen glauben, dass es überhaupt keine Trübsal geben wird. Sie müssen Matthäus 24,31 und den größten Teil der Offenbarung sehr symbolisch auslegen. Seien Sie jedoch äußerst vorsichtig bei jeder Art von Auslegung, die Bibelstellen entweder bedeutungslos macht oder behauptet, dass ein gewöhnlicher Mensch, der eine Bibelstelle liest, im Allgemeinen durch das Gelesene in die Irre geführt wird.

Pan-Trib: Gott kann die Entrückung zu jedem beliebigen Zeitpunkt herbeiführen, und Er gibt in der Heiligen Schrift keinen klaren Hinweis darauf, wann dies geschehen wird. Man kann sich als „Pan-Trib“ bezeichnen, wenn sich am Ende alles zum Guten wendet.

Ich neige zur „Pre-Wrath“-Theorie, bin aber dennoch ein Anhänger der „Pan-Trib“-Lehre. Um verschiedene Perspektiven kennenzulernen, lesen Sie vielleicht die Artikel „Die Entrückung vor, während oder nach der Trübsal“ und „Die Entrückung der Gemeinde vor dem Zorn Gottes“.

F: In Mt 24,31, 1 Thess 4,16 und 1 Kor 15,52 – welcher Posaunenruf ist die letzte Posaune?

A: In 1. Thessalonicher 4,16 ist von einer lauten Posaune die Rede, doch 1. Korinther 15,52 setzt diese mit der „letzten Posaune“ Gottes gleich. In Offenbarung 8,6–9,21 und 11,15 ertönen sieben Posaunen; doch wie in „1001 Bible Questions Answered“, S. 270–271, dargelegt wird, muss die „letzte Posaune“ nicht unbedingt eine der sieben Posaunen sein – es könnte sich auch um eine andere handeln.

F: Was symbolisiert der Feigenbaum in Matthäus 24,32?

A: Dies könnte eine Analogie zum Gericht sein, wobei der Feigenbaum, der keine Früchte trägt, für Israel steht, das verdorren würde.

Natürlich kann man nicht jedes Detail eines Gleichnisses betrachten und ihm eine eigene, spezifische Bedeutung zuweisen. Die Bedeutung des Gleichnisses vom Feigenbaum besteht darin, wachsam zu sein und auf die Zukunft zu achten, und Jesus „nutzt die Neigung des Feigenbaums, zu blühen und Früchte zu tragen, als positives Zeichen für den Blick in die Zukunft“.

F: In Mt 24,34 und Mk 13,30 heißt es, dass „diese Generation“ nicht vergehen wird, bis Jesus wiederkommt – wie kann das sein? (Der liberale Humanist Albert Schweitzer brachte diesen Einwand vor.)

A: Christen haben drei verschiedene Antworten.

a) Das griechische Wort für „Generation“, genea, kann an sich bereits „Volk“ bedeuten. Laut Thayers Griechischem Lexikon des Neuen Testaments (S. 112) bedeutete genea:

a1) Menschen desselben Stammes oder eine Familie: Josephus, „Antiquitates Judaicae“ 4,8,7 (verfasst um 93–94 n. Chr.), Septuaginta, Genesis 31,3 usw.

a2) aufeinanderfolgende Nachkommen: Philo

a3) ein Zeitalter: Herodot 2,132, Heraklit bei Plutarch, Apostelgeschichte 14,16. In 1 Qp (Pesher) Habakuk 2,7; 7,3 kann der Begriff „letzte Generation“ mehrere Lebensspannen bedeuten.

b) Es besteht nur ein Buchstabenunterschied zwischen diesem und einem ähnlichen griechischen Wort, das ausschließlich „Stamm“ bedeuten kann, nämlich „gonea“; daher könnte es sich um einen Druckfehler handeln. Allerdings lautet die Bezeichnung in allen uns derzeit vorliegenden Handschriften des Neuen Testaments „genea“.

c) Das griechische Wort für all diese Dinge, „panta tauta“, bedeutet, dass diese Generation jene Generation war, die die vorangegangenen Zeichen gesehen hat. („Schwierigkeiten in der Bibel“, S. 173–174; „Das ist mal eine gute Frage“, S. 495–496)

Frage: Bedeuten Mt 24,34 und Mk 13,30, dass all diese Dinge innerhalb einer Generation nach 1914 geschehen werden, wie es in der Zeitschrift „Der Wachtturm“ der Zeugen Jehovas, Band 15, Februar 1986, S. 5, gelehrt wurde?

A: Nein. Die Zeugen Jehovas lehren, dass Jesus Christus im Jahr 1914 unsichtbar wiedergekommen sei und dass die Ereignisse aus Matthäus 24 innerhalb einer Generation danach eintreten würden. Ist jedoch die Grundannahme, dass Jesus im Jahr 1914 wiedergekommen sei, fehlerhaft, dann ist auch ihre Argumentation fehlerhaft. Dies ist ein Beispiel für das, was als „Eisegese“ bezeichnet wird, also das Einlesen der gewünschten Bedeutung in die Heilige Schrift, im Gegensatz zur „Exegese“, bei der man aus der Heiligen Schrift herausliest, was dort tatsächlich steht.

F: Da Gott allwissend ist, warum hatte Jesus dann, wie Ahmad Deedat behauptet, in Mt 24,36 und Mk 13,32 keine Kenntnis vom Jenseits?

A: Deedat ist hier nicht ehrlich. Dieser Vers besagt, dass Jesus, während er auf Erden war, den Tag seiner Wiederkunft nicht kannte. Es ist eine Lüge zu behaupten, dieser Vers besage, Jesus habe keine Kenntnis vom Jenseits gehabt. Glaubte Deedat wirklich, dass Jesus in den Evangelien keine Kenntnis vom Himmel, von der Hölle und absolut „keine Kenntnis vom Jenseits“ hatte? Ich bezweifle, dass Deedat selbst hier überhaupt wirklich an seine eigenen Worte geglaubt hat.

F: Da Gott allwissend ist und Jesus Gott ist – wie kommt es dann, dass Jesus in Mt 24,36 und Mk 13,32 den Tag seiner Wiederkunft nicht kannte?

A: Jesus entäußerte sich vieler Eigenschaften Gottes, während er auf Erden war, wie Philipper 2,6–8 und Johannes 17,5 zeigen. Selbst wenn dieser Satz nicht im Matthäusevangelium stünde, wäre es daher nachvollziehbar, dass Jesus auf Erden nicht alles wusste. Im Himmel jedoch ist Jesus als Teil der Dreifaltigkeit allwissend.

Athanasius (331 n. Chr.) sagt, dass Jesus als Gott alle Dinge wusste, aber in Seiner Menschlichkeit trug Jesus Unwissenheit und wusste nicht nach dem Fleisch. Während Jesus an Erkenntnis nach dem Fleisch zunahm, wusste Jesus in Seiner Menschlichkeit dies noch nicht. Vier Reden gegen die Arianer, Rede 3, Kap. 28, 42–58, S. 416–425.

Athanasius schreibt ferner: „Und Er [Jesus] wusste, wo Lazarus lag, und doch fragte Er; denn das allheilige Wort Gottes, das um unseretwillen alles ertrug, tat dies, damit Er, indem Er unsere Unwissenheit auf sich nahm, uns die Erkenntnis Seines einzigen und wahren Vaters und Seiner selbst gewähren möge …“ Vier Reden gegen die Arianer, Rede 3, Kap. 27,38, S. 414.

Der christliche Bischof Hilarius von Poitiers (355–367/368 n. Chr.) schrieb Folgendes: „Die Taten Gottes liegen daher jenseits des Verständnisses unserer menschlichen Natur und fügen sich nicht in unseren rationalen Denkprozess ein, denn das Wirken einer grenzenlosen Ewigkeit erfordert ein unendliches Verständnis, um die Dinge zu erfassen. Es ist also keine Schlussfolgerung der Vernunft, sondern eine Begrenzung der Macht, wenn Gott Mensch wurde, wenn der Unsterbliche stirbt, wenn der Ewige begraben wird. Andererseits hängt es wiederum nicht von unserer Denkweise ab, sondern von der Allmacht, dass Er als Gott aus einem Menschen, als Unsterblicher aus einem Toten und als Ewiger aus einem Begrabenen erscheint. Daher werden wir von Gott in Christus durch seinen Tod wiederbelebt.“ Aus: „Über die Dreifaltigkeit“, Buch 1, Kap. 13, S. 44

Frage: Wusste der Heilige Geist – ganz kurz gesagt – in Mt 24,36, wann Jesus wiederkommen würde?

A: Während sich die Christen darin einig sind, dass Jesus zu dieser Zeit auf Erden diese Information nicht kannte, gibt es unter den Christen zwei Ansichten darüber, inwieweit der Heilige Geist davon wusste. Ich halte die zweite Ansicht für die richtige.

1) Der Heilige Geist wusste/weiß es nicht

Gott in der Dreifaltigkeit weiß alles, und der Heilige Geist selbst weiß alles, mit Ausnahme dieser einen Tatsache. Der vorherbestimmte Zeitpunkt der Wiederkunft ist derzeit nur dem Vater bekannt.

2) Der Heilige Geist ist hier nicht Gegenstand der Betrachtung.

Begriffe wie „alle“ (in Römer 3 usw.) und „niemand“ beziehen sich in der Bibel auf Menschen, sofern der Kontext nichts anderes nahelegt. Würden die Engel also nicht erwähnt, bliebe unklar, ob sie davon wussten oder nicht. Jesus hatte zu diesem Zeitpunkt noch nichts über den Heiligen Geist gelehrt, weshalb der Heilige Geist hier nicht erwähnt wird. Dieser Vers bezieht sich also nicht darauf, ob der Heilige Geist etwas weiß oder nicht weiß. Eine ähnliche Situation finden Sie in Matthäus 11,27. Dort heißt es, dass niemand den Sohn kennt außer dem Vater, und niemand den Vater kennt außer dem Sohn. Der Heilige Geist kennt den Vater und den Sohn, doch der Heilige Geist steht hier nicht im Mittelpunkt.

F: Wusste der Heilige Geist zu jenem Zeitpunkt in Mt 24,36 den Zeitpunkt der Wiederkunft Jesu oder nicht? (Diese Frage wurde von einem Christen gestellt.)

A: Lassen Sie uns zunächst die Frage verstehen. Es gibt eine handschriftliche Variante dieses Satzes, doch die Beweislage deutet darauf hin, dass die Standardlesart, die „noch der Sohn“ enthält, die richtige ist. Jesus, der sich selbst entäußerte (Philipper 2,7) und auf seine Herrlichkeit verzichtete (Johannes 17,5), wusste es nicht, solange er auf Erden war. Dieser Vers befasst sich nicht damit, ob Jesus und der Heilige Geist es jetzt wissen. Die Frage lautet jedoch konkret: Wusste der Heilige Geist es zu dem Zeitpunkt, als Jesus diese Aussage traf?

Betrachten wir alle drei Möglichkeiten.

Ja, der Heilige Geist wusste es:

Y1: Daher bezieht sich „niemand … auch nicht der Sohn“ auf alle Geschöpfe und auf Jesus, nicht jedoch auf den Heiligen Geist, über den Jesus noch nichts gelehrt hatte und den sie nicht als vom Vater getrennt verstanden.

Y2: Der Heilige Geist erforscht alle Dinge, sogar die Tiefen Gottes, wie es in 1. Korinther 2,10 heißt.

Y3: Dass Gott alles weiß, bedeutet, dass jedes Mitglied der Dreifaltigkeit im Himmel alles weiß.

Nein, der Heilige Geist wusste es nicht:

N1: „Niemand außer dem Vater“ schließt auch den Heiligen Geist mit ein.

N2: Daher bedeutet „Gott weiß alles“ lediglich, dass mindestens ein Mitglied der Dreifaltigkeit alles weiß. Diese Sichtweise müsste anerkennen, dass es möglich ist, dass der Vater etwas weiß, während die anderen es erst später erfahren.

N3: Der Heilige Geist erforscht alle Dinge, doch er erforscht sie, anstatt alles auf einmal zu wissen. Zu diesem Zeitpunkt hatte er die Erforschung dieser Tatsache noch nicht abgeschlossen.

Es heißt nicht:

D1: Jesus sprach von Geschöpfen, dem Vater und sich selbst; der Heilige Geist war hier nicht im Blickfeld.

D2: Dies könnte ohnehin nur eine fehlerhafte Handschriftenvariante sein.

D3: Daher könnte es sowohl „Ja“ als auch „Nein“ sein.

Fazit: Niemand, der auf der Erde lebte, wusste, wann Jesus wiederkommen würde. Man sollte eine Lehre über den Heiligen Geist nicht auf das bloße Fehlen in einem einzigen Vers stützen. Dies ist eine jener Fragen, deren Antwort wir erfahren werden, wenn wir in den Himmel kommen.

Frage: Warum sagte Jesus in Mt 24,42: „An welchem Tag euer Herr kommt“, anstatt: „An welchem Tag ich komme“?

A: Wir kennen die genauen Worte Jesu nicht, da die Evangelisten das, was Jesus sagte, sinngemäß wiedergegeben haben. Markus 13,34–36 gibt diese Worte im Kontext eines kurzen Gleichnisses wieder, und daher wäre es natürlich in der dritten Person formuliert. In Lukas 21,36 verwendete Jesus den Begriff „Menschensohn“, mit dem er sich oft selbst bezeichnete, wiederum in der dritten Person.

Das Wort für „wachen“ kann hier auch mit „wachsam sein“ übersetzt werden und ist dasselbe Wort, das in 1. Thessalonicher 5,6 verwendet wird.

F: Da wir in Matthäus 24,42 nicht wissen, wann Jesus wiederkommen wird, warum halten wir dann Ausschau nach den Zeichen Seines Kommens?

A: Aus zwei Gründen.

1. Leider glauben viele Menschen fälschlicherweise, sie könnten den Zeitpunkt der Wiederkunft Jesu genau bestimmen.

2. Die Bibel weist darauf hin, dass wir Zeichen erkennen können, um die „Zeit“ der Wiederkunft Jesu zu erkennen. Zu erkennen, wie die Dinge nicht zusammenpassen, ist eine Möglichkeit, falsche Christusse zu entlarven. Viele sehen darin, dass sich Matthäus 24 ab diesem Abschnitt auf die Entrückung bezieht, von der sie glauben, dass sie der Trübsal vorausgeht. Siehe auch die Erörterung zu Offenbarung 22,6.7.10.12.20.

F: Bezieht sich der treue und kluge Knecht in Mt 24,45–47 auf die Wachtturm-Organisation der Zeugen Jehovas, wie es in ihrem Buch „Aus der Heiligen Schrift argumentieren“ auf Seite 205 (1989) behauptet wird?

A: Nein. Der treue und kluge Knecht steht für alle aufrichtigen Christen, die Christus gehorsam nachfolgen und auf seine Wiederkunft warten. Er würde sich sicherlich nicht auf eine Organisation beziehen, die viele falsche Prophezeiungen gemacht hat.

F: „Zerhackt“ ein liebender Gott in Mt 24,51 die Menschen wirklich?

A: Gott ist noch strenger als diese Metapher vermuten lässt; Er wirft Menschen in die Hölle. Weitere Informationen finden Sie auf der Seite „Der gerechte Zorn Gottes“ unter www.BibleQuery.org/Doctrine/WrathOfGod/TheJustWrathOfGod.html.

F: Da Christen in Mt 25,1 teilen sollen – hatten die fünf klugen Jungfrauen Recht, nicht mit den fünf törichten zu teilen?

A: Christen sollen zwar teilen, jedoch nicht in den folgenden Situationen:

1. Dinge, die wir nicht teilen können, wie beispielsweise Gerechtigkeit und Heiligkeit.

2. Materielle Güter mit denen, die sich weigern zu arbeiten (2. Thessalonicher 3,10).

3. Einen falschen Lehrer, der Gott nicht anerkennt, willkommen zu heißen oder in unser Haus aufzunehmen.

4. Mit Menschen zu lehren, die die Wahrheit wie Schweine mit Füßen treten würden (Matthäus 7,6).

Hätten die klugen Jungfrauen mit den törichten geteilt, hätte vielleicht niemand genug Öl gehabt. Natürlich hätten die törichten Jungfrauen ihre Fackeln auslöschen und später wieder anzünden können, wenn sie vorausschauend gedacht hätten. Man kann jedoch nicht jedem Detail eines Gleichnisses eine bestimmte Bedeutung beimessen; in diesem Fall baten die törichten Jungfrauen jedoch allegorisch gesehen um etwas, das die klugen nicht geben konnten. Der Gastgeber ließ die törichten nicht herein, weil er keine ungebetenen Gäste wollte.

F: Sind in Mt 25,1–13 die fünf törichten Jungfrauen Christen, die nicht gehorsam waren und daher die Entrückung verpasst haben?

A: Nein. Alle Gläubigen werden an der Entrückung teilhaben. Die fünf könnten jedoch Menschen sein, die sich selbst für Christen hielten.

F: In Mt 25,24–26: Inwiefern ist Gott ein „harter Mann“, der erntet, wo er nicht gesät hat?

A: Der Herr in dem Gleichnis stimmt dem Knecht nicht zu, dass er ein harter Mann sei. Vielmehr sagt er: Wenn du dachtest, ich sei ein harter Mann, warum hast du dann nicht wenigstens etwas Leichtes und Einfaches getan? Gott wird in diesem Gleichnis mit dem Herrn verglichen. Manche Menschen halten Gott vielleicht für einen harten Menschen, weil:

1. Gott den Menschen unterschiedliche Mengen an „Talenten“ gibt

2. Gott erwartet von uns, dass wir mit dem arbeiten, was er uns gegeben hat, und sein Reich wird die Früchte unserer harten Arbeit ernten. (Natürlich tun wir alles Gute, wozu wir fähig sind, weil Gott uns dazu befähigt hat. Dies würde jedoch von jemandem übersehen werden, der fragt, warum Gott von unserer Arbeit profitiert.)

3. Gott hat keine Skrupel, den Gläubigen oder anderen das wegzunehmen, was sie nicht nutzen, missbrauchen oder eigennützig einsetzen.

Wenn jemand ein Wesen, das diese Dinge tut, in dem Gleichnis als „strengen Mann“ bezeichnen möchte, dann ist Gott wie ein strenger Mann.

F: Haben Sie heute schon einmal in Mt 25,24–30 beobachtet, wie jemand aus Angst, dass etwas Schlimmes passieren könnte, unkluge Entscheidungen traf, die dafür sorgten, dass es tatsächlich eintrat?

A: Als ein Unternehmen einmal zahlreiche Entlassungen vornahm, war ein junger Mitarbeiter so gestresst, dass er einfach kündigte, ohne bereits eine neue Stelle in Aussicht zu haben. Er bezeichnete dies als „Präventivschlag“.

Wie es im „Evangelical Commentary on the Bible“ auf Seite 754 heißt: „Die tragische Ironie besteht darin, dass er [der untreue Diener] genau das erlebt, was er befürchtete – den Zorn des Herrn. Selbst teilweiser Gehorsam wäre besser gewesen als völliger Ungehorsam (V. 27). Da er die Gelegenheit versäumt hat, ist ihm nun jede Gelegenheit genommen.“

F: Warum wurde dem Mann mit einem Talent in Mt 25,26–27 und Lk 19,23 gesagt, er solle es auf die Bank bringen und Zinsen einziehen, obwohl den Israeliten geboten war, untereinander keine Zinsen zu erheben (Ex 22,25; Lev 25,35–37; Dt 23,19; Ps 15,5)?

A: Die Antwort umfasst drei Punkte.

a) Es handelte sich lediglich um ein Gleichnis, und Jesus hat uns nicht geboten, entweder wie der faule Diener oder wie der Herr zu sein.

b) In dem Gleichnis wurde nie erwähnt, dass der Herr oder der Diener Juden waren. In Palästina gab es zu Jesu Zeiten viele Nichtjuden.

c) Die Israeliten durften ihrem Volk keine Zinsen berechnen, aber sie konnten anderen gegen Zinsen Geld leihen, wie es in Deuteronomium 23,20 heißt.

F: In Mt 25,26–27 heißt es, dass bei zu vielen verpassten Gelegenheiten die Chancen, Talente und Gaben verloren gehen können. Wie kann sich Ihrer Meinung nach „geistlicher Verfall“ heute äußern?

A: Eine Eigenschaft, die der faule Diener besaß, war „übermäßige Vorsicht“. Doch in Wahrheit wollte er das, was ihm anvertraut worden war, einfach nicht nutzen. Ein starker Sportler, der aufhört zu trainieren und zu üben, ist kein starker Sportler mehr. Ebenso kann jemand, der in einem Talent oder einer geistlichen Gabe stark ist, diese Fähigkeit verlieren oder sie ganz verlieren, wenn er aufhört, sie zu nutzen.

Es gibt noch eine zweite Sichtweise darauf: die Gabe der Gelegenheiten, die uns gegeben werden. Wenn wir die Gelegenheit haben, jemandem das Evangelium zu verkünden oder jemanden in seinem Leben zu stärken, kann diese Gelegenheit schneller vergehen, als wir vielleicht erwarten.

F: Ist es in Mt 25,28–29 gerecht, dass Gott dem Diener, der ein Talent besaß, dieses wegnimmt und es demjenigen gibt, der am meisten hat?

A: Das ist eine Fangfrage! Die Diener besaßen zu keinem Zeitpunkt eines der Talente; sie waren lediglich Verwalter ihres Herrn.

Sicher, Gott handelt hier gerecht – es sei denn, wir haben vergessen, dass die Talente von vornherein nie wirklich uns gehörten! Ein Verwalter ist jemand, der das Vermögen anderer in deren Auftrag treu schützt und vermehrt, selbst wenn niemand den Verwalter beobachtet. Gott hat ihnen allen die Talente von vornherein „geliehen“. Selbst heute würde ein Vermögensverwalter Geld aus unrentablen Anlagen abziehen und es in rentablere Anlagen investieren. Manchmal vergessen wir, dass Gott uns „Talente geliehen“ hat. Sie sind nicht unser dauerhafter Besitz, und wir haben nicht das Recht, sie nach Belieben zu nutzen.

Wenn Gott uns natürliche Talente, geistliche Gaben und Möglichkeiten geschenkt hat, neigen wir nur allzu leicht dazu, sie als unser Eigentum zu betrachten. Das sind sie jedoch nicht. Sie gehören Gott, und Gott hat sie uns lediglich „als Leihgabe“ gegeben.

F: In Mt 25,31–46 scheint der einzige Unterschied zwischen den Schafen und den Ziegen darin zu bestehen, was sie getan oder nicht getan haben. Stimmt das?

A: Nein. Übersehen Sie nicht die Tatsache, dass die Schafe Schafe und die Ziegen Ziegen waren. Jesus wies auf die „schafartigen“ Handlungen hin, die die Schafe vollbrachten und die den Ziegen versagten, und zeigte damit, dass die Schafe Schafe waren. Beim Gericht wurden sie nicht erst zu Schafen und Ziegen, sondern als Schafe und Ziegen erkannt.

Nebenbei bemerkt haben Schafe in der Regel mehr Wolle als Ziegen und benötigen daher weniger Schutz. Es war daher zu bestimmten Jahreszeiten üblich, sie für die Nacht zu trennen und die Ziegen in einer Höhle, einer Scheune oder an einem geschützten Ort unterzubringen.

F: Da in Mt 25,31–46 [angeblich] die Hilfe für andere der entscheidende Punkt war – wird dann nicht jeder, der anderen hilft, in den Himmel kommen?

A: Nein. Es handelte sich um Taten der Barmherzigkeit, die durch die Hilfe für andere für Jesus vollbracht wurden. Wenn es nicht für Jesus getan wurde, dann ist es nicht für Jesus. Zum Beispiel heißt es in Lukas 6,32–34: „Selbst Sünder lieben diejenigen, die sie lieben.“ In 1. Korinther 13,3 heißt es, dass es uns nichts nützen würde, selbst wenn wir alles, was wir haben, den Armen gäben, aber keine Liebe hätten.

F: Zeigt Matthäus 25,46, dass es keine bewusste Bestrafung für die Bösen gibt, wie es die Zeugen Jehovas lehren?

A: Keineswegs. Die Zeugen Jehovas lehrten dies in „Der größte Mensch, der je gelebt hat“, Abschnitt 111 (1991). Sie sind der Ansicht, dass der Ausdruck „ewige Strafe“ besser mit „Auslöschung“ übersetzt werden sollte. Die Antwort umfasst zwei Punkte.

Das griechische Wort bedeutet „Strafe“. Unsere sterblichen Körper sind nur eine Hülle, und ob nach unserem Tod etwas mit unserem Körper geschieht, ist keine Strafe. Die Zeugen Jehovas glauben, dass böse Menschen vernichtet werden, und es gibt keine Strafe mehr für etwas, das nicht existiert.

Die Auslegung der Zeugen Jehovas steht in völligem Widerspruch zu Jesu Lehre über das bewusste Dasein sowohl der Frommen als auch der Gottlosen in Lukas 16,22–28. Die Menschen würden in Matthäus 8,12; 22,13; 24,51 und 25,30 weinen und mit den Zähnen knirschen – warum sollten sie sich also Gedanken darüber machen, wann sie nicht mehr existieren?

Da das Tier und der falsche Prophet zu Beginn der tausend Jahre in Offenbarung 19,20 „lebendig“ in den Feuersee geworfen werden und da sie noch existierten und auch nach Ablauf der tausend Jahre noch dort waren (Offenbarung 20,10), existieren zumindest einige Wesen noch, während sie sich im Feuersee befinden. Stimmen Sie dem zu? Und wenn nachgewiesen ist, dass einige Wesen im Feuersee existieren, und es keine Schriftstelle gibt, die besagt, dass Wesen im Feuersee nicht mehr existieren, dann besteht keine Notwendigkeit, dass Menschen im Feuersee nicht mehr existieren.

Außerdem stellt sich die Frage, welchen Sinn es hätte, in Markus 9,43–48 und an anderen Stellen von ewigem, unauslöschlichem Feuer zu sprechen, wenn die Leiber der Gottlosen dort nicht sterben (Lukas 12,4–5) und keine Seelen mehr vorhanden wären.

F: Was haben alle drei Abschnitte in Mt 25 gemeinsam, insbesondere in Mt 25,46?

A: Es handelt sich hierbei nicht lediglich um Warnungen; alle drei Teile zeigen eine Krise der Trennung auf, die durch einen törichten Diener verursacht wird – entweder aufgrund des unerwarteten Kommens des Herrn oder weil dieser die Wünsche des Herrn missachtet hat. Am Ende seines irdischen Wirkens betont Jesus hier nicht eine neue Lehre, sondern die Dringlichkeit, vorbereitet zu sein und die richtigen Entscheidungen zu treffen, bevor es für Sie zu spät ist. Wenn wir anderen das Evangelium verkünden, vermitteln wir nicht nur die Wahrheit (d. h. die tatsächlichen Fakten), sondern müssen ihnen auch die Dringlichkeit vor Augen führen, sich dafür zu entscheiden, der Wahrheit zu folgen.

F: Welche weiteren Beispiele finden sich in Mt 26,3–4 für Führungskräfte, die das Gegenteil dessen tun, wozu sie berufen wurden, und warum?

A: Ein zweites Beispiel folgt unmittelbar darauf, und zwar ausgerechnet bei den Jüngern selbst, in Matthäus 26,6–7. Unser vorrangiges Ziel im Leben ist es, Gott zu lieben, ihn anzubeten, ihm zu gehorchen und ihn zu verherrlichen – und dann andere zu lieben. Die Salbung Jesu steht im Einklang mit unserem Ziel. Unser vorrangiges Ziel ist es nicht, Geld zu erwerben und zu horten (es sei denn, man ist Judas).

Es scheint naheliegend, dass die jüdischen Religionsführer, die eine ursprünglich von Gott selbst geschaffene Position innehatten, die Ersten sein sollten, die Jesus erkennen. Stattdessen waren sie die Ersten, die Ihn töten wollten. Doch warum sollten Menschen so handeln?

Sie hatten ihren Auftrag vergessen – warum sie eigentlich dort waren. Sie waren nicht dort, um ihre Macht zu vergrößern, noch um ihre Position zu sichern, noch um ihr Vermögen zu bewahren. Sie waren dort, um das Volk dazu anzuleiten, Gott nachzufolgen und ihn anzubeten. Sie glaubten, ihr Auftrag drehe sich um sie selbst, nicht um das Volk oder um Gott.

Auch heute fällt es Führungskräften nur allzu leicht, zu vergessen, warum sie eigentlich da sind. Manche nehmen ihre Position nicht ernst genug. Andere glauben, bei ihrer Position gehe es um sie selbst, nicht um das Volk und nicht darum, was Gott von ihnen in dieser Position erwarten würde.

Wie der Schah von Persien sagte: „Ich wurde geboren, um zu herrschen.“ Aber glaubten alle Iraner, dass sie geboren wurden, um von ihm regiert zu werden? Jemand sagte, Hillary Clinton solle unsere Präsidentin werden, weil „sie es verdient“. Unabhängig von ihren Verdiensten: Wird das Amt des Präsidenten in den Augen mancher Menschen auf bloß eine politische Pfründe, auf bloße Belohnung reduziert und nicht auf das, was für das amerikanische Volk am besten ist?

Als Gegenbeispiel: Wenn jemand mit einem „silbernen Löffel im Mund“ geboren worden sein könnte, dann wäre es der Millionär William Borden (1887–1913) aus der äußerst wohlhabenden Familie, die für die Borden-Milch verantwortlich war. Doch seine Eltern ermöglichten ihm eine strenge christliche Erziehung, und er nahm Christus an, als er sieben Jahre alt war. Er besuchte das Yale College, wo es zu jener Zeit kaum geistlichen Einfluss gab. Doch in seinem letzten Studienjahr dort nahmen bereits 1.000 Menschen an den von ihm organisierten Gebetsgruppen und Bibelkreisen teil. Er wandte sich auch an Obdachlose und andere Menschen in den Innenstädten; als eine neue Missionsstätte benötigt wurde, konnte er diese einfach bar bezahlen und erwerben. Er schloss sich der China Inland Mission an, insbesondere um als Missionar unter den Millionen von Muslimen in China zu wirken. Er reiste nach Ägypten, um Arabisch zu lernen, und erkrankte dort bald an einer Hirnhautentzündung, an der er im Alter von 25 Jahren starb. In seine Bibel schrieb er: „Keine Vorbehalte, kein Rückzug, kein Bedauern.“ Und dennoch verfassten führende Vertreter der Presbyterianischen Kirche der USA im Jahr 1969 eine offizielle Erklärung ihrer Konfession, in der sie die Unfehlbarkeit der Bibel leugneten. Diese Konfession, die dem Ökumenischen Rat der Kirchen angehört, spendete Geld an Robert Mugabe, den Diktator von Simbabwe, der christliche Missionare tötete.

F: Was wissen wir in Mt 26,7; Mk 14,3 und Lk 7,37 über Alabaster?

A: In der Antike wurden zwei verschiedene Mineralien als Alabaster bezeichnet.

Alabaster selbst ist weich (Härte = 2) und lässt sich mit dem Daumennagel zerkratzen. Es eignet sich gut zum Schnitzen und ist eine Form von Gips. Es ist hell, kann jedoch mit verschiedenen Farben gesprenkelt sein. Es entsteht in der Regel in Höhlen. Alabaster war ein gängiges Material zur Aufbewahrung von Salben, wie aus Plinius dem Älteren in seinem Werk „Naturgeschichte“, Buch 13, Kapitel 3, hervorgeht.

Auch Marmor wurde als Alabaster bezeichnet. Er lässt sich etwas schwerer bearbeiten (Härte = 3) und besteht eigentlich aus Kalzit oder Aragonit. Es handelt sich um rekristallisierten Kalkstein.

F: War Jesus in Mt 26,7–11, als die Frau das kostbare Parfüm über sein Haupt goss, zu sehr auf sich selbst bedacht? (Der Muslim Ahmad Deedat hat dies angesprochen.)

A: Bevor wir Deedats Frage beantworten, lassen Sie uns die Frage noch verschärfen. Jesus hat hier nicht nur ihr Handeln gelobt, sondern er hat auch die Anbetung als Gott von Engeln und Menschen im Himmel angenommen (Hebräer 1,6; Offenbarung 5,12). Jesus hat zudem die Anbetung als Gott von Menschen angenommen (Matthäus 21,15–16; 28,9; Johannes 9,38).

Es mag Sie überraschen zu hören, dass wir Deedat in diesem Punkt teilweise zustimmen. Wir können erkennen, dass sich Deedats Sichtweise auf die Bedeutung Jesu und die Sichtweise Jesu auf seine eigene Bedeutung stark unterscheiden. Das teure Parfümgefäß auf sein Haupt gießen zu lassen – eine Form der Anbetung – sowie Anbetung anzunehmen, obwohl alle Juden wussten, dass nur Gott angebetet werden sollte, würde zu weit gehen – ES SEI DENN, JESUS WAR GOTT.

F: War Jesus in Mt 26,11 nicht immer bei ihnen, oder wird Jesus immer bei ihnen sein, sogar bis zum Ende der Welt, wie es in Mt 28,20 heißt?

A: Beides. Sie würden die leibliche Gegenwart Jesu nicht mehr bei sich haben; deshalb war es angemessen, dass die Frau Jesus salbte, solange Er noch leiblich bei ihnen war. Aber Jesus würde auch nach Seiner Himmelfahrt geistlich bei ihnen sein. Weitere Informationen finden Sie in „When Critics Ask“, S. 359.

F: Was glauben Sie, was Judas in Mt 26,21–22 empfand, als Jesus sagte, Er wisse, dass einer von ihnen Ihn verraten würde?

A: Judas’ Herz fühlte sich wahrscheinlich an, als wäre es stehen geblieben. Vielleicht machte er sich still Vorwürfe und dachte, er habe seine Spuren nicht gut genug verwischt. Oder vielleicht hatte er einen Funken Hoffnung und dachte, da Jesus keinen Namen öffentlich genannt hatte, wüsste Jesus vielleicht nicht mit Sicherheit, dass er es sein würde. Doch selbst wenn Judas diesen letzten Gedanken hatte, dürfte er ihn nicht lange gehegt haben, denn Jesus deutete durch das Eintauchen des Brotes in die Schüssel an, wer es war. So erfuhr Judas mit Sicherheit, dass die Absichten seines heimlich finsteren Herzens für Jesus sonnenklar waren.

Und doch, obwohl er dies erkannte, ging Judas, wie in Johannes 13,30 beschrieben, zu den Hohepriestern und verriet Jesus trotzdem. Manchmal sind Menschen so sehr in eine sündige Richtung verstrickt, dass sie denken: „Jetzt gibt es kein Zurück mehr.“ Doch wenn Sie auf einen aktiven Vulkan zugehen, können Sie jederzeit umkehren, solange Sie noch gehen können. Wenn Sie sich in eine sündige Richtung bewegen, ist „gerade jetzt“ immer der beste Zeitpunkt, um umzukehren. Überlassen Sie Gott die Konsequenzen; Sie müssen nur darauf achten, Ihm zu gehorchen.

Haben Sie jemals jemanden gesehen, der sich so sicher und überzeugt von dem war, was er tun wollte, dass nichts auf der Welt ihn umstimmen konnte? Es ist fast so, als würde er sagen: „Verwirren Sie mich nicht mit den Fakten.“

F: Müssen in Mt 26,27; Mk 14,23; Lk 22,17.20 und 1 Kor 11,25 alle denselben Abendmahlskelch benutzen?

A: Sie alle lagen (sie saßen nicht) an einem Tisch, in einer Gruppe von zwölf Personen plus Jesus, mit einem Verräter in ihrer Mitte. Genauso wie wir diese Dinge heute nicht tun müssen, müssen wir auch nicht denselben Kelch verwenden.

Ich kenne einen Pastor, den ich für einen aufrichtigen Christen halte, der der Meinung ist, dass alle beim Abendmahl denselben Kelch benutzen müssen. Man muss jedoch unterscheiden zwischen dem Ritus, dem wir folgen sollen, und den nebensächlichen Aspekten, die damals praktiziert wurden, wie beispielsweise, dass sich alle an einem Tisch zurücklehnten.

F: Sollte in Mt 26,28 und Mk 14,24 vor dem Wort „Bund“ bzw. „Testament“ das Wort „neu“ stehen?

A: Wahrscheinlich nicht.

In Matthäus 26,28

ist „neu“ im Alexandrinus (um 450 n. Chr.) enthalten, im Ephraemi Rescriptus (5. Jahrhundert), im Bezae Cantabrigiensis, in den Freer-Evangelien, im sahidischen Koptisch (3./4. Jahrhundert), im bohairischen Koptisch (3./4. Jahrhundert), im byzantinischen Lektionar, in der f1-Familie, in der f13-Familie, im Armenischen, im Äthiopischen usw.

„Neu“ fehlt in p37 (Mitte des 3. Jahrhunderts), im Sinaiticus (340–350 n. Chr.), im Vaticanus (325–350 n. Chr.) usw.

In Markus 14,24

„Neu“ kommt im Alexandrinus, im sahidischen Koptisch, im Diatessaron, im byzantinischen Lektionar, in der f1-Familie, in der f13-Familie, im Armenischen, im Äthiopischen usw. vor.

„Neu“ fehlt im Sinaiticus, im Vaticanus, im Ephraemi Rescriptus, im Bezae Cantabrigiensis, in den Freer-Evangelien, im bohairischen Koptisch usw.

Im Allgemeinen sind diese beiden Varianten interessant, um zwei Tendenzen hinsichtlich der Korrelation zwischen Varianten zu veranschaulichen.

1. Alexandrinische Handschriften, darunter der Sinaiticus, der Vaticanus, koptische Handschriften usw., sind im Allgemeinen kürzer als die byzantinischen Varianten.

2. Es gibt kaum Korrelationen, die auf theologische Tendenzen hindeuten. So korrelieren beispielsweise der Bezae Cantabrigiensis, die Freer-Evangelien, der Ephraemi Rescriptus und die bohairisch-koptische Fassung nicht mit diesen Varianten, während die anderen dies tun.

F: Welchen Lobgesang könnten sie in Mt 26,30 gesungen haben?

A: Die Heilige Schrift gibt dies nicht konkret an, daher könnte es sich um jedes beliebige Lied gehandelt haben, einschließlich eines neu verfassten. Es war jedoch üblich, nach dem Passahmahl die Texte der Psalmen 113–118, 114–118 oder 115–118 zu singen.

F: Wie beraten Sie in Mt 26,31–35, 69–72 einen Christen, der sich fest dazu verpflichtet hat, Gott zu dienen, und dann kläglich gescheitert ist?

A: Petrus sagte dies nicht, weil er nicht aufrichtig war oder Jesus nicht kannte; Petrus sagte dies, weil er sein eigenes Herz nicht kannte.

Jesus hatte Petrus im Voraus gewarnt, obwohl nichts darauf hindeutet, dass Petrus die Worte Jesu zu jenem Zeitpunkt angenommen hatte. Doch später, als Petrus strauchelte, konnte er sich daran erinnern, was Jesus zuvor gesagt hatte. Später, nach der Auferstehung Jesu, sprach Jesus in Johannes 21,15–18 in Anwesenheit der anderen gezielt nur zu Petrus, um ihn persönlich wiederherzustellen. Jesus sprach sanfte Worte der Wiederherstellung und der Bestimmung, keine Worte der Verurteilung, die besagten: „Mit dir ist es aus.“ Petrus konnte seine drei Verleugnungen niemals ungeschehen machen, doch er konnte wieder auf die Beine kommen und von dort aus weitermachen.

F: Da Jesus in Matthäus 26,39.42 Gott ist und den Geist Gottes hat, wie konnte Er dann beten: „Mein Vater, wenn es möglich ist, lass diesen Kelch an mir vorübergehen“?

A: Philipper 2,6–7 zeigt, dass Jesus sich freiwillig vieler seiner göttlichen Kräfte und Eigenschaften entäußerte, als er auf die Erde kam. Zum Beispiel wurde Jesus müde (Johannes 4,6), und Jesus lernte Gehorsam (Hebräer 5,8), wovon er im Himmel vermutlich keinen Grund hatte, etwas zu wissen. Auch auf Erden wusste Jesus nicht alles, da er den Tag oder die Stunde seiner Wiederkunft nicht kannte (Matthäus 24,36 und Markus 13,32).

In diesem Fall sagt Jesus nicht, dass Er einen anderen Weg kenne. Vielmehr erkennt Jesus, dass der vor Ihm liegende Weg sehr schmerzhaft sein wird, und Er fragt Gott den Vater, ob der Vater einen anderen Weg sehe.

Diese Frage wurde bereits in den Jahren 246–265 n. Chr. beantwortet, als Dionysius, Bischof von Alexandria, im „Exegetischen Fragment 3“ in „The Ante-Nicene Fathers“, Band 6, S. 108, im Wesentlichen dieselbe Antwort gab

Frage: Ist Jesus in Mt 26,52 gegen jeglichen Krieg und die Todesstrafe (Hinrichtung)?

A: Zunächst, was nicht die Antwort ist, und dann die Antwort.

Nicht die Antwort: Jesus lehrte, dass Er bei Seiner Wiederkunft diejenigen töten wird, die gegen Ihn waren (Matthäus 24,5–7.31; Markus 13,7–8; Offenbarung 19,15.17–21). Dies geht jedoch nicht auf die Frage ein, denn was Gott tut und was uns geboten ist zu befolgen, muss nicht unbedingt dasselbe sein.

Die Antwort: Nein, und zwar aus vier Gründen.

1) Jesus konnte nicht andeuten, dass Gläubige niemals ein Schwert tragen sollten; warum hätte Jesus sonst nur wenige Stunden zuvor in Lukas 22,36–38 gesagt, dass diejenigen, die kein Schwert haben, sich eines kaufen sollten? Außerdem forderte Jesus die Apostel, nachdem sie gesagt hatten, sie hätten zwei Schwerter, nicht auf, diese wegzuwerfen, sondern sagte: „Das ist genug.“

2) Jesus sprach in dieser Situation zu Petrus, unmittelbar nachdem dieser den Sklaven des Hohepriesters geschlagen hatte, und wies ihn an, niemanden sonst mit seinem Schwert zu schlagen.

3) Jesus sprach von denen, die „vom Schwert leben“, nicht von allen, die Schwerter besitzen. Dies kann sowohl diejenigen bedeuten, die ihren Lebensunterhalt damit verdienen, Menschen zu töten, als auch diejenigen, die das Töten von Menschen als Lösung für ihre Probleme betrachten.

4) Der zweite Teil des Verses ist eine Feststellung, kein Gebot.

Weitere Verse, die zeigen, dass Schwerter zulässig sind, sind Römer 13,1–4; Lukas 14,31; 19,27; 20,14–16; Apostelgeschichte 25,11; 1. Korinther 9,7. Als Soldaten Johannes den Täufer in Lukas 3,14 fragten, was sie tun sollten, hatte Johannes die perfekte Gelegenheit, ihnen zu sagen, sie sollten die Armee verlassen, doch Johannes tat dies nicht. Ebenso war in Apostelgeschichte 10 der Hauptmann Cornelius ein frommer Mann. Die Hinrichtung von Mördern war in alttestamentlicher Zeit nicht nur erlaubt, sondern sogar geboten – in 4. Mose 35,31.33 und bereits vor dem mosaischen Gesetz in 1. Mose 9,6.

Weitere Verse, die besagen oder andeuten, dass wir nicht nach dem Schwert leben sollen, sind: 2. Korinther 10,4–5; Matthäus 5,25; Johannes 18,36 und Römer 12,17.

Zwar lehren Jesus in Lukas 22,36 und das Neue Testament im Allgemeinen den defensiven Einsatz des Schwertes sowie den Einsatz des Schwertes durch den Staat in Römer 13,1–4, doch wird niemals der aggressive Einsatz des Schwertes oder der Einsatz des Schwertes durch den Staat gegen Ketzer befürwortet. Kein frühchristlicher Theologe befürwortete den Einsatz des Schwertes durch den Staat gegen Ungläubige. Historisch gesehen wurde diese unbiblische Lehre erstmals von Firmicus Maternus im Jahr 346/348 n. Chr. und später, um das Jahr 386 n. Chr., von Augustinus von Hippo vertreten.

F: Wann (falls überhaupt) sollten wir gemäß Matthäus 26,52 physische Mittel im Dienst des Reiches Christi einsetzen?

A: In der Geschichte haben wir gesehen, dass dies mehrfach versucht wurde, und die Ergebnisse waren katastrophal. Es ist nicht so, dass sie alle militärisch erfolglos waren; denken Sie daran, dass die Kreuzzüge im Nahen Osten über einige Jahrhunderte hinweg ein Erfolg waren und dass sie bei der Plünderung Konstantinopels erfolgreich waren. Vielmehr waren sie alle geistliche Katastrophen in dem Sinne, dass sie dem Satan für seine Zwecke sehr nützlich waren. Man könnte allerdings argumentieren, dass defensive Kämpfe, wie die Schlacht bei Tours und die Abwehr des türkischen Angriffs auf Wien, durchaus Erfolge waren.

Aus defensiver Sicht mag es also in Ordnung sein, einen Sicherheitsbeamten in einer Kirche zu haben oder Polizeischutz in Anspruch zu nehmen. Offensive, gewalttätige Maßnahmen jedoch übertönen die Botschaft des Evangeliums. Wenn man keine Botschaft mehr zu vermitteln hat, warum sollte man dann überhaupt in die Offensive gehen?

F: Wie viele Engel umfassen zwölf Legionen in Mt 26,53?

A: Eine römische Legion umfasste bei voller Stärke 6.000 Mann, das wären also 72.000 Engel. Da in 2. Könige 19,35 185.000 assyrische Soldaten in einer einzigen Nacht von einem einzigen Engel getötet wurden, würden 72.000 Engel ausreichen – für die benachbarten Sonnensysteme!

F: Wie konnte Jesus in Mt 26,64 vor dem Sanhedrin sprechen, da in Jes 53,7 steht, dass der Messias seinen Mund nicht öffnen würde?

A: Dies bedeutet nicht, dass Jesus sein ganzes Leben lang sprachunfähig geboren worden wäre. Vielmehr präzisiert Jesaja 53 dies mit den Worten: „wie ein Schaf, das vor seinen Schafscherern schweigt“. Jesus sprach an jenem Tag zwar, doch als seine Ankläger vor Pontius Pilatus gegen ihn aussagten, war Pilatus erstaunt und verblüfft, dass Jesus zu diesem Zeitpunkt nicht sprach und auf keinen einzigen Vorwurf antwortete, wie Matthäus 27,14 und Markus 15,4–5 berichten.

F: Wie würde Kaiphas in Mt 26,64 den Menschensohn sehen, der zur Rechten der Macht sitzt und auf den Wolken des Himmels kommt?

A: In Offenbarung 1,7 heißt es, dass jedes Auge die Wiederkunft Christi in den Wolken sehen wird, auch diejenigen, die ihn durchbohrt haben. Somit werden sogar diejenigen, die bereits gestorben sind, dieses Ereignis sehen können. Außerdem richtete Jesus diese Worte offiziell an Kaiphas in seiner Rolle als Hohepriester, der das Volk Israel vertritt, und nicht nur an ihn persönlich. Daher wird auch ganz Israel dies sehen.

F: Warum zerriss der Hohepriester in Mt 26,65 hier seine Kleider?

A: Das Zerreißen der Gewänder war eine schwerwiegende Geste; sie konnten nicht mehr getragen werden, und Kleidung war damals recht teuer. Dies geschah nur, wenn jemand Gotteslästerung hörte (Mischna Sanhedrin 7,5) oder wenn große Empörung oder Trauer herrschte (2. Könige 18,37; Judith 14,19; 1. Makkabäer 11,71; Apostelgeschichte 14,14). Dies war ein Zeugnis dafür, dass sie keinen Anteil an der Gotteslästerung hatten und diese missbilligten. Der Hohepriester wollte also zeigen, dass er als guter Jude das, was er als Gotteslästerung bezeichnete, nicht tolerieren konnte. Doch einen Moment bitte. In 3. Mose 21,10f heißt es, dass es dem Hohepriester verboten war, seine Kleider zu zerreißen. In seinem Eifer, zu zeigen, wie recht er hatte und wie unrecht Jesus hatte, verstieß der Hohepriester hier also selbst gegen das alttestamentliche Gesetz.

F: Wie konnte Petrus, der Apostel Jesu, in Matthäus 26,69–75 aus Angst lügen?

A: Petrus sündigte hier, wie er selbst in Matthäus 26,75; Markus 14,72 und Lukas 22,62 bitterlich erkannte. Petrus setzte seine Hoffnung auf Jesus, und obwohl Jesus sie vorgewarnt hatte, flohen die Apostel aus Angst, als Jesus verhaftet wurde. Jesus vergab Petrus ausdrücklich, dass er ihn dreimal verleugnet hatte (Johannes 21,15–19).

F: Was waren in Mt 26,73 und Mk 14,70 die Merkmale eines galiläischen Akzents?

A: Wir wissen es zwar nicht mit Sicherheit, doch lebten in Galiläa und im nahegelegenen Dekapolis viele Griechen und griechischsprachige Juden, und möglicherweise handelte es sich um Merkmale, die aus der griechischen Sprache stammten. Neben der Aussprache der Wörter könnten auch Redewendungen und die Wortwahl dazu gehören.

F: Warum hat Petrus in Mt 26,74 und Mk 14,71 geflucht?

A: Die Heilige Schrift gibt zwar keinen Hinweis darauf, doch könnte es zwei Gründe gegeben haben.

Angst: Möglicherweise lag es daran, dass Petrus Angst hatte.

Zur Wirkung: Möglicherweise wollte er den Juden damit „beweisen“, dass er kein Jünger Jesu war.

Unabhängig davon ist das Fluchen des Petrus, genau wie seine Verleugnung, kein Vorbild, dem wir heute nacheifern sollten. Gemäß Epheser 5,4 dürfen wir keine unanständige Sprache verwenden, und gemäß Matthäus 12,36 werden wir für jedes leere Wort gerichtet werden.

F: Warum trafen sie sich in Mt 27,1 erneut am Tag?

A: Es handelte sich dabei möglicherweise weniger um eine eigenständige Sitzung, sondern es musste den Anschein einer eigenständigen Sitzung erwecken. Sitzungen des Sanhedrins sollten ohnehin tagsüber stattfinden. Nach nur einer Sitzung durfte kein Schuldspruch gefällt werden. Nach jüdischem Recht durften sie ein Todesurteil nur tagsüber verhängen, und sie mussten zweimal zusammentreten, um sich zu vergewissern. Außerdem könnte es sich bei der nächtlichen Sitzung lediglich um einen Teil des Sanhedrins gehandelt haben, während bei der Tagessitzung möglicherweise der gesamte Rat anwesend war.

Allerdings durfte der jüdische Sanhedrin unter römischer Herrschaft niemanden hinrichten (außer bei Entweihung des Tempelgeländes); daher ist es interessant, dass sie sich an die Römer wandten – die sie hassten –, um jemanden hinrichten zu lassen, den sie noch mehr hassten. Natürlich würde es für den Sanhedrin auch besser aussehen, wenn die Römer Jesus verurteilten und nicht nur die Juden.

F: Was erfahren wir in Mt 27,2 über Pontius Pilatus?

A: Pontius Pilatus war ein römischer Statthalter; genauer gesagt war er ein „Präfekt“. Präfekten regierten kleine, unruhige Gebiete. Sie waren nicht sehr mächtig, weniger einflussreich als kaiserliche Legaten und Prokonsuln; doch in ihrem Zuständigkeitsbereich verfügten sie über dieselbe Entscheidungsgewalt in Rechtsangelegenheiten wie diese. Sie hatten die Befugnis zur Verhängung der Todesstrafe, gegen die nur durch eine Berufung an Caesar Einspruch erhoben werden konnte, sofern der Gefangene römischer Bürger war.

Vor Oktober 31 n. Chr. war Pilatus laut Josephus (Jüdische Altertümer, Buch 18, Kap. 3–4, S. 379–381, und Jüdischer Krieg, Buch 2, S. 169–177, Abb. 2–4) ohne Rechtssinn und ohne Gottesfurcht, ungerecht, mochte die Juden nicht und verstand sie nicht wirklich. Dies geht auch aus dem Werk „Über die Gesandtschaft an Gaius“ von Philo von Alexandria, Kapitel 38–40, S. 784–786, hervor. Pilatus brachte absichtlich die römischen Feldzeichen mit den Abbildungen des Kaisers nach Jerusalem. Er plünderte die Schatzkammer des Tempels, um ein Aquädukt zu errichten. In Lukas 13,1 heißt es, dass Pilatus Galiläer tötete und ihr Blut mit ihren Opfern vermischte. Daraufhin kam es in Jerusalem zu Unruhen, und er ließ seine Soldaten viele von ihnen töten. Pilatus stellte im Tempel in Jerusalem Bronzeschilde mit dem Bildnis des Kaisers auf, nur um die Juden zu verärgern. Die Bevölkerung protestierte so heftig, dass der römische Kaiser selbst Pilatus überstimmte und anordnete, die Schilde zu entfernen. Pilatus hatte diese Position durch seinen Mentor in Rom, Sejanus, einen engen Freund und Vertrauten des Kaisers Tiberius, erhalten. Laut Philo war es das Ziel von Sejanus, die Juden auszulöschen. Im Oktober 31 n. Chr. wurde Sejanus jedoch wegen des Verdachts auf Verrat an Tiberius hingerichtet, woraufhin Tiberius Gesetze gegen den Antisemitismus erließ.

Nach dem Oktober 31 n. Chr. hatte Pilatus wahrscheinlich das Gefühl, bei Kaiser Tiberius auf „dünnem Eis“ zu stehen. Die Beziehungen zu ihm und zu den Juden verschlechterten sich ab etwa 33 n. Chr. noch weiter, und Pilatus wurde 36 n. Chr. abberufen, nachdem er eine Gruppe von Samaritern getötet hatte, die sich versammelt hatten, um einige heilige Gefäße zu besichtigen. Die Samariter wandten sich an Vitellius, den Legaten von Syrien, der Pilatus anwies, dem Kaiser Rechenschaft über sein Handeln abzulegen.

Während des Prozesses gegen Jesus zeigt sich Pilatus gegenüber Jesus etwas wohlwollender als die jüdischen Führer. Pilatus hätte sich wahrscheinlich nicht weniger um Jesus selbst kümmern können; vielmehr stellte er sich lediglich gegen den Sanhedrin. Als die jüdischen Priester jedoch ihre „Trumpfkarte“ ausspielten – nämlich, dass sie dem Kaiser berichten würden, er dulde jemanden, der sich selbst als König der Juden bezeichne –, gab Pilatus, ein pragmatischer Mann, den Forderungen des Sanhedrins nach. In gewisser Weise wurde Jesu Rücken durch die Peitsche aufgerissen, weil Pilatus rückgratlos war.

F: Was können wir in Mt 27,3–5 anhand von Judas über Menschen lernen?

A: So wie Judas später seine Tat zutiefst bereute, bereuen manche böse Menschen ihre Taten zutiefst, manchmal bis zur Verzweiflung. Judas hätte darüber nachdenken können, wie er sich wegen seiner Taten fühlen würde, bevor er sie beging, doch er tat es nicht. Ebenso hätten manche böse Menschen, die ihre Taten derzeit zutiefst bereuen, darüber nachdenken können, bevor sie sie begingen, doch sie taten es nicht.

Judas war dem Geld verfallen, und Judas selbst empfand Entsetzen darüber, wozu ihn diese Versklavung getrieben hatte.

F: Hat sich Judas in Mt 27,5 erhängt, oder ist sein Körper aufgebrochen, wie es in Apg 1,18–19 heißt?

A: In Apg 1,18–19 heißt es, Judas sei kopfüber auf ein Feld gestürzt, was auf einen Sturz aus zumindest einiger Höhe hindeuten würde. Fügt man diese Verse zusammen, ergeben sich zwei Möglichkeiten. In beiden Szenarien hat sich Judas erhängt, höchstwahrscheinlich an einem Baum, der möglicherweise über eine Klippe ragte.

Der Selbstmordversuch schlug fehl: Während Judas noch am Leben war, riss das Seil, und er stürzte kopfüber auf das Feld, woraufhin sein Körper aufplatzte.

Der Selbstmord durch Erhängen gelang, und Judas starb an den Folgen des Erhängens. Wenn jedoch niemand hinaufging, um ihn herunterzuholen, würde der Leichnam früher oder später auf die eine oder andere Weise herunterkommen.

So oder so gab es einen Erhängungsversuch, ein gerissenes Seil und einen aufgerissenen Körper.

F: Haben in Mt 27,7 und Apg 1,18 die Priester oder Judas Iskariot das Feld gekauft?

A: Die Priester waren „zu fromm“, um Gott durch die Verwendung von Blutgeld zu verärgern. Da Judas das Geld zudem in einen Teil des Tempels warf, zu dem nur die Priester Zutritt hatten, konnte das Geld – seltsamerweise – von ihnen als „heilig“ angesehen werden, da es einen heiligen Ort berührt hatte. Judas war bereits tot, daher führten die Priester diese Transaktion als Judas’ Bevollmächtigte unter Verwendung „seiner“ 30 Silberstücke durch. Auf makabre Weise nahm Judas persönlich Besitz von dem Feld. In Matthäus 27,6 wollten die Priester nicht, dass die 30 Silberstücke des Blutgeldes wieder in die Tempelkasse zurückflossen.

F: In Mt 27,9–10: Inwiefern ist dies eine Erfüllung Jeremias, da Jeremia nur einen Teil davon sagte und Sacharja einen anderen Teil?

A: Christen haben sechs Antworten.

Schreibfehler, kein Prophet angegeben – Augustinus von Hippo erklärte, dass in vielen Handschriften der Name eines Propheten fehle, obwohl er der Ansicht war, dass die besten Handschriften „Jeremia“ enthielten. (Augustinus’ „Harmonie der Evangelien“, Buch 3, Kap. 7,30–31, S. 191–192

Schreibfehler bei Sacharja – In einigen wenigen griechischen Handschriften steht tatsächlich „Sacharja“ anstelle von „Jeremia“.

Übersetzungsfehler: Papias, ein Schüler des Apostels Johannes, berichtet, dass Matthäus sein Evangelium ursprünglich auf Hebräisch verfasst habe. Sollte dies zutreffen und es ins Griechische übersetzt worden sein, könnte dieses Detail damals geändert worden sein.

Eine nicht überlieferte Prophezeiung Jeremias. Sacharja 1,4 selbst zitiert Jeremia 18,11. In Sacharja 7,7 wird erwähnt, dass er Worte früherer Propheten wiedergibt.

Eine Testimonienkette (auch „Catena“ genannt): Eine midraschische Praxis bestand darin, verschiedene Prophezeiungen zu zitieren und sie in einer sogenannten „Testimonienkette“ miteinander zu verknüpfen. Markus 1,2–3 ist wahrscheinlich ebenfalls eine Testimonienkette. Manche würden daher argumentieren, dass es üblich ist, bei einem Werk mit zwei Autoren, in dem der zweite Autor nur kurz angedeutet wird, lediglich den ersten Autor zu nennen. Testimonienketten (auch Catenas genannt) waren nicht nur in der Bibel, sondern auch in frühchristlichen Schriften üblich. Es ist üblich, nur den bekannteren Autor zu nennen, und wir sollten die antike Literatur nach ihren Gepflogenheiten betrachten, nicht nach unseren.

In einer Testimonia-Kette wird lediglich der prominentere Prophet genannt, wie es auch in Markus 1,2–3 der Fall ist. Jeremia wurde laut dem babylonischen Talmud (Baba Bathra 14b) an den Anfang dieses Abschnitts des Alten Testaments gestellt.

F: Warum ließ Pilatus in Mt 27,15 und Mk 15,6 während des Festes einen Gefangenen freilassen?

A: Offenbar war dies sein Brauch. Vermutlich ging er davon aus, dass die Juden ihn als gerechter oder humaner ansehen würden, wenn er dies täte. Auch das spätere jüdische Werk Mischna Pesach 8,6 deutet auf eine Begnadigung eines Gefangenen während des Passahfestes hin. Offensichtlich unterscheiden sich seine Vorstellungen von Gerechtigkeit und Barmherzigkeit von unseren heutigen, und die Bibel billigt seine Ansichten nicht.

F: Was wissen wir in Mt 27,19 noch über die Frau des Pontius Pilatus?

A: Die Bibel sagt nichts weiter darüber. Der kirchlichen Überlieferung zufolge hieß sie Claudia Procula, wurde später heimliche Christin, und die griechisch-orthodoxe Kirche betrachtet sie als Heilige.

F: Musste Jesus in Mt 27,22; Mk 15,14; Lk 23,23 und Joh 19,14 einen langsamen, qualvollen Tod am Kreuz sterben, oder hätte er weniger qualvoll durch das Schwert oder eine Krankheit sterben können? (Meine Frau hat sich darüber Gedanken gemacht.)

A: Die Heilige Schrift berichtet lediglich, was geschehen ist, und nicht die gesamte Bandbreite der Möglichkeiten, was hätte geschehen können. Als Satan das Volk dazu veranlasste, Jesus zu töten, fügte er ihm offenbar den qualvollsten Tod zu, den die Menschen zu jener Zeit zuzufügen vermochten. Jesus nahm die schlimmste Strafe auf sich, um uns das allerbeste Geschenk zu bringen.

F: Wie versuchen Menschen heute manchmal, sich – in Anlehnung an Mt 27,24 – „die Hände in Unschuld zu waschen“, um andere davon zu überzeugen, dass sie an etwas keinen Anteil hatten, obwohl dies tatsächlich der Fall war?

A: Politiker können sehr eifrig und geschickt darin erscheinen, sich von gescheiterten Ergebnissen oder schlechten bzw. mittlerweile unpopulären politischen Maßnahmen zu distanzieren, für die sie selbst gestimmt hatten. Wenn Sie einen Politiker sagen hören, er habe ein Problem „geerbt“, mag das zwar stimmen, doch können Sie dennoch fragen, was er unternommen hat, um das Problem während seiner Amtszeit zu lösen.

Pilatus wirkte fast lächerlich bei seinem Versuch, einen „Mittelweg“ einzuschlagen, indem er sich in Bezug auf Jesus neutral verhielt. Auch heute versuchen viele, einen Mittelweg einzuschlagen, können dies jedoch nicht wirklich tun. Entweder war Jesus ein lügender Betrüger, ein verblendeter Wahnsinniger oder der Herr. Hier gibt es keinen Mittelweg.

Es waren bereits drei Kreuze vorbereitet worden, sodass Pilatus bereits zuvor beschlossen hatte, drei Gefangene hinzurichten. Doch Jesus nahm den Platz von Barabbas am mittleren Kreuz ein.

Frage: Warum wollten sie in Mt 27,25, dass das Blut Jesu auf ihnen und ihren Kindern lastet?

A: Bei der Beantwortung dieser Frage sind vier Punkte zu berücksichtigen.

1. Pilatus schien zumindest sehr zögerlich zu sein, die Verantwortung zu übernehmen, und die Menge könnte angenommen haben, dass Pilatus das Todesurteil gegen Jesus nicht verhängen würde, wenn sie sich nicht bereit gezeigt hätte, die Verantwortung zu übernehmen.

2. Auch wenn Pilatus’ Frau ihn gewarnt hatte, sich nicht in den Tod dieses Mannes einzumischen, hatte Pilatus bei anderen, außerhalb der Bibel beschriebenen Gelegenheiten bereits seine Bereitschaft gezeigt, Blut zu vergießen. Ungeachtet dessen wollte Pilatus, dass die Menge erklärte, die Verantwortung zu übernehmen, um sich so gewissermaßen von der alleinigen Verantwortung für die Hinrichtung Jesu zu entlasten. Möglicherweise hat Pilatus die Menge nur provoziert, um sich selbst abzusichern, damit die Worte der Menge seine Entscheidung rechtfertigen würden, falls Juden oder Römer diese später in Frage stellen sollten.

3. Eltern können nicht entscheiden, ob sie ihre eigene persönliche Schuld auf ihre Kinder oder Nachkommen abwälzen wollen oder nicht. Bedauerlicherweise bezeichneten Hitler und andere Nazis die Juden ihrer Zeit als „Christusmörder“ und nutzten diesen Ausdruck, um ihre schrecklichen Verbrechen zu rechtfertigen. Hitler selbst ordnete das Verschwinden vieler katholischer Priester und anderer Christen an. Natürlich waren die Römer Italiener, und Hitler verbündete sich mit Italien. Ja, die Sünden der Römer und Juden brachten Jesus ans Kreuz, doch es waren die Sünden von uns allen, die Jesus wirklich ans Kreuz brachten.

4. Letztendlich werden denen, die durch das Blut Jesu bedeckt sind, ihre Sünden abgewaschen; doch natürlich war dies nicht das, was die Menge hier meinte.

F: War das Gewand Jesu in Mt 27,28–29 scharlachrot oder war es purpurrot wie in Joh 19,2–3?

A: Es gibt zwei unterschiedliche Antworten, und beide könnten zutreffen.

Rotviolett: Im Englischen kann Rotviolett als eine Art von Purpur oder Scharlachrot betrachtet werden. Im Altgriechischen besteht größere Unsicherheit hinsichtlich des genauen Spektralbereichs der einzelnen Farben. Wenn Hebräisch/Aramäisch ins Griechische übersetzt wird – wie es laut Papias bei Matthäus der Fall war –, ist die Unsicherheit noch größer.

Mehrfarbig: Es wäre in der Tat seltsam, wenn ein teures Königskleid nur eine Farbe hätte. Antike Farbzeichnungen von Menschen in Ägypten zeigen mehrere Farben. Mehrfarbige Gewänder standen dem einfachen Volk bereits zu Josephs Zeiten, 1900 Jahre vor Jesus, zur Verfügung.

F: Warum setzten sie Jesus in Mt 27,29 eine Dornenkrone auf und gaben ihm ein Schilfrohr?

A: Sie taten dies als Scheinkrone, um ihn zu verspotten, und ein Schilfrohr sollte als Scheinzepter dienen. Die Dornen könnten nach innen gerichtet gewesen sein, um Jesus zu verletzen, oder nach außen, um einer Krone zu ähneln, wobei jeweils einige Dornen in beide Richtungen zeigten. Manche Menschen haben großes Vergnügen daran, andere zu verspotten. Doch Jesus trug eine Dornenkrone, damit wir eine Krone der Herrlichkeit tragen können. Beispiele dafür, wie römische Soldaten sich daran ergötzten, Gefangene zu verspotten, finden sich bei Cassius Dio, „Geschichte“ 15,20–21, und bei Philo, „In Flaccum“ 6,36–39.

Möglicherweise ging es auch nicht nur darum, Jesus zu verspotten, sondern durch Jesus auch das jüdische Volk zu verspotten

F: Warum musste Simon von Kyrene in Mt 27,32 und Mk 15,21 das Kreuz Jesu tragen?

A: Jesus war zu schwach, um den Querbalken zu tragen, und natürlich hatten die Römer keine Lust, ihn selbst zu tragen. Die Römer gaben hier nicht einmal vor, fair zu sein. Nebenbei bemerkt: Spätere Rabbiner verboten die Kreuzigung als zu grausam, und die Römer erlaubten sie nur auf direkten Befehl des Kaisers.

Archäologen haben ein Ossuarium, also eine Gebeinhütte, gefunden, die Juden aus Kyrene gehörte. Ein Ossuarium ist für „Alexander, Sohn des Simon“ bestimmt, doch da Alexander und Simon gebräuchliche Namen waren, handelte es sich wahrscheinlich nicht um denselben Simon. Dies geht aus N. Avigad, „A Depository of Inscribed Ossuaries in the Kidron Valley“, in: IEJ 12 [1962], 1–12, hervor.

F: War der Simon von Kyrene, der in Mt 27,32 das Kreuz trug, derselbe Simon, der Aussätzige aus Mt 26,6?

A: Dies ist möglich, aber höchst unwahrscheinlich. Simon war ein sehr gebräuchlicher Name.

F: Warum hat in Mt 27,34.48 und Mk 15,36 jemand Essig, gemischt mit Galle und Myrrhe, auf einen Schwamm geträufelt, um ihn Jesus zu reichen?

A: Jesus sagte, er habe Durst, und römische Soldaten tranken üblicherweise ein Getränk namens „Posca“, das aus schwachem Essig hergestellt wurde. Einer Überlieferung zufolge fügten die Frauen von Jerusalem dem verdünnten Essig Galle hinzu, ein schmerzstillendes Betäubungsmittel. Jesus lehnte die Galle jedoch ab, da er wusste, dass er den Schmerz für uns vollständig ertragen musste. Zwei Räuber wurden neben Jesus gekreuzigt und erfüllten damit unwissentlich die Prophezeiung in Jesaja 53,12, dass Jesus zu den Übeltätern gezählt werden würde.

F: Warum forderten sie Jesus in Mt 27,40–42 auf, vom Kreuz herabzusteigen?

A: Jesus konnte natürlich nicht herabsteigen, da er dort festgenagelt war. Sie glaubten Jesus nicht und verspotteten ihn erneut. Sie behaupteten, sie würden an Jesus glauben, wenn er vom Kreuz herabsteigen würde.

Erstens waren sie nicht aufrichtig, da sie nicht einmal glaubten, als Jesus Lazarus von den Toten auferweckte, und sie glaubten auch nicht, als Jesus später selbst von den Toten auferstand. Ist das nicht ein größeres Wunder als das Herabsteigen vom Kreuz?

Zweitens galt ein Mensch, der an einem Baum starb, gemäß 5. Mose 21,23 als verflucht, und es wäre ein Affront, jemandem zu glauben, den Gott durch den Tod am Kreuz verfluchen ließ. Die jüdischen Führer wollten Jesus nicht als Messias disqualifizieren, da sie ohnehin bereits der Meinung waren, dass er nicht der Messias sei. Vielmehr wollten die jüdischen Führer der Welt unmissverständlich klarmachen, dass Jesus als Messias disqualifiziert war.

Satan nutzte dies als Versuchung. Jesus hätte dies jederzeit verhindern können, indem er seine zwölf Legionen von Engeln herbeirief. Doch hätte er dies getan, wäre sein Sühneopfer für uns nicht zustande gekommen.

Viele Muslime sind der Ansicht, dass Jesus nicht am Kreuz gestorben sein könne, da Allah dies einem Propheten niemals zugestanden hätte. Doch sie betrachten nur diese Welt und wissen nicht, dass Jesus weit mehr ist als ein Prophet.

Wie William Booth sagte: „Sie behaupteten, sie hätten geglaubt, wenn Er herabgekommen wäre; wir glauben, weil Er oben geblieben ist.“

F: Warum sagte jemand in Mt 27,46–47 und Mk 15,36, Jesus rufe Elija?

A: Die Menschen in der Menge sprachen Latein, Griechisch, Aramäisch/Hebräisch und wahrscheinlich noch einige andere Sprachen. Als Jesus „Eli, Eli“ sagte, dachten einige, Jesus könnte „Elia“ sagen. Bedenken Sie, dass sowohl im Hebräischen als auch im römischen Latein der „j“-Laut nicht vorkam. Außerdem würde Jesus, da Flüssigkeit aus seinem Körper entzogen würde, um den Herzbeutel um sein Herz zu füllen, großen Durst verspüren, und es könnte ihm schwerer fallen, deutlich zu sprechen.

Andererseits könnten einige zwar richtig gehört haben, was Jesus sagte, seine Worte jedoch absichtlich verdreht haben, um ihn zu verspotten.

F: Was meinte Jesus in Mt 27,46 und Mk 15,34 mit den Worten: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen“?

A: Der körperliche Schmerz war nur ein Teil des Sühneopfers Jesu. Ein größerer Teil des Leidens bestand darin, dass Gott der Vater selbst Jesus verließ, als die Sünden der Welt auf Jesus gelegt wurden. Dies war keine nüchterne theologische Frage, sondern vielmehr ein Schrei der Qual. Es war ein Schrei emotionalen, nicht nur körperlichen Schmerzes. Auf eine Weise, die wir vielleicht nicht vollständig begreifen können, wandte sich der Vater von Jesus ab, der die Last all unserer Sünden auf seinen Schultern trug.

F: Zeigt dies in Mt 27,46 und Mk 15,34, dass Jesus nicht Gott ist, wie es der falsche religiöse Führer Rev. Moon lehrt?

A: Nein. Zunächst folgt hier, was der falsche Messias Rev. Moon gesagt hat, und anschließend die Widerlegung.

„Das Göttliche Prinzip“ (fünfte Auflage 1977), S. 210–212: „… Jesus ist als Mensch, der den Schöpfungszweck erfüllt hat, ein Leib mit Gott. … Dennoch kann er keinesfalls Gott selbst sein. … Da Jesus ein Leib mit Gott ist, mag er als zweiter Gott (Ebenbild Gottes) bezeichnet werden, aber er kann keinesfalls Gott selbst sein. … Jesus war ein Mensch, der den Schöpfungszweck vollendet hatte, was jedoch nicht bedeutet, dass er der Schöpfer selbst war. … Wenn wir zudem bedenken, dass Jesus am Kreuz sagte: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“, wird deutlich, dass Jesus nicht Gott selbst ist.“

Allerdings ist Jesus gemäß Hebräer 1,8.10 und Titus 2,13 Gott; er besitzt die Fülle der Gottheit in Kolosser 1,19. Weitere Verse, die zeigen, dass Jesus Gott ist, sind Römer 9,5, Johannes 5,23 und 1. Johannes 5,20. Der Jünger Thomas sprach Jesus in Johannes 20,28 mit „mein Gott“ an. Johannes 1,3.10.11.14 und Kolosser 1,16 zeigen, dass Jesus nicht nur ein vollkommener Mensch war, da alle Dinge im Himmel und auf Erden durch Jesus und für Jesus geschaffen wurden.

Die Verwirrung mag dadurch entstehen, dass der Begriff „Gott“ in der Bibel in mehr als einer Bedeutung verwendet wird. Sicherlich fungierte der Vater zumindest auf Erden als Gottes für Jesus, da Jesus auf Erden Gehorsam lernte (Hebräer 5,8).

F: Welche Bedeutung hatte in Mt 27,51 und Mk 15,38 das Zerreißen des Tempelvorhangs in zwei Teile?

A: Der Vorhang trennte das Allerheiligste Gottes vom Rest des Tempels. Der Riss symbolisierte die Überholtheit des Tempelrituals und des dafür geltenden Gesetzes. Der Riss zeigte, dass durch das Sühneopfer Jesu die Barriere durchbrochen wurde und wir nun eine enge Beziehung zu Gott haben können. Wäre der Tempelvorhang von Insekten zerfressen worden und hätte er nach und nach an Festigkeit verloren, bis er sein eigenes Gewicht nicht mehr tragen konnte, wäre er von einer Seite zur anderen zerrissen. Stattdessen wurde der Vorhang jedoch von oben nach unten zerrissen, wofür es keine natürliche Erklärung gibt.

Der Vorhang im Tempel symbolisierte den Leib Jesu, und dass er zerrissen wurde, bedeutet, dass wir nun selbst das Allerheiligste betreten können, wie es in Hebräer 10,19–20 heißt

Da zudem die jüdischen Autoritäten und religiösen Führer Jesus abgelehnt hatten, würde Gott diesen Tempel nicht mehr besuchen.

F: Gibt es in Mt 27,51 irgendwelche außerbiblischen Belege dafür, dass der Tempelvorhang zerrissen wurde?

A: In b Yoma 39b (S. 580) findet sich eine ähnliche Erwähnung. Dort heißt es, dass sich die Tempeltüren von selbst öffneten, und zwar 40 Jahre vor der Zerstörung des Tempels im Jahr 70 n. Chr.

F: Stimmt es, dass es für das Erdbeben in Mt 27,51 außer bei Matthäus keine Belege gibt?

A: Nein, das ist falsch. Entweder haben die Skeptiker Recht und Matthäus hat eine Geschichte mit einer inspirierenden Botschaft erfunden, von der die frühe Kirche fälschlicherweise glaubte, sie sei wahr, oder aber es gab tatsächlich ein Erdbeben, Gräber wurden aufgebrochen, einige Tote sind auferstanden und sind vermutlich nach der Auferstehung Jesu in den Himmel aufgefahren. Außerdem liegt der Tempelberg auf einer geologischen Verwerfung, sodass mit Erdbeben zu rechnen wäre.

Die Behauptung, dass niemand außer Matthäus dies jemals erwähnt habe, ist falsch. Wir verfügen über moderne geologische Studien, zwei außerbiblische nichtchristliche Quellen und fünf außerbiblische christliche Quellen, die diese Ereignisse erwähnen.

Moderne Geologie: Es wurden 20 Fuß tiefe Sedimentkerne von drei Standorten rund um das Tote Meer untersucht. Dabei zeigten sich Erdbebenschichten, die mit historischen Erdbeben abgeglichen wurden. Es ist ein bisher unbekanntes Erdbeben aus dem ersten Jahrhundert dokumentiert. Forscher zählten die jährlichen Schichten ausgehend von dem dokumentierten Erdbeben von 31 v. Chr. und ermittelten für das Erdbeben des ersten Jahrhunderts das Datum 31 n. Chr. ± 5 %. Das Erdbeben wird in mehreren wissenschaftlichen Fachartikeln als „33 n. Chr.“ aufgeführt. Weitere Informationen finden Sie unter: „High resolution geological record of historic earthquakes in the Dead Sea basin“ (Institut für Geowissenschaften, Hebräische Universität Jerusalem; Fachbereich Geophysik, Universität Tel Aviv): Journal of Geophysical Research, Band 106, Nr. B2, S. 2221–2234, 2001. „Tabelle 3 … 33 n. Chr. Berichte stammten aus der Region Judäa. Der Tempel in Jerusalem wurde beschädigt.“

„Ein Erdbeben im Toten Meer zu Beginn des ersten Jahrhunderts“, International Geology Review, DOI:10.1080/00206814.2011.639996.

Sichtbar nicht nur in Bohrkernen, sondern auch in den Rinnen in der Nähe des Toten Meeres. Ein Bild der durch das Erdbeben von 33 n. Chr. hinterlassenen Schicht finden Sie unter http://logosresearchassociates.org/Documents/Austin_33%20AD%20Seismite%20Ze'elim.pdf, Abbildung 13. (14. Juni 2013)

Phlegon war ein griechischer Schriftsteller aus Karien (in Kleinasien), der kurz nach 137 n. Chr. schrieb, dass es im vierten Jahr der 202. Olympiade [33 n. Chr.] „die größte Sonnenfinsternis“ gab und dass „es in der sechsten Stunde des Tages [12:00 Uhr mittags] Nacht wurde, sodass nicht einmal ein Stern am Himmel erschien“. In Bithynien gab es ein großes Erdbeben, und in Nikäa wurden viele Dinge umgestürzt.“ (The Case for Christ, S. 111.) Origenes, „Gegen Celsus“, Buch 2, Kap. 14, S. 437; Buch 2, Kap. 33, S. 445; Buch 2, Kap. 59, S. 455.

Thales (oder Thallus) war ein palästinensischer Historiker, auf den sich Julius Africanus (tätig 232–245 n. Chr.) bezog. Julius sagt: „Diese Finsternis bezeichnet Thallus im dritten Buch seiner Geschichte – wie mir scheint, ohne Grund – als Sonnenfinsternis.“ (Die vor-nikänischen Väter, Band 6, S. 136.) Im Kontext erörtert Julius, wie sich die Zeit vom Erlass des Artaxerxes bis zur Kreuzigung Christi als Erfüllung von Daniel 9 darstellte. (Es liegen uns jedoch keine Belege dafür vor, dass Thales ein Erdbeben erwähnt hat.)

Irenäus (182–188 n. Chr.) erwähnt in „Fragmente aus den verlorenen Schriften“, Kap. 28, S. 573 (in den „Ante-Nicene Fathers“), dass „als Jesus herabstieg, viele Seelen aufstiegen und in ihren Körpern gesehen wurden“. Er schreibt außerdem in „Gegen die Häresien“, Buch 4, Kap. 34, S. 512: „Und die mit dem Leiden des Herrn verbundenen Ereignisse, die vorhergesagt worden waren, haben sich in keinem anderen Fall erfüllt. Denn weder geschah es beim Tod eines Menschen unter den Alten, dass die Sonne am Mittag unterging, noch zerriss der Vorhang im Tempel, noch bebte die Erde, noch spalteten sich die Felsen, noch standen die Toten auf, noch wurde einer dieser Menschen [der alten Zeit] am dritten Tag auferweckt, noch in den Himmel aufgenommen … Darum sprachen die Propheten von niemand anderem als vom Herrn, in dem all diese zuvor genannten Zeichen zusammenfielen.“

Ignatius (vor 116 n. Chr.), ein Jünger des Apostels Johannes, erwähnt in seinem Brief an die Magnesier, Kapitel 9, jene, die Jesus auferweckt hat.

Clemens von Alexandria schreibt in den „Stromata“ (193–202 n. Chr.), Buch 6, Kapitel 6, S. 491: „‚Die aber entschlafen waren, stiegen tot herab, stiegen aber lebendig empor.‘ Das Evangelium sagt: ‚Dass viele Leiber der Entschlafenen auferstanden sind‘ – ganz offensichtlich, als seien sie in einen besseren Zustand versetzt worden. Es fand also eine universelle Bewegung und Versetzung durch die Heilsordnung des Erlösers statt.“

Diese frühen Schriftsteller wurden nach Ansicht einiger Skeptiker entweder „getäuscht und hinters Licht geführt“, sodass sie glaubten, dies sei geschehen. Gleiches gilt für andere Wunder, einschließlich der Auferstehung: Entweder wurden die frühen Christen getäuscht und hinters Licht geführt, sodass sie glaubten, dies sei wirklich geschehen, oder sie wurden es nicht. Da wir keine weiteren Augenzeugen haben, müssen wir entweder dem vertrauen, was die Evangelisten berichteten, oder wir tun es nicht. Das gilt auch für Paulus, der in 1 Kor 15,13–19 sagte, dass, falls die Auferstehung nicht stattgefunden habe, seine Verkündigung nutzlos sei, er ein falscher Zeuge wäre, unser Glaube vergeblich wäre und die Christen mehr als alle Menschen zu bemitleiden wären. Wie der Apostel Paulus sehe auch ich keinen Mittelweg.

Origenes (225–254 n. Chr.) erwähnt in „Gegen Celsus“, Buch 2, Kapitel 33, S. 445, die Finsternis über dem Land und die aufgebrochenen Gräber.

Dionysius von Alexandria (246–265 n. Chr.) erwähnt das Erdbeben im Matthäusevangelium. „Brief an den Bischof Basilides“, Kanon 1, S. 94.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass wir Grund haben, den Bericht über die Auferstehung ausgewählter Personen anzunehmen, weil:

1. Unser Vertrauen in die Evangelisten und ihre Berichterstattung über andere Ereignisse.

2. Die Schriftsteller der frühen Kirche haben dies erwähnt.

3. Dies wäre für jemanden, der den Verstorbenen nicht kannte, ohnehin unmöglich zu überprüfen, sodass jüdische und römische Schriftsteller davon nichts gewusst hätten.

4. Jüdische Autoren hätten keinen Anreiz gehabt, dies zu erwähnen,

5. Das Ereignis der Auferweckung von Menschen würde von der Auferstehung Jesu überschattet werden.

Ich stimme Ihnen in Bezug auf Erdbeben teilweise zu. Doch anstatt zu sagen, dass die Evangelisten diese katastrophalen Ereignisse nutzen, um die enorme Bedeutung und die Folgen des Eingreifens Gottes zu symbolisieren, glaube ich, dass Gott diese katastrophalen Ereignisse selbst genutzt hat. Vergessen Sie neben den Evangelien nicht die Erdbeben in der Offenbarung oder den Tod Usijas in Jesaja 6. Auch in der Kirchengeschichte gab es ein Erdbeben, als Johannes Chrysostomos im Jahr 403 n. Chr. aus Konstantinopel verbannt wurde. Es wäre nicht zu erwarten, dass frühe Autoren kleinere Erdbeben festhielten. Was kleinere Erdbeben in dieser Region betrifft, so liegen mir nur Angaben für Griechenland und die Türkei vor. Die „Encyclopedia Britannica“ berichtet für Griechenland und die Türkei Folgendes:

Zwischen 1902 und 1946 gab es 58 Erdbeben

Zwischen 1947 und 1966 gab es 82 Erdbeben

Zwischen 1967 und 1976 gab es 45 Erdbeben

Zwischen 1977 und 1981 gab es 9 Erdbeben

Ein weiterer Hinweis ist, dass archäologische Funde in Qumran belegen, dass es im Jahr 31 v. Chr. (vor Christus) ein verheerendes Erdbeben gab, und dennoch berichten außer Josephus keine antiken Schriftsteller von diesem Ereignis.

Fazit: Es scheinen zwei Möglichkeiten zu bestehen (und kein Mittelweg):

1. Kein Erdbeben: Die Verfasser der Evangelien mögen mit ihrer feinsinnigen moralischen Lehre Recht haben, doch sie berichteten von Erdbeben, die nicht stattgefunden haben. Wir können ihren Aussagen nicht vertrauen, zumindest was reale Ereignisse betrifft.

2. Erdbeben: Den Evangelisten kann man in ihren Aussagen vertrauen, und sie berichteten von Erdbeben, die tatsächlich stattfanden.

Frage: Wie konnten in Mt 27,52–53 die Toten aus ihren Gräbern hervorkommen?

A: Der allmächtige Gott hat die Macht, alles zu tun, was Er will, einschließlich der Auferweckung von Toten zum Leben. Manche Skeptiker behaupten, dies würde gegen die Naturgesetze verstoßen; nun, Gott hat die Naturgesetze geschaffen.

Die Engel im Himmel müssen die Worte der Skeptiker wohl ähnlich betrachten, wie wir die Worte vieler Skeptiker zur Zeit der Gebrüder Wright betrachten, die sagten: „Der Mensch kann niemals fliegen.“ Aerodynamischer Auftrieb kann das Gesetz der Schwerkraft außer Kraft setzen – wie viel mehr ist der Schöpfer in der Lage, die Gesetze Seiner Schöpfung außer Kraft zu setzen!

F: Zeigt die Tatsache, dass bei der Auferstehung Jesu in Mt 27,52–53 Menschen aus ihren Gräbern hervorkamen, die Wahrscheinlichkeit, dass Maria leiblich in den Himmel aufgenommen wurde, wie es ein katholischer Autor lehrt?

A: Nein. Ludwig Ott führte dies in „Grundlagen des katholischen Dogmas“ (1960), S. 209, nicht als Beweis, sondern als unterstützendes Argument an. Dies spricht aus zwei Gründen nicht einmal dafür, dass Maria leiblich in den Himmel aufgenommen wurde:

a) Es ist unklar, ob die Menschen, die aus ihren Gräbern kamen, in ihren sterblichen Körpern wiederbelebt wurden (wie Lazarus) oder auferstanden sind.

b) Maria lebte noch (Joh 19,27; Apg 1,14), als Jesus starb und von den Toten auferstand; daher würde sie nicht zu dieser Gruppe gehören.

F: Hat der römische Hauptmann in Mt 27,54 gesagt: „ein Sohn Gottes“ oder „der Sohn Gottes“?

A: Soldaten waren anwesend, für den Fall, dass jemand versuchen sollte, hereinzukommen und die Verurteilten zu befreien. Im Griechischen gibt es den bestimmten Artikel („der“ im Deutschen), der hier jedoch nicht verwendet wurde. Die Wortstellung zeigt jedoch, dass es sich um eine bestimmte Bezeichnung handelt, also um „den Sohn Gottes“, wie es im „Believer’s Bible Commentary“ auf Seite 1310 heißt. Andererseits weist der „Evangelical Commentary on the Bible“ auf Seite 758 darauf hin, dass beides möglich sei.

F: War Josef von Arimathäa in Mt 27,57–59 mutig, als er um den Leichnam Jesu bat?

A: Streng genommen wäre der Leichnam eines hingerichteten Verbrechers Eigentum Roms gewesen. Oft ließen die Römer Leichen am Kreuz verrotten und den Vögeln zum Fraß überlassen. Nach jüdischem Gesetz war es jedoch nicht zulässig, den Leichnam während des Passahfestes über Nacht am Kreuz hängen zu lassen. Wenn also ein römischer Beamter damit einverstanden war, wäre es vernünftig gewesen, die römische Erlaubnis zu erbitten, den Leichnam zur Bestattung mitzunehmen. Manchmal gewährte der römische Beamte dies gegen Geld, obwohl es keinen Hinweis darauf gibt, dass Pilatus dies in diesem Fall tat. Normalerweise galt es nicht als ungewöhnlich, dass jemand – vielleicht ein Verwandter – darum bat, den Leichnam zu bestatten. Als jedoch Josef, der kein Verwandter war, ausdrücklich um den Leichnam bat, nachdem er dem Todesurteil Jesu nicht zugestimmt hatte, zeigte er damit, dass er nicht mehr nur ein heimlicher Anhänger Jesu war. Wie es im „Believer’s Bible Commentary“ auf Seite 1310 heißt: „Im wahrsten Sinne des Wortes begrub sich Josef wirtschaftlich, gesellschaftlich und religiös selbst, als er den Leichnam Jesu bestattete. Diese Tat trennte ihn für immer von dem Establishment, das den Herrn Jesus getötet hatte.“ Normalerweise wurde der Leichnam eines verurteilten Verbrechers in das Tal von Hinnom geworfen – eine Art städtischer Müllhalde –, wo er von Feuern oder wilden Tieren verzehrt wurde. Doch Josef wünschte sich ein würdevolles Begräbnis. Josef wusste wahrscheinlich nicht, dass er damit Jesaja 53,9 erfüllte, wonach Jesus in seinem Tod bei den Reichen sein würde.

F: Woher wissen wir in Mt 27,65, dass „eine Wache stellen“ 4–16 römische Soldaten bedeutet und nicht Tempelwächter?

A: Der griechische Text lässt beides zu.

Indikativ: Sie haben bereits eine Wache

Imperativ: Nehmt diese römische Wache, die ich euch gewähre Hier sind die drei möglichen Interpretationen sowie die jeweiligen Vor- und Nachteile.

Sie haben bereits Ihre eigene Tempelwache: Für diese Ansicht sprach, dass es Tempelwachen waren, die Jesus festgenommen hatten. Da der Leichnam des gekreuzigten Verbrechers nun römisches Eigentum war, mussten sie Pilatus um Erlaubnis bitten, den Leichnam zu bewachen. Gegen diese Ansicht spricht die Tatsache, dass das Siegel der jüdischen Priester kaum Bedeutung gehabt hätte, während das Siegel des Römischen Reiches, bestehend aus Schnur und Wachs, nur schwer zu manipulieren gewesen wäre. Wer es gebrochen hätte, hätte den Tod riskiert.

Ihnen ist bereits eine römische Wache zugewiesen: Möglicherweise war den Priestern bereits eine römische Wache zugewiesen worden.

Eine römische Wache übernehmen: Gegen diese Ansicht spricht, dass es weder im klassischen noch im hellenistischen Griechisch ein eindeutiges Beispiel für die Verwendung von „echein“ im Sinne von „übernehmen“ gibt.

Andererseits könnte es sich um jüdische Wachen handeln, wie die Tatsache zeigt, dass sie sich später den Hohepriestern und nicht Pilatus meldeten. Doch selbst römische Wachen würden zögern, ohne jüdische Verbündete zu Pilatus zurückzukehren, da dies ihr eigenes Todesurteil bedeuten könnte.

F: Erschien Jesus in Mt 28,9 zuerst Maria Magdalena oder zuerst Petrus (Kephas), wie Paulus in 1 Kor 15,5 andeutet?

A: Maria Magdalena war die erste Person, die Jesus sah, aber Petrus war der erste Apostel, der Jesus sah. Tatsächlich hat Paulus nicht gesagt, dass Petrus die erste Person war, der Jesus erschien. Von den Personen, die Paulus aufzählte, war Petrus der Erste auf seiner Liste, der den auferstandenen Jesus sah, gefolgt von den anderen Jüngern und dann von über 500 Menschen. Einerseits hat Paulus die Frauen vielleicht bewusst nicht erwähnt, weil vor Gericht zu jener Zeit die Aussage einer Frau keinen Wert hatte, wie es in „When Critics Ask“, S. 365–367, heißt. Andererseits könnte Paulus einfach vergessen haben, dass die Frauen vor Petrus da waren. So oder so besteht jedoch kein Widerspruch, da Paulus nie gesagt hat, dass niemand Jesus vor Petrus gesehen habe.

F: Mussten die Hohepriester in Mt 28,11–15 die Wachen bestechen, und woher stammte das Geld?

A: Die Hohepriester mussten die Wachen wahrscheinlich nicht bestechen, da diese befürchteten, dass die Sache an die Öffentlichkeit gelangen könnte. Aber die Hohepriester waren wahrscheinlich in Panik und kamen zu dem Schluss, dass es am sichersten wäre, die Wachen zu bestechen und Pilatus in Matthäus 28,14 „zu besänftigen“. Offenbar hatten sie große Erfahrung darin, Menschen zu bestechen. Das Geld für die Bestechungsgelder stammte aus den Abgaben, die die Juden in Form der Tempelsteuer an den Tempel entrichteten.

F: Welche weiteren Beispiele finden sich in Mt 28,12–15 für Menschen, die viel Geld dafür erhielten, eine Lüge zu verbreiten, und warum tun Menschen so etwas?

A: Menschen verbreiten aus verschiedenen Gründen eine Lüge gegen Bezahlung. In diesem Fall taten die Soldaten dies aus Angst um ihr Leben. Andere Menschen tun dies, weil ihnen Geld wichtiger war als ihre Integrität. Ein dritter Grund ist der Wunsch, ein übernatürliches Ereignis durch eine naturalistische Erklärung zu ersetzen. Aber „halten Sie sich fest“, denn hier folgen Beispiele für einige sehr einflussreiche Lügen, die im Laufe der Geschichte verbreitet wurden.

Bei den „Falschen Dekretalen“ handelt es sich um etwa 100 Briefe, die „bewiesen“, dass Petrus gesagt habe, ihm sei die Autorität übertragen worden, die Kirche Christi zu leiten, und er könne diese Autorität an den nächsten Papst weitergeben usw. Sie bewiesen zudem, dass die Bischöfe weder der örtlichen Regierung noch anderen Kirchenführern unterstanden, sondern ausschließlich dem Papst. Sie gaben vor, von Autoren aus den Jahren 78–731 n. Chr. zu stammen, wurden jedoch tatsächlich um 847–859 n. Chr. verfasst, größtenteils von Isidor Mercator in Frankreich. Obwohl sie in der östlich-orthodoxen Kirche nie anerkannt wurden, dienten sie in der römisch-katholischen Kirche dazu, auf den Synoden von Worms (868), Köln (887), Metz (893) und Tribur (895) kirchliches Recht zu etablieren. Zwischen 900 und 1100 n. Chr. waren sich fast alle einig, dass es sich um Fälschungen handelte. Warum sollten Päpste beispielsweise Personen zitieren, die erst nach ihrem Tod geboren wurden? Doch als sich herausstellte, dass es sich um Fälschungen handelte, hatten sie ihre Aufgabe, die Macht und den Reichtum der römisch-katholischen Kirche zu festigen, bereits erfüllt.

Die „Protokolle der Weisen von Zion“: Hierbei handelt es sich um einen gefälschten Text, der angeblich von jüdischen Ältesten verfasst wurde und beschreibt, wie man nichtjüdische Geschäftsleute in den Ruin treiben und letztendlich die Macht an sich reißen kann. Tatsächlich wurde er zwischen 1901 und 1903 von einem antisemitischen russischen Nichtjuden verfasst, wahrscheinlich von Sergei Nilus. Selbst nachdem eine britische Zeitung ihn als Fälschung entlarvt hatte, wurde er weiterhin herangezogen, um eine weltweite jüdische Verschwörung zu beweisen, und nach seiner Veröffentlichung kam es in Russland zu Pogromen, bei denen Juden getötet und ihr Eigentum beschlagnahmt wurde. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahr 1933 gehörte er zur Pflichtlektüre für deutsche Schulkinder.

Rauchen: In den frühen 1950er Jahren zeigten medizinische Studien einen kausalen Zusammenhang zwischen Rauchen und Lungenkrebs. Doch die Tabakkonzerne stellten diese Behauptungen vehement in Frage. Noch im Jahr 2005 wurde im Fall „McTear gegen Imperial Tobacco“ in Schottland argumentiert, dass man nicht beweisen könne, dass das Rauchen einer Person Lungenkrebs verursacht habe. Nebenbei bemerkt: Die Vereinigten Staaten nehmen jährlich etwa 32 Milliarden Dollar an Tabaksteuern ein.

MMR-Impfstoffe: Im Jahr 1998 veröffentlichte Andrew Wakefield in der britischen medizinischen Fachzeitschrift „Lancet“ einen Artikel, in dem er einen Zusammenhang zwischen Impfungen und Autismus herstellte. In der Folge gingen die MMR-Impfquoten in Großbritannien drastisch zurück. Andere Studien versuchten, Wakefields Ergebnisse zu reproduzieren, konnten jedoch keinen Zusammenhang nachweisen. Wakefield versäumte es, offenzulegen, dass er finanzielle Mittel von Anwälten erhalten hatte, die Impfstoffhersteller verklagten und seine Studie zur Untermauerung ihrer Argumente nutzen konnten. Wakefield behauptet, es habe kein Gewinnstreben gegeben, doch er hätte durch den Verkauf von Testkits 43 Millionen Dollar verdienen sollen. Nachdem dies ans Licht kam, wurde Wakefields Artikel von „Lancet“ offiziell zurückgezogen, und ihm wurde die Ausübung des Arztberufs in Großbritannien untersagt. Daraufhin kam er in die Vereinigten Staaten, um dort als Arzt zu praktizieren, und drehte 2016 den Film „Vaxxed: From Cover-Up to Catastrophe“.

Gegen Katholiken in Odisha: Ein beliebter hinduistischer Führer, Lakshmanananda Saraswati, wurde von Maoisten ermordet, was diese später auch zugaben. Fünf Katholiken, ein Mitarbeiter von World Vision und einige Maoisten wurden schließlich festgenommen. Es kam zu Ausschreitungen gegen Katholiken, und fünf Hindus wurden festgenommen, weil sie ein katholisches Haus in Brand gesetzt hatten. Sie wurden jedoch alle vom Gericht freigesprochen. Weitere Informationen finden Sie unter https://en.wikipedia.org/wiki/Murder_of_Lakshmanananda_Saraswati.

Gegen Christen in Indien: Wussten Sie übrigens, dass die Global Hindu Heritage Foundation (GHHF) um den 10. Februar 2022 in Frisco, Texas, eine Spendenaktion organisierte, mit deren Erlös unter anderem der Abriss von Kirchen in Indien finanziert werden sollte, die ihrer Aussage nach „illegal errichtet“ worden seien?

Das Verbreiten von Lügen für Geld hat nicht aufgehört.

Weitere Informationen finden Sie unter den folgenden Links. (18. März 2023)

https://en.wikipedia.org/wiki/The_Protocols_of_the_Elders_of_Zion, https://en.wikipedia.org/wiki/Vaccine_hesitancy

https://en.wikipedia.org/wiki/Andrew_Wakefield

https://en.wikipedia.org/wiki/Tobacco_politics

https://www.thequint.com/us-nri-news/hindutva-fundraiser-frisco-texas-global-hindu-heritage-foundation-demolition-of-illegal-churches-tirupati-ghar-wapsi.

F: Wie können wir gemäß Mt 28,19 alle Völker zu „Jüngern“ machen, anstatt sie lediglich zu Zuhörern oder Bekehrten zu machen?

A: Beten Sie zunächst und verkünden Sie das Evangelium, doch das ist nur der erste Schritt. Wenn jemand seinen Glauben an Christus setzt, ist Ihre Arbeit noch nicht beendet; vielmehr beginnt nun die Jüngerschaft. Jemand muss Zeit mit dieser Person verbringen – vielleicht jede Woche –, entweder im Einzelgespräch oder in einer Gruppe, um ihr die Grundlagen des Glaubens zu vermitteln und ihr zu zeigen, wie sie in ihrem Umfeld für Christus leben soll. Nur zu predigen oder nur zu predigen und Menschen zur Errettung zu führen, ist einfacher als das, was Jesus hier von uns verlangt. In einem Handwerk wie dem der Klempner, Elektriker usw. gibt es typischerweise drei Stufen: Lehrling, Geselle und Meister. Ein Meister oder eher ein Geselle würde einen Lehrling ausbilden, und ein Meister könnte einen Gesellen ausbilden. In der Gemeinde brauchen wir eine Grundausbildung für neue Christen und eine fortgeschrittenere Ausbildung für „gesellenhafte“ Christen. Doch in beiden Fällen: Wann haben Sie das letzte Mal jemanden in der Jüngerschaft begleitet?

Frage: Da es in Mt 28,19 nur einen einzigen Gott gibt – wie kann Jesus dann Gott sein, und wie kann die Dreifaltigkeit wahr sein?

A: Der eine Gott kann eine „Vielheit“ aufweisen, ohne dass es dabei getrennte Götter gibt. Selbst im Koran werden, wenn Allah spricht, die Wörter „wir“ (Nahnu) und „ich“ verwendet.

Gott unterliegt nicht den Begrenzungen des Menschen, und Gott kann sich uns offenbaren, wie immer Er es wünscht.

In der Heiligen Schrift findet sich eine Dreifaltigkeit: Matthäus 28,19; 1. Petrus 1,2; Epheser 2,18; Offenbarung 4,8; 2. Korinther 13,14; Johannes 15,26.

Es gibt nur einen einzigen, untrennbaren Gott. Deuteronomium 4,35–39; 6,4; Jesaja 43,10–12; 44,6.8; 45,5–6.14.21; 46,9; 1. Timotheus 1,17; 6,15–16.

Drei eigenständige Personen: Matthäus 3,16–17; Lukas 3,21–22; Johannes 1,1; 6,38; 14,31; 15,26; 16,28; 17,5; Apostelgeschichte 5,31–32; Markus 10,38–40

Jesus ist Gott. Johannes 1,3; Kolosser 1,16–17; Hebräer 1,6–9; Johannes 9,38; 2. Korinther 11,3; Johannes 20,28–29; Offenbarung 5,8–9; 22,20

Der Heilige Geist ist Gott. Römer 8,9–16; Lukas 1,35; 1. Johannes 4,12–16; 1. Korinther 3,16 im Vergleich zu 1. Korinther 6,19; Apostelgeschichte 5,4

Sie sind sich in Wesen, Herrlichkeit und Ehre gleich. Johannes 5,18; 5,23; Kolosser 2,9–10; (Jesaja 44,6; Offenbarung 1,8 im Vergleich zu Offenbarung 1,17–18; 22,13)

Sie unterscheiden sich in ihrer Rolle und ihrem Rang. 1. Korinther 11,3; 1. Korinther 15,25–28; Matthäus 12,18; Epheser 1,3.17; Johannes 1,33; 14,16.26.28; Römer 8,26–27.

Übrigens bedeutet die Tatsache, dass Jesus Teil der Dreifaltigkeit ist, nicht, dass Jesus zu einem Drittel Gott ist – genauso wenig wie die Höhe eines Tisches ein Drittel des Tisches ausmacht. Man kann Gott nicht mit Mathematik erklären, aber wenn man es versuchen würde, wäre die Dreifaltigkeit nicht 1 + 1 + 1 = 1, sondern 1 mal 1 mal 1 = 1.

F: Was ist Modalismus in Mt 28,19, Mt 24,36 und Mt 3,16–17, und warum ist er falsch?

A: Die Dreifaltigkeitslehre besagt, dass es einen untrennbaren Gott in drei unterschiedlichen Personen gibt. Der Modalismus lehrt einen einzigen Gott, der sowohl untrennbar ist als auch eine einzige Person darstellt. Tatsächlich gibt es zwei Arten des Modalismus. Der Patripassianismus besagt, dass der Vater der Sohn ist, der wiederum der Heilige Geist ist. Der dynamische Modalismus besagt, dass der Vater zum Sohn wurde, der wiederum zum Heiligen Geist wurde. Beide Arten des Modalismus sind aus den folgenden Gründen falsch.

1. Jesus sagte in Johannes 14,28: „Der Vater ist größer als ich.“ Auch wenn Jesus sich auf Erden seiner Herrlichkeit entäußert hatte, als er dies sagte, bleibt doch die Tatsache bestehen, dass, wenn der Vater größer war als er, ein Unterschied zwischen dem Vater und dem Sohn besteht.

2. Wäre der Modalismus wahr, hätte Jesus bei seiner Taufe ein Bauchredner, ein Zauberer und letztendlich ein Lügner sein müssen (Matthäus 3,16–17; Markus 1,10–12; Lukas 3,21–22). Während seines Aufenthalts auf Erden war Jesus dem Vater untertan (Hebräer 5,7–8). Dies wäre sinnlos, wenn es niemanden gäbe, dem Jesus untertan war.

3. Ebenso tat Jesus, was der Vater ihm gebot (Johannes 14,31). In Hebräer 5,8 heißt es, dass Jesus den Gehorsam gegenüber dem Vater gelernt hat.

4. In Matthäus 24,36 heißt es, dass niemand den Tag oder die Stunde der Wiederkunft Christi kennt, nicht einmal der Sohn, sondern nur der Vater. Somit gab es zumindest während der Zeit, als Jesus auf Erden war, einen Unterschied zwischen dem, was der Vater wusste, und dem, was Jesus wusste. Zwar fehlt in einigen griechischen Handschriften der Ausdruck „noch der Sohn“, doch die besten griechischen Handschriften sowie die Mehrheit der griechischen Handschriften enthalten diesen Ausdruck.

5. Jesus wurde von jemand anderem gesandt, sofern Johannes 5,36–37; 6,29.38 irgendeine Bedeutung haben. Der Himmel war nicht leer, als Jesus kam.

6. Da der Vater dem Sohn in Johannes 5,22,26,27 etwas gewährte und ihm Vollmacht gab, zeigt dies, dass der Vater und der Sohn voneinander zu unterscheiden sind.

7. Warum sollte Jesus in Johannes 17,5; Johannes 14,16, 26,28 und an anderen Stellen zum Vater beten oder den Vater um etwas bitten, wenn Jesus lediglich mit sich selbst sprechen würde? Da Jesu Gebete zudem so dargestellt werden, als würde er mit jemand anderem sprechen, wäre die Bibel irreführend, wenn es niemanden gäbe, mit dem Jesus sprach.

8. Wer ist derjenige, für den der Heilige Geist in Römer 8,26–27 Fürbitte einlegt?

9. Wenn Jesus ein Diener war, wessen Diener war Jesus dann in Matthäus 12,18?

10. Wer war es, der Jesus auf Golgatha im Markus-Evangelium 15,34 und im Matthäus-Evangelium 27,46 im Stich ließ?

11. Weitere Verse, die diese Unterscheidung verdeutlichen, sind Johannes 1,33; 1. Korinther 11,3; 15,25–28; Epheser 1,3.17; Hebräer 1,9

Hier sind einige Zitate von Witness Lee, dem Gründer der Ortsgemeinde. Die Ortsgemeinde unterhält Studentengruppen mit dem Namen „Christians on Campus“. In der Regel tragen ihre Gemeinden den Namen „Die Gemeinde in [Name der Stadt]“.

„So werden die drei Personen der Dreifaltigkeit zu den drei aufeinanderfolgenden Schritten im Verlauf von Gottes Wirtschaft.“ W. Lee. Die Wirtschaft Gottes, Living Stream 1968, S. 10.

„Ebenso sind der Vater, der Sohn und der Heilige Geist nicht drei Götter, sondern drei Stufen eines einzigen Gottes, die wir besitzen und genießen können.“ W. Lee. Über den dreieinigen Gott, Living Stream, ohne Datum, S. 31

„Im Himmel, wo der Mensch nicht sehen kann, ist Gott der Vater; wenn Er sich unter den Menschen offenbart, ist Er der Sohn; und wenn Er in die Menschen kommt, ist Er der Geist. Der Vater offenbarte sich unter den Menschen im Sohn, und der Sohn wurde zum Geist, um in die Menschen zu kommen. Der Vater ist im Sohn, und der Sohn wurde zum Geist – die drei sind nur ein Gott.“ W. Lee. Über den dreieinigen Gott: „Lebendiger Strom“, ohne Datum, S. 8–9

Nach dem Tod und der Auferstehung wurde Er [der Sohn] zum Geist, der den Jüngern eingehaucht wurde. W. Lee. Über den dreieinigen Gott, Living Stream, ohne Datum, S. 8

„…der Sohn wurde zum Geist, damit wir ihn als Wasser des Lebens in uns aufnehmen können…“ W. Lee. Über den dreieinigen Gott, Living Stream, ohne Datum, S. 8

„… Wir wissen, dass der Herr der Sohn ist und dass Er auch Vater genannt wird … Nun lesen wir, dass Er der Geist ist. Wir müssen uns also darüber im Klaren sein, dass Christus, der Herr, auch der Geist ist.“ W. Lee. Der allumfassende Geist Christi, „Living Stream“, 1969, S. 4, 6, 8

Beachten Sie, dass dies durch die am Anfang dieser Antwort angeführten Verse widerlegt wird.

F: Was genau bedeutet „im Namen von“ in Mt 28,19?

A: Das Neue Testament wurde in griechischer Sprache verfasst, mit der Ausnahme, dass Papias angab, Matthäus sei in der Sprache der Hebräer geschrieben worden. Wir müssen uns also fragen, was dieser Ausdruck in diesen Sprachen bedeutete.

In der griechischen Literatur bezeichnet „im Namen von“ eine finanzielle oder buchhalterische Beziehung, etwa: „Dieses Geld ist im Namen des Kontoinhabers hinterlegt.“

In der hebräischen Literatur hat der Ausdruck eine viel breitere Bedeutungsspanne als im Griechischen, umfasst jedoch auch die griechische Bedeutung. Im Hebräischen begründet er eine Beziehung zu etwas oder jemandem. Wenn beispielsweise ein Jude einen Sklaven kaufte, wurde dieser manchmal „im Namen der Sklaverei“ getauft. Wenn ein Jude einen Sklaven befreite, wurde dieser „im Namen der Freiheit“ getauft. Was wäre für die Juden der Unterschied zwischen dem bloßen Schlachten eines Tieres und dem Opfern eines Tieres für Gott? Sie würden das Tier „im Namen des Brandopfers“ (oder des Sündopfers oder einer anderen Art von Opfer), „im Namen der Altarfeuer“, „im Namen des wohlriechenden Dufts“, „im Namen Gottes“ oder „im Namen des Wohlgefallens Gottes“ töten.

Wenn also ein Gläubiger getauft wurde, waren diese Formulierungen gleichbedeutend:

„im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes“ (Matthäus 28,19)

„im Namen Jesu Christi“ (Apostelgeschichte 2,38; 10,48),

„im Namen des Herrn Jesus“ (Apostelgeschichte 19,5)

„in Christus“ (Galater 3,27)

„in Christus Jesus“ (Römer 6,3–4)

F: Da der Modalismus in Mt 28,19 falsch ist, der Vater und der Sohn jedoch sehr eng miteinander verbunden sind – wie eng ist diese Verbindung genau?

A: Auch wenn die Heilige Schrift nicht viele Details liefert, lassen sich hier sechs Punkte nennen.

1. So wie Jesus im Vater ist, sind wir in Jesus, und Jesus ist in uns

Es besteht eine Verbindung zwischen diesen Beziehungen: Vater–Jesus, Jesus–wir, wir–Jesus. Johannes 14,20; 17,23; 6,57

Dennoch umfasst die Dreifaltigkeit mehr als nur diese analoge Beziehung. Matthäus 28,19; Johannes 1,1.18; Philipper 2,6–7; Kolosser 1,15

Der Vater, Jesus und wir alle haben einige Dinge gemeinsam, wie zum Beispiel das ewige Leben. Johannes 16,13–15

Der Vater und Jesus „besitzen“ alles gemeinsam. Johannes 16,15; 17,10. Der Heilige Geist offenbart uns dies. Johannes 16,14–15

Dennoch verfügt der Vater nicht über bestimmte Dinge, die wir nach der menschlichen Geburt Jesu mit ihm teilen. Hebräer 1,6–10; 2,14; 7,3

2. So wie der Vater und Jesus eins sind, sollen auch wir eins sein

Wir sollen untereinander eins sein, in gewisser Weise ähnlich wie der Vater und Jesus. Johannes 17,11.21–22

Dennoch sind sie in gewisser Weise eins, in der wir nicht eins sein können. Johannes 5,23

3. Der Vater wohnt in Jesus

Auf Erden wohnte der Vater in Jesus. Johannes 10,38; 14,10–11. Jesus war vom Heiligen Geist erfüllt. Lukas 4,1.18

Wenn Sie Jesus wirklich kennen, dann kennen Sie den Vater und haben den Vater gesehen. Johannes 14,7–9

Dennoch ist der Vater nicht zu Jesus geworden, hat sich nicht zu ihm entwickelt oder sich in ihn verwandelt. Hebräer 13,8; 1,9; Johannes 14,10,24,26; 15,1; 16,27–28,32; 17,5

4. Jesus lebt im Vater

Auf Erden war Jesus im Vater. Johannes 10,38; 14,11

Dennoch sind sie voneinander getrennt; Jesus war kein Bauchredner. Matthäus 3,16; Johannes 8,18. Jesus wurde auf Golgatha verlassen. Markus 15,34; Matthäus 27,46

Niemand kommt zum Vater außer durch Jesus. Johannes 14,6; 6,45; Apostelgeschichte 4,12

Dennoch würde Jesus, so nah sie sich auf Erden auch waren, dennoch zum Vater gehen. Johannes 14,12; Markus 16,19; Johannes 20,17

Jesus wird „Ewiger Vater“ genannt, was sich möglicherweise darauf bezieht, dass er die Quelle des ewigen Lebens ist. Jesaja 9,6

Dennoch wurde Jesus nicht zum Vater, entwickelte sich nicht zum Vater und verwandelte sich auch nicht in den Vater. Hebräer 13,8; Johannes 20,17; 14,10.24.26; 15,1

5. Gott/der Vater/Christus/der Heilige Geist ist in uns

Die Menschen sehen Gott durch uns und in uns.

Dennoch wohnt Gott nicht ausschließlich in uns, genauso wenig wie Sterne ausschließlich in Teleskopen existieren. 1. Timotheus 6,16; Jeremia 23,24; Offenbarung 19,11

Der Vater/Jesus/der Heilige Geist wohnt tatsächlich auch in jedem Gläubigen und hat dort seine Heimat. Johannes 14,17.23; 17,26; Römer 8,9–11; Galater 4,6; 1. Korinther 6,19; 1. Johannes 4,15–16; 2. Timotheus 1,14

Dennoch sind Gott, der Vater, Christus und der Heilige Geist nicht zu uns geworden oder zu sündigen Menschen geworden. Jakobus 1,13; Hebräer 4,15; 1. Petrus 2,22; 1. Johannes 3,5

Gott wirkt und handelt in uns und durch uns. Philipper 2,13; Beispiele: 1. Korinther 15,10; Römer 15,18–19

Gottes Volk, die Gemeinde, bildet gemeinsam den Leib Christi. 1. Korinther 6,15; 10,17; 12,27; Epheser 4,12; Kolosser 1,24.

Dennoch sind wir nicht der physische Leib Christi. Kolosser 1,22. Gott ist nicht darauf beschränkt, durch uns zu wirken. Genesis 1; Apostelgeschichte 9,1–6; Offenbarung.

Uns zu helfen oder nicht zu helfen, ist für Jesus Christus dasselbe. Matthäus 25,35–45; Johannes 13,20; Apostelgeschichte 9,4–5; 22,7–8; 26,14–15.

Dennoch können Menschen Gott direkt preisen oder schmähen, ohne den Gläubigen etwas anzutun. Römer 1,18–32; Offenbarung 9,20–21

6. Wir leben in Gott/dem Vater/Christus/dem Heiligen Geist

Wir sind in Jesus und im Vater. Johannes 17,21; Kolosser 2,6.12; 3,3–4; 1. Johannes 4,12.15–16; 5,20.

Wir müssen in Jesus Christus und in seiner Liebe bleiben. Johannes 15,1–9; 1. Johannes 2,27

Dennoch sind wir jetzt noch nicht ganz bei Gott; wir müssen noch hingehen und bei Gott sein. 2. Korinther 5,8; 1. Korinther 13,12; Philipper 1,23

Weil Jesus lebt, werden auch wir leben. Johannes 14,19; Kolosser 3,4; 1. Korinther 15,12–22

Dennoch werden wir nicht zu Gott oder Christus, entwickeln uns nicht zu ihm hin und verwandeln uns nicht in ihn; vielmehr werden wir gottähnlich und Christus ähnlich. Jesaja 42,8; 43,10; Römer 8,29; 1. Johannes 3,2; Philipper 3,21

Wir sind neue Geschöpfe in Christus. 2. Korinther 5,17. Wir haben den Geist Christi. 1. Korinther 2,16.

Dennoch werden wir keine Zombies; wir sollen weiterhin unseren eigenen (erneuerten) Verstand und unsere eigene Persönlichkeit haben. 1. Korinther 6,2–6; 11,13; 13,11 und 14,20; Römer 14,5–6

F: Wurde der Vers in Mt 28,19 zur Zeit des Konzils von Nicäa verfälscht, da Eusebius ihn vor Nicäa 18 Mal zitiert, ohne die Dreifaltigkeit zu erwähnen, und ihn erst nach Nicäa mit der trinitarischen Formel zitiert? Victor Paul Wierwille, Gründer von „The Way“, behauptete dies in seinem Buch „Jesus Christ is Not God“ (1981), S. 19–20.

A: Dieses Argument aus dem Schweigen ist aus mehreren Gründen unhaltbar. Zwar war Eusebius von Caesarea in erster Linie ein Historiker und weniger ein Theologe, doch selbst Wierwille räumt ein, dass Eusebius diesen Vers nach dem Konzil von Nicäa zitiert.

Zweitens, und das ist am wichtigsten, haben viele christliche Autoren bereits Jahrhunderte vor Eusebius diesen Vers vollständig zitiert.

Die Didache (ca. 60–120 n. Chr.), Kapitel 7, S. 379, zitiert ihn wie folgt: „Nachdem du all dies gesagt hast, taufe im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes in lebendigem Wasser [d. h. fließendem Wasser]. Hast du jedoch kein lebendiges Wasser, so taufe in anderem Wasser; und wenn du nicht in kaltem taufen kannst, so taufe in warmem. Wenn Sie aber auch das nicht haben, gießen Sie dreimal Wasser über das Haupt im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.“

Irenäus (182–188 n. Chr.) zitierte es wie folgt: „Geht hin und lehrt alle Völker und tauft sie im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ (Irenäus, Gegen die Häresien, Buch 3, Kap. 17.1, S. 444)

Tertullian (198–220 n. Chr.) paraphrasiert diesen Vers leicht wie folgt: „Er [Jesus] gebot den elf anderen bei Seiner Rückkehr zum Vater: ‚Geht hin und lehrt alle Völker, die im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes getauft werden sollten.‘“ In: „Vorschrift gegen die Häretiker“, Kap. 20, S. 252.

Tertullian drückt es in „Über die Taufe“, Kap. 13, S. 676, etwas anders aus: „Gott, so spricht er [Jesus], ‚lehrt die Völker und tauft sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes‘.“

Hippolyt (222–235/6 n. Chr.) zitiert es wie folgt: „Geht hin und lehrt alle Völker und tauft sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ Gegen die Häresie des Noetus, Kap. 14, S. 228

„Abhandlung gegen Novatian“ (254–256 n. Chr.), Kap. 3, S. 658: „Geht hin und verkündet den Völkern das Evangelium und tauft sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Das heißt, dass dieselbe Dreifaltigkeit, die in den Tagen Noahs bildlich durch die Taube wirkte, nun in der Kirche geistlich durch die Jünger wirkt.“

Abhandlung über die Wiedertaufe (ca. 250–258 n. Chr.), Kap. 7, S. 671: „Geht hin, lehrt die Völker; tauft sie im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.“

Siebtes Konzil von Karthago (258 n. Chr.), S. 567: Munnulus von Girba sagte: „… gerade in der Dreifaltigkeit der Taufe, wie unser Herr sagt: ‚Geht hin und tauft die Völker im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.‘“

Siebtes Konzil von Karthago (258 n. Chr.), S. 569: Vincentius von Thibaris sagte: „Geht hin und lehrt die Völker und tauft sie im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.“

Victorinus von Petau (gest. 307 n. Chr.) zitiert es wie folgt: „Er [Jesus] sandte die Apostel aus und sprach: ‚Geht hin, lehrt alle Völker und tauft sie im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.‘“ Kommentar zur Offenbarung, erstes Kapitel, Nr. 15, S. 345

Warum also versucht Wierwille, die Sache zu verschleiern, indem er sich über die Daten streitet, wann Eusebius welche Teile zitierte, wo wir doch all diese anderen früheren Autoren haben, die sich ganz klar ausgedrückt haben?

Lesen Sie schließlich die nächste Frage, um weitere Aussagen der frühen Christen zur Dreifaltigkeit zu erfahren.

F: Was waren in Mt 28,19 einige der Lehren der frühen Kirche zur Dreifaltigkeit?

A: Hier sind einige davon.

Mathetes an Diognetus (ca. 130–200 n. Chr.)

„Wie ein König seinen Sohn sendet, der ebenfalls ein König ist, so hat Er Ihn gesandt; als Gott(1) hat Er Ihn gesandt; zu den Menschen hat Er Ihn gesandt; als Retter hat Er Ihn gesandt, …“ Kap. 7 Die Fußnote (1) besagt, dass sich „Gott“ hier auf die gesandte Person bezieht.

Justin der Märtyrer (ca. 138–165 n. Chr.)

„Denn wenn wir ein Wort weitergeben, bringen wir das Wort hervor; doch nicht durch Abspaltung, sodass das Wort, das in uns verbleibt, dadurch vermindert würde, wenn wir es weitergeben; und genau so sehen wir es auch im Fall eines Feuers geschehen, das nicht geringer wird, wenn es ein anderes entzündet hat, sondern gleich bleibt; … Das Wort der Weisheit, das selbst dieser vom Vater aller Dinge gezeugte Gott ist, das Wort, die Weisheit, die Kraft und die Herrlichkeit des Erzeugers, wird mir Zeugnis ablegen …“ „Dialog mit Trypho“, Kap. 61. Tatsächlich befassen sich alle Kapitel 57–63 mit der Göttlichkeit Jesu.

Theophilus von Antiochia (168–181/188 n. Chr.)

„Ebenso sind auch die drei Tage, die vor den Himmelskörpern [Sonne, Mond und Sterne] lagen, Symbole der Dreifaltigkeit (griechisch: Triade), nämlich von Gott, Seinem Wort und Seiner Weisheit.“ An Autolycus, Buch 2, Kap. 15, S. 101.

Theophilus, Bischof von Antiochia (168–181/188 n. Chr.)

„Denn die göttliche Schrift selbst lehrt uns, dass Adam sagte, er habe die Stimme gehört. Doch was ist diese Stimme anderes als das Wort Gottes, das zugleich Sein Sohn ist?“ Theophilus an Autolycus, Buch 2, Kap. 22, S. 103

Irenäus (182–188 n. Chr.)

„Dass Er [Jesus] jedoch in Seiner eigenen Vollmacht, jenseits aller Menschen, die je gelebt haben, Gott und Herr und ewiger König und das fleischgewordene Wort ist, verkündet von allen Propheten, den Aposteln und vom Heiligen Geist selbst, kann jeder erkennen, der auch nur einen kleinen Teil der Wahrheit erlangt hat.“ (Irenäus, „Gegen die Häresien“, Buch 3, Kap. 19.2, S. 449).

„Wissen Sie, dass jeder Mensch entweder leer oder erfüllt ist. Denn wenn er den Heiligen Geist nicht hat, hat er keine Erkenntnis vom Schöpfer; er hat Jesus Christus, das Leben, nicht empfangen; er kennt den Vater, der im Himmel ist, nicht; …“ (Irenäus, „Gegen die Häresien“ 3,16)

„Sie [die Kirche] glaubt auch an diese Lehrpunkte, als hätte sie nur eine einzige Seele … Denn die in Deutschland gegründeten Kirchen glauben nichts anderes und geben nichts anderes weiter, ebenso wenig wie jene in Spanien, jene in Gallien, jene im Osten, jene in Ägypten, jene in Libyen oder …“

Clemens von Alexandria sprach in den „Stromata“ (193–202 n. Chr.), Buch 5, Kap. 14, S. 468, von der „Heiligen Dreifaltigkeit“.

Tertullian (um 213 n. Chr.)

„Das Wort ist also sowohl immer im Vater, wie Er sagt: ‚Ich bin im Vater‘; als auch immer bei Gott, gemäß der Schriftstelle: ‚Und das Wort war bei Gott‘; und niemals vom Vater getrennt oder etwas anderes als der Vater, da ‚Ich und der Vater eins sind‘.“ Gegen Praxeas, Kapitel 8.

Hippolyt (170–235/6 n. Chr.) nach dem Zitieren eines Auszugs aus Johannes 1,1

„Wenn also das Wort bei Gott war und zugleich Gott war, was folgt daraus? Würde man sagen, dass er von zwei Göttern spricht? Ich werde in der Tat nicht von zwei Göttern sprechen, sondern von einem; jedoch von zwei Personen und von einer dritten Ökonomie (Fügung), nämlich der Gnade des Heiligen Geistes. Denn der Vater ist zwar einer, doch gibt es zwei Personen, da es auch den Sohn gibt; und dann gibt es noch den Dritten, den Heiligen Geist. Der Vater beschließt, das Wort vollzieht, und der Sohn offenbart sich, durch den man an den Vater glaubt. Die Ökonomie der Harmonie lässt sich auf einen einzigen Gott zurückführen; denn Gott ist einer. Es ist der Vater, der gebietet, und der Sohn, der gehorcht, und der Heilige Geist, der Verständnis schenkt; der Vater steht über allem, der Sohn ist durch alles hindurch und der Heilige Geist ist in allem. Und wir können uns einen einzigen Gott nicht anders vorstellen, als indem wir wahrhaftig an Vater, Sohn und Heiligen Geist glauben.“ Gegen die Häresie des Noetus, Kapitel 14.

Athanasius (296–373 n. Chr.)

„Vereint ohne Verwirrung, unterschieden ohne Trennung. Unteilbar und ohne Rangunterschiede.“ Predigt über Lukas 10,22 „Denn nur am Kreuz stirbt ein Mensch mit ausgebreiteten Händen. Daher war es angemessen, dass der Herr auch dies ertrug und Seine Hände ausbreitete, damit Er mit der einen das alte Volk und mit der anderen die Heiden zu sich ziehen und beide in Sich vereinen möge.“ Die Menschwerdung 25,3

Basilius von Kappadokien (329–379 n. Chr.)

„obwohl sie doch bekennen sollten, dass der Vater Gott ist, der Sohn Gott und der Heilige Geist Gott, wie es ihnen durch die göttlichen Worte gelehrt wurde, …“ Brief 8 an die Caesareaner (S. 116)

Hilarius (355–367/368 n. Chr.)

„Die Taten Gottes liegen daher jenseits des Verständnisses unserer menschlichen Natur und passen nicht in unseren rationalen Denkprozess, denn das Wirken einer grenzenlosen Ewigkeit erfordert ein unendliches Verständnis für das Messen von Dingen. Es ist also keine Schlussfolgerung der Vernunft, sondern eine Begrenzung der Macht, wenn Gott Mensch wurde, wenn der Unsterbliche stirbt, wenn der Ewige begraben wird. Andererseits hängt es wiederum nicht von unserer Denkweise ab, sondern von der Allmacht, dass Er als Gott aus einem Menschen, als Unsterblicher aus einem Toten und als Ewiger aus einem Begrabenen erscheint. Daher werden wir von Gott in Christus durch seinen Tod wiederbelebt.“ Über die Dreifaltigkeit, Buch 1, Kap. 13, S. 44

„Denn wenn die Dinge nicht derselben Natur sind, wird ihnen niemals gleiche Ehre zuteil, und die Gleichheit der Ehre bewirkt keine Trennung zwischen denen, denen Ehre erwiesen wird. Das Geheimnis der Geburt verlangt jedoch die Gleichheit der Ehre.“ (zu Johannes 5,23)

Gregor von Nyssa (335–394 n. Chr.)

„Wenn wir sagen, dass die Gottheit des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes eine ist, und dennoch den Menschen verbieten, zu sagen: ‚Es gibt drei Götter‘?“ Aus: „Nicht drei Götter“

Ambrosius von Mailand (340–397 n. Chr.)

„Diese Worte sind also in Bezug auf Gott geschrieben, dessen Name in Würde und Wahrheit [sowohl dem Vater als auch] dem Sohn gemeinsam ist.“ Über den christlichen Glauben 3:3:17.

Zusammenfassung

In der Kirche gab es keine Nicht-Trinitarier. Gnostiker, Arianer und andere Ketzer wurden aus der Kirche ausgeschlossen. Die Lehren der Zeugen Jehovas, der Mormonen und anderer sind moderne Erfindungen.

Frage: Was glaubte die Urkirche gemäß Mt 28,19 über die Dreifaltigkeit?

A: Die folgenden Kirchenführer der frühen und der nachnikänischen Kirche lehrten die Lehren der Dreifaltigkeit. Es ist interessant festzustellen, dass die „Wachtturm“-Publikation der Zeugen Jehovas „Sollten Sie an die Dreifaltigkeit glauben?“ die meisten dieser frühen Kirchenautoren zitiert, um zu zeigen, dass diese nicht an die Dreifaltigkeit glaubten.

Führende Persönlichkeit

Quellenangaben

Aussagen und Glaubensüberzeugungen

Ignatius: Schüler des Apostels Johannes, starb 107 oder 116 n. Chr.

17 Stellen: Brief an Polykarp, Kapitel 3; Epheser 7

„Jesus ist Gott“

„Gott in Menschengestalt“

Anonym, um 130 n. Chr.

An Diognetus, Kap. 7

Christus, gesandt als König, Gott, Mensch und Erlöser.

Justin der Märtyrer, ca. 138–165 n. Chr.

„Dialog mit Trypho“, Kap. 55–56, 59, 61–64, 66, 74–78

„Es verdient, als Gott und Christus verehrt zu werden.“ Er irrte in der Annahme, dass es eine Zeit vor Christus gegeben habe.

Theophilus von Antiochia, 168–181/188 n. Chr.

An Autolykos, Buch 2, Kap. 22

Was ist diese Stimme [im Garten Eden] anderes als das Wort Gottes, das zugleich Sein Sohn ist? (Er war der erste, von dem wir wissen, dass er den Begriff „Dreieinigkeit“ verwendete)

Irenäus: Schüler des Apostels Johannes. 182–188 n. Chr.

„Gegen die Häresien“, Buch 3, Kap. 19.2, S. 449

„Jesus ist in sich selbst, … Gott und Herr, …“

Clemens von Alexandria schrieb 193–217/220 n. Chr.

„Stromata“ (193–202 n. Chr.), Buch 5, Kap. 14, „Der Lehrer“

„die Heilige Dreifaltigkeit“

Hymne zum Lob Jesu: „Herr aller Zeit und aller Räume; Jesus, Retter unseres Geschlechts;“

Tertullian, um 213 n. Chr.

Das gesamte Werk „Gegen Praxeas“

Zweiter bekannter Autor, der den Begriff „Dreieinigkeit“ verwendete.

Hippolyt, Schüler des Irenäus, 225–235/6 n. Chr.

Gegen die Häresie eines gewissen Noetus

„Sohn Gottes, der, obwohl er Gott war, Mensch wurde.“ Nach einem Zitat aus Johannes 1,1–3 heißt es: „Wir sehen also das fleischgewordene Wort, und durch ihn erkennen wir den Vater, und wir glauben an den Sohn, (und) wir verehren den Heiligen Geist.“

Origenes von Alexandria, schrieb 225–254 n. Chr.

„De Principiis“, Buch 1, Kap. 3.8

Origenes war zu seiner Zeit sehr umstritten, doch seine Ansichten zur Dreifaltigkeit wurden nicht in Frage gestellt.

„Die Kraft der Dreifaltigkeit ist ein und dieselbe.“ Origenes irrte hinsichtlich der Präexistenz der Seelen und des letztendlichen menschlichen Universalismus

Novatian, 210–280 n. Chr.

Abhandlung über die Dreifaltigkeit

Ein Buch über die Dreifaltigkeit mit 32 Kapiteln

Athanasius 296–373

Predigt über Lukas 10,22

Vereint ohne Verwirrung, unterschieden ohne Trennung, unteilbar ohne Abstufungen

Basilius von Kappadokien 357–379 n. Chr.

Brief 8 an die Caesareaner, Über den Heiligen Geist

Der Vater ist Gott, der Sohn ist Gott, der Heilige Geist ist Gott. Erörtert die arianische Kontroverse

Gregor von Nyssa 335–394 n. Chr.

„Nicht drei Götter“, gegen Eunomius

Das Wesen des Vaters und des Sohnes ist dasselbe

Hilarius 355–367/368 n. Chr.

Verfasste ein Werk über die Dreifaltigkeit

Mehr muss dazu nicht gesagt werden.

Ambrosius von Mailand 340–397 n. Chr.

Über den christlichen Glauben

„Heilig, heilig, heilig“ in Offb 4,8 bezog sich auf die Dreifaltigkeit.

Johannes Chrysostomos 392–407 n. Chr.

Predigt 3 über Johannes 1,1

Die Ewigkeit des Wortes als Person; ungeschaffen

Augustinus von Hippo 354–430 n. Chr.

Werk: „Über die Dreifaltigkeit“

Er erkannte keinen Rangunterschied an

Nestorius: Konzil von Ephesus 431 n. Chr.

Begründer des nestorianischen Christentums

Sein Glaube, dass Jesus Gott sei, wurde nie kritisiert

Cyrill von Alexandria 431–444 n. Chr.

Nestorius’ Hauptgegner auf dem Konzil von Ephesus

Begann, den Schwerpunkt auf Maria, die Mutter Gottes, zu legen. (leider)

Patrick von Irland, ca. 389–461 n. Chr.

Er verfasste nicht viele Schriften. Er verfasste den „Brief an Coroticus“.

Berühmte Kleeblatt-Analogie zur Dreifaltigkeit

Frage: Da das Wort „Dreieinigkeit“ in Matthäus 28,19 nicht in der Bibel vorkommt – wie kann die Dreieinigkeit dann biblisch und somit wahr sein?

A: Auch die Begriffe „Altes“ und „Neues Testament“, „Entrückung“, „Mission“, „Jüngerschaft“ oder „Evangelisation“ kommen in der Bibel nicht vor. Der Begriff „Einheit“, auf Arabisch „Tawhid“, ist ebenfalls nicht im Koran zu finden. Das bloße Benennen biblischer Konzepte macht diese weder wahrer noch weniger wahr. Wie nennen Sie die Drei, die den gemeinsamen Namen tragen, in dem wir getauft werden sollen?

Für Muslime gilt: Das Wort „Dreieinigkeit“ kommt zwar nicht in der Bibel vor, doch das Wort für Einheit, „Tawhid“, kommt auch nicht im Koran vor. Für die Mormonen der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage kommen die Worte „ewiger Fortschritt“ ebenfalls nicht im Buch Mormon vor.

F: Warum kann ich mir in Mt 28,19 die Dreifaltigkeit nicht vorstellen?

A: Sie sollen sich das auch gar nicht vorstellen. Sie können sich weder vorstellen, dass Gott allmächtig ist, noch dass er überall ist, noch was die Ewigkeit bedeutet – doch die Unfähigkeit der Menschheit schränkt Gott nicht ein. Würden Sie erwarten, alles über den unendlichen Gott vollständig zu begreifen? Und wie kann Ihr Verstand überhaupt bestimmen und begrenzen, was Gott ist? Wir können jedoch verstehen, was Gott über sich selbst offenbart hat.

Zugegebenermaßen kann die Dreifaltigkeit aus drei Gründen verwirrend sein.

1. Gottes Wahrheit ist für die Ungläubigen oft verwirrend.

2. Falsche Lehrer haben zur Verwirrung beigetragen. Zum Beispiel akzeptieren die Zeugen Jehovas die Dreifaltigkeit nicht, doch sie selbst stellen die von ihnen abgelehnte Dreifaltigkeit oft entweder falsch dar oder wissen gar nicht, was die von ihnen abgelehnte Dreifaltigkeit eigentlich ist. Während einige Mormonen behaupten, sie lehnten die Dreifaltigkeit ab, habe ich viele Mormonen getroffen, die sagen, sie akzeptierten die Dreifaltigkeit. Diejenigen, mit denen ich gesprochen habe, wussten jedoch nicht, was sie ist. Die Dreifaltigkeit ist weit mehr als nur die Einheit der drei in Liebe, Geist und Absicht.

3. Wir können nicht einfach den Sekten die Schuld geben. Viele echte Christen sind selbst nicht in der Lage, die Dreifaltigkeit klar zu erklären.

F: In Mt 28,19 passt die Dreifaltigkeit einfach nicht zu meinem Gottesbild.

A: Sie müssen sich entscheiden, ob Sie Gott folgen wollen – ungeachtet Ihrer eigenen Vorurteile – oder ob Sie niemandem außer Ihrem eigenen Bild, Ihrem Götzen oder Ihrem Gott folgen wollen.

F: Wenn die Dreifaltigkeit wahr ist, ist Jesus dann in Mt 28,19 zu einem Drittel Gott?

A: Nein, diese falsche Darstellung der Dreifaltigkeit ist menschliches Denken – und nicht einmal besonders gutes menschliches Denken. Die Höhe eines Schreibtisches beträgt nicht 1/3 eines Schreibtisches.

Jesus besitzt gemäß Kolosser 2,9 die Fülle Gottes. Genauso wie es lächerlich ist zu sagen, dass die Sonne, da sie Licht spendet, keine Wärme spenden kann, bedeutet die Tatsache, dass Jesus die Fülle Gottes besitzt, nicht, dass der Vater und der Heilige Geist nicht ebenfalls die Fülle Gottes besitzen können.

F: Stammt das Konzept der Dreifaltigkeit in Matthäus 28,19 aus den babylonischen und assyrischen Religionen, die Götterdreiheiten kannten?

A: Nein. Als Jesus sagte, man solle im ____ des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes taufen, sprach er von einem „Namen“ und nicht von „Namen“. Eine Dreiergruppe ist Polytheismus mit drei getrennten Wesen und drei getrennten Göttern. Die Dreifaltigkeit ist ein untrennbarer Gott und drei unterschiedliche Personen.

Wären sie hingegen lediglich drei Teile eines einzigen Wesens, hätte man im Griechischen sagen können: „im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes“, doch dies ist tatsächlich nicht der Fall. Es steht dort „Name“ im Singular, was ihre Einheit betont, aber es steht auch das Wort „der“ vor Vater, Sohn und Geist, was ihre Unterscheidbarkeit unterstreicht.

F: Warum sollten wir in Mt 28,19 nicht ablehnen, einen Vater anzubeten, der seinen eigenen Sohn geschickt hat, um gefoltert zu werden und an seiner Stelle zu sterben, wie es ein Prediger der Einheits-Pfingstbewegung sagte?

A: Es ist bedauerlich, wenn Sie sich weigern, Gott anzubeten, es sei denn zu Ihren eigenen Bedingungen. Der Vater hat nicht nur Jesus gesandt, um freiwillig für uns zu sterben, sondern Er hat auch Abraham gefragt, ob er bereit wäre, Isaak zu opfern.

F: Wurde das Nicänische Glaubensbekenntnis in Mt 28,19 erstmals im Jahr 325 n. Chr. in Nicäa formuliert?

A: Tatsächlich geschah dies bereits früher. Vielen Menschen ist dies nicht bewusst, doch laut „Ante-Nicene Fathers“, Band 7, S. 524, handelte es sich bei dem Nicänischen Glaubensbekenntnis in Nicäa um eine geringfügige Überarbeitung des alten Glaubensbekenntnisses von Jerusalem. Es weist zudem große Ähnlichkeit mit dem Glaubensbekenntnis von Neocaesarea aus dem Jahr 315 n. Chr. auf.

F: Gab es in Mt 28,19 Ergänzungen zum Nicänischen Glaubensbekenntnis?

A: Ja. Hier ist das ursprüngliche Nicänische Glaubensbekenntnis aus dem Jahr 325 n. Chr. (Übersetzung entnommen aus „Ante-Nicene Fathers“, Band 7, S. 524.

Das Original wurde in Nicäa im Jahr 325 n. Chr. von 318 Bischöfen unterzeichnet.

Wir glauben an den einen Gott, den allmächtigen Vater, den Schöpfer aller Dinge, der Sichtbaren und der Unsichtbaren:

und an einen Herrn Jesus Christus, den Sohn Gottes, vom Vater gezeugt, den Eingeborenen, das heißt aus dem Wesen des Vaters,

durch den alle Dinge geschaffen wurden, sowohl die im Himmel als auch die auf Erden:

der für uns Menschen und zu unserem Heil herabgestiegen ist, Mensch geworden ist und Mensch wurde:

Er litt und ist am dritten Tag auferstanden:

und ist in den Himmel aufgefahren:

Und er wird wiederkommen, um die Lebenden und die Toten zu richten.

Und an den Heiligen Geist.

[der Bannfluch]

Und jene, die sagen, es habe eine Zeit gegeben, da Er nicht war, oder dass Er, bevor Er gezeugt wurde, nicht war, oder dass Er aus dem Nichts geschaffen wurde; oder die sagen, der Sohn Gottes sei von anderer Substanz, oder dass Er veränderlich oder unbeständig sei – diese verflucht die katholische und apostolische Kirche.

Ergänzungen, die auf dem Konzil von Konstantinopel im Jahr 381 n. Chr. genehmigt und auf dem Konzil von Ephesus (431 n. Chr.) bestätigt wurden

Vom Himmel und von der Erde.

Vom Vater vor aller Zeit gezeugt.

Durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria.

Wurde auch für uns unter Pontius Pilatus gekreuzigt,

und wurde begraben.

Er sitzt zur Rechten des Vaters,

dessen Reich kein Ende haben wird.

Der Herr, der Lebensspender,

der vom Vater ausgeht;

der zusammen mit dem Vater und dem Sohn angebetet und verherrlicht wird;

der durch die Propheten sprach:

in der einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche.

Wir bekennen eine Taufe zur Vergebung der Sünden.

Wir erwarten die Auferstehung der Toten

und das Leben der kommenden Welt. Amen.

[Das Anathema fehlte]

Laut dem Werk „Creeds of Christendom“, Band 1, S. 24–29, fanden sich einige dieser Formulierungen bereits in den beiden Glaubensbekenntnissen des Epiphanius und im Glaubensbekenntnis des Cyrill von Jerusalem aus dem Jahr 350 n. Chr.

Eine zweite Änderung am Glaubensbekenntnis war die Einfügung von „und der Sohn“, womit zum Ausdruck gebracht wurde, dass der Heilige Geist vom Vater und vom Sohn gesandt wurde. Dies tauchte erstmals auf dem Dritten Konzil von Toledo im Jahr 589 n. Chr. auf. Es wurde von der katholischen Kirche offiziell in das Glaubensbekenntnis aufgenommen und war Anlass für eine formelle Spaltung mit der orthodoxen Kirche unter dem orthodoxen Patriarchen Photius um das Jahr 879 n. Chr.

F: Da sich „sie“ in Matthäus 28,19 – „macht alle Völker zu Jüngern, lehrt sie und tauft sie“ – auf Völker bezieht und Völker nicht in Wasser getaucht werden können, bedeutet dies dann, dass dies nicht als Hinweis auf die Wassertaufe verstanden werden kann?

A: Nein. Ein „Volk“ kann ebenfalls nicht zu Jüngern gemacht oder gelehrt werden, doch „Völker“ bezieht sich auf die Menschen dieser Völker. Dies war für die frühen Christen selbstverständlich, da sie Matthäus 28,19 als Hinweis auf die Wassertaufe verstanden. Hier ist der Beleg.

Didache (um 125 n. Chr.), Kap. 7, S. 379: „Tauft im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes mit lebendigem Wasser. Wenn ihr jedoch kein lebendiges Wasser habt, tauft mit anderem Wasser; und wenn ihr nicht mit kaltem taufen könnt, dann mit warmem. Wenn Sie jedoch auch das nicht haben, gießen Sie dreimal Wasser über den Kopf im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.“

Tertullian (198–220 n. Chr.) verfasste ein ganzes Werk mit dem Titel „Über die Taufe“. An einer Stelle sagt Tertullian: „Nun aber, da der Glaube erweitert worden ist und zu einem Glauben geworden ist, der an Seine Geburt, Sein Leiden und Seine Auferstehung glaubt, ist dem Sakrament eine Erweiterung hinzugefügt worden, nämlich der besiegelnde Akt der Taufe; gewissermaßen die Bekleidung des Glaubens, der zuvor nackt war und der nun ohne sein eigenes Gesetz nicht mehr bestehen kann. Denn das Gesetz der Taufe wurde auferlegt und die Formel vorgeschrieben: ‚Geht‘, spricht Er, ‚lehrt die Völker und tauft sie im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.‘“ Über die Taufe, Kap. 13, S. 676

Hippolyt, Bischof von Portus (222–235/6 n. Chr.), sagt, man solle im Namen des „Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes“ taufen. Er erwähnt kurz Cornelius. Gegen die Häresie des Noetus, Kap. 14, S. 228

In der „Abhandlung gegen Novatian“ (254–257 n. Chr.), Kap. 3, S. 658, heißt es, man solle im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes taufen.

Abhandlung über die Wiedertaufe (254–257 n. Chr.), Kap. 7, S. 671: „Tauft sie im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.“

Cyprian von Karthago (ca. 246–258 n. Chr.): „Denn der Herr sandte nach seiner Auferstehung seine Jünger aus und wies sie an, auf welche Weise sie taufen sollten, indem er sprach: ‚Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf Erden. Geht nun hin und lehrt alle Völker und tauft sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.‘ Er weist auf die Dreifaltigkeit hin, in deren Sakrament die Völker getauft werden sollten. Bejaht Marcion also die Dreifaltigkeit? Bekundet er also denselben Vater, den Schöpfer, wie wir? Kennt er denselben Sohn, Christus, geboren von der Jungfrau Maria, der als das Wort Fleisch geworden ist, der unsere Sünden trug, der durch seinen Tod den Tod besiegte, der als Erster die Auferstehung des Fleisches bewirkte und seinen Jüngern zeigte, dass er in demselben Fleisch auferstanden war? Ganz anders ist der Glaube bei Marcion und darüber hinaus bei den anderen Häretikern – nein, bei ihnen gibt es nichts als Treulosigkeit, Gotteslästerung und Streit, der der Heiligkeit und der Wahrheit feindlich gegenübersteht. Wie kann dann jemand, der unter ihnen getauft wurde, durch seinen Glauben die Vergebung der Sünden und die Gnade der göttlichen Barmherzigkeit erlangt haben, wenn ihm die Wahrheit des Glaubens selbst fehlt?“ Briefe des Cyprian, Brief 72, Kap. 3, S. 380–381

F: Hieß es in Mt 28,19 ursprünglich: „Tauft im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“?

A: Eine Website behauptet, dies sei nicht der Fall gewesen. Als Beleg führt sie ein ungenanntes koptisches Manuskript sowie das hebräische (ebionitische) Matthäusevangelium aus dem frühen 7. Jahrhundert an. Die ebionitische Fassung ist ein eigenständiges Werk, das eine gekürzte Version des Matthäusevangeliums darstellt.

Demgegenüber stehen folgende Belege dafür, dass diese Formulierung im Original enthalten war.

Die Didache (ca. 60–120 n. Chr.), Band 7, Kapitel 7, Seite 379, zitiert es wie folgt: „Nachdem du all diese Dinge zuvor gesagt hast, taufe im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes in lebendigem Wasser [d. h. fließendem Wasser]. Wenn Sie jedoch kein lebendiges Wasser haben, taufen Sie in anderem Wasser; und wenn Sie kein kaltes Wasser haben, dann in warmem. Wenn Sie aber auch keines von beiden haben, gießen Sie dreimal Wasser über den Kopf im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ Es gab keine genaue „Formel“, da in der Didache sowohl die Taufe im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes (Kap. 7, S. 379) als auch „im Namen des Herrn“ (Kap. 9, S. 380) erwähnt werden.

Irenäus (182–188 n. Chr.): „Und wieder gab er [Jesus] den Jüngern die Kraft der Wiedergeburt zu Gott und sprach zu ihnen: ‚Geht hin und lehrt alle Völker und tauft sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.‘“ Irenäus, „Gegen die Häresien“, Buch 3, Kap. 17.1, S. 444.

Tertullian (198–220 n. Chr.) paraphrasiert diesen Vers wie folgt: „Er [Jesus] gebot den elf anderen bei Seinem Aufbruch zum Vater: ‚Geht hin und lehrt alle Völker, die in den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes getauft werden sollen.‘“ In: „Vorschrift gegen die Häretiker“, Kap. 20, S. 252.

Tertullian drückt es in „Über die Taufe“, Kap. 13, S. 676, etwas anders aus: „Gott, so spricht er [Jesus], ‚lehrt die Völker und tauft sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes‘.“

Hippolyt (222–235/6 n. Chr.) zitiert es wie folgt: „Geht hin und lehrt alle Völker und tauft sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ Gegen die Häresie des Noetus, Kap. 14, S. 228

„Abhandlung gegen Novatian“ (254–256 n. Chr.), Kap. 3, S. 658: „Geht hin und verkündet den Völkern das Evangelium und tauft sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Das heißt, dass dieselbe Dreifaltigkeit, die in den Tagen Noahs bildlich durch die Taube wirkte, nun in der Kirche geistlich durch die Jünger wirkt.“

Abhandlung über die Wiedertaufe (ca. 250–258 n. Chr.), Kap. 7, S. 671: „Geht hin, lehrt die Völker; tauft sie im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.“

Siebtes Konzil von Karthago (258 n. Chr.), S. 567: Munnulus von Girba sagte: „… gerade in der Dreifaltigkeit der Taufe, wie unser Herr sagt: ‚Geht hin und tauft die Völker im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.‘“

Siebtes Konzil von Karthago (258 n. Chr.), S. 569: Vincentius von Thibaris sagte: „Geht hin und lehrt die Völker und tauft sie im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.“

Victorinus von Petau (gest. 307 n. Chr.) zitiert es wie folgt: „Er [Jesus] sandte die Apostel aus und sprach: ‚Geht hin, lehrt alle Völker und tauft sie im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.‘“ Kommentar zur Offenbarung, erstes Kapitel, Nr. 15, S. 345

F: Welche Beweise gibt es dafür, dass Matthäus das Matthäusevangelium verfasst hat?

A: Die frühe Kirche war sich einig, dass der Apostel Matthäus das Matthäusevangelium verfasst hat. Tatsächlich gibt es zahlreiche Belege dafür.

Papias (95–110 n. Chr.) erwähnt namentlich die Bücher Matthäus und Markus. Fragment 6 aus Eusebius’ „Kirchengeschichte“, Buch 3, Kap. 39.

Claudius Apollinaris (160–180 n. Chr.) erwähnt Matthäus, die Evangelien und das Gesetz. „Ante-Nicene Fathers“, Band 8, Kapitel 772

Irenäus (182–188 n. Chr.) zitiert Mt 1,1 als von Matthäus stammend. Irenäus, „Gegen die Häresien“, Buch 3, Kap. 16.2, S. 440

Clemens von Alexandria (193–202 n. Chr.): „Und im Evangelium nach Matthäus wird die Genealogie, die mit Abraham beginnt, bis hin zu Maria, der Mutter des Herrn, fortgesetzt.“ „Stromata“, Buch 1, Kap. 21, S. 334

Tertullian (198–220 n. Chr.) sagt: „Ich meine die Evangelien des Johannes und des Matthäus – während das, was Markus veröffentlichte, als das des Petrus bezeichnet werden kann, dessen Dolmetscher Markus war. Denn selbst die Form des Lukasevangeliums schreiben die Menschen gewöhnlich Paulus zu. Und es mag durchaus so erscheinen, als gehörten die Werke, die die Jünger veröffentlichen, ihren Meistern.“ Tertullian, „Fünf Bücher gegen Marcion“, Buch 4, Kap. 5, S. 350

Tertullian schrieb: „… dass das Evangelische Testament Apostel als seine Verfasser hat, … auch apostolische Männer … Von den Aposteln sind es also Johannes und Matthäus, die uns zuerst den Glauben einflößen; während von den apostolischen Männern Lukas und Markus ihn anschließend erneuern.“ Fünf Bücher gegen Marcion, Buch 4, Kap. 2, S. 347

Julius Africanus (232–245 n. Chr.) erwähnt „den Evangelisten Matthäus“ und „Lukas“, als er in seinem „Brief an Aristides“, Kapitel 3, S. 126, die beiden Stammbäume Jesu vergleicht

Origenes (225–254 n. Chr.) erwähnt Matthäus, Markus, Lukas und Johannes. Origenes, „Gegen Celsus“, Buch 5, Kap. 56, S. 568.

Cyprian von Karthago (ca. 246–258 n. Chr.) erwähnt „das Evangelium nach Matthäus“ und zitiert dabei Matthäus 5,23–24 in den „Abhandlungen des Cyprian – Zeugnisse“, Kap. 3, S. 533. Siehe auch die „Abhandlungen des Cyprian“, Abhandlung 12, drittes Buch, 1.40.

Dionysius von Alexandria (246–265 n. Chr.): „Es war ‚am Ende des Sabbats‘, wie Matthäus sagt; es war ‚früh, als es noch dunkel war‘, wie Johannes schreibt; es war ‚sehr früh am Morgen‘, wie Lukas es ausdrückt; und es war ‚sehr früh am Morgen, bei Sonnenaufgang‘, wie Markus uns berichtet. Somit hat uns niemand eindeutig den genauen Zeitpunkt aufgezeigt, zu dem Er auferstanden ist.“ Brief 5 an den Bischof Basilides, S. 94

Adamantius (um 300 n. Chr.) „Werden Sie mir zustimmen, wenn ich anhand der Evangelien darlege, dass es sich nicht um Erfindungen handelt?“ … „Die Jünger Christi haben sie verfasst: Johannes und Matthäus; Markus und Lukas.“ „Dialog über den wahren Glauben“, Erster Teil, „b 5“, S. 41

Victorinus von Petau (als Märtyrer gestorben 304 n. Chr.) erwähnt den Psalm, Matthäus, Jesaja und Daniel; „Kommentar zur Erschaffung der Welt“, S. 342

Nach 325 n. Chr.

Hegemonius (4. Jahrhundert): „Auch der Evangelist Matthäus achtet sorgfältig darauf, diese Worte unseres Herrn Jesus Christus zu überliefern: ‚Hütet euch, dass euch niemand verführt; denn viele werden unter meinem Namen kommen und sagen: Ich bin der Christus, und sie werden viele verführen. Wenn aber jemand zu euch sagt: Siehe, hier ist der Christus, oder dort, so glaubt es nicht. Denn es werden falsche Christusse, falsche Apostel und falsche Propheten auftreten und große Zeichen und Wunder tun, sodass sie, wenn es möglich wäre, sogar die Auserwählten verführen würden. Seht, ich habe es euch zuvor gesagt. Wenn sie zu euch sagen: ‚Siehe, er ist in der Wüste‘, so geht nicht hinaus; wenn sie sagen: ‚Siehe, er ist in den geheimen Kammern‘, so glaubt es nicht.“ Disputation mit Manes, Kap. 35, S. 209

Frage: Wann wurde das Matthäusevangelium verfasst?

A: Wir können lediglich sagen, dass das Matthäusevangelium nach dem Jahr 33 n. Chr. und mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit vor dem Jahr 70 n. Chr. verfasst wurde. Einige liberale Gelehrte sind der Ansicht, dass es zwischen 70 und 100 n. Chr. entstanden sein muss, da sie glauben, dass Jesus zukünftige Ereignisse nicht vorhersagen konnte.

F: Woher wissen wir im Fall des Matthäusevangeliums, dass das, was wir heute vor uns haben, eine zuverlässige Überlieferung dessen ist, was ursprünglich geschrieben wurde?

A: Dafür gibt es mindestens drei gute Gründe.

1. Gott hat in Jesaja 55,10–11; Jesaja 59,21; Jesaja 40,6–8; 1. Petrus 1,24–25 und Matthäus 24,35 versprochen, sein Wort zu bewahren.

2. Zeugnisse der frühen Kirche. Viele Autoren zitierten das Matthäusevangelium oder bezogen sich darauf. Zu den frühesten gehören die folgenden.

Clemens von Rom (96–98 n. Chr.) zitiert Matthäus 6,12–15; 7,2; 15,8. Allerdings entspricht Matthäus 15,8 (Kap. 5, S. 9) Markus 7,6 und Jesaja 29,13.

Ignatius zitiert in seinem „Brief an die Smyrnäer“ 1,1 (90–116 n. Chr.) sowie im „Brief an Polykarp“, Kap. 2, S. 94, Matthäus 10,16b.

Die Didache (= Die Lehre der zwölf Apostel) (120–150 n. Chr.), Kap. 8, S. 379, zitiert das Vaterunser aus Matthäus 6,5.9–13. Laut Fußnote 24 stammt es eindeutig aus Matthäus und nicht aus Lukas.

2. Clemens (120–140 n. Chr.), Kapitel 3, S. 252, zitiert Matthäus 10,32 als Worte Jesu und spielt zudem auf Matthäus 22,37 an.

2. Clemens (120–140 n. Chr.), Kap. 4, S. 252, paraphrasiert Matthäus 7,21.

2. Clemens (120–140 n. Chr.), Kap. 5, S. 252, zitiert Matthäus 5,28 als Worte Jesu.

2. Clemens (120–140 n. Chr.), Kap. 9, S. 253, paraphrasiert Matthäus 12,50 als von Jesus stammend

Der Barnabasbrief (ca. 70–130 n. Chr.) zitiert in Kapitel 5 Matthäus 20,16 (sowie 22,14). Die Fußnote zu den vor-nikänischen Kirchenvätern auf S. 139 besagt, dass dies das erste Zitat ist, dem die autoritative Formel „es steht geschrieben“ vorangestellt ist.

Der Brief des Polykarp an die Philipper, Kapitel 2, S. 33 (110–155 n. Chr.), zitiert Matthäus 7,1 vollständig: „Aber bedenkt, was der Herr in seiner Lehre gesagt hat: ‚Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet;‘“

Polykarp zitiert Matthäus 6,13a in seinem Brief an die Philipper, Kap. 7, S. 34–35

Polykarp zitiert Matthäus 26,41b in seinem Brief an die Philipper, Kap. 7, S. 34–35

Der „Mathetes an Diognetus“, Kap. 9, S. 28 (um 130 n. Chr.), spielt auf Matthäus 6,25 an und sagt, dass der Erlöser uns gelehrt habe, auf … zu vertrauen, damit wir uns keine Sorgen um Kleidung und Nahrung machen müssten.

Der „Mathetes an Diognetus“, Kapitel 8, S. 28 (um 130 n. Chr.), spielt auf Matthäus 19,17 an

Papias (95–110 n. Chr.) war ein früher Verfasser, der persönlich mit Petrus, Jakobus, Johannes, Matthäus und anderen sprach (gemäß Fragment 1). In Fragment 6 sagte er, dass Matthäus die Aussprüche [Jesu] in hebräischer Sprache gesammelt habe.

Justin der Märtyrer (ca. 138–165 n. Chr.) stützt sich auf Verweise auf Matthäus (fast 38 Mal), was mehr ist, als er sich auf die anderen Evangelien stützt. Siehe „Ante-Nicene Fathers“, Band 1, S. 591, um dies mit Justins Verweisen auf andere Evangelien zu vergleichen. Beachten Sie, dass eine Reihe der Verweise in Lukas sowohl bei Lukas als auch bei Matthäus vorkommen. Er zitiert oder paraphrasiert Matthäus 1,21; 3,11–12,17; 4,9,10; 5,20,28,29,32; 5,34,37,44,45,46; 6,1,16,19,20,21,22,25,26,33,41; 7,15,16,19,21,22; 8,11; 9,13; 10,28; 11,12–15,27; 12,38f; 13,3,42; 15,22–28; 16,21,26; 17:12; 19:6,12,17,26,28; 21:13; 22:17,19–21,37; 23:15,23,24,27; 24:11; 25:41; 26:39

Der Muratorische Kanon erwähnt das Matthäusevangelium (um 170 n. Chr.) zusammen mit den anderen drei Evangelien.

Der „Hirte des Hermas“ (um 160 n. Chr.), Buch 1, Vierte Vision, Kap. 2, S. 18, zitiert ein Viertel von Matthäus 26,24: „Es wäre besser für sie, wenn sie nicht geboren worden wären.“

Der „Hirte des Hermas“ (um 160 n. Chr.), Buch 2, Kapitel 6, Seite 30, spielt auf einen Teil von Matthäus 10,28 an: „Fürchtet den, der alle Macht hat, sowohl zu retten als auch zu vernichten.“

Der Ketzer Tatian (um 172 n. Chr.) verfasste eine Harmonisierung der vier Evangelien, das sogenannte Diatessaron. Darin bezieht er sich auf 839,12 Verse im Matthäusevangelium, wobei er Bruchteile von Versen mitzählt. Das entspricht 78,4 % des gesamten Evangeliums.

Claudius Apollinaris (160–180 n. Chr.) erwähnt Matthäus, die Evangelien und das Gesetz. „Ante-Nicene Fathers“, Band 8, Kapitel 772

Apollonius von Ephesus (um 210 n. Chr.) zitiert Matthäus 10,9 als Worte des Herrn in „Über den Montanismus“, Kap. 4, S. 776. Er zitiert außerdem Matthäus 12,33 in „Über den Montanismus“, Kap. 4, S. 776

Theophilus von Antiochia (168–181/188 n. Chr.) zitiert Matthäus 5,28 als „die Stimme des Evangeliums“ in „Theophilus an Autolycus“, Buch 3, Kap. 3, S. 115

Irenäus (182–188 n. Chr.) greift häufig auf alle vier Evangelien zurück, doch auch er stützt sich am häufigsten auf Matthäus. Er zitiert 223 Verse aus dem Matthäusevangelium ganz oder teilweise. Irenäus erklärt in „Gegen die Häresien“, Buch 3, Kapitel 16, S. 441, dass dieses Evangelium von Matthäus verfasst wurde. Hier ist eine Liste der Verse, die er in den ersten neun Kapiteln des Matthäusevangeliums zitiert oder paraphrasiert: 1,1; 12–16; 18; 20; 23; 2,15; 16; 3,3,7,9–12,16; 4,3,7,9,10; 5,5,8,13a,14a,16,18,20–28,33–35,41,44,45; das letzte Drittel von 5,12 und das mittlere Drittel von 7,7; 6,12a, 19, 24, 27; 7,1–2, 5; 8,9, 11–13; 9,2a, 6, 8, 29

Irenäus spielt zudem auf Matthäus 2,16; 5,39; 7,15,19,25; 9,17; 11,9; 12,18,31; 13,25,38,44; 17,3,7,27 an

Ich habe noch nicht alle Verweise des Irenäus auf Matthäus, Kapitel 10 und die folgenden Kapitel, doppelt überprüft.

Clemens von Alexandria in den „Stromata“, Buch 1, Kap. 21, S. 334 (193–202 n. Chr.): „Und im Evangelium nach Matthäus wird die Genealogie, die mit Abraham beginnt, bis hin zu Maria, der Mutter des Herrn, fortgeführt.“ Er zitiert auch aus vielen anderen Stellen im Matthäusevangelium.

Tertullian (198–220 n. Chr.) betont in „Fünf Bücher gegen Marcion“, Buch 4, Kapitel 5, S. 350, die Urheberschaft von Matthäus, Markus, Lukas, Johannes, der Offenbarung und vieler Briefe des Paulus. Er zitiert zahlreiche Verse aus dem Matthäusevangelium.

Hippolyt (225–235/6 n. Chr.) zitiert Matthäus 7,21 und Matthäus 21,31 als Worte des Erlösers. „Widerlegung aller Häresien“, Buch 5, Kapitel 3, S. 54. Er zitiert zudem aus vielen anderen Versen des Matthäusevangeliums.

Theodotus, der vermutlich ein Montanist war (um 240 n. Chr.), zitiert Matthäus 12,50 als Worte des Herrn. Auszüge aus Theodotus, Kap. 20, S. 25

Julius Africanus (232–245 n. Chr.) erwähnt „den Evangelisten Matthäus“ und „Lukas“, als er in seinem „Brief an Aristides“, Kapitel 3, S. 126, die beiden Stammbäume Jesu vergleicht

Origenes (225–254 n. Chr.) zitiert ausführlich aus Matthäus, da er einen vollständigen Kommentar zum Matthäusevangelium verfasst hat. Zu den Zitaten des Origenes gehört Matthäus 24,23–27.

Novatian (257 n. Chr.) zitiert in „Über die Dreifaltigkeit“, Kap. 8, S. 617, Matthäus 10,29–30 und gibt an, dass diese Worte von Jesus stammen. In Kapitel 12 zitiert er zudem Matthäus 27,20 und gibt an, dass diese Worte von Jesus stammen. Novatian zitiert aus Matthäus 1,23 (S. 635); 5,8 (S. 639–640); 10,28a (S. 636), 10,29–30 (S. 617); 12,32b (S. 641); 16,16 (S. 637); 16,16 (S. 637); 28,20b (S. 621)

Eine Abhandlung gegen Novatian zitiert vier Verse aus dem Matthäusevangelium: 7,2a (S. 661); 7,22,23 (S. 659), 10,33 (S. 659), 23,12a (S. 661); möglicherweise weitere

Die „Abhandlung über die Wiedertaufe“ (ca. 250–259 n. Chr.) zitiert aus Matthäus 3,11b (Kap. 2, S. 668) und 9,2b (Kap. 18, S. 677); 10,32 (Kap. 11, S. 673), 12,37 als „im Evangelium“ (Kap. 13, S. 675), 16,22–23 (Kap. 9, S. 672); 24,4,23,24 (Kap. 12, S. 674), 26,70 (S. 672), 28,19 (Kap. 7, S. 671)

Cyprian, Bischof von Karthago (ca. 246–258 n. Chr.): „Im Matthäusevangelium heißt es: ‚Wer ein Wort gegen den Menschensohn spricht, dem wird vergeben werden; wer aber gegen den Heiligen Geist spricht, dem wird weder in dieser Welt noch in der zukünftigen Welt vergeben werden.‘“ Abhandlungen des Cyprian, Abhandlung 3, Kap. 28, S. 542

Cyprian, Bischof von Karthago (ca. 246–258 n. Chr.), zitiert Matthäus 5,43–45 und erwähnt dabei, was Jesus „in Seinem Evangelium“ sagt, in: Abhandlungen des Cyprian, Abhandlung 10, Kap. 15, S. 495.

Cyprian von Karthago (ca. 246–258 n. Chr.) zitiert Matthäus 15,13 als Worte „des Herrn in Seinem Evangelium“ (Brief 48:4, S. 326)

Moyses et al. an Cyprian (Brief 25), Kap. 4, S. 303 (250–251 n. Chr.) zitieren Matthäus 10,37–38 als Worte „unseres Herrn, wie mit der Posaune seines Evangeliums“.

Cornelius an Cyprian (ca. 246–256 n. Chr.) zitiert Matthäus 5,8 als „das evangelische Wort“; Brief 45, Kap. 2, S. 323

Firmilian von Caesarea an Cyprian (256 n. Chr.) zitiert Matthäus 16,9 als von Jesus stammend. (Brief 74, Kap. 16, S. 394)

Auf dem Siebten Konzil von Karthago (258 n. Chr.) sagte Lucius von Castra Galbae: „Da der Herr in Seinem Evangelium sagte: ‚Ihr seid das Salz der Erde; wenn aber das Salz seine Würze verliert, womit soll es dann gesalzen werden?‘“ S. 566

Gregor Thaumaturgos (240–265 n. Chr.) zitiert einen Teil von Matthäus 15,11 als Worte des Erlösers. Kanonischer Brief, Kanon 1, S. 18

Dionysius von Alexandria (246–265 n. Chr.): „Es war ‚am Ende des Sabbats‘, wie Matthäus berichtet; es war ‚früh, als es noch dunkel war‘, wie Johannes schreibt; es war ‚sehr früh am Morgen‘, wie Lukas es ausdrückt; und es war ‚sehr früh am Morgen, bei Sonnenaufgang‘, wie Markus uns berichtet. Somit hat uns niemand eindeutig den genauen Zeitpunkt aufgezeigt, zu dem Er auferstanden ist.“ Brief 5 an den Bischof Basilides, S. 94

Anatolius von Alexandria (270–280 n. Chr.) bezieht sich in seinem „Osterkanon“, Kap. 8, S. 148, auf Matthäus 26,17 und in Kap. 10, S. 149 auf Matthäus 26,38 als von „dem Herrn selbst“ stammend

Adamantius (um 300 n. Chr.): „Werden Sie mir zustimmen, wenn ich anhand der Evangelien zeige, dass es sich nicht um Erfindungen handelt?“ … „Die Jünger Christi haben sie verfasst: Johannes und Matthäus; Markus und Lukas.“ „Dialog über den wahren Glauben“, Erster Teil, „b 5“, S. 41

Victorinus von Petau (als Märtyrer gestorben 304 n. Chr.) erwähnt den Psalm, Matthäus, Jesaja und Daniel; „Kommentar zur Erschaffung der Welt“, S. 342

Petrus von Alexandria (306, 285–311 n. Chr.) zitiert Matthäus 21,6 und 6,24 als Worte des Herrn in seinem „Kanonischen Brief“, Kanon 12, S. 276–277. Er spielt außerdem in Kanon 13, S. 277, auf Matthäus 2,13–16 an und zitiert Matthäus 2,22–23 in Kanon 13, S. 277

Methodius (270–311/312 n. Chr.): „Nun wird uns die gesamte geistliche Vermittlung der Heiligen Schrift als Salz gegeben, das zum Wohle der Seele brennt und reinigt; ohne dieses ist es einer Seele unmöglich, mittels der Vernunft zum Allmächtigen geführt zu werden; denn ‚Ihr seid das Salz der Erde‘, sprach der Herr zu den Aposteln.“ [Matthäus 5,13] „Das Festmahl der zehn Jungfrauen“, Buch 1, Rede 1, Kap. 1, S. 311

Theophilus’ „Martyrium des Diakons Habib“ zitiert Matthäus 10,39 und Matthäus 7,6 auf S. 694 beide als „Schrift“.

Athanasius von Alexandria (um 318 n. Chr.) bezog sich in „Gegen die Heiden“ nicht auf Matthäus. In „Die Menschwerdung des Wortes“ verwies er jedoch auf Matthäus 19,4 (Kap. 2.6, S. 37), Matthäus 1,23 (ebenso Jesaja 7,14) (Kap. 33.3, S. 54), Matthäus 11,13 (Kap. 40.4, S. 57–58) sowie Matthäus 26,64 (Kap. 56.4, S. 66). Während Athanasius vor dem Jahr 325 n. Chr. auf keine weiteren Verse aus dem Matthäusevangelium Bezug nahm, verwies er nach dieser Zeit auf zahlreiche andere Verse aus diesem Evangelium.

Alexander von Alexandria (321 n. Chr.) zitiert Matthäus 11,27b als Worte des Erlösers. „Briefe über die arianische Häresie“, Kap. 5, S. 293

Alexander von Alexandria (321 n. Chr.) zitiert Matthäus 3,17 als „im Evangelium“. „Briefe über die arianische Häresie“, Kap. 8, S. 294.

Alexander von Alexandria (321 n. Chr.) zitiert Matthäus 11,12 als „von Christus gesprochen“. „Briefe über die arianische Häresie“, Kap. 12, S. 295

Laktanz (ca. 303–ca. 325 n. Chr.) spielt auf Matthäus 14,22–26 an, als er über das Gehen Jesu auf dem Wasser spricht. „Die göttlichen Institutionen“, Buch 4, Kap. 15, S. 116. Laktanz spielt zudem auf Matthäus 5,44; 7,15; 18,7 sowie auf die Kapitel 14, 19 und 21 an. Er zitiert aus Jesaja 7,14 als von Jesaja stammend, was ebenfalls Matthäus 1,23 entspricht.

Eusebius von Caesarea (318–325 n. Chr.) zitiert den gesamten Text aus Mt 5,38–40 in „Demonstration des Evangeliums“, Buch 1, Kapitel 6, S. 11

Eusebius’ „Kirchengeschichte“ (318 n. Chr.), Buch 3, Kapitel 24, Seite 152, behandelt die vier Evangelien: Matthäus, Markus, Lukas und Johannes. „Nicene and Post-Nicene Fathers“, zweite Reihe, Band 1, Seite 152

Welche Verse und Versteile zitiert wurden und welche nicht, entnehmen Sie bitte der nächsten Frage.

Belege für Häretiker und unechte Schriften

Der enkratitische Ketzer Tatian (um 172 n. Chr.) verfasste eine Zusammenstellung der vier Evangelien mit dem Titel „Diatessaron“, was so viel wie „durch die vier“ bedeutet. Darin bezieht er sich auf 839,12 Verse im Matthäusevangelium. Das entspricht 78,4 % des gesamten Matthäusevangeliums.

Der manichäische Ketzer Faustus-Milevis (383–400 n. Chr.) zitiert Matthäus 1,1 als von Matthäus stammend. Augustinus’ „Antwort an Faustus den Manichäer“, Buch 23, Kap. 1, „Nicene and Post-Nicene Fathers“, Erste Reihe, Band 4, S. 313

3. Die frühesten uns vorliegenden Handschriften des Matthäus-Evangeliums weisen zwar geringfügige handschriftliche Abweichungen auf, jedoch keinerlei theologisch bedeutsame Fehler. Die noch erhaltenen Handschriften des Neuen Testaments, die vor 325 n. Chr. kopiert wurden, enthalten 91,7 % des Matthäus-Evangeliums, d. h. 982,07 von 1071 Versen. Einzelheiten hierzu finden Sie unter https://biblequery.org/Bible/BibleReliability/EarlyChristianNTQuotes.xlsx.

p1 (=Papyrus Oxyrhynchus 2) Mt 1,1–9,12,14–20; (nicht 2,14) (ca. 200 n. Chr.) alexandrinischer Text

Hier sind die veröffentlichten Datierungen für diese Handschrift aufgeführt.

3. Jahrhundert – 1968 – „The Text of the New Testament“

3. Jahrhundert – 1975 – Aland, 3. Auflage

3. Jahrhundert – 1990 – Comfort, „Frühe Handschriften und moderne Übersetzungen des Neuen Testaments“

3. Jahrhundert – 1998 – Aland, 4. überarbeitete Auflage

Mitte des 3. Jahrhunderts, ähnlich wie p69 – 1999 – Comfort, „Der vollständige Text der frühesten Handschriften des Neuen Testaments“

Es gibt einen Einband mit einer Inschrift. Während O’Callaghan der Ansicht ist, es könnte sich um Matthäus 2,14 handeln, verneint Philip Comfort in „Der vollständige Text der frühesten neutestamentlichen Handschriften“, S. 29, dies, da die Schrift von einer anderen Hand stammt und der Rand oberhalb der drei unterbrochenen Linien größer ist als im restlichen Matthäus-Text. Bei diesem Text könnte es sich um eine Unterüberschrift oder einen Titel gehandelt haben.

S. 19 (= Papyrus Oxyrhynchus 9) Mt 10,32–11,5

Überwiegend westlicher Text

4. oder 5. Jahrhundert – 1968: „The Text of the New Testament“

S. 21 (= Papyrus Oxyrhynchus 10) Mt 12,24–26, 31–33 (stimmt mit Bezae Cantabrigiensis und dem korrigierten Sinaiticus überein)

S. 25 (=Papyrus 16388, heute verloren. Befand sich vor dem Zweiten Weltkrieg in Berlin) Mt 18,32–34; 19,1–3, 5–7, 9–10

Ende des 4. Jahrhunderts – 1968 – Der Text des Neuen Testaments. Westlicher Text

S. 35 Mt 25,12–15,20–23 (3. Jahrhundert)

Möglicherweise 4. Jahrhundert – 1968 – Der Text des Neuen Testaments. Zwischen alexandrinischem und westlichem Text

S. 37 (= Ann Arbor 1570) Mt 26,19–52 (Mitte des 3. Jahrhunderts) Die Handschrift ähnelt den Briefen des Heroninos (256 und 260 n. Chr.)

3./4. Jahrhundert – 1969 –

S. 45 Chester Beatty I (alle vier Evangelien und die Apostelgeschichte) (100–150 n. Chr.) (früher auf das späte 2. oder frühe 3. Jahrhundert n. Chr. datiert) (Mt 20,24–32; 21,13–19; 25,41–26,39, Teile aus Markus, Lukas und Johannes) Die ursprüngliche Schriftrolle umfasste etwa 220 Blätter, von denen uns 30 erhalten sind. Zwei dieser 30 Blätter stammen aus dem Matthäusevangelium.

p53 (= Papyrus Michigan Inv. 6652) Mt 26,29–40 und Apg 9,33–38; 3 Buchstaben der 124 Buchstaben in 9,39; 9,40–10,1. (ca. 260 n. Chr.) Die Datierung stützt sich auf Ähnlichkeiten mit Buchstaben des Heroninos aus der Zeit um 260 n. Chr. Es handelt sich um einen gemischten Text.

p64 (Magdalen-Papyrus), p67 ca. 200 n. Chr. Der Papyrus p64 enthält Matthäus 26,7 sowie weniger als die Hälfte der Buchstaben von Vers 8; 26,10,14–15,22–23,31–33 (auf drei Fragmenten). P64 wurde 1901 in Ägypten erworben, stand Wissenschaftlern jedoch erst 1953 zur Verfügung. P67 enthält Matthäus 3,9.15; 5,20–22,25–28.

p70 (= Papyrus Oxyrhynchus 24) Mt 2,13–16; 2,22–3,1; 11,26–27; 12,4–5; 24,3–6,12–15. (3. Jahrhundert) P70 weist ein deutlich abweichendes Epsilon auf, und die Handschrift ähnelt der von P. Medici 13 (aus dem Buch Kohelet) aus dem 3. Jahrhundert.

3. Jahrhundert – 1968: „Der Text des Neuen Testaments“.

P. 71 (= Papyrus Oxyrhynchus 2385) enthält Mt 19,10–11,17–18 (4. Jahrhundert)

4. Jahrhundert – 1968 – „Der Text des Neuen Testaments“. Stimmt mit dem Vaticanus überein

S. 77/S. 103 enthält Mt 23,30–39 (S. 77); 13,55–57; 14,3–5 (Mitte bis Ende des 2. Jahrhunderts)

S. 83 enthält Mt 20,23–25,30–31; 23,39; 24,1,6 (6. Jahrhundert)

S. 86: Mt 5,13–16,22–25 (um 300 n. Chr.)

S. 101 (= Papyrus Oxyrhynchus 4401) aus dem 3. Jahrhundert enthält Mt 3,10–12; 3,16–4,3

S. 102 (= Papyrus Oxyrhynchus 4402), um 300 n. Chr.: Mt 4,11–12, 22–23

S. 103 (= Papyrus Oxyrhynchus 4403) enthält Mt 13,55–57; 14,3–5 (2. bis 3. Jahrhundert)

S. 104 (= Papyrus Oxyrhynchus 4404) (frühes bis mittleres 2. Jahrhundert) enthält Mt 21,34–37, 43, 45?

S. 110 (= Papyrus Oxyrhynchus 4494) enthält Mt 10,13–14, 25–27 (4. Jahrhundert)

pAntinoopolis 2.54 (3. Jahrhundert) enthält das Vaterunser: Mt 6,10–12. Es scheint, dass diese Handschrift ursprünglich ausschließlich aus dem Vaterunser bestand.

0171 (um 300 n. Chr.) enthält Mt 10,17–23, 25–32

Vaticanus [B] (325–350 n. Chr.) und Sinaiticus [Si] (340–350 n. Chr.) enthalten das gesamte Matthäusevangelium.

Alexandrinus [A] (um 450 n. Chr.) hat nur Matthäus 25,7 bis zum Ende bewahrt.

Bohairisches Koptisch [Boh] 3./4. Jahrhundert

Sahidisches Koptisch [Sah] 3./4. Jahrhundert

Peshitta-Syrisch [Syr P] 400–450 n. Chr.

Ephraemi Rescriptus [C] 5. Jahrhundert

Armenisch [Arm] ab dem 5. Jahrhundert

Georgisch [Geo] ab dem 5. Jahrhundert

Äthiopisch [Eth] ab ca. 500 n. Chr.

Gotisch 493–555 n. Chr.

Weitere Informationen zu frühen Handschriften des Matthäusevangeliums finden Sie unter www.BibleQuery.org/MatthewManuscripts.html.

F: Welche Verse und Versteile aus dem Matthäusevangelium wurden von vor-nikänischen Schriftstellern (vor 325 n. Chr.) zitiert?

A: Vor dem Jahr 325 n. Chr. zitierten kirchliche Autoren etwa 87,5 % der Verse im Matthäusevangelium. Das sind 937,31 Verse. Mit anderen Worten: Mit Ausnahme von 133,69 Versen wurden alle 1071 Verse des Matthäusevangeliums zitiert. Alle Einzelheiten finden Sie unter https://biblequery.org/Bible/BibleReliability/EarlyChristianNTQuotes.xlsx. Tatianus’ „Diatessaron“ bezieht sich auf 839,12 der 1.071 Verse des Matthäusevangeliums.

F: Gibt es noch heute erhaltene Handschriften des Matthäusevangeliums, die älter datiert sind?

A: Die Datierung des Magdalenen-Manuskripts (p64 + p67) ist umstritten.

Die meisten sind sich einig, dass es vor dem 3. Jahrhundert n. Chr. verfasst wurde, da es auf Papyrus geschrieben ist – eine Schreibweise, die nach Beginn des 3. Jahrhunderts nicht mehr verwendet wurde.

Frühere Datierung (ca. 50–64/65 n. Chr.): Dies ist die Ansicht von Carsten Thiede, einem deutschen Papyrologen. Es gibt drei Argumente, die diese Ansicht stützen.

1) Unziale: Der Magdalenen-Papyrus war ein in Unzialschrift (in Großbuchstaben) verfasster Papyrus, wie er bis zur Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. verwendet wurde.

2) Vergleich der Handschrift mit Texten aus der Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr., die in Pompeji und Herculaneum gefunden wurden

3) Spekulativ betrachtet begannen Christen, die ihre Schriften bewahren wollten, möglicherweise schon früher mit der Verwendung von Kodizes.

Dies stand im „Time Magazine“ (23. Januar 1995). Siehe „The Real Jesus“, S. 78, für eine Erörterung – jedoch nicht unbedingt eine Befürwortung – dieser Ansicht.

Neues Testament-Manuskript aus späterer Zeit (2. Jahrhundert n. Chr.). Im „Expositor’s Bible Commentary“, Band 8, S. 20, heißt es, dass sich mittlerweile die Ansicht durchsetzt, dass das Matthäusevangelium zwischen 80 und 100 n. Chr. verfasst wurde.

Kodex: Es scheint aus einem Kodex (Buch) zu stammen, und die Schreiber stellten im 2. Jahrhundert von Schriftrollen auf Bücher um.

Spekulativ betrachtet wurden vielleicht einige Unzialen wie diese erst später angefertigt. Burton Macks skeptisches Buch „Who Wrote the New Testament?“ S. 9–10, steht Thiedes Datierung zwar sehr kritisch gegenüber, besagt jedoch, dass Unzialschriften möglicherweise noch bis ins Jahr 85 n. Chr. entstanden sein könnten. Diese Aussage ist schwer nachvollziehbar, da Aland et al. in „The Greek New Testament“, 4. überarbeitete Auflage, zeigen, dass Unzialhandschriften sogar noch bis ins 9. Jahrhundert verwendet wurden – also viel später. Möglicherweise bezog sich Mack auf den besonderen Stil der Unzialschrift auf Papyrus.

Fazit: Auch wenn wir nicht wissen, wann die ersten Kodizes entstanden sind, halten selbst die konservativsten Gelehrten an einer Datierung in die Mitte des 1. Jahrhunderts fest.

Footnotes

  1. Siehe Milligan, „Selections from the Greek Papyri“, 1910, S. 35. 238.

    ↩